Nachhaltig Bauen: Was ist darunter zu verstehen?

Das Stichwort „Nachhaltigkeit“ ist präsenter als je zuvor. Der Klimawandel macht sich auch in unseren Breitengraden mehr und mehr bemerkbar. Treibhausgase belasten unsere Umwelt, gleichzeitig wächst die Bevölkerungszahl und die Ressourcen werden knapper.

Viele Menschen erkennen, dass sie sich dieser Situation anpassen müssen, wenn sie ihren Nachkommen einen gesicherten Lebensraum bieten wollen. Diese Erkenntnis wirkt sich auf viele Wirtschaftszweige aus, der Immobilienmarkt ist einer davon. So wird nachhaltiges Bauen populärer. Doch was genau versteht man eigentlich unter „nachhaltig bauen“?

Nachhaltig bauen: Was ist das eigentlich?

Ratgeber was ist heißt nachhaltig bauen AnleitungNachhaltiges Bauen ist ein komplexes Thema. Doch was genau versteht man eigentlich unter dem Schlagwort „Nachhaltigkeit“? Die Internetseite des Dudens, www.duden.de, verweist bei diesem Thema auf die lang andauernde Wirkung einer Sache. So dürfen zum Beispiel Bäume nur dann abgeholzt werden, wenn ausreichend Material nachwächst.

Wir müssen also die Zukunft im Blick haben: Wirtschaften wir auf eine unverhältnismäßige Weise mit den Rohstoffen, die die Erde uns gibt, gefährden wir unseren eigenen Lebensraum und den zukünftiger Generationen. Dieses Bewusstsein für einen pfleglichen Umgang mit unseren Ressourcen macht also die Nachhaltigkeit aus.

Ein Gebäude wird in der Regel für einen Zeitraum von etwa 100 Jahren genutzt. Das Ziel von Bauherrn, die eine nachhaltige Bauweise anwenden, ist es, die Nachhaltigkeit ihres Objekts für diese lange Zeitspanne zu sichern. Nachhaltiges Bauen dient dazu, Gebäude lange „haltbar“ zu machen, dabei die Aspekte Ressourcen und Energieverbrauch nachhaltig zu beachten und ein gutes Wohngefühl zu gewährleisten.

Diese Punkte müssen in einem einzigen großen Projekt miteinander verwoben werden, damit das Prinzip des nachhaltigen Bauens greift. Wir müssen folglich das erbaute Objekt als eine Einheit verstehen, die viele verschiedene Sachverhalte in sich zusammenführen muss. Dazu gehören:

  • der Blick auf den Energieaufwand,
  • die weitsichtige Auswahl von Baustoffen, die unsere Ressourcen und Lebensräume schonen und außerdem risikofrei wiederverwertet oder entsorgt werden können,
  • möglichst kurze Transportwege für die Baumaterialien und
  • eine Baufläche, die möglichst klein ist.

Nachhaltiges Bauen: Die drei Bereiche

Die bereits für sich recht umfangreichen Themen der nachhaltigen Bauweise lassen sich in einen ökonomischen, einen ökologischen und einen soziokulturellen Teil untergliedern. Im folgenden Abschnitt betrachten wir diese drei Sektionen des nachhaltigen Bauens einmal etwas genauer.

1. Die ökonomische Qualität

Um die Zielsetzung einer ökonomischen Qualität zu erreichen, gilt es, die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes und die damit verbundenen Kosten zu erfassen. Diese Kosten setzen sich aus den Kosten des eigentlichen Baus und den Folgekosten nach Errichtung der Immobilie zusammen. In der Regel sind die sogenannten Baufolgekosten weitaus höher als die Baukosten selbst. Betrachtet man den Lebenszyklus des Hauses im Voraus, kann man von Beginn an alle eventuell anfallenden Kosten auf einen Blick betrachten. So lassen sich von Anfang an mögliche Kostenfallen und Einsparungsmöglichkeiten analysieren und abfangen.

Die Kosten sind untergliedert in drei Bereiche: Errichtungskosten, Nutzungskosten sowie Rückbaukosten. Die folgende kurze Liste soll Ihnen einen Überblick verschaffen:

  • Errichtungskosten: Die Errichtungskosten umfassen alle Ausgaben für das Grundstück, Makler und Notar, Planung, Bauüberwachung, Versicherungen in der Bauphase, Baudokumentation und für das Gebäude selbst inklusive der Kosten für die Baustellenzeit.
  • Nutzungskosten: Welche Ressourcen nutzen Sie, um Ihr Haus in Betrieb zu halten? Die Nutzungskosten beinhalten die finanziellen Belastungen durch Strom für die Beleuchtung des Hauses, Aufwendungen für Heizvorgänge, die Bereitstellung von Warmwasser sowie Wasser generell und die Abwasserentsorgung. Außerdem fallen unter die Kostenart auch Bauvorgänge zur Modernisierung, Wartung und Instandhaltung sowie zur Reinigung der Immobilie.
  • Rückbaukosten: Nähert sich der Lebenszyklus einer Immobilie dem Ende, entstehen Kosten für Abriss und Abtransport sowie für die Entsorgung oder die Wiederverwertung der Materialien. Im Idealfall können Bauherrn die genutzten Materialien nach der Aufgabe der Immobilie einem neuen Zweck zuführen. So kann man zum Beispiel alte Holzbalken zum Heizen verwenden und auf diese Weise das Prinzip des nachhaltigen Bauens optimal umsetzen.

2. Die ökologische Qualität

Um im Sinne des Umweltschutzes zu handeln, sollten wir auf einen behutsamen Umgang mit unseren Ressourcen sowie auf eine Reduzierung umweltschädlicher Emissionen achten. Das bedeutet für ein Bauvorhaben, dass Bauherrn zum einen ihre Ausgangsmaterialien mit Bedacht auswählen und zum anderen darauf achten sollten, dass der Verbrauch der einzelnen Rohstoffe für den Betrieb des Hauses (Wasser, Strom etc.) möglichst niedrig bleibt. Auf diese Weise schonen sie die Umwelt, müssen dazu aber von Beginn an mit einer entsprechenden Weitsicht planen.

Worauf muss jemand, der ein Haus plant, das nach dem Prinzip des nachhaltigen Bauens errichtet und bewohnt werden soll, also achten? Der Energieaufwand spielt gerade im Bereich des Ressourcenverbrauchs eine entscheidende Rolle: Wie viel Energie kann in Hinblick auf die Herstellung der Baumaterialien, deren Wiederverwertung und die Instandhaltung beziehungsweise den Betrieb einer Immobilie gespart werden? Will man zum Beispiel angesichts des Raubbaus an den Regenwäldern für Rahmen, Verkleidungen und Mobiliar tatsächlich Tropenhölzer verwenden? Eignen sich andere Materialien ebenso gut und sind sie in ihrer Nutzung sogar umweltschonender?

In den vergangenen Jahren haben sich verschiedene Punkte bewährt, auf die jeder Bauherr, der nachhaltig bauen möchte, bei der Erstellung des Baukonzepts achten kann:

  • Welche Fläche soll genutzt werden?
  • Welcher Energieaufwand ist für den Bau nötig?
  • Welche Auswirkungen hat das Bauvorhaben kurzfristig wie langfristig auf die Gewässer und das Grundwasser, den Treibhauseffekt, das Ozonloch, die Smogbildung und den pH-Wert des Niederschlags?

Wer diese Stichworte in seiner Planung berücksichtigt, verfolgt das Prinzip des nachhaltigen Bauens auf der ökologischen Ebene.

3. Die soziokulturelle und funktionale Qualität

Wer wohnt, nutzt ein Gebäude für seine ganz individuellen Zwecke und gestaltet sich seinen Wohnraum nach persönlichen Bedürfnissen. Wie viel Wert legt man auf einen Pool oder eine große Eistruhe? Braucht man wirklich einen großen Garten oder ein Carport? Soll Regenwasser aufgefangen und wieder aufbereitet werden?

Die zentrale Frage lautet zusammengefasst: Was wollen die Bewohner, was passt zu ihnen? In diesem Bereich kommen die Aspekte Ästhetik und Gestaltung, Barrierefreiheit, Gesundheitsschutz und Behaglichkeit zum Tragen.

  • Ästhetik und Gestaltung: Ein Gebäude steigt in seinem ideellen und auch in seinem finanziellen Wert, wenn es sich in seiner ästhetischen Gestaltungsweise in die direkte Umwelt einpasst. Natürlich können auch außergewöhnliche innovative Merkmale eingebaut werden, dennoch erhöht sich die Akzeptanz der Umwelt durch einen erhöhten Grad der Anpassung. Gleichzeitig muss das Gebäude den Nutzern gefallen und sie müssen die Möglichkeit haben, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Veränderungen am Bau vorzunehmen. Der Bau sollte daher ein gewisses Maß an Flexibilität aufweisen. Bei aller Optimierung im Sinne einer nachhaltigen Bauweise muss der Wohncharakter eines Gebäudes das ausstrahlen, worauf die Nutzer Wert legen. Der Bauentwurf mitsamt den verwendeten Materialien muss auf diesen wichtigen Aspekt Rücksicht nehmen.
  • Barrierefreiheit: Wer im Rollstuhl sitzt oder mit einer anderen körperlichen Einschränkung leben muss, ist oft darauf angewiesen, dass die Räume entsprechend weitläufig und behindertengerecht gestaltet sind. Gleichzeitig reduziert sich mit dem barrierefreien Wohnen das Gesundheitsrisiko für alle Nutzer eines Gebäudes.
  • Gesundheitsschutz: Es gilt, vom Planungsbeginn an genau die Materialien auszuwählen, die das geringste Gesundheitsrisiko für die Nutzer eines Gebäudes mit sich bringen. Darüber hinaus sollten diese Baustoffe auch die Umwelt so wenig wie möglich belasten. Einen Gesundheitsschutz bieten nicht nur emissionsarme Stoffe, sondern auch Maßnahmen am Bau, die zum Beispiel Abgase oder Lärm reduzieren.
  • Behaglichkeit: Um eine Wohneinheit behaglich zu gestalten, müssen die Planer auf Qualitätsmerkmale wie ausreichend Ruhe, gute Luft, Wärme und Helligkeit achten. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer akustischen, hygienischen, thermischen sowie einer visuellen Behaglichkeit.

Nachhaltiges Bauen: Am Puls der Zeit

Nachhaltiges Bauen ist immer mit einem komplexen Planungsverfahren verknüpft. Verschiedene Systeme greifen ineinander, bedingen und beeinflussen einander. Der Aufwand lohnt sich jedoch in mehrfacher Hinsicht: Bauherren schützen die Ressourcen unserer Umwelt nachhaltig. Die Auswirkungen des eigentlichen Baus sowie der Betrieb der Wohneinheit werden so kalkuliert, dass der Umweltschutz in einem optimalen Maße berücksichtigt werden kann. Und dabei sollte man nicht vergessen: Die Lebensdauer eines Gebäudes kann durchaus ein ganzes Jahrhundert umspannen!

Somit bewirkt die gewissenhafte Planung einen wirklich lang anhaltenden Effekt. Dazu muss man als Bauherr langlebige und ansprechende Materialien nutzen, die Kosten durch eine weitsichtige Kalkulation dauerhaft niedrig halten, die Einflüsse der unmittelbaren Umwelt im Konzept berücksichtigen und letztlich auch den Abriss beziehungsweise die Wiederverwertung des Gebäudes schon bei der Errichtung planen.

Mit all diesen Faktoren im Blick sowie einer Portion Geduld, Kreativität und Souveränität kann ein Bauherr nach den Prinzipien des nachhaltigen Bauens ein wahres Schmuckstück schaffen – in vielerlei Hinsicht!

Autor: Claudia Pichler ist Marketingverantwortliche der bareal Immobilientreuhand GmbH - Büro Wien.

13.06.2016 © seit 01.2012 Claudia Pichler
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