Buch Reparatur: Selbst ein Buch reparieren

Buch Reparatur: Ein gutes Buch zu reparieren, ist immer eine gute Sache. Denn speziell alte Bücher wachsen uns ans Herz und sollten erhalten werden. Wie Sie bei einer Buch-Reparatur vorgehen können bzw. was Sie beim Reparieren von Büchern beachten sollten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Buch reparieren, Buch Reparatur, Bücher reparierenAlleine in Deutschland erscheinen jährlich ca. 90.000 neue Bücher – Tendenz steigend! Denn dank „Print on Demand“ (Druck auf Nachfrage) kann neben Berufs- und Hobbyautoren auch jeder andere auf die Schnelle seine Idee zu Papier und somit auch in den Handel bringen.

Steigt die Quantität, sinkt die Qualität; jedenfalls was den Umgang betrifft. Das Kunstwerk Buch wird somit zum Massenkonsumprodukt. Dass dabei die eine oder andere Verletzung am Objekt passiert, ist nicht auszuschließen.

Lesen Sie im folgenden Artikel was Bücher kaputt macht und wie Sie Ihre Bücher wieder reparieren können.

1. Buch Reparatur: Vergilbte Seiten

Vor allem bei alten Büchern taucht dieser Effekt auf. Die Seitenränder oder gar ganze Blätter sind über die Jahre hinweg vergilbt. Warum? Holzhaltiges Papier unterliegt auch in Buchform noch immer der Zersetzung, die Luftfeuchtigkeit und der Sauerstoff in der Luft bauen die biologischen Produkte langsam ab.

Buch reparieren bei vergilbten Seiten?

Wirklich tragisch ist dieser Effekt nicht, oftmals verleiht er einem alten Werk sogar einen historischen Hauch. Vergilbte Seiten sollte und muss man nicht behandeln. Bewährte Hausmittel wie Bohnenkaffee oder Katzenstreu können jedoch gegen den modrigen Geruch helfen. Die chlorgebleichte Alternative empfehle ich aus gesundheitlichen und ökologischen Gründen nicht.

2. Buch Reparatur: Verlorene Buchelemente

Es gibt Bücher mit Schutzumschlägen, Lesebändchen, herausnehmbaren Falttafeln u.v.m. Geht eines dieser mobilen Elemente verloren, ist das noch lange kein Grund, das gesamte Druckerzeugnis in den Müll zu befördern (denken Sie auch hier an die Umwelt). Ärgerlich, aber kein Grund für einen Neukauf, denn …

Buch reparieren: Verlorene Elemente der Bücher ersetzen

Schutzumschläge sollen das eigentliche Buch vor Verschmutzungen schützen, ein verloren gegangenes Lesebändchen ersetzt jederzeit ein Zettel. Sollte aber wichtiges (herausnehmbares) Material fehlen, kann man beim Verlag um einen Nachdruck bitten – auch wenn dies bei älteren Büchern schwieriger sein dürfte und natürlich immer Sache des jeweiligen Verlags ist.

3. Buch Reparatur bei Schmutz

Lästiger dagegen ist der Schmutz auf, am und im Buch. Seien es Schokoladenflecken, zerquetschte Insekten oder sonstige Dreckpartikel, es wird dadurch immer das eigentliche Buchbild auf Dauer zerstört. Solange sich die Verschmutzung in Grenzen hält, also nebensächlich ist, ist auch dieser Punkt weniger gravierend.

Tipp: Schmutzige Bücher reparieren

Oft wird Zitronensäure, Seife o.ä. als Gegenmittel für Nikotin- und andere Verfärbungen auf Einband und Buchseiten verwendet. Doch Vorsicht: Die Säure kann sehr ätzend sein und das Papier sowie die Tinte angreifen und in Mitleidenschaft ziehen!

4. Buch reparieren: Schäden durch Feuer & Wasser vorbeugen

Buch reparieren, Buch Reparatur, Bücher reparierenSchlimmer wird es da bei dem flüssigen und heißen Element. Wem ein Buch ins Wasser fällt, muss sich meist ein neues kaufen, denn die Tinte wäscht es raus und die Seiten wölben sich nach dem Trocknen. Feuer kann nicht nur verbrennen, sondern hinterlässt auch durch intensiven Qualm ganze Seiten unleserlich.

Tipp zum Vorbeugen gegen Feuer- und Wasserschäden

Wasser und Feuer können an Büchern irreparable Schäden anrichten, daher sei hier nur davor gewarnt, mit Flüssigkeiten und heißen Quellgegenständen vorsichtig umzugehen. Vermeiden Sie diese grundsätzlich in unmittelbarer Nähe Ihres Druckwerks!

5. Knicke beim Buch reparieren

Knicke allgemein sind Gebrauchsspuren. Bei Ratgebern oder wissenschaftlichen Abschriften können diese der Orientierung dienen. Ein belletristisches Werk wie einen Historienroman entstellt diesen dadurch aber, besonders wenn es sich um eine schöne Aufmachung einer raren Auflage handelt. Knicke im Einband bei Hardcover-Büchern (gebunden) sind irreparable Schäden, da die dicke Pappe nicht mehr herzustellen ist – auch mit keinem Wasserdampf, der angeblich die Pappe kurzzeitig anhebt und so in ihre ursprüngliche Form zurück drückt.

Tipp: Knicke bei Büchern reparieren

Knicke auf Buchseiten sollten generell nicht in die entgegengesetzte Richtung geknickt werden, sonst kann die Buchseite an dieser Stelle im Laufe der Zeit brechen. Dasselbe ist beim Einband von Taschenbüchern der Fall. Hier entsteht oft und je nach Farbe/Druck an der Knickstelle ein weißer Rand. Der beste Tipp ist, einfach das Buch eine Zeit lang zu pressen: durch andere dicke Bücher zum Beispiel. Aber auch das sanfte Bügeln von Knicken kann eine Lösung sein.

6. Markierungen und Co. bei Büchern

Ein Buch ist ein Kunstwerk – darüber gehen die Meinungen auseinander. Nichtsdestotrotz stecken meist Liebe und Arbeit in dem Produkt und dem Inhalt. Beides sollte nicht durch Kritzeleien, Markierungen o.ä. entstellt werden. Ausnahmen sind natürlich Studienausgaben, die in der Schule oder an der Uni besprochen werden und wiederum wissenschaftliche Abschriften.

Tipp zu Markierungen bei Büchern

Wer sein Buch nicht verschandeln will, kann zur Markierung durchsichtige Folien benutzen. Die darauf angebrachten Kommentare oder Zeichnungen können im Nachhinein wie ein eigenes Buch gelesen werden (Nachteil: Kostenpunkt). Sind Beschriftungen aber unumgänglich, sollte man sie mit einem weichen Bleistift zart auf die Buchseiten auftragen, und nicht hineinkratzen, um sie später eventuell wieder auszuradieren (Nachteil: Druckertinte kann auch radiert werden). Tinte, Filzstifte und Kugelschreiber sind normalerweise tabu.

7. Eselsohren beim Buch reparieren?

Das Phänomen der Eselsohren entstand aus purer Faulheit: Eselsohren werden in die Ecken der Seiten geknickt, um sich ein Lesezeichen zu setzen. Dabei ist der Begriff „Eselsohr“ selbst schon ein Schimpfwort und weist auf die respektlose Handhabung des Buches hin. Andreas Gryphius (1616– 1664) erwähnte nachweislich als Erster diesen Begriff.

Tipp zum Vermeiden von Eselsohren

Eselsohren können praktisch sein, keine Frage, aber ästhetisch sind sie nicht. Und in der Kunst, zu der die Literatur zählt, geht es um Ästhetik. Alternativen zu Eselsohren sind: Lesezeichen, Lesebändchen, Seitenklammern, ablösbare Notizzettel oder Gegenstände, die man gerade findet und die keine Auswirkung auf das Buch haben (Schrauben sind z. B. nicht geeignet).

8. Buch reparieren: Gebrochenes Rückgrat

Das Schlimmste, was man seinem Buch antun kann, ist das Brechen seines Rückgrats. Jedes Buch hat einen Buchrücken, an dem alle Seiten befestigt sind. Je breiter der Buchrücken, desto stabiler muss er sein; das ist vor allem bei Taschenbüchern schwierig. Eben bei diesen Taschenbüchern sieht man oft, dass der Buchrücken nach hinten geklappt ist - der Einband leidet auch darunter.

Schnell können so alle Seiten die Haftung – bei Klebebindung wie Fadenheftung – verlieren und aus dem Einband herausfallen.

Tipp: Gebrochenes Rückgrat reparieren

Vermeiden Sie das Brechen des Rückgrats eines Buches generell! Erstens zahlen Sie für ein einwandfreies Produkt, welches es dann nicht mehr wäre, und zweitens sehen unversehrte Buchrücken im Regal einfach schöner aus und nehmen weniger Platz in Anspruch.

Da gerade billige (aber gute) Bücher oft schlecht gebunden sind, kann man diese auch nachträglich mit einer Fadenbindung versehen. Solche Sets zum Reparieren von Buchrücken können Sie beispielsweise bei Amazon kaufen. Wer sich das nicht zutraut, kann ein Buch auch von einem Buchbinder binden lassen.

9. Buch Reparatur: Risse & lose Seiten

Natürlich kann es passieren, dass man aus Versehen Seiten einreißt. Bücher sind nämlich auch Gebrauchsgegenstände, weshalb viele Leute sagen, dass sie mit einem Buch genauso umgehen wie mit einem Spaten. Mutwillig sollte man niemals Seiten herausreißen, um jemandem z. B. darauf etwas zu zeigen.

Tipp: Bücher mit Rissen / losen Seiten reparieren

Wollen Sie z. B. eine Seite jemandem zeigen oder auf Postergröße kopieren, dann nutzen Sie doch am besten die Scanner-Technik. Risse können, je nach Größe, mit natürlichem Holzleim repariert werden. Aber Vorsicht, dass nicht mehrere Seiten zusammenkleben! Lose Blätter an der Risskante mit Leim bestreichen - vorsichtig wieder an den Buchrücken (innen) drücken und den Leim trocken lassen.

10. Gebrauchte Bücher kaufen

Die schlimmste Sünde im Umgang mit Büchern ist – neben dem Wegwerfen – das Kaufen von gebrauchten Büchern. Viele Leser und Literaturliebhaber sind der Ansicht, dass jedes einzelne Buch bei einem Kauf etwas Persönliches vom Käufer annimmt. Sie fühlen sich mit gebrauchten Büchern nicht wohl und denken „Das wurde schon benutzt“, „Die Magie ist dahin“ oder auch „Es ist nicht wirklich meines“.

Tipps zum Kaufen von gebrauchten Büchern

Es gibt unzählige Bücherflohmärkte, auf denen gebrauchte (Schul-) Bücher und uralte Raritäten angeboten werden. Historische Fundstücke dienen oft als Ausstellungs- oder Schmuckstück für die private Sammlung und können ruhigen Gewissens gekauft werden. Tun Sie aber bei neuen Büchern sich selbst, dem Autor, dem Verlag und dem Markt etwas Gutes und greifen Sie auf Ihr persönliches Original zurück.

Buch Reparatur vermeiden: Pfleglichen Umgang etablieren

Die Meinung von Schriftstellern ist gefragt! Bücher werden letztendlich immer für ihre Leserschaft geschrieben. Was sagen aber Autoren zum Umgang mit ihren Kunstwerken? Ich habe einige Autoren befragt und bin dabei auf die unterschiedlichsten Aussagen gestoßen. Lesen Sie hier interessante Stellungnahmen und weitere Tipps direkt aus der Schriftstellerriege.

Dr. Hilmar Alquiros („Das Tao der Weisheit“; www.dao-de-jing.com)

„Wie sollten Leser Ihrer Meinung nach Bücher guten Gewissens behandeln?“ „Bücher sind Wesen voller Geist – daher verdienen sie Respekt und … Liebe: Wesen voller Geist soll man nicht brechen, nicht bespucken, nicht missbrauchen, nicht einmal vernachlässigen. Wesen voller Geist soll man achten, sie gut behandeln, von ihnen lernen – und manchmal kann man in ihnen lesen wie in einem Buch …“

g. c. roth („Fluffige und andere Zeiten“)

„Was ist Ihrer Meinung nach das Schlimmste, das man einem Buch antun kann?“ „Es in den Papier- oder Sperrmüll entsorgen. Bei Haushaltsauflösungen habe ich gesehen, dass kistenweise Bücher in den Sperrmüll wandern. Wer Bücher nicht behalten will, kann sie an Büchereien oder soziale Einrichtungen verschenken.“

Barbara Schilling („Meine Berliner Kindheit“; www.angenehme-vorstellung.de)

„Was ist für Sie der schlimmste Umgang mit einem Buch?“ „Es ignorieren! Denn wie jede Kunstform lebt das Buch davon, wahrgenommen zu werden. […] Ich wünsche mir, dass der Leser sich aktiv damit beschäftigt. Auf welche Art und Weise er das tut, ist für mich zweitrangig; ob still und zurückhaltend, wie die meisten – oder eher wild und "interaktiv" … “

Sylvia B. („ForenTroll“)

„Ihrer Meinung nach sind Bücher nicht nur zum Lesen da; was tun Sie sonst noch damit?“ „Wenn ich ein Buch lese, stelle ich immer wieder fest, dass mir der Rücken ein wenig schmerzt. Es mag daran liegen, dass ich ein Krimifan bin und sich der Spannungsbogen bis zu meiner Wirbelsäule fortsetzt. Für mich hat es sich als durchaus positiv erwiesen, mir das Buch auf den Kopf zu legen, aufzustehen und damit herumzulaufen. Übrigens, wer diese Übung täglich probiert, wird seine Haltung verbessern.“

Rita Hajak („Tränen der Verzweiflung“)

„Was ist für Sie die schlimmste Sünde im Umgang mit Büchern?“ „Ich hasse es, wenn man mit Büchern nicht sorgfältig und liebevoll umgeht. Da bin ich sehr eigen. Aus diesem Grunde verleihe ich meine Bücher nur an absolut Gleichdenkende. Bücher sind mehr als nur Papier mit Worten. Ihr Innenleben ist lebendig. Deshalb sind sie es wert, gut behandelt zu werden.“

Gaby Gawlitza („Brodelndes Eis“)

„Welchen Umgang mit Büchern können Sie nicht tolerieren?“ „Für mich ist die schlimmste Todsünde, die man einem Buch antun kann, wenn man Fettflecke hinterlässt. Diese drücken sich über viele Seiten durch und verwischen zuweilen die Druckerschwärze.“

Heinz W. Pahlke („Buchsatz für Autoren“; www.pahlke-online.de)

„Was ist Ihrer Meinung nach eine Buchsünde?“ „Ich weiß nicht, ob es eine Sünde ist, Bücher durch Eselsohren, eingerissene Seiten, abgerissene Einbände und gebrochene Buchrücken zu verunstalten. Ein Armutszeugnis ist es dagegen sehr wohl. Mehr als die malträtierten Bücher tun mir jedoch die Menschen leid, die Bücher so misshandeln: Für sie scheinen Bücher lediglich Wegwerfartikel zu sein, nicht wert, ein zweites oder gar drittes Mal in die Hand genommen zu werden. Andererseits: Demonstrieren nicht manche Verlage und Autoren mit ihren schludrig geschriebenen und publizierten Büchern genau die gleiche Lieblosigkeit?“

Fazit zur Buch Reparatur und Umgang mit Büchern

Wir halten fest: Das Buch ist sowohl ein Kunstwerk als auch ein Konsumprodukt. Es wird benutzt und in Ehren gehalten – wie man aber mit seinen erworbenen Büchern selbst umgeht, steht zum Glück in keinem Gesetz und ist Sache jedes Einzelnen.

Die hier präsentierten „Buchsünden“ dienen vor allem als Hinweis auf einen respektvollen Umgang mit dem geistigen Eigentum anderer. Ich hoffe, auch im Namen meiner Autorenkolleginnen und -kollegen, Ihnen einige wichtige Tipps präsentiert zu haben.

Viel Erfolg bei der Buch Reparatur bzw. dem pfleglichen Umgang mit Ihren Bücher!

Von Thorsten Boose

Anmerkung der Redaktion: Siehe auch die Video-Tipps zum Thema "Buch Reparatur" unterhalb des Artikels!

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