Geldwerte Vorteile: Freibeträge steuerlich richtig nutzen

Die Gratifikation zum Jahresende, ein Dienstwagen, ein Rabatt zum Einkauf oder ein Gutschein zum Geburtstag - es gibt viele Formen, wie Arbeitgeber ihren Mitarbeiter mit sogenannten "geldwerten Vorteilen" eine Freude machen können.

Geldwerte Vorteile Freibeträge richtig berechnenAber auch das Finanzamt hat ein Auge auf solche Sachbezüge, denn wenn die Freibeträge überschritten werden, kann das vermeintliche Geschenk schnell zum Steuernachteil werden.

Damit Sie die Freibeträge von geldwerten Vorteilen steuerlich richtig nutzen können, geben wir in diesem Artikel einen Überblick über verschiedene Arten von Sachzuwendungen an Arbeitnehmer. Sie bekommen Tipps, wie Sie diese berrechnen und steuerlich günstig nutzen können.

Was sind geldwerte Vorteile nach dem Einkommensteuergesetz?

Die gesetzliche Basis für die sogenannten Sachbezüge, die im Englischen als Employee benefits bezeichnet werden, findet sich in Paragraf 8 des Einkommensteuergesetzes. Hier wird – allerdings nicht en détail – definiert, welche Leistungen unter den Begriff des geldwerten Vorteils fallen.

Es gilt: Alle Güter, die als Einnahme zu werten sind, wie zum Beispiel der Tankgutschein, zählen zum Einkommen und müssen versteuert werden. Glücklicherweise gibt es Ausnahmen und Freigrenzen. Wer sich daran hält, muss keinen oder nur noch einen geringen Steuerabzug fürchten.

Geldwerter Vorteil als Gutscheine & Co. - 44 Euro im Monat sind frei

Zu den Geschenken oder Sachbezügen, die Mitarbeitern eher teuer zu stehen kommen – rein steuerrechtlich –, zählt die goldene Uhr zum Dienstjubiläum. Denn in der Regel kostet das gute Stück weit mehr als 44 Euro. Dieser Betrag markiert die monatliche Freigrenze.

Gutschein und Rabatte als geldwerten VorteilLiegt der Wert eines Präsents auch nur wenige Cent darüber, unterliegt der volle Kaufpreis der Steuerpflicht. Schließlich handelt es sich um eine Freigrenze und nicht um einen Freibetrag.

Verteilt der Chef jeden Monat einen Buchgutschein oder eine Tankkarte über 40 Euro, für gute Arbeit oder das Erreichen der gesetzten Ziele, ist alles im grünen Bereich. Und selbst wenn der geldwerte Vorteil die 44-Euro-Marke übersteigt, sollte die Steuer kein Hinderungsgrund sein, zu besonderen Anlässen die weiter geschnittenen Spendierhosen zu tragen.

Was ist bei Kost und Logis zu beachten?

Bietet ein Unternehmen freie Kost und Logis, handelt es sich auch bei diesen Leistungen um geldwerte Vorteile, die sich auf die Steuerlast auswirken. Bei freier Verpflegung wird für das Jahr 2015 ein Sachbezugswert von bundeseinheitlich 229 Euro angesetzt.

Die Summe setzt sich aus 49 Euro für das Frühstück und jeweils 90 Euro für Mittag- und Abendessen zusammen. Oder, als kalendertäglicher Wert: 7,63 Euro gesamt (1,63 Euro für das Frühstück und je 3,00 Euro für die Verpflegung mittags und abends).

Wohnt ein Mitarbeiter darüber hinaus kostenfrei, muss unterschieden werden, ob es sich lediglich um eine Unterkunft oder eine Wohnung handelt. Von Unterkunft spricht man üblicherweise, wenn Küche und Bad gemeinschaftlich von mehreren Angestellten genutzt werden und keine selbstständige Haushaltsführung möglich ist.

Für eine solche freie Unterkunft sieht das Gesetz einen Sachbezugswert von 223 Euro pro Monat vor. Bei Wohnungen wird die ortsübliche Vergleichsmiete herangezogen oder es greift Paragraf 2 der Sozialversicherungsentgeltverordnung.

Der Dienstwagen als "geldwerter Vorteil"

Zu den bekanntesten geldwerten Vorteilen zählt zweifelsohne der Dienstwagen, sofern er auch privat genutzt werden darf. Aber: Angestellte und Arbeiter sollten sich sehr genau überlegen, ob sie diesen Vorteil auch in Anspruch nehmen wollen, und wie die Besteuerung erfolgen soll. Zur Wahl stehen zwei Optionen: das Fahrtenbuch und die Ein-Prozent-Regelung.

Das Fahrtenbuch rentiert sich, wenn der Wagen hauptsächlich dienstlich genutzt wird. Entscheidend ist die Kilometerzahl.

Die Ein-Prozent-Regelung hingegen fußt auf dem Fahrzeugwert und der Strecke zum Arbeitsplatz. Monatlich wird ein Prozent des Fahrzeugneupreises als Zusatzeinkommen gewertet plus 0,03 Prozent je Kilometer für die Fahrtstrecke. Bei einem Neupreis von 50.000 Euro und 30 Kilometern, die zwischen Wohnort und Arbeitsplatz liegen, ergibt sich folgende Rechnung: 1,0 Prozent von 50.000 Euro sind 500 Euro.

Hinzu kommen 0,03 Prozent von 50.000 Euro mal 30, also 450 Euro. In der Summe ist das ein Betrag von 950 Euro, der dem Bruttoeinkommen hinzugerechnet wird. Aus 2.500 Euro brutto pro Monat wird dann ein zu versteuerndes Einkommen von 3.450 Euro. Von daher lohnt es sich, genauer zu rechnen.

Im folgenden Video werden Vor- und Nachteile beider Methoden (Fahrtenbuch oder Ein-Prozent-Regelung) ebenfalls erklärt.

Rabattfreibetrag als geldwerten Vorteil nutzen

Augen auf heißt es auch bei verbilligten oder unentgeltlichen Sachbezügen. Etwa, wenn Mitarbeiter günstig beim Arbeitgeber einkaufen können, ob nun Möbel, Autos, andere Waren oder Dienstleistungen.

Hier sieht der Gesetzgeber einen Freibetrag von 1080 Euro pro Jahr vor. Da es sich um einen Freibetrag handelt, muss nur der Betrag verteuert werden, der oberhalb dieses Wertes liegt. Angenommen, eine Angestellte kauft eine neue Wohnzimmergarnitur, die regulär 10.000 Euro kosten würde, und erhält einen Nachlass von 25 Prozent, so beträgt der Rabatt 2.500 Euro. Die Differenz vom Freibetrag zum Rabatt – in dem Fall 1.420 Euro – ist steuerpflichtig.

Förderung der Gesundheit als geldwerten Vorteil

Gesundheitsförderung als geldwerten VorteilInteressant, weil vielfach gar nicht bekannt oder schlichtweg unterschätzt: Auch in puncto Gesundheit lassen sich geldwerte Vorteile in Anspruch nehmen.

Schließlich belasten gesundheitliche Probleme aufgrund monotoner Tätigkeiten oder vieler Stunden vor dem Monitor nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch die Krankenkassen.

Bis zu 500 Euro im Jahr können Firmen ihren Angestellten für die Gesundheitsförderung bezahlen, ohne dass der Fiskus aufseiten des Arbeitnehmers aktiv wird.

Es gelten allerdings Einschränkungen. Die Kosten für das Fitnessstudio lassen sich auf diese Weise nicht reduzieren. Es muss sich schon um eine Maßnahme handeln, die den Leitfäden der Krankenkassen entspricht.

Fazit: Geldwerte Vorteile innerhalb der Freibeträge sind lohnenswert

Hält man sich an die Spielregeln, die Freigrenzen und Freibeträge, werden geldwerte Vorteile ihrem Namen vollends gerecht. Das gilt für beide Seiten: Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Da es sich um ein komplexes Thema handelt, das teils jährlich mit neuen Vorzeichen versehen wird, sollte im Zweifelsfall mit einem Steuerberater gesprochen werden. Auch um zu vermeiden, dass vermeintliche Vorteile der einen oder anderen Seiten zum steuerlichen Nachteil gereichen.

Dieser Beitrag stellt keine steuerrechtliche Beratung dar. Stand der Daten: Dezember 2014

02.06.2016 © seit 12.2014 André Maßmann

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