Seite 2: Welchen Einfluss hat die "Gier" auf unser Handeln?

Druck von außen, Druck von innen

Die Natur mit ihren möglichen und realen Katastrophen hat die Menschen nie zur Ruhe kommen lassen. Und wenn die Natur sie mal in Ruhe ließ, machten sie sich entweder untereinander Stress oder sie wurden vom eigenen Inneren getrieben – so war es immer, so ist es auch heute. Heute haben wir aber noch ein anderes Problem: Wir drehen uns im Kreis wie vor einer Mauer.

Altes wird entweder in abgewandelten Formen ständig wiederholt oder bis zum Äußersten perfektioniert. Wirklich Nützliches gibt es kaum. Pessimisten sehen diesen Zustand als Abgrund, Optimisten eher als Steilwand. Abgrund würde zur negativen Gier passen, Steilwand zur positiven. Beide signalisieren das Ende eines Weges. Allerdings mit dem Unterschied, dass es im negativen Fall das Ende der Menschheit wäre, im positiven hingegen eher eine Aufforderung ernsthaft nach neuen Wegen, die weiter nach oben führen, zu suchen.

Wie kann es weiter gehen?

Weil Gier elementar ist, sollten wir einmal auf den Anfang der Expedition „Menschheit“ schauen. Sie begann wie aus dem Nichts und kam in die Wildnis der Welt. Die Menschen mussten sich überlegen, was sie hier eigentlich sollen und wohin sie wollen. Sie mussten sich darüber klar werden, was sie haben und was sie nicht haben. Dabei wurde ihnen bald klar: Sie haben das Leben, wollen es behalten und womöglich steigern.

Von der Natur und vom Himmel wollten sie lernen wie und wo man einen Ort der Sicherheit errichten kann. Bis heute ist das nicht gelungen. Die Weltmodelle, die in Jahrtausenden zur Orientierung geschaffen wurden, erwiesen sich als unzuverlässig. Immerhin konnte damit ein gewaltiger Aufstieg gelingen.

Jetzt, auf dieser nun erreichten Höhe weiß man aber nicht wie es weiter gehen soll. Das gegenwärtige Weltmodell bietet für die Zukunft keine allgemeingültigen Orientierungspunkte mehr. In dieser Notlage versuchen die einen nach eigener Vorstellung Ordnung anzustreben, die anderen trösten sich mit der Vorstellung, dass die Evolution des Lebens mit größter Wahrscheinlichkeit hoch oben im Nebel ein imaginäres Ziel hat, das erstrebenswert ist.

Neue Perspektiven auf die Gier

Jetzt geht es, um weiterzukommen nicht allein um die Frage nach dem Wesen der Gier, jetzt geht es auch um ein neues, besseres Weltmodell.

Seit alters her ist die Grundform unseres Orientierungsmodells rund.

Anfangs hatte es ein Zentrum als Sitz der Götter mit einem Obergott an der Spitze.

Diese Gliederung in Oben und Unten reicht bis in die Neuzeit.

Ab dann wurde es kritisch. Die klar umrissene Welt franste aus, verlor ihre festen Grenzen und zerfiel in lauter Teile.

Geister und Götter wurden vertrieben und der Obergott für tot erklärt.

Heute haben wir eine Welt ohne Zentrum. Unsere Welt ist jetzt, physikalisch und philosophisch gesehen, weder rund noch eckig oder sonst wie in eine Form gefasst.

Sie wabert als formloses Etwas im ewigen Sein. Wir wissen aber, dass sie irgendwie begrenzt ist, weil ihre Gesamtmasse weder erhöht noch gemindert werden kann (Energieerhaltungsgesetz). Warum aber so ein formloses Gebilde dynamisch ist und sogar Leben hervorbringt, ist bislang ein Rätsel. Rätselhaft wird es auch so lange bleiben, bis es ein besseres Weltmodell gibt.

Sehnsucht nach Ganzheit

Unser, vom herkömmlichen Weltbild abhängiges Leben lässt uns allein im wabernden Universum. Wir sehen uns gezwungen, als Partikel in der unsteten Materiewelt irgendwie den Selbstwert unserer kaum zu definierenden Persönlichkeit fest zu machen.

Jeder versucht so gut er kann, sich im unsicheren Gesellschaftssystem einzurichten und ist bemüht, wenn er irgendwie Fuß gefasst hat, seinen Platz mit allen Mitteln zu verteidigen und womöglich auszubauen. Ob auf dieser Basis jemals eine bessere Welt entsteht?

Offensichtlich strebt die Evolution des Lebens nach Ganzheit und kollektiver Selbstfindung. Wenn so ein Zustand, der allen Gegensätzen Sinn in einer lebendigen Ganzheit geben könnte, erreicht wäre, dann könnte die Gier dem Leben und der Entfaltung aller Talente in optimaler Weise dienen.

Uns wäre aber schon gedient, wenn wenigstens die positive Seite der Gier im Alltagsleben eine größere Rolle spielen würde.

20.01.2014 © seit 01.2011 Heinz Altmann
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