Seite 2: Zoroaster: Urvater der Religion des Umbruchs

Zoroaster und das Pantheon

Zoroaster Monotheismus Ahura Mazda ist der Gott des Zoroastrismus. Er ist umgeben von Engeln und Geistern. Die sieben obersten Engel heißen "Amesaha Spentas" und sind übernommene Gottheiten älterer Götter- und Mythenwelten.

Die sieben Erzengel, die in seiner unmittelbaren Nähe sind, heißen: "Die gute Gesinnung" (Vohu Manah), "die Gerechtigkeit und Wahrheit" oder "beste Frömmigkeit" (Asha Vahista), "der göttliche Wille" oder "gewünschte Herrschaft" (Kshatra Vairya), "Demut und Frömmigkeit" oder "heilige Ergebung" (Spenta Armaiti), "die Vollkommenheit" oder "das Heil" (Haurvatat), "die Unsterblichkeit" (Ameretat), und "der Gehorsam" (Sraosha).

Unter den sieben Erzengeln kommen die Fravashis, das sind unsterbliche Seelen aller Lebewesen. Sie sind Urbilder der einzelnen Lebewesen und beschützen diese. Selbst Ahura Mazda hat ein solches Urbild, das als geflügelter Mensch dargestellt wird. Die Begleiter des Bösen, Ahrimans, sind eine endlose Schar von Teufeln und Dämonen, die die Menschen heimsuchen. Die Urbilder der Teufel sind alte Naturdämonen und Götter.

Die von Ahura geschaffenen Gottheiten erschufen andere wohltätige Wesen, welche dem alten iranischen Pantheon entsprechen: die Yazatas ("Verehrungs-würdiger") oder auch Amesha Spentas, "Heilige Unsterbliche". Die Zeitalter werden auf die Vollendung hin angelegt, auf ein Ende der Geschichte und des Werdens.

Die Doktrin eines Jüngsten Gerichts, von Himmel und Hölle, der Auferstehung und des ewigen Lebens wurde hier, vermutlich zum ersten Mal, gelehrt.

Zoroaster: Der Übergang in ein neues Zeitalter

Eine frühantike Religion enthält alle Anlagen des heraufdämmernden Christentums. In der Entwicklung der Achsenzeit sehen wir den Wandel der Paradigmen, die damals revolutionären Ansätze. In der ältesten Offenbarungsreligion finden wir die Wurzeln unserer heutigen Kultur wieder. Was können wir heute damit anfangen? Ich möchte, um diese Frage zu beantworten, einen Punkt besonders herausstellen.

Wir leben heute am Beginn des neuen Zeitalters in einer neuen Achsenzeit. Dieses neue Zeitalter wird seine - die ihm angemessene - Spiritualität erst entwickeln und sein Potenzial entfalten, wenn das Wissen unserer Zeit darin integriert ist. Zoroaster soll seinem Volk Ackerbau, Organisation größerer Gemeinschaften, Seuchenprävention gelehrt, neue Nutzpflanzen entdeckt und, natürlich, mit den alten Göttern 'abgerechnet' haben. Jedenfalls trieben diese Neuerungen die Gesellschaft voran und machten seine Lehre stark.

Viele spirituell-esoterische Richtungen sind heute attraktiver, lebendiger als die etablierten Kirchen. Das Zeitalter aber lebt nicht in der Wiederbelebung einer mythischen Vergangenheit. Erst wenn wir Wissenschaft und Philosophie unserer Zeit aufnehmen, können wir die Welt verstehen und gestalten - aber der Paradigmenwechsel ist in vollem Gange.

Der Zoroastrismus zeigt in seltener Klarheit, wie diese Überlegungen damals umgesetzt wurden. Das ist wohl auf seine fast puritanische Einfachheit des Kultus, viele Ähnlichkeiten in den Weltreligionen und eine geringe Zersplitterung in konkurrierende Gruppen und Sekten und somit ein klares Gesamtbild zurückzuführen.

Der Zoroastrismus kennt zwei Pole, Gut und Böse. Es gibt viele Versuche, daraus eine Dialektik abzulesen. Doch kennt diese Religion diese nicht: These und Antithese sind nie gleichwertig, vielmehr setzt sich das Gute gegen alle Angriffe durch und der Kampf der Prinzipien führt ans Ende der Welt, da dort nur noch das Prinzip des Guten bestehen wird. In einem dialektischen System entwickelt sich aus einem Widerspruch etwas Neues, Drittes; wird zu dieser Synthese eine neue Antithese gebildet, geht der Entwicklungsprozess weiter zu einer erneuten Synthese, ... usw.

Der neue Mensch aber, der gerettet werden wird, ist jener, der sich selbst sucht und seinen Verstand und seine Vernunft findet.

08.09.2017 © seit 03.2004 Heiko Diadesopulus  
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