Filmkritik: "Unsere Ozeane" von Jacques Perrin

Da erscheint dieser abendfüllende Dokufilm im Frühjahr 2010 und just gibt’s die bisher größte Ölkatastrophe der Welt im Golf von Mexiko. Pure Ironie oder vorhersehbare Prophezeiung? Man kann spekulieren. Jedoch passen die Wörter „abendfüllend“ und „Film“ auf „Unsere Ozeane“ (OT:Océans) wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

Jacques Perrin, Regisseur, hat es geschafft, eine Brücke zwischen Dokumentation und Spielfilm zu bauen. Und die hält was aus! Was ein wahrer Filmemacher ist, zeigt sich in seinen sozusagen architektonischen Umsetzungen: Die Kunst des Schnittes wird dazu genutzt, um kleine Anekdoten aus dem Reich der Tiere zu erzählen.

So wird der Zuschauer u.a. Zeuge eines inszeniert wirkenden Kampfes unter Wasser zwischen zwei krabbelnden Schalentierrivalen – doch inszeniert ist hier nichts. Auch nicht der dramatische Kampf ums Überleben der Babyschildkröten auf ihrem Weg aus dem sicheren Nest im Sand bis hin zum weiten, tiefen, kühlen Blau. Erinnerungen an Hitchcocks „Die Vögel“ werden wach.

Und was ein echter Franzose ist, der geizt nicht mit Kultur. Die klassisch-angehauchte Filmmusik stammt von Bruno Coulais und untermalt dieses poetische Bilderwerk perfekt. Text gibt es wenig – wozu auch?

Doch wenn sich der Erzähler mal zu Wort meldet, fallen seine Zeilen äußerst kritisch gegenüber dem menschlichen Verhalten der Natur gegenüber aus. Und das ist auch gut so!

Schließlich ist der Mensch Teil der Natur. Ohne belehrend zu sein, zeigt „Unsere Ozeane“ die Realität. Eine paradiesische, melancholische, aber auch lustige und, auf der anderen Seite, traurige Realität, für die der moderne Mensch kaum noch Augen zu haben scheint.

Was ist der Sinn dieses Films? Das mag man zurecht fragen. Doch, wer ihn gesehen hat, wird seinen künstlerischen und unterhaltsamen Wert zu schätzen wissen. Dass der Zuschauer dabei selbst ins Grübeln kommt und über sein Verhalten nachzudenken beginnt, das ist wohl ein schöner und gewollter Nebeneffekt.

Denn trägt nicht jeder Mensch einen Teil der Verantwortung an der Natur? Eine rhetorische Frage, zu der „Unsere Ozeane“, bestechend durch seine außergewöhnlichen Bilder, indirekt eine prägnante Antwort liefert.

Vielleicht sind aber auch das alles abschreckende Argumente für einige Leser bzw. potenzielle Zuschauer. Wird hier zu hochtrabend philosophiert? Und ist wirklich alles echt? Der Raketenstart und die aus der Ferne äußerst skeptisch dreinblickenden „Urmonster“ wirken zwar recht gut in Szene gesetzt, doch auch etwas zu inszeniert.

Nachhilfe hat allerdings noch keinem geschadet; Computeranimationen bleiben allerdings, und zum Glück, bis auf nötige Zwischensequenzen, in denen der Mensch einmal zu sehen ist, auf der Strecke.

Fazit: Die jahrelange Arbeit am Film hat sich gelohnt. Zu kritisieren wäre eigentlich nur der deutsche Titel, denn wir Menschen besitzen nicht die Ozeane. Von diesem Denken abzukommen, dabei hilft uns dieser schöne Film „Unsere Ozeane“ von Jacques Perrin und Jacques Cluzaud.

28.08.2019 © seit 07.2010 Thorsten Boose  
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