"Bevorwort"-Methode: Ideen und Konzepte erstellen und hinterfragen

Teaser: Wer beruflich oder privat immer wieder neue Konzepte und Ideen finden will, hat es nicht einfach überzeugende Ergebnisse zu erzielen. In diesem Artikel stellen wir die sogenannte "Bevorwort-Methode" vor, mit der sich Ideen und Konzepte leichter finden und hinterfragen lassen. Prüfen Sie, ob bzw. wie Sie wirklich ein bestimmtes Ziel erreichen wollen.

Methode ideen und konzepte zu finden hinterfragenWer aus Ideen handfeste Werke kreiert, weiß, wie schwer das sein kann. Dieses Handwerk ist nicht nur Künstlern vorbehalten, auch der Industriekaufmann muss unter Umständen Präsentationen halten, der selbstständige Wirt benötigt eine ansehnliche Speisekarte und der Innenraum eines Familiencafés will themengerecht eingerichtet werden.

Wer nun nicht die finanziellen Mittel für einen Fachmann hat, erledigt das selbst. Bevor das Endergebnis aber zu bestaunen ist, beginnt es im Kleinen: mit der Idee.

Doch was, wenn es bereits an dieser ersten Hürde scheitert?

In diesem Artikel möchte ich Ihnen eine Methode präsentieren, die Sie als Privatmensch in Sachen kreative Umsetzung an genau diesem Punkt Ihrer Verzweiflung abholt.

Am Anfang ist das Chaos …

Es gibt jetzt für Sie zwei Ausgangspunkte: Entweder haben Sie zu viele oder überhaupt keine Ideen. Beide Varianten können für das jeweilige Projekt tödlich sein, wenn man sich daran aufhängt. Deshalb …

1. … ist weniger mehr

Wenn Ihnen Dutzende von Ideen im Kopf herumschwirren, schreiben Sie sie alle nacheinander ausführlich auf, damit sie buchstäblich aus dem Sinn sind. Nun streichen Sie jene weg, die Sie für weniger gut befinden oder die teilweise anderen ähneln. Dies sollte oft eine Halbierung Ihres Ideenreichtums und eine bessere Übersicht zur Folge haben.

2. … ist nichts oftmals genau richtig

Klingt komisch? Nun, aus keiner Idee kann oft die einzig richtige entstehen, weil Raum und Unabhängigkeit für die Gedanken gegeben sind. Und mehr als eine zündende Idee braucht es zur Umsetzung eines Projekts meist nicht.

Nachdem Sie Punkt 1 abgearbeitet haben und hinter Punkt 2 hängen geblieben sind – oder auch nicht –, greift jetzt die Methode des Bevorworts ein.

I: Das Bevorwort schreiben

Was ein Vorwort ist, dürfte jedem bekannt sein, der schon mal ein Sachbuch in der Hand hatte. Bleiben wir demnach zum besseren Verständnis vorerst bei dem Beispiel Buch. Die Wortschöpfung Bevorwort richtet sich nach dem Vorwort, doch wird es bereits geschrieben, wenn noch überhaupt kein anderer Inhalt jenes imaginären Buches vorliegt (später dazu mehr).

Stellen Sie sich vor, Sie möchten einen Roman schreiben. Elemente wie Charaktermerkmale einer Figur, Handlungsschauplatz und Atmosphäre schweben Ihnen bereits vor, doch so richtig können Sie das Nebulöse nicht festhalten. Wenn Ihnen viel an dem Projekt liegt, werden Sie es nicht gleich aufgeben.

Um herauszufinden, ob Sie sich festgefahren haben, schreiben Sie Ihr Bevorwort:

1. Schreiben Sie erst stichpunktartig alles zu Ihrem Projekt auf, was Ihnen dazu einfällt.

2. Gliedern Sie bei Bedarf Ihre Stichpunkte (z.B.: Inhalt, Form, Marketing, …).

3. Nun stellen Sie sich das Endprodukt vor, gehen Sie in sich und lassen es auf sich wirken.

4. Versuchen Sie sich nun in den Zustand hineinzuversetzen, als haben Sie gerade Ihr Werk vollendet. Mit diesem Gefühl gehen Sie nun an das Bevorwort. Hier sollte alles hineinkommen, was Ihnen ein Fazit des Projekts liefern kann:

  • Wie kam es dazu?
  • Was ist Ihr Motiv?
  • Worum geht es?
  • Was bezwecken Sie damit?
  • Was haben Sie dadurch gelernt?
  • An wen richtet sich das Werk?

5. Zensieren Sie sich nie selbst! Denken Sie daran, dass dieser Text nicht veröffentlicht wird und Sie somit all Ihre Gedanken unbekümmert niederschreiben können.

Kreativität hat viel mit Intuition zu tun, darum hören Sie an diesem Punkt auf Ihr Bauchgefühl – natürlich in Kooperation mit Ihrem Fachwissen und kalkulatorischen Erkenntnissen Ihres Projekts.

II: Hinterfragen der eigenen Idee

Nun ist Ihr Bevorwort fertig. Legen Sie es am besten für eine Weile (i.d.R. haben sich 3-7 Tage bewährt) beiseite, bevor Sie es sich wieder zu Gemüte führen.

Fällt Ihnen jetzt beim erneuten Lesen dieses Bevorworts etwas auf? Kommen Ihre anfänglichen Gedankenfetzen hier zum Ausdruck? Verstehen Sie selbst, was Sie dem Leser mitteilen wollten? Entsprechen der Stil und die Atmosphäre des Textes Ihrem geplanten Werk?

Dies sind nur wenige Fragen, die an diesem Punkt automatisch aufkommen werden. Je kritischer Sie den Antworten gegenüberstehen, desto mehr sollten Sie sich fragen, ob Ihr Anfangsprojekt wirklich Ihren …

  • Fähigkeiten,
  • Interessen,
  • Leidenschaften und
  • Wünschen

… entspricht. Ist das nicht der Fall, wissen Sie jetzt zumindest, dass weiteres Verfolgen dieses Projektes u.U. hartnäckiges Schuften bedeuten kann. Entdecken Sie aber mehr über sich und Ihr Werk, werden mehr Leidenschaft und Wille zur Vollendung entfacht, dann können Sie sich nun – dank eines ersten Überblicks – an die Konzeption und Ausarbeitung machen.

Wichtiger Hinweis!

Natürlich ist es Ihnen stets freigestellt, ob Sie ein Projekt auch dann noch weiterverfolgen, wenn es Ihnen eine Last wird. Bloß, weil eine Arbeit sich zu einem harten Unterfangen entwickelt, sollte man nicht gleich aufgeben – es kann sich oft lohnen, und wirklich gute Werke bedürfen ehrlicher Anstrengung. Die eigenen Motive sind immer individuell.

Die Methode des Bevorworts kann Ihnen jedoch dabei helfen herauszufinden, ob Sie sich in einer Gedankenschleife festgefahren haben oder aus sinnfreien, oder anderen, Motiven heraus das Projekt unbedingt beenden wollen.

Alle Zielgruppen werden angesprochen

Dabei ist diese Methode nicht nur für Buchautoren interessant, wie anfangs im Beispiel beschrieben. Wenn Sie eine neue Speisekarte aufsetzen wollen, benutzen Sie das Bevorwort für den Inhalt (kreative Namen von Gerichten, passend zum Geschäftsmotto) und dem Design der Karte. Auch eine Präsentation wegen der vergangenen Inventur können Sie so aufs Nötigste beschränken. Dem Bevorwort sind fast keine Grenzen gesetzt.

»Kreativität heißt, aus dem Chaos Ordnung zu schaffen.«
(Georg Stefan Troller, östr. Kreativling)

Egal, in welchem Beruf Sie tätig sind, sofern Sie irgendwann etwas selbst entwickeln und festhalten müssen, werden Sie mit den Schritten der Ausarbeitung einer Idee konfrontiert. Das Bevorwort kann Ihnen an diesem Punkt, unabhängig vom späteren Einsatzgebiet Ihrer Idee, eine Stütze sein.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Projekt!

Von Thorsten Boose

15.04.2014 © seit 05.2011 Thorsten Boose  
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