Angstforschung: Wie gehen Menschen mit Katastrophen um?

Teaser: Jedes Jahr haben Menschen mit Katastrophen zu tun, Tsunami, Erdbeben, Hurrikans oder auch atomare Katastrophen. Eine der letzten großen Katastrophen konnten wir alle medial mitverfolgen, die Katastrophe in Japan und der Super-GAU in Fukushima. Lesen Sie im folgenden Artikel, wie direkt betroffene Menschen mit Katastrophen umgehen und ob es dabei kulturelle Unterschiede gibt.

Verhalten von menschen bei naturkatastrophenJedes Jahr haben Menschen mit Katastrophen zu tun, Tsunami, Erdbeben, Hurrikans oder auch atomare Katastrophen. Eine der letzten großen Katastrophen konnten wir alle medial mitverfolgen, die Katastrophe in Japan und der Super-GAU in Fukushima.

Lesen Sie im folgenden Artikel, wie direkt betroffene Menschen mit Katastrophen umgehen und ob es dabei kulturelle Unterschiede gibt.

Japan bleibt ein gutes Beispiel, um zu beobachten, was Menschen tun, wenn aus einer Katastrophe sich gleich mehrere Katastrophen entwickeln. Viele Menschen, die die Ereignisse medial verfolgten, fragen sich: Wie kommen diese Menschen nur damit klar?

Angstforscher sind Spezialisten dieser Thematik. Sie beobachten unter anderem, zu welchen Reaktionen es bei den Betroffenen kommt und wie sie sich erklären lassen.

Das Gehirn schaltet auf Überlebensmodus

Die normale Reaktion jedes Menschen auf Katastrophen ist Angst. Wer sich inmitten einer Katastrophe befindet, dessen Gehirn schaltet auf den Überlebensmodus, d. h. die Menschen sind primär beschäftigt, ihr Überleben zu sichern. Sie sorgen für ihre Nahrung, Wasser, Wärme und einen sicheren Ort, wobei es manchmal nötig ist zu flüchten.

Dieser Modus ist primitiv und wird immer dann aktiviert, wenn eine unmittelbare Bedrohung, ein Angriff mit einer Waffe, ein gefährliches Tier, ein bevorstehender Unfall, eine herannahende Wasserwelle, etc. zu erwarten ist. Menschen sind so gesehen Überlebenskünstler. In diesem Modus wird noch nicht über künftige Folgegefahren nachgedacht. Die Kapazität eigener Handlungen wird auf das unmittelbare Überleben reduziert.

Der Überlebensmodus ist wichtig, damit keine psychischen Schäden auftreten können. Wer sich seine primären Bedürfnisse erfüllt, fühlt sich erst einmal gut. Eine weiterreichende Auswirkung der erlebten Katastrophe, z.B. eine künftig zu erwartende drohende Verstrahlung wird in dieser Phase zurückgedrängt. Es geht primär um das kurzfristige Sichern des eigenen Überlebens.

Der intellektuelle Modus unseres Gehirns wird also weitgehend in den Hintergrund gedrängt. Längerfristige Auswirkungen, z.B. alle Informationen über die Auswirkungen atomarer Verstrahlung, weiß unser Verstand. Reaktionen, wie Zukunftssorgen sind unserem analytischen System zuzuschreiben, nicht dem Überlebensmodus. Auch Sorgen können Menschen stark beeinträchtigen und quälen. Doch es kommt im Normalfall zu keinen Panikattackten oder Angstausbrüchen, die bei unmittelbarer und faktischer Todesgefahr beobachtet werden.

Welche Handlungen sind im Überlebensmodus möglich?

Im schlimmsten Falle kann es zur Panik kommen, wobei das Umgehen mit Katastrophen sehr unterschiedlich verlaufen kann.

Im Extremfall kommt es zu einem offenen Kampf. 5 Leute wollen sich nach einer Schiffskatastrophe auf ein Holzstück retten, auf dem aber nur 3 Leute Platz haben. Es kommt zu einem Kampf, wobei die Schwächeren verlieren.

Wo nach dem starken Beben in Haiti 2010 im großen Stil geplündert und Gewalttaten ausgeübt wurden, bekamen wir aus Japan ganz andere Bilder. Menschenschlangen standen geordnet vor Supermärkten an und warteten geduldig, dass jeder sein Essen bekommt. Viele Menschen führen das auf kulturelle Unterschiede zurück, die durchaus prägen und eine Rolle spielen, doch man sollte auch sehen, dass Haiti ein viel ärmeres Land als Japan ist mit wesentlich knapperen Ressourcen.

Als sich die Lage in Fukushima zuspitze, der Wind plötzlich in Richtung Tokio wehte, setzten auch in Tokio Fluchtreaktionen ein. Alle Flüge und Züge, die in den Süden fuhren, waren ausgebucht, lange Schlangen von Autofahrern bildeten sich vor Tankstellen. Als die Flüge und Züge jedoch gestrichen wurde und es kein Benzin mehr gab, gingen die Menschen nach Hause, ohne dass es zu Zwischenfällen kam.

Auch die Japaner in Krisengebieten haben Angst, wenn sie auch ihre Angst anders ausdrücken, als das in anderen Kulturen der Fall ist. Man darf nicht 1:1 von seiner eigenen kulturell geprägten Erfahrung auf das Ausdrucksverhalten von Menschen anderer Kulturen schließen.

Gibt es Handlungen, die erfolgsversprechender sind als andere?

Diese Frage lässt sich eindeutig mit "Ja" beantworten. Menschen, die es schaffen, sich in gefährlichen Situationen mit anderen Menschen zusammenzuschließen, also trotz ihrer Angst nicht in Panik ausbrechen, sondern sich gegenseitig unterstützen, haben eine bessere Chance zu überleben. Hier haben Japaner einen eindeutigen kulturellen Vorteil. Doch die Fähigkeit sich mit anderen Menschen zusammen zu tun, um etwas gemeinsam zu bewirken, ist in jeder Kultur vorhanden.

Wie weit die Bereitschaft und das Vermögen ausgeprägt sind, sich mit anderen Menschen zu koordinieren, wurde in Japan nicht ausgereizt, auch was ihre Geduld und Rücksichtsnahme betrifft. Doch das Level scheint hoch im Vergleich zu anderen von Katastrophen gebeutelten Ländern.

Das Zusammenschließen von Menschen zu spontanen Gemeinschaften in Kriegen oder Naturkatastrophen hat einen weiteren Vorteil auf die psychische Gesundheit der Menschen. Menschen, die erfahren, dass sie sich auf andere Menschen verlassen können, haben weniger mit psychischen Folgestörungen zu tun (posttraumatisches Belastungssyndrom). Natürlich haben auch andere Faktoren Einfluss darauf, primär die eigene Familie. Deshalb ist es sehr wichtig, dass durch Katastrophen getrennte Familien schnellstmöglich wieder zusammengeführt werden.

In einer vertrauten und daher als sicher erlebten Umgebung können sich die meisten Menschen wieder gut von ihren zuvor traumatischen Erlebnissen erholen.

03.09.2015 © seit 05.2011 Cassandra B.  

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