Illuminaten Story: Ein Gespräch unter Magiern über Channeling

Gespräche mit diskarnierten Wesenheiten werden in der magischen Tradition als Channeling bezeichnet. Doch wie sollen solche Gespräche funktionieren? Belauschen Sie in dieser Story zwei Illuminaten, die beschreiben, wie man sich diese Art der Kommunikation vorstellen kann.

Es war still im Studierzimmer. Vor uns prasselte leise das Kaminfeuer und ich ließ mich seufzend in den schweren Ledersessel fallen, um meinen matten Körper zu entspannen. Der Empfang war für mich anstrengend gewesen, da mir bei solchen gesellschaftlichen Anlässen meist viel Smalltalk im Spiel ist. T. C. saß mir gegenüber und war gerade dabei sich hingebungsvoll eine Pfeife zu stopfen.

Ich nahm einen kräftigen Schluck von dem frisch aufgebrühten, würzigen Kaffee vor mir, um meine Trägheit abzuschütteln und meine Aufmerksamkeit für unser bevorstehendes Gespräch zu schärfen. Nachdem T.C. es sich nun ebenfalls bequem gemacht hatte und eine schwere Rauchschwade von sich blies, sah er mich erwartungsvoll an.

Ich räusperte mich und begann laut zu rekapitulieren: „Offengestanden, lieber Freund, war ich von Ihrem Vortrag über Kabbalah am letzten Symposion schwer beeindruckt. Am meisten interessierte ich mich jedoch für einige Nebenbemerkungen von Ihnen, über den metaphysischen/semiotischen Nachweis, daß immaterielle Personen tatsächlich existieren und wir mit ihnen kommunizieren können. Zugegebenermaßen ist dies eigentlich ein sehr alter Gedanke in der Magie und trotzdem auch noch heute sehr faszinierend.“

Ich machte eine kleine Pause, um zu sehen wie meine Einleitung bei T.C. ankam. Er schien ruhig und interessiert und sah mich weiter an, während er mir mit einer kleinen Geste zu verstehen gab, fortzufahren.

„Sie werden wohl zugeben müssen, daß die heutige empirische Wissenschaft, die nach harten Fakten sucht, über diesen Gedanken bestenfalls ein gönnerhaftes Lächeln übrig hätte.“

T.C. verdrehte amüsiert die Augen während er sich sinnierend die Worte: „empirische Wissenschaft“ auf der Zunge zergehen ließ. „Ich weiß nicht ob ich hier Ihre Einschätzung teilen würde“, begann er, „ schließlich ist unsere anfangs so mechanisch erscheinende Welt, welche Newton noch bevorzugte, heute seit der Entdeckung der Relativitätstheorie und der Quantenmechanik nicht mehr nur auf Hebelgesetze beschränkt.“

Er grinste bei diesen Worten. „Die meisten durchschnittlich intelligenten Menschen würden sich wundern, mit welchen Konzepten die Wissenschaft schon heute versucht unsere „Realität“ zu beschreiben.“

Er deutete auf den handgearbeiteten alten Holztisch vor uns.

„Es ist eher verwunderlich, daß Gegenstände wie dieser Tisch hier, zumindest wenn man bedenkt, daß er unter einem anderen Beobachterblickwinkel ein fluktuierender Quantenhaufen wäre, so einfach in unserer Wahrnehmung stabil bleibt. Erst nachdem es dem Menschen gelungen war, Krücken seiner sinnlichen Wahrnehmung wie z.B. Elektronenmikroskope und ähnliches zu erschaffen, wurde deutlich, wie eingeschränkt wir doch unsere Umwelt wahrnehmen. Wir sehen durch eine enge Röhre und sagen, das ist die Welt oder unser Universum.“

„Tunnelrealitäten...“ überlegte ich laut und versuchte zum Kern meines eigentlichen Interesses überzuleiten.

„Gerade darum finde ich Fragen interessant, ob immaterielle Personen existieren können. Eine echte Neuheit im Alltag der „aufgeklärten Menschen“, denn dies könnte eine weitere evolutionäre Möglichkeit für sie beinhalten. Manche magischen Systeme sprechen ja von Techniken wie dem Aussenden des Astralkörpers, oder auch mit anderen Wesenheiten wie Engel etc. Kontakt aufzunehmen. Ideen dieser Art setzen ja schon die Möglichkeit, daß es eine Person „ohne materiellen Körper“ geben kann voraus.“

T.C. nickte und erzeugte einige Rauchkringel, als er meinen Gedanken weiterspann.

„Wichtig für jede weitere Überlegung in dieser Hinsicht ist, daß wir uns darüber klar werden, was eine Person eigentlich ausmacht.“ Er deutete mit dem Mundstück seiner Pfeife auf mich und fragte: „Was denken Sie lieber Freund macht Sie als Persönlichkeit eigentlich aus?“

Ich grübelte. „Ich denke meine eigenen, individuellen Ideen und Verhaltensgewohnheiten, d.h. wie ich faktisch denke und handle. Sie würden sich in der spezifischen Konstellation, in der ich sie zusammengestellt habe, von Ideen und Verhaltensgewohnheiten anderer Personen unterscheiden.“

„Interessante Perspektive“ gab T.C. zurück. „Die primitivere Variante wäre gewesen, daß Sie schlicht auf Ihren Körper deuten und mir sagen, das bin ich. Angenommen es wäre also möglich Ihren, nennen wir es Geist, also alle Ideen und Verhaltensgewohnheiten in einen anderen Körper zu transportieren, würden Sie dann immer noch sagen, das bin ich?“

„Vorausgesetzt ich würde meine Erinnerung behalten und lediglich anders aussehen, würde ich wohl immer noch annehmen, daß ich derjenige bin, der wahrnimmt. Obwohl ich mit einem anderen Körper meine werten Freunde wohl etwas verwirren würde.“ Ich grinste bei der Vorstellung, wie sehr man andere Menschen in so einer Situation verwirren würde.

„Sicher! Es sind ja genügend Beispiele bekannt, in denen Menschen ihr Äußeres, sei es durch einen Unfall oder eine Schönheitsoperation, sehr stark verändert haben. Trotzdem erkennen sie ihre Verwandten und Freunde anhand ihres Kommunikationsverhaltens und gemeinsamer Erinnerungen wieder. Nun, wenn wir also davon ausgehen müssen, daß sich Personen aus spezifischen Relationen von Ideen und Erinnerungen zusammensetzen, dann wäre die nächste Frage, ob Ideen oder Ideenkomplexe materieller oder geistiger Natur sind?“

T.C. machte eine Pause um den Gedanken wirken zu lassen. „Ein kleiner Versuch. Würden Sie mir bitte noch einen Schluck dieses vorzüglichen Kaffees einschenken?“ Ich nahm die Porzellankanne und schenkte ihm einen Schluck davon in seine Tasse.

„Betrachten wir doch diese scheinbar so alltägliche Aufmerksamkeit von Ihnen einmal etwas genauer.“ Er beugte sich vor und sah mir in die Augen. „Hätte ich bei meiner Frage ein Tonband mitlaufen lassen, so hätte es Schallwellen aufgezeichnet, welche Sie als Aufforderung interpretiert haben mir nachzuschenken. Korrekt?“

Ich nickte zustimmend.

„Darüber hinaus wären ebenso andere Geräusche wie das Knistern des Feuers oder das gedämpfte Geräusch von Autos usw. auf dem Band zu hören. Offensichtlich haben Sie aber in diesem Moment eine ganz spezifische Frequenz (nämlich meine Stimme) in diesem Chaos von Geräuschen, wahrgenommen und interpretiert. Sie haben meinen Tonsingsang als Information angesehen, d.h. diesen Tönen eine weitere Bedeutung gegeben. Oder anders herum, reagieren Sie auf die ansonsten vorhandene Geräuschkulisse um uns herum so, als wäre sie keine Kommunikation mit Ihnen.“

Wiederum nickte ich und sagte amüsiert: „Sie würden mich wohl für wahnsinnig halten, wenn ich anfange mich mit dem Knacken des Kaminfeuers zu unterhalten.“

„Tatsächlich?“ T.C. zog seine Augenbrauen nach oben. „Ein Telegraphenbeamter interpretiert doch ein eben solches Knacken in der Leitung nicht als lästige Störung, sondern als Botschaft an ihn. Die Art des Knackens wäre wohl annähernd dieselbe, nur fassen wir sie einmal als bedeutungsloses Geräusch und ein andermal als Botschaft auf. Seltsam nicht?“

Ich war überrascht, daß ich daran noch gar nicht gedacht hatte. So begann ich über einen sinnvollen Unterschied zwischen den beiden Situationen nachzudenken. Schließlich lächelte ich und bemerkte: „Ich denke der Unterschied liegt in meiner Vorannahme, das eine als Geräusch und das andere als Kommunikation aufzufassen. Bei Geräuschen nehme ich an sie seien willkürliche Aneinanderreihungen von Tönen, während ich beim Knacken in der Telegraphenleitung davon ausgehe, das der Rhythmus des Knackens beabsichtigt oder intendiert ist und sinnvolle Zeichen oder Sprache darstellt.“

T.C. sah mich lächelnd an und fragte: „ Woher wissen Sie denn, welches Knacken beabsichtigt ist? Ein Zulu würde das Knacken einer Telegraphenleitung wohl ebenfalls nicht als Kommunikation verstehen.“

Grübelnd sagte ich: „Gewohnheit denke ich ...“

„Das würde also bedeuten, wenn Sie ein Muster im Knacken des Feuers wahrnehmen würden und dieses Muster als verschiedene Zeichen differenzieren könnten, wären wir unserem Telegraphenbeispiel schon sehr nahe. Selbst wenn faktische Kommunikation vorliegen würde, könnten Sie diese nur erkennen, wenn Sie ein Muster bzw. schließlich sinnvolle Zeichen entdecken würden. Da die meisten Menschen nicht einmal die Möglichkeit in Erwägung ziehen, daß eine solche Kommunikation stattfinden könnte, bemerken sie auch nichts dergleichen. Aus Gewohnheit ...!“

„Bis auf unsere werten Kabbalisten“, bemerkte ich nachdenklich, „schließlich haben sie eine ganze Sprache aus bildhaften Zeichenverknüpfungen entwickelt, um den Geist Gottes in der Natur wahrnehmen zu können. Aber ich wollte noch einmal zurück auf unser Kaffee Beispiel gehen, hier scheine ich ja Ihre Zeichen verstanden zu haben.“

T.C. nickte und paffte entspannt an seiner Pfeife weiter. „Damit haben Sie den Beweis erbracht, Bedeutung aus dem Ätherrauschen gewinnen zu können. Anders gesagt, daß geistige Elemente (meine Worte) Materie beeinflussen können d.h. etwas nicht materielles z.B. eine Idee wirkt auf Materie ein und verändert sie. Ein Magier würde diesen Vorgang vielleicht als eine „Materialisation“ seines Willens auffassen, eine Fleisch gewordene Idee sozusagen.“

„Das würde doch zunächst nur bedeuten, daß Zeichen und deren Bedeutung nicht materiell sind“, fügte ich seiner Ausführung an.

„Erinnern Sie sich zurück an unsere Frage, was eine Person ist. Hier hatten wir festgestellt, daß wir die Persönlichkeit z.B. eines Menschen an der Konstellation seiner Ideen festmachen d.h. man könnte auch sagen, eine Person ist eine individuelle Verknüpfung und Relation von Ideen, die eine eigene Teleologie haben. Ein semiotischer Ideenkomplex mit Ich- Bewußtsein. Wenn Ideen und Ideenkomplexe nicht materiell sind, wäre es auch vorstellbar, daß es immaterielle Personen gibt, die ihre Ideen kommunizieren können.“

„Sicher“, gab ich zurück, „nur wie erkenne ich eine solche Kommunikation.“

„An ihrem Informationscharakter,“ bemerkte T.C. gleichmütig. „Daran, daß Sie eine neue Information bekommen, die Sie selbst nicht wissen und als Neuheit (neues Wissen) identifizieren. Außerdem dürfte es mit einer Irritation verbunden sein, da diese Art von „Gespräch“ außerhalb unserer Gewohnheit liegt. Menschen sind Gewohnheitstiere und fürchten nichts mehr als das Neue, vor allem wenn dieses Neue außerhalb des eigenen Erwartungshorizonts liegt.“

Ich goß uns einen Weinbrand ein und sagte: „Dann auf unsere Bewußtheit, damit wir die Zeichen erkennen mögen!“

Das Holz im Kamin knackte plötzlich dreimal sehr laut und ein glühender Span flog herüber und landete zischend in meiner Kaffeetasse.

T.C. grinste und flüsterte: „Klopf, Klopf!“

08.09.2017 © seit 06.2008 Tony Sperber  
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