Google: Eine Weltmacht im Internet

Google eine Weltmacht Eine Zeile, in der man einen oder mehrere Begriffe per Tastatur eintippt und innerhalb von Sekundenbruchteilen eine Trefferliste erhält – das beschreibt, so denken viele, den Internetprimus und Suchmaschinenbetreiber Google. Doch Google ist bei Weitem mehr als nur eine beliebte Suchmaschine.

Was am 7. September 1998 in einer Garage begann, sucht heute akribisch nach neuen Daten-Kanälen, die den enormen Hunger der Suchmaschine nach Daten weiter stillen sollen. Treu nach dem Motto: Don´t be Evil.

Das kalifornische Mountain View, der Hauptsitz der Firma Google. Zwischen groß angelegten Grün- und Sportanlagen hat sich hier eines der erfolgreichsten Unternehmen seine eigene in sich geschlossene Welt geschaffen. Die Google-Welt besitzt gegenüber der uns bekannten sogar ein regelrechtes Flowerpower-Flair, das den Besucher packt, sobald dieser die Google-Zentrale, auch Google-Campus oder Googleplex genannt, betritt.

Neben einen eigenen Bustransfer gibt es auch die eigene Wäscherei, eine eigene Bibliothek und ruhige Erholungsecken. Schon fast von der Außenwelt abgeschottet, verfolgen dort hoch motivierte Mitarbeiter neben Suchmaschinenoptimierung auch viele andere Projekte.

Das Geschäftsmodell und das eigentliche Vorgehen Googles ist dabei nicht nur einzigartig. Vielmehr können Modell und Vorgehen dazu führen, dass der weltweite Informationsfluss in einigen Jahren von nur einem Unternehmen kontrolliert wird. Eine Kontrolle, die mit Hilfe von Millionen Daten Google zu einer Weltmacht machen könnte.

Ein Satz aus vergangener Zeit verdeutlicht, was auf Internetnutzer zukommen könnte: "Ich lade mir das Internet herunter". Als Google-Gründer Larry Page diesen Satz beim Verlassen einer Vorlesung an der Harvard University sagte, wurde er noch von seinem Professor belächelt. Seit gut zehn Jahren wissen wir es besser. Doch Page und sein Freund und Mitinitiator Sergey Brin entwickelten nicht nur eine Suchmaschine, die als freundlicher Wegweiser im Internet bereitsteht. Sie schufen mit ihr in erster Linie ein Welt-Unternehmen.

Google hat den Markt durch die Etablierung eines neuen Typus des Anzeigenwesens regelrecht revolutioniert: die Online-Werbung. Gegenüber herkömmlicher Reklame lässt sich nämlich online die Werbung durch spezielle Techniken steuern, etwa nach Alter, Geschlecht oder persönlichen Interessen der Nutzer.

Das Jahr 2007 zeigte, wie lukrativ dieses Geschäft sein kann. Nach einem Bericht des Branchenverbandes Bitkom wurden von allen Onlineangeboten weltweit 976 Millionen Euro durch das Schalten von sogenannten Bannern oder virtuelle Werbeanzeigen erwirtschaftet. Dieses Erwirtschaften zeigt, wie wertvoll Datensätze heutzutage sind.

AdWord: Die einfache Werberevolution

Und genau diese Onlinewerbung ist das Spezialgebiet von Google. Das Prinzip ist simpel und geheimnisvoll zugleich. Firmen zahlen für gezielte Anzeigenschaltung, um ihren Kunden von Morgen erreichen zu können. Das war und ist eine einzigartige Idee. Während bei Yahoo und anderen Suchmaschinen es damals noch fette Werbebanner und Imagewerbung gab, welche nicht spezifisch auf die möglichen Bedürfnisse des Nutzers ausgerichtet waren, schaffte es Google schon damals durch gezielte Werbung Geld zu machen.

Dass dabei personenbezogene Daten ungefragt auf amerikanischen Servern abgespeichert werden, geht dank der Unwissenheit der Bürger unter. Google ist damit auch eines der ersten Unternehmen, das die Zweiweg-Kommunikation geschäftlich umgesetzt hat. Also die Form der Kommunikation, bei der eine Botschaft nicht nur vom Sender zum Empfänger, sondern ebenso eine Botschaft vom Empfänger zum Sender übertragen werden kann – vom Suchenden an Google und andersherum.

Wenn Sie also einen Begriff in den Suchmaschinenschlitz eingeben, schaltet Google dazu zusammen mit den Suchergebnissen passende Werbeanzeigen. Diese Werbelinks sind rechts neben den Resultaten zu finden.

Wer auf einen solchen Link klickt, wird automatisch auf eine Seite geführt, wo es das zum Suchbegriff passende Produkt zu kaufen gibt. Das verlinkte gewerbetreibende Unternehmen zahlt für diesen Klick an Google eine vertraglich ausgehandelte Summe.

AdWord nennt sich diese "googlelische" Werbeform und bis hierhin sind lediglich die vom US-Unternehmen erhobenen Daten infrage zu stellen. Doch bei näherem Betrachten fällt auf, dass gerade diese auf Google-Servern liegenden Daten die laufenden Diskussion über den Datenschutz immer wieder anheizen.

„Das Unternehmen analysiert die Suchanfragen regelrecht“, ist sich Gerald Reischl, Autor des Buches „Die Googlefalle“, sicher: „Es werden mit Sicherheit die IP-Adresse des Rechners, der für die Suche benutzt wurde, die Google-Domain (com, de, at etc.), Tag, Uhrzeit, der eingetippte Suchbegriff oder die Begriffe, sowie technische Informationen über den Browser (Firefox, Internet Explorer, Safari) und das Betriebssystem abgespeichert“, erklärt er.

Laut eigenen Informationsvideos von Google stimmt die Vermutung von Reischl. In diesen wird spielerisch und oftmals verniedlicht dargestellt, was und wie gespeichert wird. Doch aus den Videos geht nicht hervor, was mit den Daten passiert, geschweige denn, was zusätzlich noch abgespeichert wird. Das erfährt der Nutzer erst, wenn er sich die Arbeitsweise eines Tools namens Google-Analytics anschaut.

Google-Analytics: Das größte Spionagewerkzeug der Welt

Reischl und andere Kritiker, dazu gehören auch die Datenschutzbeauftragten der Welt, sehen in diesem Internetseiten-Analyse-Tool das größte Spionagewerkzeug überhaupt. Es zeichnet alle Klicks und die schon beschriebenen Daten mit. Für die Besucher von Webseiten ändert sich nichts. Das Programm läuft inkognito, also unerkannt, im Hintergrund.

Dabei ist die Software nicht nur fragwürdig, sondern wird zudem auch von den meisten Betreibern von Internetseiten unerlaubt betrieben. Selbst Google weist auf diese rechtliche Schwierigkeit hin, setzt aber auch keine Akzente, um dem entgegenzuwirken. So steht in Googles Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), dass bei der Tool-Nutzung ein sichtbarer Hinweis auf der jeweiligen Homepage angebracht werden muss.

Wie viele dieser Bedingung nachkommen, ist schwer nachzuprüfen. Wenn man sich allerdings die Zeit nimmt und einfach mal aus 20 Seiten wählt, die diese Software nutzen, stellt man schnell fest, dass nur ein geringer Teil dieser Anweisung nachkommt. Die Rede ist von den Amateuren oder Halbprofis, die den Großteil des Internet-Inhaltes bereitstellen. Sie ziehen oftmals erst einen Rechtsbeistand hinzu, wenn es zu spät ist. Welche Seiten ein solches Pixel in ihre Seite eingepflegt haben, kann man bei Nutzung des Mozilla Firefox mit dem Add-on "Counterpixel" herausfinden.

Und spätestens jetzt wird die Wichtigkeit dieses Hinweises in kombinierter Nutzung von einem weiteren Angebot Googles klar: Google-Mail; außerhalb Deutschlands und Österreichs auch Gmail genannt. Google-Mail deshalb, weil sich ein anderer Namensfinder die Rechte an Gmail gesichert hat. Besitzen Sie ein solches Konto, so haben Sie sich bei diesem Dienst mit Ihrem Namen angemeldet, der bei jedem Login erkannt wird.

Nach erfolgreichem Login und E-Mails lesen, entscheiden Sie sich noch etwas herumzusurfen, ohne sich auszuloggen. Fortan befinden Sie sich in einer neuen Situation, die für Sie nicht ersichtlich ist. Über Google-Analytics kennt Google nun nicht nur alle betätigten Klicks Ihrerseits, es kopiert dazu auch Ihren Namen. Falls Sie in Zukunft also fragwürdige Inhalte betrachten wollen, sollten Sie das ganze Drumherum berücksichtigen. Google ist in der Lage, mit bestimmten Diensten wie etwa Google-Mail, den angeklickten Inhalt auch namentlich zuzuordnen.

Das Warum bleibt fragwürdig

Auch wenn Unternehmen durch diese Klickstatistik ihre Seiten kundenfreundlicher gestalten, sie optimieren wollen, fragen sich viele Datenschützer, warum auch Google diese Daten langfristig speichern muss. Das scheint aber in allen Bereichen Googles ein Kernproblem zu sein. „Privatsphäre und Datenschutz sind dem Unternehmen relativ gleichgültig – dass man mit Peter Fleischer einen weltweit agierenden und eigenen Datenschutzbeauftragten beschäftigt, ist reine Alibi-Aktion“, so Buchautor und Googlekritiker Reischl zum Sammelzwang Googles.

Wer letztendlich verantwortlich ist, und welches Recht anzuwenden ist, da gibt es große Meinungsunterschiede. „AGB-Recht würde nur gelten, wenn der Vertragspartner in Deutschland säße, was Google Inc./USA nicht tut. Während wir sagen, dass Google Deutschland als Vertreter von Google Inc. herangezogen werden kann, weist Google das weit von sich“, ergänzt Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter Schleswig-Holstein.

Nach zahlreichen Protesten speichert Google die Daten der Nutzer „nur“ noch neun statt früher 18 Monate lang – immer noch zu lange, findet Reischl, wie viele andere Kritiker auch. Immerhin ist die Einheit Monat in der IT-Zeitrechnung fast eine Ewigkeit. So haben Handys eine durchschnittliche Lebensdauer von 18 bis 24 Monaten, Computer und MP3-Player halten kaum länger.

Daten speichern Warum also das lange Abspeichern unserer Daten? „Wir haben sehr viele Innovationen aus diesen Datensätzen gewinnen können“, erzählt dazu die Google-Ingenieurin und Vizepräsidentin Marissa Mayer in der Dokumentation „Die Welt ist eine Google“.

„Datensätze, die wir aus den gespeicherten Suchanfragen gebildet haben, waren zum Beispiel ein zentraler Baustein, der die beliebte Rechtschreibkorrektur verbessert hat“, rechtfertigt Googles First Lady das Speichern.

Was sie damit meint, ist nur zum Teil nachvollziehbar. Wenn Sie etwa einen Begriff wie „Fluzeu“ in den Suchschlitz eingeben, zeigt Google über den eigentlichen Suchergebnissen eine Meldung: Meinten Sie Flugzeug? Warum dafür allerdings Millionen Daten auf Jahre hin abgespeichert werden, blieb in der Dokumentation unbeantwortet.

Betrachtet man den 2004 herausgebrachten Dienst Google-Mail getrennt von allen anderen Diensten, so müsste alleine schon hier Datenschutz-technisch einiges passieren. Google bietet zwar seinen Kunden neben einem unschlagbaren Speicherplatz von zurzeit sieben Gigabyte, zusätzliche Features, wie etwa das mobile Abrufen der Mails per Handy an – natürlich alles kostenlos, doch hat dieser Dienst auch einen Haken, der nicht nur den Google-Mail-Nutzer in den „Scanner“ zieht.

So wird jede E-Mail von Google nach Schlüsselwörtern gescannt. Der Clou: Sind Sie kein Google-Mail-Nutzer, antworten aber auf eine Google-Mail, wird auch Ihr Inhalt gescannt – obwohl Sie den Bestimmungen nicht zugestimmt haben. Dafür garantiert der Dienst dem Kunden eines Google-Mail-Kontos keine Pop-up-Werbung oder irrelevante Werbebanner. Stattdessen werden dem Nutzer nur Textanzeigen und entsprechende Links angezeigt, die dank der gescannten Schlüsselwörter individuell im Postfach erscheinen. Warum allerdings fremde Inhalte, also Ihre Antworten, nach Schlüsselwörtern gescannt werden, blieb von Seiten Googles unbeantwortet.

„Was letztendlich zur Kritik geführt hat, waren Nachrichten wie beispielsweise "Google, der Big Brother des Internets, scannt den Inhalt der Mails". Was uns hier ein wenig erstaunt hat, war die Unkenntnis darüber, was eigentlich mit jeder Mail passiert. Es wird einfach jede elektronische Nachricht gescannt, egal, bei welchem Anbieter Sie Ihren Account haben. Nur so können Spamfilter oder Virenscanner zuverlässig funktionieren“, verteidigt Google Deutschland das Scannen.

Eine Aussage, die allerdings andere kostenlose E-Mail-Anbieter überraschte. „Diese Aussage trifft auf die freenet AG nicht zu. Freenet arbeitet mit einem Kontroll-Summen-Algorithmus, der jede E-Mail auf einen Code von nur wenigen Bytes reduziert, der keinerlei Rückschlüsse auf den ursprünglichen Inhalt der E-Mail zulässt“, sagt beispielsweise Yasmin Maddi, Sprecherin der freenet AG, zu diesem Thema.

Auch GMX und Yahoo schließen sich dieser Aussage an. So sagt Evy Heil, Geschäftsführerin von GMX: „Die Behauptung, GMX scanne die E-Mails seiner Kunden, vergleichbar der von Google praktizierten und kommunizierten Vorgehensweise, bei der Inhalte von Mails ausgelesen werden, ist „grob“ falsch“.

Warum dieses Scannen und Erheben von Daten noch immer zulässig ist, weiß der Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert: „Es gilt US-Recht. Faktisch gesehen, besteht somit kein Datenschutz. Wer also so fahrlässig ist, Google-Mail und Co. zu nutzen, weil alles kostenlos angeboten wird, muss wissen, dass er sich auf eine Datenkrake einlässt“, so der Datenschützer. „Als Alternative gibt es zum Beispiel auch deutsche E-Mail-Dienste, die kostenfrei sind und sich an deutsche Gesetze halten“, sagt Weichert weiter.

Street View: Das etwas andere Fotoshooting

Die Welt digital abbilden, sie per Computer sogar erleben. Das ist Googles Vision der Google-Welt. Eines dieser Abbildungen ist bei Nutzern besonders beliebt und kommt dem Google-Ideal ziemlich nahe: Street View. In der realen Welt werden dafür die Straßen fotografiert, digitalisiert und ins Netz gespeist.

Bilder von Städten Am Rechner selbst kann man diese Straßen mitsamt den Häusern dann einfach per Mausklick abfahren. Eine detailliertere Ansicht also zu Google-Maps. Letzteres bietet eine zoomfähige Weltkarte an.

Über die Zoomfunktion plant der Nutzer nicht nur Routen, sondern kann sich sogar in den Straßenzügen orientierten. Diese Orientierung und Einsicht in die Straßenzüge wird zusammen mit Street View, der Fußgänger-Perspektive, sehr lebendig.

Zu den Straßen und Gebäuden können die Nutzer sogar Videos per YouTube hinzufügen. Mit einem Klick auf die Örtlichkeit werden so Bild-, Text- oder Videoinformationen geöffnet. Diese Applikation brachte dem Ort Molfsee, bei Kiel, im September 2008 viel Publicity ein. Hier wehrte sich ein Politiker zusammen mit den Einwohnern gegen das Abfotografieren der Straßen und Häuser und vielleicht damit auch gegen den gläsernen Bürger?

Dennoch, Google sah diesem Treiben sehr entspannt zu. „Ich nenne Ihnen mal ein paar Städte, die wir in Street View aufgenommen haben und noch aufnehmen werden. Frankfurt, Berlin, Köln, Hamburg, Hannover“, erzählt Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland. Nach einer kurzen Pause fügt er lächelnd den 4000 Seelenort Molfsee hinzu und fragt: „Fällt Ihnen was auf“?

Und tatsächlich scheint der Aufstand des neuen gallischen Dorfes ein gut geplanter Werbegag zu sein. So standen zum besagten Zeitpunkt in Molfsee Wahlen vor der Tür und der amtierende CDU-Fraktionschef Reinhold Harwart brachte das kleine Örtchen mit seiner Kampagne sogar in die Tageszeitung. Trotz dieser amüsanten Berichterstattung weist Street View einige Gefahren auf.

„Mit der Veröffentlichung der Aufnahmen entsteht eine riesige Sammlung vielfach personenbezogener Daten, die weltweit zugänglich ist, also eine Art weltweite Auskunftsdatei, auf der jedermann ohne Einschränkung zugreifen kann“, warnt Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar.

Das Projekt Street View hat damit eine neue Dimension der Qualität erreicht. Auch weil Aufnahmen automatisch mit personenbezogenen Daten verknüpft werden könnten, wie zum Beispiel anhand von Adressen aus Telefonbüchern. Diese ließen sich dann für Werbezwecke oder zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit nutzen – aber auch von Kriminellen. Diese könnten interessante Objekte schon im Vorfeld ausspähen.

„Auch wenn derartige Datenverwendung bereits heute nicht zulässig ist“, fügt Schaar hinzu, „brauchen wir neue Regeln für Geodaten, insbesondere wenn sie im Internet veröffentlicht werden“. Doch auch Google ist sich dieser Datenschutz-miesere bewusst und setzte schon 2006 ein fragwürdiges aber kleines Zeichen. Vor dem Supreme Court, dem höchsten amerikanischen Gericht, setzte sich nämlich Google erfolgreich durch und konnte die Herausgabe spezieller Kundendaten verhindern.

Dieses verlangten mehrere ermittelnde US-Behörden, um im Kampf gegen Pornografie und jugendgefährdender Webseiten gezielter vorgehen zu können. Im Gegensatz zu AOL, Microsoft und Yahoo blieb Google im Verfahren standhaft. Yahoo beispielsweise brachte sogar, durch die Herausgabe persönlicher Daten, in China einen Dissidenten ins Gefängnis. Fragwürdig ist das Tun Googles dennoch.

Immerhin beteuert Google ja immer wieder, dass keine personenbezogenen Daten gespeichert werden. Dass aber Behörden nach diesen Daten gefragt haben, Google sogar bis vor das höchste US-Gericht geht, um diese angeblich nicht gespeicherten Daten, zu schützen, ging bis heute im Daten-wirr unter. Frei nach dem Google-Motto: Don´t be Evil, tue nichts Böses.

Google Health DNA: Der medizinische Datenstriptease

DNA Googles neuste Bemühungen, ins medizinische Business einzusteigen, ist zurzeit nur als kleine Randnotiz bekannt. Google Health ist ein Dienst, der auf zwei Säulen steht. Die eine beschreibt eine medizinische Datenbank, die grundsätzlich Informationen über Krankheiten bereithält. Die zweite Säule ist die elektronische Krankenakte.

Der Patient gibt dem Arzt so die Möglichkeit, Zugang zu seinem Krankheitsprofil zu erhalten. Es können Röntgenaufnahmen, Krankheitsverläufe und Überweisungen anderer Ärzte eingesehen werden.

Auch wenn Google bei diesem Dienst keine Werbung schaltet, ist das Lagern solcher sensiblen Daten auf fremden, nichtmedizinisch orientierten Servern selbst für amerikanische Datenschutz-Verhältnisse fragwürdig.

Googles neue Generation

Doch Google ist schon längst weitergezogen und hat das menschliche Erbgut im Blick. So ist das Unternehmen nicht nur am Genlabor 23andMe beteiligt, sondern auch an zwei weiteren Genforschungs-Firmen. Google unterstützt das Personal Genome Project der Harvard University.

Aber auch das Unternehmen Navigenics wird ganz offiziell von der Suchmaschine finanziell unterstützt. Das Erschreckende daran: „Kürzlich hat ein Vorstandsmitglied von 23andMe angemerkt“, so der Googlekritiker Reischl, “dass man sich gut vorstellen könne, das Internet-Nutzer künftig ihr DNA-Profil in soziale Netzwerke einbinden, damit sich Menschen auf diese Art und Weise kennenlernen.“

Zusammengefasst hat die Datenkrake ein unglaubliches Gedächtnis angesammelt. Um noch aktuellere und noch bessere personenbezogene Daten zu erhaschen, weiß Google seit Anfang des Jahres 2009 auch, wo sie sich aktuell aufhalten. Gemeinsam mit der Mobilfunkfirma T-Mobile vertreibt das Unternehmen aus Kalifornien das Handy G1 und wer es sich zulegt, trägt fortan einen nützlichen kleinen Helfer mit sich herum. Egal was ihn unterwegs bewegt: Mit dem Handy kann der Nutzer nach dem richtigen Weg fragen, findet Einkaufstipps, Sehenswürdigkeiten oder andere Antworten, die sein Leben erleichtern.

Doch dieses Zwiegespräch zwischen ihnen und dem G1 ist nie ganz privat. Ihre Koordinaten, Wünsche, Anliegen, Ziele werden fortlaufend an Google und Partnerfirmen gesendet. Denn erst mit Partnerfirmen, zugekauften Programmen und den Hunderttausenden Rechnern, die in den Rechenzentren die Daten speichern und zuordnen, wird die Fülle neuer Dienste überhaupt erst möglich. Und Googles Pluspunkt: Im mobilen Datenverkehr besitzt der User eine klar personenbezogene Telefonnummer.

Die Bereitschaft Daten preiszugeben, ist noch immer sehr hoch. Viele denken, dass der Name, der Straßenname oder die Telefonnummer nichts besonderes sei. Lässt man die persönlichen Daten aber zusammenfließen, bedeuten sie eine enorme Macht. Google hat diese Macht schon lange, baut diese anhand neuer und natürlich kostenloser Programme immer weiter aus und solange selbst ein DNA-Button bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder MySpace niemanden bedenklich stimmt, wird sich bei der Datenkrake Google auch nichts ändern. Warum auch, sie tun ja nichts Böses.

Von Markus Henkel

Markus Henkel

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