Bedrohung der Meere: Wie Überfischung den Ozean zerstört ...

Die "Bedrohung der Meere" ist für die meisten Menschen nur eine Schlagzeile ohne konkrete Bedeutung. Doch diese Bedrohung ist real und hat weitreichende Folgen für den ganzen Planeten. Lesen Sie in diesem Artikel, wie man sich diese Bedrohung vorstellen kann und was Sie persönlich gegen die Zerstörung der Meere tun können.

1. Einleitung

Roter Seemanns-Pulli, grauer Bart und dazu die Bewohner des Meeres: Zu Zeiten des Kapitän Nemo war die Welt der Meere noch in Ordnung. Zwar war er immer am Nörgeln, doch um ihn herum erschien eine Schönheit im „blauen“ Kleid. Die Rede ist natürlich vom Meer. Für manche das große Ungewisse, für andere beschreibt es unzählige schöne Facetten in Einem.

UnterwasserweltNemo tauchte mit seinem U-Boot in diese Schönheit ein, versuchte sich in einer eigenen Unterwasserwelt vor dem bevorstehenden Chaos abzuwenden und versagte. Aber warum versagte er?

Jules Verne, der Autor der Geschichte Nemo, vermochte damals noch keine meeresbiologischen Abhandlungen zu beschreiben, geschweige denn die eigentlichen Gründe des Versagens darzustellen.

Könnte man beispielsweise die Krake, die das Ende des Kapitäns bedeutete, nicht einfach aus der Szene streichen, die persönlichen Probleme des Kapitäns über Bord werfen und Nemo damit neu erfinden?

Schlüpfen Sie also mit in den Tauchanzug, kommen Sie mit an Bord, in eine Welt, die vielleicht ganz neue Erkenntnisse an die Oberfläche bringt, die selbst für Sie ganz neu und aufschlussreich sind. Auf dem Weg nach unten, ins unendliche Nass, schauen Sie sich einfach mal um. Ja, treten Sie an das Bullauge und wagen Sie einen Blick.

Unzählige Fischarten schwimmen an Ihnen vorbei. Der rote Thunfisch, der Kabeljau und sogar ein Dornhai lassen sich von Ihnen bestaunen. Ein Blick nach oben zeigt Ihnen, dass auch die Fischer in ihren kleinen Fischerbooten, die Vielfalt zu schätzen wissen und für das Abendbrot “nur“ das eine oder andere Fischlein heraus angeln. In der Ferne erkennen Sie Dank des klaren Wassers eine Walfamilie, vielleicht auf dem Weg in die Arktis?

Ein großer Weißhai versucht am Boot zu knabbern, zum Glück ohne Erfolg. Nun wird der Blick immer schwieriger. Nicht wegen des Hais, der ist schon in eine andere Richtung abgewandert. Vielmehr befinden wir uns seit einigen Sekunden in der so genannten Tiefsee, 1000 Meter, 2000 Meter und ein lautes Knarren signalisiert uns, dass wir am Meeresboden angekommen sind.

Seltsame Kriechtiere stellen sich Ihnen am Fenster vor. Der Boden erscheint wie ein Strand unter Wasser, nur etwas belebter. Ob Krebs, Seeaal oder Steinfisch: Sie alle freuen sich auf Ihren Besuch und tanzen förmlich um das Boot. Keine Spur von Angst, hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, oder? Ein lautes Quietschen holt Sie aus dieser Geschichte, wir tauchen wieder auf.

Sie verlassen also den leblosen Meeresboden, das unendliche Nass erscheint plötzlich trüb und dreckig. Kein Fisch zeigt sich während des Aufstiegs, nicht einmal ein einfacher Hering möchte von Ihnen bestaunt werden, unglaublicher Lärm wird wahrgenommen. Oben an der Oberfläche angekommen, versuchen Sie, zwischen Öltankern und Trawlern, den großen Fabrikschiffen der Fischereien, einen freien Platz zu reservieren.

Willkommen in der Realität. In einer Welt, die noch vor einigen Jahren Nemos ähnlich sah. Heute ist sie aber meilenweit davon entfernt und wird von Menschenhand immer weiter ausgebeutet. Sie wundern sich wahrscheinlich, warum ich diese Art von Einleitung gewählt habe. Der Grund dafür erscheint aber selbsterklärend.

So ist die Erzählung von Jules Verne eine spannende und farbenfrohe, dagegen sieht die Realität ganz anders aus. Gerade weil diese letztere so gravierende Sturzflüge hinter sich hat, wollte ich ebenfalls lebendiger beschreiben und vielleicht auch so auf einen Schriftsteller aufmerksam machen, der es damals verstand, die Umweltproblematik mit spannenden Geschichten interessant zu schildern. Folgen Sie mir also nicht mehr im Boot, sondern lassen Sie sich an die Hand nehmen und durch die Welt der Meere und deren wahren Problemen führen.

2. Überfischung

2.1 Bevölkerungswachstum stellt Nachfrage

Heutzutage muss man eigentlich nicht in die Ferne schauen, um eines der gravierendsten Probleme rund um das Ökosystem Meer zu erkennen. Die Anfänge liegen zwar weit in der Vergangenheit und doch uferte schon damals die eigentliche Problematik aus: Die Bevölkerungsgröße.

1804 war das Jahr der Aufstände, der Kriege. Neben dem ersten serbischen Aufstand gegen die Osmanen tobte beispielsweise in der Schweiz der Bockenkrieg. Im gleichen Jahr wurde aber auch erstmals eine andere Krise schriftlich festgehalten, ohne sie als solche erkennbar zu klassifizieren. So wurden 1804 eine Milliarde Menschen auf der Welt gezählt, eine Zahl, die vor gut 200 Jahren nur der gehobenen und damit gebildeten Schicht bekannt war.

Schon gute 120 Jahre später verdoppelte sich diese Zahl um eine weitere Milliarde, die wiederum 1960 die drei Milliarden-Grenze sprengte. (Quellennachweis 1) Die Bevölkerungsdichte explodierte förmlich und wies den Wissenschaftlern auf, dass es hier keine sichtbaren Grenzen gibt.

Heute, im 21. Jahrhundert leben geschätzte 6,7 Milliarden Menschen auf unserem Planeten Erde. (Quellennachweis 2) Sie alle gehen, auch wenn es gerade in den reichen Industrieländern nicht so erscheint, einem regelrechten Überlebungskampf nach. Sie versuchen jeden Tag aufs Neue Geld zu verdienen, um damit dann Familie und Freunde zu ernähren. Ihre Nachfrage, in diesem Fall nach den Ressourcen der Meere, führt seit Jahren dazu, dass die Nachhaltigkeit weichen muss.

Aber gerade sie sorgt dafür, dass sich Fischarten weiter fortpflanzen können, sich Fischbestände wieder erholen und dass bedrohte Arten erst gar nicht auf unsere Teller gelangen. Wie ernst die Lage ist, zeigen die Zahlen der GEO 6/2007: Die Ausgabe „Der geplünderte Ozean“ schreibt, dass für fast die Hälfte der Erdbewohner, rund 2,6 Milliarden Menschen, Fisch und Meeresfrüchte zur wichtigsten Proteinbasis der täglichen Nahrung zählen.

Alleine in Deutschland verspeist jeder Bundesbürger durchschnittlich 15 Kilogramm Fisch im Jahr und liegt damit laut wissenschaftlichen Auswertungen knapp unter dem weltweiten Mittelwert. (Quellennachweis 3) Welche Massen aus den Ozeanen gefischt werden, ist nur bedingt bekannt. So sind die Zahlen gekoppelt an den festgelegten Fangquoten, den internationalen Abkommen der Länder untereinander und natürlich der Fischpiraterie.

Die Gesamtmenge der Fischernte betrug im Jahr 2006 141,4 Millionen Tonnen (Quellennachweis 4) und scheint damit eine Grenze erreicht zu haben, die dem Meer jedes Jahr schmerzhaft fehlt. Diese reichhaltige Ernte führte zur Einführung eines neuen Begriffs, der die heutige Fischerei und das Aussterben der Artenvielfalt beschreibt: Die Überfischung.

2.2 Hightech gegen Kutter

FischfabrikÜberfischung ist erst einmal ein Begriff, mit dem nur wenige etwas anfangen können. Vielleicht ist ein Vergleich mit der Überdüngung, die oftmals auf unseren landwirtschaftlichen Flächen passiert, angebracht und auch bekannt. Was also die zusätzlichen Nährstoffe für den Boden sind, beschreiben die auf den Meeren in Massen auftretenden Trawler.

Doch ist diese Art von Vergleich nicht plastisch genug - er zeigt nicht die verheerenden Ausmaße der Katastrophe „Überfischung“. Besser: Man stelle sich vor, wir würden Hirsche, Kaninchen und Wildschweine jagen, indem wir die Wälder abholzten.

Was wirklich damit gemeint ist, wird erst bei der Betrachtung des „Wies“ bewusst. Technische Neuerung in der Fischerei kommen meist aus Europa: Hier waren die Fischgründe schon damals weniger ergiebig und die Konkurrenz größer, alleine die Nordsee teilten sich acht Staaten. 1881 bauten die Briten den ersten dampfgetriebenen Trawler, und mit den Dampfschiffen setzte sich ab 1892 auch das Grundschleppnetz durch. (Quellennachweis 5)

Heutige Trawler haben mit den damaligen Schiffen nur noch die schwimmende Eigenschaft gemeinsam. Die so genannten „Supertrawler“ sind meist über 100 Meter lang und verfügen über weit mehr als 2000 Tonnen Ladekapazität (Quellennachweis 6) – sie führen eine komplette Fischereifabrik in sich. (siehe Abb. rechts)

Die Grundschleppnetzfischerei führt dazu, dass durch die kilometerlangen Netze, die hinter den Schiffen durch das Meer gezogen werden, auch die Bodenkultur völlig zerstört wird.

Es handelt sich dabei um Netze, die mit tonnenschweren Gewichten in die Tiefen der Meere herabgelassen werden und oftmals nur kleine Lücken zwischen Meeresboden- und Oberfläche zulassen.

Damit geraten auch laichfähige-, bedrohte- und vom Fischfang ausgeschlossene Arten in die Fänge der Fischerei. Die mit seitlichen Scherbrettern bestückten Schleppnetze hinterlassen bei ihrer Arbeit eine Spur der Vernichtung: Sie reißen Korallenpolypen und ganze Riffe entzwei, zertrümmern die Refugien von Millionen von Jungfischen, verwandeln die Unterwasser-Gärten in finstere Wüsten.

Andere Trawler durchkämen das offene Meer mit Netzen, in die sechs Jumbojets im Formationsflug hineinpassen würden und die, zusammen genäht, mehrmals den Globus umspannen könnten. (Quellennachweis 7) Als wenn diese Art der Fischerei noch nicht ausreichen würde, setzen andere Fischereiverbände auf elektronischem Hightech.

Heute werden etwa Thunfischschwärme mit Kleinflugzeugen und Hubschraubern per Schattierungen, Satelliten und Funkbojen gejagt und ihre Positionen an die Fangflotte weitergegeben. Ein voll beladenes Schiff fährt aber nicht sofort den nächsten Hafen ab, um die Fracht zu löschen. Diese Aufgabe erfüllen die vielen Beiboote. Sie sind mit Lagerhallen-großen Kühlräumen ausgestattet, in denen der Fang einfach umgelagert wird - der Trawler fischt einfach weiter!

A: Normaler Bewuchs des Meeresbodens (felsig). B: Felsiger Boden nach Fischen mit Grundschleppnetz. Beide Aufnahmen etwa in gleicher Tiefe
(Beide Bilder mit Erlaubnis von CSIRO Marine Research.)
19.06.2018 © seit 06.2009 Markus Henkel  

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