Genisis des Denkens - Wandlung der Wirklichkeiten

22.03.2003
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Philognosie Team
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Dieser Artikel dokumentiert die "Wirklichkeiten" des menschlichen Denkens vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Anhand einer Bilderreise wird der Leser durch die Jahrhunderte geführt und erhält dadurch eine Vorstellungen, wie drastisch sich das Verhältnis von Raum, Zeit und Weltverständnis verändert haben. Wer unsere jetztige Sicht der Welt für selbstverständlich hält übersieht, daß unsere "Realität" ein Spiegel unseres Denkens ist. Das was wir heutzutage für selbstverständlich halten ist das Produkt eines jahrtausendalten Konstruktions- und Erkenntnisprozesses des menschlichen Geistes. Erst durch die Hervorhebung der Unterschiede wird offensichtlich, wie groß die Kluft im Denken zwischen unseren Vorfahren und dem heutigen Menschen ist.

Wer geneigt ist über die primitive Weltanschauung unserer Vorväter zu lächeln, sollte berücksichtigen, daß unser eigenes empirisches Weltbild nur ein vorübergehendes Paradigma der Wirklichkeit ist. Die Entwicklung der Erkenntnisfähigkeit des Menschen steht nicht am Ende sondern markiert nur einen winzigen Punkt in dem Prozess der Selbstentdeckung des Menschen. In der Unendlichkeit der Zukunft sind noch Wege verborgen, die heute noch kein Gelehrter erahnt. Diese Reise soll uns helfen zu verstehen, wie wir zu dem wurden, was wir sind. Sie soll dazu anregen Geschichte nicht als ein unhinterfragtes Paradigma zu sehen, sondern verstehen zu lernen, wie sich die Menschheit im Laufe der Jahrhunderte selbst erschaffen hat.

Wer seine eigene Geschichte nicht kennt ist gezwungen sie zu wiederholen - sagt ein altes Sprichwort. Wir stehen nicht am Ende, sondern erst am Anfang einer großartigen Entdeckungsreise unseres eigenen Bewußtseins und unserer Möglichkeiten.

Das alte Land

Was kennzeichnet das Denken des Mittelalters?

Denken im MittelalterDer Mensch des Mittelalters dachte die Welt als Netz symbolischer Bezüge. Alles ist mit allem verwandt, alles steht mit allem in einer naturgemäßen, gottgegebenen symbolischen Beziehung. Die Dinge (und Menschen) sind eingebunden in eine vorhandene bestehende Weltordnung und sie gewinnen ihre Identität aus ihrem dynamischen Wechselspiel mit anderen Dingen (und Menschen).

Naturerkenntnis ist interpretierendes Nachvollziehen des geheimen Sinns der Dinge. In den sichbaren Zeichen und Erscheinungen der Welt kann deren unsichtbarer Sinn, ihr von Gott verliehener Wert und Zweck nachvollzogen werden. Gott zu gefallen heißt umgekehrt, die Dinge so zu gestalten, daß sie die von Gott gegebene Ordnung möglichst vollendet in die Welt bringen.

Beispiel: jeder magisch interessierte Leser wird in der als Kabbalah bezeichneten Wissenschaft zugrundeliegenden Denkart dieses mittelalterliche Denkschema wiederentdecken: Mars ist in diesem Sinne rot und kriegerisch, daß er Teil einer Sphäre von Bedeutung in der alles durchdringenden Weltordnung ist, der eben diese Qualitäten eignen. Dies ist für den mittelalterlichen Menschen kein erfundenes oder willkürlich gedachtes "Modell", keine Theorie, sondern unmittelbar gegebene Tatsache.

Beispiel: in gleicher Weise kann aus der Betrachtung des Vogelfluges auf die Zukunft und aus bestimmten Zeichen (Malen) am Körper des Menschen auf dessen Charakter geschlossen werden. Um eine Hirnkrankheit zu heilen, hilft es, eine Walnuss zu essen.

Beispiel: Alles in der Welt hatte aneinander teil und der Geist aller Dinge war eins. Die Eskimos beispielsweise glaubten offenbar, daß es zwar viele, viele Seehunde gäbe, daß aber jeder nur eine Erscheinungsform des _einen_ Seehundes sein, vom Geiste des Seehunds. D. h. der eine Seehund manifestierte sich als die vielen. Daher konnten die Eskimos zu diesem Seehundsgeist beten, daß er erscheinen solle, daß sie zu essen hatten.

Daß unser heutiges Denken von dieser Art, sich selbst und die Welt aufzufassen, so grundverschieden ist, daß wir allerhöchstens in der Lage sind, uns vage ahnend dort hineinzuversetzen, veranschaulicht u.a. der mittelalterliche Raumbegriff.

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