Krise als Chance: Persönliche Krisen meistern

Im Laufe seines Lebens kann es niemand vermeiden, irgendwann eine mehr oder minder schwere Krise zu erleben. Niemand ist vor einer Krise gefeit und es gibt auch keine Mittel Krisen aus dem Leben zu verbannen. Einige Psychologen sprechen sogar davon, daß statistisch jeder Mensch etwa alle 10 Jahre eine schwere Krise erlebt.

"Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen." (Max Frisch)

Vielleicht können Sie aus eigener Erfahrung nachvollziehen, wie existentiell sich eine echte Krise auf die Psyche auswirken kann. Insofern können wir sagen, daß wir zwar kein Mittel besitzen Krisen zu vermeiden, aber wir haben einen großen Einfluß darauf, wie wir Krisen erleben und meistern.

Persönliche KriseDenn Krisen sind nicht per se schlecht, sie bieten auch Chancen elementare Verhaltensweisen oder Lebensumstände zu prüfen, zu verändern oder zu verbessern.

Im Nachhinein stellen sich so manche Krisen als Scheideweg heraus, an dem wir unser Leben grundsätzlich positiv verändert haben. Manchmal wird erst im Rückblick klar, daß eine "scheinbare Katastrophe" im Laufe der Zeit heilsam wirkte, d.h. wir unser Leben zum Besseren gewendet haben.

Denn auch ein ruhiges und "sicheres" Leben, welches nur noch aus belanglosen Routinen besteht, die weder glücklich noch zufrieden machen, kann zur "Hölle" werden. Vielleicht haben wir durch Abstumpfung oder Gewohnheit den Ernst der Lage übersehen und uns mit unserem Unglück arrangiert. In solchen Fällen können Krisen eine echte Chance sein aufzuwachen und sich ernsthaft zu fragen, ob man den gewohnten sinnlosen Trott wirklich bis zum Tod aufrechterhalten will.

In diesem Artikel will ich eine Möglichkeit aufzeigen, wie man sinnvoll und konstruktiv mit Krisen umgehen kann. Lösen Sie sich von der Ansicht, das Krisen "nur Katastrophen sind", die es zu vermeiden gilt. Besiegen Sie Ihre Ängste und nehmen Sie die Krise als Chance wahr, etwas Grundlegendes in Ihrem Leben positiv zu verändern. Vielleicht hilft Ihnen die folgende Methode dieses Ziel zu erreichen.

Methode: Wie man Krisen konstruktiv nutzt

1. Die Situation annehmen

Hier bringt eine scheinbar banale Tautologie die Realität auf den Punkt: "Was ist, ist!" Akzeptieren Sie den gegenwärtigen Zustand. Sie können nicht mehr ändern, daß es so gekommen ist. Verleugnen Sie nicht die Umstände oder Fakten, die auf dem Tisch liegen. Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr Handeln. Schuldzuweisungen an sich selbst oder andere helfen niemandem weiter.

Sie stecken in der Krise und sind auch der einzige, der einen positiven Ausgang wählen kann. Machen Sie sich zunächst die reinen Fakten oder Tatsachen bewußt und notieren Sie diese auf einem Zettel. Sich ein klares und vollständiges Bild von den Umständen zu machen, ist der erste Schritt konstruktiv mit einer Krise umzugehen! Haben Sie den Mut, sich der kommenden Herausforderung zu stellen.

"In der Krise beweist sich der Charakter." (Helmut Schmidt, geb. 1918)

2. Übernehmen Sie die Verantwortung

Oft gehen uns Sätze wie "Warum mußte das gerade mir passieren?", "Warum immer ich?", "Was wäre, wenn ich anders gehandelt hätte?", "Könnte ich das nur ungeschehen machen" ... usw. durch den Kopf. Verschwenden Sie nicht Ihre Zeit mit Überlegungen wie "hätte" und "würde". Die Krise ist da und kann nicht weggeredet werden.

Sie können die Vergangenheit nicht mehr ändern. Das einzige, was Sie mit diesen Gedanken erreichen, ist sich schuldig und hilflos zu fühlen. Mit solchen Phrasen suhlen Sie sich nur in Selbstmitleid und blühen in der Opferrolle auf. Das mag auf den ersten Blick zwar gut tun, aber schadet Ihnen nur, da es den Blick auf konstruktive Lösungen verbaut.

Machen Sie sich klar: Mit Schuldzuweisungen und "Buße" hat noch niemand etwas Positives bewirkt. Im Gegenteil - statt einen positiven Ausgang zu suchen, verfällt man in Passivität, Selbstzweifel und Nichtstun. Damit fördern Sie nur die Wahrscheinlichkeit den "worst case" (schlechtesten Ausgang) der Krise anzusteuern. Sie können zwar die Vergangenheit nicht mehr ändern, aber die Zukunft liegt in Ihren Händen. Auf diesen Aspekt - Was kann ich künftig besser machen? - sollten Sie all Ihre Gedanken und Energien fokussieren.

Fragen Sie sich: "Wie sieht ein positiver Ausgang - oder die beste Möglichkeit - aus, um die Krise zu beenden?" Und anschließend: "Welchen Betrag kann ich beisteuern, damit dieser "best case" (bestmöglicher Ausgang) erreicht wird?" Notieren Sie sich wieder Ihre Gedanken und Ideen auf einem Zettel.

3. Treten Sie beiseite

Es ist schwer in Ruhe eine gute Lösung zu finden, solange Sie ein Teil der Situation sind. Treten Sie (gedanklich) einen Schritt beiseite und versuchen Sie Abstand zu schaffen. Wie kann das aussehen?

  • Halten Sie inne und gönnen Sie sich eine Atempause. Verfallen Sie nicht in puren Aktionismus.
  • Schalten Sie in einer ruhigen Umgebung einen Gang zurück und nehmen Sie sich Zeit für sich selbst und Ihre Gedanken.
  • Besprechen Sie sich in Ruhe mit allen Beteiligten und Betroffenen, ohne Vorwürfe, Schuldzuweisungen und gegenseitige Angriffe. Suchen Sie gemeinsam nach konstruktiven Lösungen.
  • Notieren Sie sich alles, was Ihnen zu der Krise einfällt. Schreiben hilft den Kopf zu klären und aus "Gedankenschleifen" auszubrechen.
  • Sind nur Sie betroffen? Haben Sie Menschen, die Sie um Rat und Hilfe fragen können? Oftmals hilft ein gutes Gespräch, um erst einmal "herunter zu kommen" und die Gefühle zu beruhigen. Bedenken Sie: Wer völlig aufgewühlt oder gestreßt ist, sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht!

Suchen Sie notfalls professionellen Rat oder rufen Sie die Telefonseelsorge an, wenn es sich um starke persönliche Probleme handelt. Nutzen Sie Kreativmethoden, um neue Ideen, andere Gedanken und Lösungen zu finden.

4. Verschaffen Sie sich eine Atempause

EntspannenAus medizinischer Sicht ist eine Krise eine "akute Belastungsreaktion". Sorgen Sie dafür, diese akute Belastung zu reduzieren. Können Sie unwichtige Termine verschieben? Können Sie Urlaub nehmen oder Überstunden abfeiern? Nutzen Sie die jetzt freie Zeit, um körperlichen Streß abzubauen. Selbst ein wenig Bewegung an der frischen Luft, ein bißchen Gartenarbeit oder Schwimmen können beim Entspannen helfen.

"Siehst Du einen Riesen, so achte auf den Stand der Sonne, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist." (Novalis)

5. Werden Sie sich Ihrer Gefühle bewußt

In Krisen fühlen wir uns oftmals unzufrieden, unglücklich, wütend, ärgerlich, hilflos oder enttäuscht. Doch in den seltensten Fällen machen wir uns klar, was wir wirklich fühlen. Wir "erleben" zwar unsere Gefühle, aber die gleichen oft einer trüben Suppe diffuser Stimmungen. Seiner Gefühle kann man sich bewußt werden, wenn man sie benennt und Auslöser und Wirkungen beschreibt. Nehmen Sie ein Blatt und beschreiben Sie Ihre Gefühle, die Sie gerade beschäftigen. Zudem gewinnen Sie so einen Teil der Kontrolle über die Situation zurück.

Das Schreiben an sich ist bereits eine große Hilfe, denn Sie werden aktiv. So können Sie sich schrittweise einem positiven Ausgang der Krise nähern.

Haben Sie die Gefühle notiert? Beantworten Sie anschließend folgende Fragen zu diesen Gefühlen:

  • Was enttäuscht Sie?
  • Was macht Sie wütend? Was ärgerlich?
  • Welches sind die größten Ängste, die Sie in Bezug auf die Situation haben?
  • Was könnte Ihre Gefühle positiv verändern?

Sie werden feststellen, daß Angst ein entscheidender Faktor ist. Zum Glück sind die meisten Krisen nicht lebensbedrohlich.

Werden Sie sich dessen bewußt! Fragen Sie sich am Ende: Wovor fürchte ich mich in dieser Situation am meisten? - und - Was kann ich tun, damit ich dieser Herausforderung gewachsen bin?

6. Erstellen Sie einen Schlachtplan

Vergegenwärtigen Sie sich, welchen Handlungsspielraum Sie haben. Sprechen Sie den Satz - "Ich kann. Ich will. Ich werde."- voller Überzeugung aus. Sie wissen, was Ihre größte Angst ist. Sie sind sich Ihrer Gefühle bewußt. Sie wissen jetzt, wo Sie anpacken können. Finden Sie den Hebel, an dem Sie ansetzen können. Versuchen Sie das Ziel zu beschreiben, das Sie am Ende erreichen wollen.

Krisen erfolgreich lösenEntwickeln Sie einen Aktionsplan, um das gesetzte Ziel zu erreichen. Bitten Sie in der Familie, bei Bekannten oder Freunden um Hilfe bei der Planung und Umsetzung. Setzen Sie Kreativmethoden ein, um diesen Plan zu entwickeln und umzusetzen.

Oft glauben wir, keine oder nur eine Wahl zu haben. Ändern Sie diese Einstellung. Sagen Sie sich, daß es immer mindestens zwei Wege gibt. Wenn Sie das verinnerlicht haben, fragen Sie sich, welche dritte Möglichkeit es gibt. Glauben Sie mir - Sie werden auch eine dritte oder vierte Möglichkeit finden, wenn Sie ernsthaft zu suchen beginnen.

Wir leben in einer Welt mit unendlich vielen Möglichkeiten - nur unsere Sturheit, Verbohrtheit oder Blindheit kann uns hindern sie zu sehen.

Werden Sie sich Ihrer Wahlmöglichkeiten bewußt und wählen Sie die beste Alternative. Notieren Sie diese Gedanken wieder auf einem Zettel.

7. Fangen Sie an!

Und - last but not least - werden Sie aktiv! Wenn Sie diese Methode bis zu dieser Stelle angewandt haben, müßten Sie sich Ihrer Handlungsoptionen bewußt sein. Durch pures "Hoffen" ist noch kein Problem erledigt worden. Zeigen Sie sich nun als Mann oder Frau, die Taten sprechen läßt. Setzen Sie um, was Sie als "best case" erkannt haben und machen Sie damit die Krise zur Chance.

Ich hoffe, daß Ihnen diese Gedanken geholfen haben etwas Struktur in die Krise zu bringen. So kann man am Ende das "Licht am Ende des Tunnels" erblicken und eine Krise zum Positiven wenden.

Viel Erfolg beim Meistern Ihrer Krise!

15.06.2016 © seit 05.2009 Heiko Synofzik  
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