Satire: Männerwelten in den Augen einer Frau ...

Hier geht es nicht um nette Männer, sondern um die Aufreger der Nation. Immerhin gibt's in den Augen einer Frau zu den schrägen Typen einfach mehr interessantes zu erzählen. Wie man mit Lehrern und Chefs verbal abrechnet, erfahren Sie in dieser satirischen Story.

Den Song von Herbert Grönemeyer: „Männer nehm in den Arm, Männer geben Geborgenheit“ - kennt wohl jeder. Ein sehr wahres und facettenreiches Lied über die Spezies „Mann“, wie ich finde. Und um Missverständnisse auszuräumen, ich steh' auf Männer, immer schon! Und das wird auch so bleiben.

Von denen, die meinen Lebensweg bisher positiv kreuzten, will ich nicht schreiben, sondern über diese Aufreger der Nation, denn die habe ich bisher auch schon reichlich getroffen. Die ersten Männer, die mir in meinem Leben außerhalb der Familie begegnet sind, waren Lehrer.

Satire Lehrer MännerDer eine Klassenlehrer wollte lieber Schauspieler werden, deshalb inszenierte er auch ständig Dramen. Hätten wir damals schon „Bruce Darnell“ gekannt, hätten wir ihm mit Witz und Charme entgegen treten können.

Aber so haben wir seine Versuche einfach über uns ergehen lassen, seinen täglichen Frust nicht an den großen Bühnen dieser Welt auftreten zu können, sondern an einer unbedeutenden Volks- und Realschule in Hamburgs Prollviertel, den Dummköpfen etwas beizubringen.

Wer in der Theater-AG mitspielte, hatte auch 'ne gute Zensur in Deutsch. War man schlecht in Deutsch und asozialer als die anderen, dann gab es im Sport 'ne 1, um die 5 in Deutsch auszugleichen.

Ging man zur Schule und stellte Fragen, weil man was lernen wollte, dann musste man sich mit 'ner 3 zufrieden geben und besser künftig die Klappe halten. Damals habe ich schon nicht begriffen, wie man einen Lehrer - respektive einen Mann, der dein Chef ist - um den Finger wickelt.

An entsprechenden Attributen hat es mir nie gefehlt, nur ich konnte nicht so dumm drein schauen, wie andere meines Geschlechts. Auch später dachte ich immer noch an das Gute im Mann, nicht an das gute Stück am Mann. Das war wohl mein Fehler. Ich hab' dann einen 14 Stunden Tag gehabt, anstatt mich einmal flach zu legen, für ein paar Minuten. Ich saß im Büro und habe die Arbeit für drei Angestellte gemacht, obwohl ich selbst schon Chefin war.

Meine Sekretärin hatte das besser drauf mit meinem Chef. Sie war zu alt, um sich von ihm flach legen zu lassen, aber sie hatte immer seine Lieblingsmarke Zigaretten parat. Sie hat ihm devot den Kaffee gekocht und mütterlich ein Brötchen mit seiner Lieblingswurst hingestellt.

Wenn ich ihn dann, nachdem er endlich mal für Rücksprachen in meine Zweigniederlassung gekommen ist, bezüglich wichtiger Entscheidungen sprechen musste, verwickelte sie ihn gekonnt in ein Gespräch über seinen letzten Urlaub. Wobei sie schnell noch mal die schöne Urlaubsbräune erwähnte und ihn lobte, dass er auch offensichtlich im Urlaub noch abgenommen hatte.

Satire Frau über MännerAls er dann stolz, wie ein Pfau mein Büro betrat und ich mit diesem Rüschengeplauder nicht fort fuhr, sondern sachlich die zu klärenden Vorgänge besprechen wollte, suchte er lediglich nach einem Aschenbecher, um erstmal eine zu rauchen.

Da hab' ich ihn vor die Tür gesetzt. Wie ein begossener Pudel ging er mit dem Kopf unterm Arm zu Mutti Renate, die ihm gleich einen Aschenbecher rüberschob und auch noch Feuer gab.

Sie genoss es sichtlich und in vollen Zügen, wie er sich ihres Feuerzeugs bediente und sie galant und Gentleman like fragte: „Darf ich!“

Klar durfte er, beide waren wieder im Smalltalk vertieft, das konnte ich durch mein Glasbüro sehen. Wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen. So wurde ich bei nächster Gelegenheit durch einen männlichen „Ja-Sager“ ersetzt.

Das sind meist inkompetente Chefs und sie kennen ihre Abhängigkeit. „Ja-Sager“ finden nicht nur immer alles gut, was der Chef sagt und macht, sondern sie stellen auch keine unbequemen Fragen. Das mag aber auch daran liegen, dass sie gar nicht in der Lage sind Fragen zu formulieren.

Dann gibt es noch die kleinen inkompetenten Chefs, die sind richtig fies, die haben so was vom Rumpelstilzchen: „Ach - wie gut, dass niemand weiß, was ich selber auch nicht weiß!“ Sie lassen dich auf einmal mitten in einer Verkaufsveranstaltung vorne an den Overheadprojektor kommen, damit du mal eben so unvorbereitet ihren Part übernimmst. Ich hab' die Prüfung bestanden. Was hat es genutzt? Gar nichts, denn er hatte Angst ich säge an seinem Stuhl.

Ich hatte wieder alles falsch gemacht. Ich hätte mir durch die langen blonden Haare fahren sollen, einen unschuldigen Blick auflegen und so etwas wie: „Ich weiß jetzt gar nicht, was Sie meinen!“ durch einen leicht geöffneten Schmollmund sagen sollen. Nee, ich hab' - wie ein Mann - nach einer Gehaltserhöhung gefragt, weil ich ja seinen Job auch mit gemacht habe. Seine Antwort: „Sie sollten viel öfter ein Kostüm tragen, Frau Müller!“

So hatte Frau Müller dann auch an dem Tag, an dem sie ihre Kündigung abgegeben hat, extra hohe Pumps an. Da konnte sie ihm dann das Kündigungsschreiben nach unten reichen, auf seine 1,53 m Körperlänge.

Fazit? Ich habe in einer reinen Männerdomäne gearbeitet, fand das aber immer noch erstrebenswerter, als nur mit Frauen zusammen zu arbeiten. Schließlich gab es auch Chefs, die einem nicht geil auf den Ausschnitt geguckt haben, sondern wirklich zuhörten.

12.06.2018 © seit 03.2009 Page Angel  
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