Seite 2: Was macht Menschen glücklich?

Die Bausteine des Glücks

Was macht Menschen glücklich UrsachenDie Happyologie untersuchte ein sehr markantes Beispiel: Den Bergsteiger, der in einigen hundert Metern Höhe in einer Felswand hängt. Er bereitete sich lange und intensiv auf diesen einen Aufstieg vor, der ihm alles abverlangt.

Er weiß, dass er all seine Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten jetzt braucht, der kleinste Fehler kann sein Ende sein. Er hat nichts außer seinem Ziel vor Augen - und in diesem Moment hat er nur ein Ziel - den Gipfel zu erreichen. Er verschmilzt mit diesem Ziel und mit seiner Umgebung, ist vollkommen einpunktig.

Dieses Phänomen ist sehr bedeutsam. Man fand es bei Extremsportlern (z. B. Freeclimbern, Wildwasserfahrern), Künstlern, bei Kampfsportlern, Yogis und Wissenschaftlern.

So verschieden die Bereiche - immer wird das Glück um so vollkommener erlebt, je wichtiger das Ziel ist und je einpunktiger es angestrebt wird.

Die einfache und doch so schwer umzusetzende Regel lautet also: Um glücklich zu sein, müssen Sie sich über Ihre Ziele im klaren sein und dafür leben. Wer Ziele klären und möglichen Schwierigkeiten begegnen will, braucht die Fähigkeit zielorientiert zu handeln.

Wenn ein Bewohner der Sahara einen Eskimo fragt, "Was ist Schnee?", da er selber noch nie welchen gesehen hat, kann der andere versuchen zu erklären:

"Äh, Schnee ist weiß, oft pulvrig und kalt".
"Weiß und oft pulvrig ... also weißer Sand."
"Nein, lockerer, es sind Wasserkristalle ..."
"Ich habe schon mal Eiswürfel in einem Glas Limonade gesehen, meinst du so was, nur in weiß?"
"Nein, mit Eis hat das nichts zu tun. Schnee ist weicher. Wenn Du bei ‚pulvrig' an Sand denkst ..., das trifft es auch nicht. Schnee ist oft nämlich eher fest und klebrig, wenn Du ihn anfasst."
"Ach, Du redest von nassem Sand! ... Bei euch gibt es wirklich so viel davon? Da muss es doch ständig regnen."
"Es regnet nie, es schneit nur."
"Dann kommt der nasse Sand ...?"
"Es ist keiner! Es ist Wasser, na ja, auch nicht ... es ist eben Schnee."
"...?"
"Sieh mal, mit meinem Schlitten kann ich auf Schnee fahren, aber nicht auf Sand ..."
"Na ja, der Sand hier ist ja auch gar nicht nass.“ ...

Selbst wenn ich meine Erlebnisse so genau wie möglich schildern würde, es bleiben meine Erfahrungen und jeder andere wird, immer und notwendig, etwas anderes erleben. Ich kann Tipps geben und die allgemeine Richtung umreißen - der Rest bleibt für Sie, das ist Ihre Chance. In unserem Beispiel von dem Bergsteiger lässt es sich leicht nachvollziehen: Wenn er zu Hause geblieben wäre und nur sein Freund, der oben war, ihm davon erzählen würde, könnte er die Freude, die er empfand, weil er auch oben war, nicht erleben.

Die heute verbreiteten Vorstellungen von Glück haben wir mit denen der Antike verglichen. Glückseligkeit, sagte Aristoteles, ist das höchste Ziel jedes Menschen. Je höher uns ein Ziel ist, desto näher kommen wir der Glückseligkeit, indem wir es anstreben. Je einpunktiger wir dabei sind, desto mehr sind wir eins mit uns selbst. Wenn wir uns selbst besser kennenlernen, erkennen wir auch deutlicher, welche Ziele uns persönlich am wichtigsten sind. Dies ist an eigene Erfahrungen gebunden, die jeder nur selbst machen kann.

Betrachten wir noch einmal die exemplarische Situation von dem Bergsteiger. Er will unbedingt auf den Gipfel und verschmilzt mit diesem Ziel, ist vollkommen einpunktig. Er ist in diesem Moment eins mit sich selbst, mit seinem Tun und seiner Umgebung. Eins-Sein ist also nicht nur ein Gefühl, es schließt sein Denken und Tun mit ein. Genau diese Einheit von Ziel, handeln, um genau dieses eine zu erreichen, sich gedanklich auf das Tun konzentrieren und das starke Gefühl der Freude führen zu Flow; denn nichts anderes ist dieses Eins-Sein mit sich selbst.

Denken, Fühlen und Handeln streben zu diesem Ziel; sie müssen schon eine gewisse Übereinstimmung haben, um das Ziel anstreben zu können. Und sie werden andererseits von diesem beeinflusst: Je näher Sie einem Ziel kommen, desto leichter wird es, alles Wichtige zu überdenken, desto mehr fühlen Sie sich hingezogen und desto leichter fällt es Ihnen weiterzumachen.

Die Kunst der Glückseligkeit

Glück ist nicht nur ein Gefühl. Andererseits ist es notwendig auch ein Gefühl, bzw. mit einem Gefühl verbunden. Glück ist kein intellektuelles Konzept. Das spezifische Gefühl von Glück, von glücklich sein, ist Flow. Flow heißt soviel wie Fluss oder fließen und meint den (psychischen) Zustand von Menschen in Augenblicken, wenn alles, was sie ausmacht (wie sie sich als Individuum wahrnehmen, was sie denken, fühlen und tun), harmonisch geordnet ist und sie etwas um der Sache selbst willen tun. Dann gehen sie ganz in diesem Tun auf.

Glück erfordert also, dass Sie etwas dafür tun. Es ist an das Streben nach einem Ziel gebunden. Sie kommen dem Glück auch andersherum auf die Spur: Jedesmal, wenn Sie in Ihrem Leben glücklich waren oder sind, haben Sie etwas erreicht, das Ihnen wichtig ist. Wenn Sie diese Situationen überdenken, erfahren Sie mehr darüber, was Sie glücklich macht. Legen Sie den Artikel einmal für einen Augenblick beiseite. Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit und fragen Sie sich:

  • Wobei bin ich glücklich?
  • Wie werde ich glücklicher?

Jetzt kann es weitergehen. Glück wurde bislang als etwas dargestellt, wofür man etwas tun muss. Glück ist das oberste Ziel jedes Menschen - und das kann es ja nur sein, solange man es noch nicht erreicht hat (sonst ist es kein Ziel mehr), oder wenn man es erlangt und auf jeden Fall beibehalten will. Wie gesagt, es wurde nicht behauptet, dass es irgendein Ziel ist, sondern glücklich zu sein, ist das höchste Ziel.

15.06.2016 © seit 03.2004 Steward
Kommentar schreiben