Seite 3: Ein Traum von Gaia oder das "Lebewesen Erde"

 

Aufgrund der Regelmäßigkeit dieses Zyklus wurde nach einer astronomischen Ursache geforscht. Hier nun folgt eine Aufzählung der Hypothesen, die uns zu einem Denken in astronomischen Zyklen führt: Möglicherweise hat unsere Sonne einen dunklen Begleitstern, Nemesis genannt, der einer stark exzentrischen Umlaufbahn folgt.

Lebewesen Göttin GaiaWenn dieser Stern sich der Kometenwolke am äußeren Rand des Sonnensystems nähert, löst er einen heftigen Schauer von Kometen aus, von denen etliche – über einen Zeitraum von bis zu einer Million Jahren – auf der Erde einschlagen. Ein anderes Modell geht bei der Interpretation dieser Zyklen von Schwingungen der Sonne in Relation zur Mittelebene unserer Galaxie aus.

Diese Schwingungen hätten Veränderungen in der Intensität der kosmischen Strahlung zur Folge, die ausreichend sein könnten, um größere Klimaveränderungen zu bewirken. Eine dritte Erklärung besagt, dass die Erde vielleicht periodisch in interstellare Staub- oder Gaswolken gerät. Allerdings bezweifeln viele Wissenschaftler, dass die großen Massenvernichtungen des Lebens auf der Erde überhaupt eine Periodizität aufweisen. Die Diskussion dauert an.

Auf dieselbe Weise, wie wir von der kopernikanischen Revolution gesprochen haben, können wir die gegenwärtige historische Periode als die Zeit der großen Gaianischen Häresie identifizieren.

Erinnern wir uns: Vor nicht allzu langer Zeit wurden Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Heute mögen diese Menschen keine Forschungsgelder erhalten oder ihre Ideen werden lächerlich gemacht, trivialisiert und marginalisiert. Eine kritisch-wertvolle Auseinandersetzung wird dadurch erschwert. Ein großer Teil der Bedeutung der gaianischen Häresie würde folglich von unklarem Denken überlagert. Ideen müssen diskutiert und geprüft werden, gerade in Krisen.

Was sind die Lehrsätze der gaianischen Häresie? Erstens ist die Erde primär, die Menschen sind sekundär. Über Jahrtausende glaubten Menschen, die einzig signifikante bedeutende Gattung des Planeten zu sein. Ein Fehler, den ihnen nicht zuletzt die religiösen Führer gepredigt haben.

Anthropozentrismus ist ein prinzipieller philosophischer Grundsatz unseres westlichen Weltbildes, den wir uns nicht mehr leisten können. In Wahrheit sind wir eine entwickelte Form der Gattung Säugetier des Planeten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Gaia: Dieses System, dem wir angehören, bietet einen derart großen Zusammenhalt, dass die Biologen Charles Birch und John Cobb uns mitteilen, die nächste Analogie zur Biosphäre der Erde sei eine einzelne Zelle.

Wir sind völlig eingebunden in ihrem Energiestrom und in ihren Organisationsmustern. Erinnern wir uns, dass wir uns unter dieser Perspektive nicht als getrennte Wesen begreifen können, die „die Erde retten“. Darum geht es nicht! Wir sind es selbst, die Erde, nämlich jener Teil, der nach einer Lösung sucht für die unerträglichen Unausgewogenheiten, die wir kreiert haben.

Wir sind jener Teil der Erde, der sich dazu entwickelt hat, selbstreflektiv zu sein. Diese Fähigkeit ist der einzige Anhaltspunkt für das sogenannte „menschliche Bewusstsein“, das sich von den übrigen Tieren andersartig absetzt. Obwohl z. B. Raben und einige andere Tierarten diese wertvolle Fähigkeit auch in gewissem Maße besitzen und weiter entwickeln.

Die zweite Grundannahme postuliert, dass die lebende Erde sowohl eine psychisch-spirituelle als auch eine physisch-materielle Existenz und Wirklichkeit ist. Die Anerkennung von Psyche und Spirit wäre neu.

Spirituell sehen wir die Erde lediglich als eine Haltestelle und betrachten uns selbst als spirituell Durchreisende. Das ist der gängige religiös-esoterische Standpunkt. Doch Geist im weitesten und spirituellsten Sinne ist immanent im größeren biologischen System. In dem Körper, dem wir alle angehören. Sie ist uns Nahrung, Elternteil und Führerin.

Drittens akzeptiert die gaianische Häresie nicht die Doktrin einer unveränderlichen Natur der Dinge. Wir wissen z.B. heute, dass die Gesetze, von denen wir annahmen, sie seien auf ewig universell, wie die der Schwerkraft oder der Thermodynamik, vor fünf Milliarden Jahren nicht existierten. Die Schöpfung ist ein Prozess, in dem jeder Augenblick des Lebens den Nächsten bedingt und Ausgewogenheit nach einem ständigen Wechsel verlangt. Aus dieser Perspektive macht alles, was wir tun oder lassen, einen Unterschied – wir sind an dem nächsten wichtigen Schritt beteiligt.

Dennoch entziehen sich neunzig bis neunundneunzig Prozent der materiellen Wirklichkeit unserem Verständnis. Zum Beispiel interagiert die kosmische Antimaterie nicht mit unserer gewohnten Materie, außer durch die Schwerkraft. Möglicherweise hat die Physik oder Kosmologie hier das Kosmische Unbewusste entdeckt, analog unserem eigenen Unterbewusstsein.

Im Zusammenhang mit dieser journalistischen Auseinandersetzung fällt mir öfter der alte hermetische Grundsatz: „Wie oben, so unten!“ ein, welcher von den universellen Analogien der Werke der Schöpfung spricht, sowohl im Mikro- als auch im Makrokosmos. Eigenschaften und Einflüsse der Antimaterie sind unbekannt, doch hält sie alles im Kosmos zusammen und bestimmt die Verteilung von Galaxien und deren Struktur.

Ihre Menge wird irgendwann darüber entscheiden, ob das Universum weiter existieren wird oder nicht. Die Anerkennung der Antimaterie bedeutet, dass wir den weit überwiegenden Teil der Materie im Universum nicht kennen und auch durch unsere experimentellen Untersuchungsmethoden nicht erkennen können. Dies ist ein schwerer Schlag für Leute, die die Natur für rational erfassbar halten!

Rupert Sheldrake behauptet, dass alle Ebenen der Natur durch das organisiert sind, was er morphische oder formative Felder genannt hat. Seine Sichtweise macht aus dem Ganzen mehr als die Summe seiner Teile und organisiert die verschiedenen Teile eines Organismus, als Teil eines Holistischen Weltbilds.

Dieses basiert auf der Idee einer geschachtelten Hierarchie von Organisationen. Beispielsweise könnte die äußere Struktur ihr Körper sein, die inneren Strukturen sind die Organe, dann haben wir das Gewebe innerhalb der Organe, die Zellen innerhalb des Gewebes, die Organellen innerhalb der Zellen, Moleküle innerhalb derer, Atome innerhalb der Moleküle, subatomare Artikel innerhalb der Atome und schließlich, innerhalb der subatomaren Partikel, noch mehr subatomare Partikel.

Folglich ist der Organismus in einer Gesellschaft, in einem Ökosystem, in einem planetaren System wie Gaia, im Sonnensystem, in der Galaxis, im gesamten Universum (und dieses in was?) enthalten. Die holistische Weltsicht schlägt vor, dass es auf jeder dieser Ebenen eine Ganzheit gibt, die vom morphischen Feld abhängt, von dem jedes ein inhärentes Gedächtnis hat.

Implizieren Sie doch bitte einmal ein (träumendes?) Bewusstsein dieser planetarischen Ganzheit, die wir Gaia nennen wollen. Gibt es auf Gaia möglicherweise auch eine Geografie der Sinne, durch die sie sich selbst ausdrückt und wahrnimmt?

Ich denke, wir sollten uns bestimmte globale geomantische Orte und Landschaften als Tore des Geistes vorstellen, durch die der Zugang zu diesen planetaren Bewusstseinsfeldern am besten gefunden werden kann. Möglicherweise sind diese alten verehrten Stätten der physische Sinnesapparat der anima mundi oder Weltenseele.

Der irische Naturmystiker George William Russell betrachtete prähistorische Kultstätten ebenfalls als planetarische Sinne und berichtete uns, dass seine Fähigkeit, die „Übernatur“ wahrzunehmen (wie er es nannte), an solchen Orten zunahm. Möglicherweise bestanden einige Rituale unserer Ahnen darin, die Teilnehmer durch diese planetaren Geistestore zu führen, die die Kultstätten direkt mit dem spirituellen Gaia-Feld verbanden.

(In einem solchen Kontext wären möglicherweise auch die Botschaften der Kornkreise zu verstehen, als spirituelle Botschaften von Gaia selbst, also (meistens) nicht von Menschen gemacht, und auch nicht von Außerirdischen. Es wäre sozusagen eine Information aus dem Gaia-(Gedächtnis)Feld für uns, symbolisch-künstlerisch in Materie/Form ausgedrückt.)

Wenn wir als globale Kultur genügend Reife erlangen, liefert unser Planet vielleicht das Medium, mit dem wir diese Phänomene wissenschaftlich beweisen können. In der Zwischenzeit markieren besondere Landschaften und prähistorische Heiligtümer die Orte, wo diese Phänomene aufzutreten pflegen. Der Zweck der modernen geomantischen Forschung ist es deutlich zu machen, wie wir solche Orte erneut als Instrumente oder Tore benutzen können.

Es gibt nicht nur ein stargate, sondern auch und zuerst einmal ein earthgate, bevor wir zu den Sternen wandern können! Nur wenn es uns gelingt, Geist und Land in unmittelbarer Vereinigung zusammen zu führen - wie es vor uns alle naturreligiösen Völker der Erde in sinnbildlichen Ritualen und Mysterienspielen an heiligen Plätzen immer schon versuchten -, werden wir wirklich in der Lage sein, diesen Planeten ganzheitlich zu verstehen und in unseren menschlichen Geist liebend zu integrieren.

Wir sind von dieser heilenden Integration abhängig, vergessen wir das nicht. Lasst uns unser verlorenes Erbe wieder in Anspruch nehmen und zurück erobern: Die Fähigkeit, mit diesem Planeten, mit unser aller Mutter, zu kommunizieren, zu interagieren.

Die alte und immer noch brandaktuelle Gaia-Hypothese stellt den Versuch dar, ein neues kollektives Weltbild zu schaffen und zu etablieren, das gemeinsame globale Interessen hervorruft! Das wirtschaftliche und politische Zusammenwachsen der Weltgemeinschaft braucht eine neue philosophisch-spirituelle Grundlage: die lebendige Mutter, unsere Erde!

Von Eire Rautenberg

Quellen/Literaturhinweise:

* James Lovelock: Das Gaia-Prinzip – Die Biographie unseres Planeten – Insel Verlag, Frankfurt/Main 1993
* Susanne G. Seiler (Hg.): Gaia – Das Erwachen der Göttin: Die Verwandlung unserer Beziehung zur Erde, Aurum Verlag, Braunschweig 1991
* Rupert Sheldrake: Das Gedächtnis der Natur - Das Geheimnis der Entstehung der Formen in der Natur, Piper Verlag, München 1997
* Rupert Sheldrake: Das schöpferische Universum, München 1989
* Paul Devereux: Earthmind: Communicating With the Living World of Gaia (Destiny, 1992) - with John Steele and David Kubrin
* Paul Devereux: Earth Lights Revelation: UFOs and Mystery Lightform Phenomena: the Earth's Secret Energy Force (Blanford Press, 1989)
* Paul Devereux: Der Heilige Ort: Vom Naturtempel zum Sakralbau, AT-Verlag
* Nigel Pennick: Einst war uns die Erde heilig – Die Lehre von den Erdkräften und Erdstrahlen, München 1990
* Marilyn Ferguson: Die Sanfte Verschwörung: Persönliche und Gesellschaftliche Transformation im Zeitalter des Wassermanns, Sphinx Verlag, Basel 1982
* Gregory Bateson: Ökologie des Geistes. Anthropologische, psychologische und epistemologische Perspektiven, Frankfurt 1985
* Morris Berman: Wiederverzauberung der Welt. Am Ende des Newtonschen Zeitalters, Reinbeck 1985
* Eugen Willerding: Die Gaia-Hypothese - Anhang zu einer Vorlesung Planetensysteme WS, Universität Bonn, 2003/Oktober 2004

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