Seite 3: Deutsche Mythologie I: Die Götter der Südgermanen

Bei den Opferbräuchen der ursprünglichen Wodan/Odin-Mysterien wurden die Novizen an die Zweige des Stammbaumes gehängt. In der nordischen Mythologie an die Weltenesche Ygg-Dra-Sil.

(Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, daß "Ygg" ein Name des Gottes ist, aber auch die Bedeutung "Ei" haben kann; "Dra" meiner Meinung nach für die wodanische Drachen- oder Schlangenkraft steht; und "Sil" das feinstoffliche Naturlicht ist.)

Der Meister Wodan selbst erduldete eine neun Tage dauernde Prüfung, während der er kopfüber am Lebensbaum hing und fastete. Nach dieser Leidenszeit wurden ihm die Runen offenbart und er schenkte ihre Weisheit als Oberster "Thul" ("Spruchmeister") denjenigen, die ihm nachfolgten.

Die Einweihungsriten wurden entweder an den Irminsul/Armansil-Säulen oder an echten Bäumen vollzogen. Darüber ist wenig bekannt. Derartiges Brauchtum wurde anläßlich besonderer Festlichkeiten alle neun Jahre vollzogen, um den Todestag des Runengottes zu begehen. Niemand weiß, ob Menschen in dieser Form geopfert wurden, oder ob es sich um eine innere Reise und Weihe handelte, die der Novize im zeitweiligen Hängen erfahren sollte.

Später bekannte er sich zur Schweigepflicht und legte einen Treueeid ab, indem er die blanke Klinge eines Schwertes küßte und besonders gewürzten Met trank, der in einem Kelch gereicht wurde, der aus einem menschlichen Totenschädel gefertigt war. Abschließend erhielt der Novize einen Silberring, graviert mit Runen, und man eröffnete ihm, daß er die Pforten des Todes durchschritten hatte und als höheres Wesen wiedergeboren war. Am Ende seiner Reise durch die neun mystischen Welten wurde der Novize mit dem Abbild des Gottes konfrontiert: ihm wurde ein Spiegel vorgehalten, die Selbsterkenntnis. Dadurch wurde das Wissen mitgeteilt, daß die spirituelle Wahrheit nicht außen, sondern allein im Inneren erfahren werden muß.

Fast überall wird Wodan (nordisch: Odin) der höchste Gott.

Andere Namen von ihm sind: "Der alte Adler", "Adlerhaupt", "Herr der Walküren", "Wunjo" (Wunsch, Wonne), "Osc-Ar", "Omi", "Ygg", "Thund", "Si-Hora", "Grimme", "Graubart".

Nur die Herminonen bewahrten in römischer Zeit noch den Kult von Tiwaz, Tiu oder Irmin. Mit seinem Reiche hatte der leuchtende Gott auch seine Gemahlin an Watanaz abgeben müssen.

Auf istaevonischem Boden wurde er später zum Träger der geheimnisvollen Schriftrunen. Er spricht auch die Genesung bringenden Zauberworte und nennt als wundertätiger Arzt die neun heilkräftigsten Pflanzen der Erde, deren Namen allerdings nicht überliefert sind.

Von Wodan leiten alle angelsächsischen Könige ihren Stammbaum ab, noch Heinrich der II. von England fühlte sich als dessen Nachkomme.

Durch die enge Berührung der Germanen mit den Kelten und Römern erweitert sich das Herrschaftsgebiet Wodans: er wird Erfinder der Künste und der Zauberei.

War er zu Beginn ein Naturgott, ähnlich dem keltischen "Cernunnos", so entwickelte er sich allmählich zum Kulturgott, mit Rechtswesen, Erfindung und Wissenschaft, gewandt in Rede und Wort. Nachdem die Germanen Kontakt mit anderen Völkern hatten, ähnelt er jetzt dem Hermes, dem Mercur. Noch heute heißt der Tag des Mercur, der Mittwoch, angels. Vodenes, engl. Wednesday, holländ. Woensdag.

Watanaz/Wodan erobert alle Mannus-Stämme und gilt seither als die Verkörperung des deutschen Glaubens.

Donraz

Der Name des Gewitter- und Donnergottes Donraz (urgerm./indog.) wurde bei den Thüringern, Hessen und Westfalen zu Donar, Don-Ar; zu Thuner bei den Friesen und Angelsachsen; zu Thonar in Schwaben; zu Thor bei den nordischen Völkern; ist "Duir/Dor" (der Eichengott) und "Dagda" bei den keltischen Völkern. Die Sprachwurzeln bedeuten "donnern, dröhnen" (lat. tonare).

Tacitus erwähnt ihn neben Tius und Wodan und hebt hervor, daß ihm Tiere geopfert werden. Die Römer sehen in ihm eine Herkuleskraft, wegen seiner Stärke, des ‚Donnerkeils‘ (den zweiseitigen Donnerkeil gibt es auch als Kultgegenstand in Indien und Tibet, dort Vajra und Dor-je genannt) und wegen seiner Kämpfe gegen alle Feinde der Menschheit, weswegen er oft die Glanzhalle verlassen muß, um das Man-Heim zu verteidigen.

Die Man(nus)-Stämme, die Tiu-Völker, die Teutschen, nannten ihre heimatliche Erde nicht Midgard (Mitte-Garten, Mittelerde), wie es die nordischen Germanen taten, sondern offensichtlich Manheim.

Das Manheim (Menschenheim) umfaßte den gesamten Herrschaftsbereich der Stämme, wahrscheinlich sogar die ganze bekannte Welt. In der religiösen Vorstellung lag das Asenheim innerhalb von Manheim.

Zwar gab es auch ein kosmisches Asenheim, aber der Germane wollte seine Götter auch begreifen können. Deshalb schufen unsere Vorfahren das Asenheim (mit der Irminsul) als Göttersitz südlich des heutigen Detmold im Taunus.

Donaz erscheint meist wie ein rotbärtiger Riese von kräftiger Gestalt, ein gewaltiger Esser und Trinker, der Freude an derben Sitten hat und sich wenig um feine Lebensführung kümmert. Er ist mehr der Gott der Bauern, als der Gott der Krieger oder Zauberkundigen. Er repräsentiert die Alltagskulte. Donar/Thor trägt Eisenhandschuhe, damit er den ‚Zermalmer‘, seine Doppelaxt, besser werfen kann. Ein Kraftgürtel verdoppelt seine göttliche Kraft. Er reitet nie. Entweder geht er zu Fuß oder benutzt seinen Wagen, der von zwei Ziegenböcken gezogen wird, seinen heiligen Tieren, die in alter Zeit bei den Hochzeiten ihr Blut lassen mußten. Die Braut wurde mit Bocksblut besprengt.

Ein Gewitter verkündet seinen Zorn und meistens geben die Krieger ihre Kämpfe auf, wenn Gewitter, Blitz, Donner und Hagel die Mißgunst des Gottes zeigen. Die Angelsachsen nannten das Gewitter Donnerwagen oder Donnerfahrt. Die Kämpfer ahmten die Donnerstimme des Gottes nach, indem sie die Schilde vor den Mund hielten und kräftig hineinschrieen. Dieser kurze, aber mit voller Lungenkraft geschmetterte Ton wirkte lähmend auf den Gegner. Dem Hurra-Ruf sagte man eine fast zauberhafte Wirkung nach. Hurra! war der schmetternde Laut von siegesbewußter Kühnheit.

Bezugnehmend auf den Donnerkeil oder Thors Hammer (die Doppelaxt), wie er im Volksmund heißt, praktizierten die Deutschen den Hammerwurf, wenn sie eine Grenzmarke setzen wollten. In alten Zeiten mit dem steinernen Streithammer, später mit Beil, Hufhammer, Pflugschar oder Sichel. Mit seinem Hammer spaltet der Gott das Erdreich und macht den Boden urbar. So wird er der Gott des Ackerbaues, der Beschützer der heimatlichen Scholle.

Noch stärker als mit Herkules verglichen die Römer den Donaz mit Jupiter. Obwohl in den Bußbüchern der missionierenden Christen im 7. - 9. Jhdt. die Verbote zahlreich sind, den Tag des Jupiter untätig zu verbringen, weigerten sich die Heiden, den Donnerstag als Ruhetag aufzugeben und statt dessen den Sonntag untätig zu sein. Die Tradition, am Donarstage zu feiern, ist alt. Die geladenen Gäste spendeten für die an diesem Tag stattfindenden Hochzeiten Hähne und Hühner, die Donaz geweiht sind, wegen der nahen Beziehung, in der sie zum Wetter stehen.

Das Paar wurde von der Mutter des Mannes um den Herd geführt, danach ging es zur Trauung. Bei Dortmund wurde während des Umführens um den Herd das Feuer entzündet, dabei sprach man vergessene Sprüche. Donar galt als Beschützer und Schirmherr der Ehe. So wie der Wind- und Sturmgott Wodan zur Erringung der Braut angerufen wird, so erfolgte die göttliche Weihe durch Donar, vermutlich durch seinen Hammer, das Sinnbild von Recht und Fruchtbarkeit.

Beinamen des Gottes sind: "Wagenthor" (sein Symbol ist das sechsspeichige Rad), "Donnerer", "Hlorridi".

08.09.2017 © seit 07.2003 Eire Rautenberg
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