Kindergeschichte: Fips, der kleine Waschbär

Der kleine Waschbär Fips war wieder einmal mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder Taps an den Fluss gegangen zum Wäschewaschen. Am Fluss legte sich der kleine Bruder ins Gras. Im Schatten eines großen Baumes schlief er bald darauf ein.

Fips legte sich ebenfalls ins Gras, er blinzelte in die Sonne und probierte aus, wie viel er mit halb geschlossenen Augen sehen konnte. Als er die Augen fast vollständig geschlossen hatte, konnte er die Baumwipfel nicht mehr erkennen.

Kindergeschichte Märchen Gute-Nacht-GeschichteAber es tat sich eine völlig neue Welt für ihn auf, er sah gelbe und orangefarbene Formen und Muster, die vor seinen Augen zu tanzen schienen. Wenn er seinen Kopf mehr zum Sonnenlicht hin drehte, wurden die Farben noch strahlender und schöner.

Sie reichten von einem warmen Sonnengelb bis hin zu einem satten Rot. Es entstanden Flecken so oval wie Eier oder auch Tintenkleckse, die verschwommen und dann mit anderen Formen wieder zu etwas Neuem verschmolzen.

Manchmal hatten diese Flecken auch einen lila Rand, je nachdem ob er seinen Kopf zur Sonne hin oder von ihr weg bewegte.

Er spürte die wärmenden Sonnenstrahlen auf seinem weichen kuscheligen Pelz und dachte, „es könne wohl nichts Schöneres geben, als in der Sonne zu liegen und mit dem ganzen Körper jeden einzelnen Sonnenstrahl einzufangen!“

Nach einer Weile vernahm er ein Geräusch. Er war gezwungen die Augen zu öffnen, er hielt sich die Hand vor die Augen, um nicht direkt ins Sonnenlicht zu schauen, daraus ergab sich wieder etwas neues Schönes.

Er konnte seine Hand nämlich gar nicht so sehen wie sonst, er sah nur einen schwarzen Schatten und durch seine gespreizten Finger lugten die Sonnenstrahlen hervor. Er genoss dieses Spiel in vollen Zügen.

Doch das Geräusch von eben war immer noch nicht weg. Es formte sich langsam zu einem Wort: „Fips, Fihips, hörst Du mich denn nicht, ich rufe dich schon die ganze Zeit! Den ganzen Tag verträumst du, du kleiner Schnuseldusel!“

Seine Mutter war inzwischen mit dem Wäschewaschen fertig und wollte, dass er ihr half, den schweren Wäschekorb zu tragen, denn sein Bruder war noch zu klein dazu. Der kleine Bruder war längst wach und spielte mit den bunten Wäscheklammern. Das sah sehr interessant aus, was er da machte und als Fips grade nach ein paar roten und gelben Klammern griff, um damit eine Sonne ins Gras zu legen, ermahnte ihn seine Mutter:

„Fips, lass das sein, wir wollen los! Ich habe schon so lange auf dich gewartet.“

Fips war sauer. Wieso durfte sein kleiner Bruder mit den Wäscheklammern spielen und er nicht? Als seine Mutter darauf wartete, dass er an dem Henkel vom Wäschekorb anfasste, um die Wäsche zur Leine zu tragen, schrie Fips seine Mutter an:

„Nein, will ich aber gar nicht!“

Seine Mutter sah ihn nun verärgert an und schimpfte:

„Fips du bist doch schon groß, da kannst du mir ruhig mal helfen.“

Aber statt zu helfen, lies er den Wäschekorb fallen. Die ganze saubere Wäsche fiel ins Gras und wurde wieder schmutzig.

Fips rannte so schnell er konnte davon. Sein kleiner Bruder und seine Mutter hoben die Wäsche auf und seine Mutter fing wieder von vorne an, die Wäsche zu waschen.

Sein kleiner Bruder Taps wusste, wo er seinen Bruder suchen musste, er machte sich gleich auf den Weg in das kleine Wäldchen am Fluss und fand seinen Bruder auf einem alten Baumstumpf sitzend und vor sich hin brummend: „Nie darf ich das machen was ich will, immer muss ich helfen. Das ist so gemein!“

Taps nahm Fips bei der Pfote und sagte zu ihm: „Du, die Mama muss jetzt die ganze Wäsche noch mal waschen. Das finde ich gemein, da hat sie gar keine Zeit zum Spielen mit uns.“

„Mir doch egal!“ , entgegnete Fips trotzig.

Taps sagte ruhig: „Komm, wir gehen zu ihr!“

Fips stapfte mürrisch hinter seinem kleinen Bruder her. Von weitem konnte er sehen, dass seine Mutter die Wäsche wusch und dabei weinte.

Fips überlegte kurz, dann rannte er zu seiner Mutter, umarmte sie ganz stürmisch und küsste sie. Als seine Mutter aufsah, hörte sie auf zu weinen. Fips sagte zu ihr: „Mama, leg du dich ins Gras und blinzle mal in die Sonne, Taps und ich werden die Wäsche waschen und zur Leine tragen.“

Taps freute sich riesig, endlich durfte auch er mal helfen. Und die Mama lag im Gras und schaute in den Himmel, sie rief ihre beiden Jungs zu sich und sagte: „Lasst die Wäsche sein und kommt her, das müsst ihr sehen."

Die beiden legten sich rechts und links in die Arme ihrer Mutter und schauten in den Himmel. Die Mutter sagte: „Kinder könnt ihr das Schaf da oben vorbei huschen sehen?“

„Ja!“ riefen die beiden aufgeregt: „Und da läuft auch ein Kind und eine Katze springt vorbei!“

Die Mutter umarmte ihre Kinder und küsste sie: „Wisst ihr, wenn man groß ist, vergisst man manchmal, wie schön es sein kann in die Sonne zu blinzeln oder den Wolken beim Vorbeiziehen zuzuschauen!“

„Wenn ihr mir ab und zu etwas helft, kann auch ich das mal genießen.“ Fips und Taps steckten ihre Köpfe zusammen und tuschelten, dann nahmen sie ihre Mutter in die Arme und riefen: „Wir werden dir jetzt gleich helfen und auch morgen, wenn du willst.“

Und so gingen die Drei in der Abenddämmerung nach Hause, sie sammelten unterwegs ein paar Beeren, die sie fürs Abendbrot nehmen wollten, denn ihre Mutter sollte sich ausruhen und nichts zum Abendbrot zubereiten müssen.

Danach gingen die beiden vergnügt zum Zähneputzen, die Mutter wartete schon an ihrem Bett auf die beiden und erzählte ihnen eine gute Nachtgeschichte, als sie noch ein kleines Mädchen war. Die beiden Jungs schliefen zufrieden und glücklich ein.

Auch die Mutter ging lächelnd aus dem Zimmer ihrer beiden und freute sich schon auf den nächsten Tag, weil sie wusste, auch sie würde ein bisschen Zeit zum Träumen finden, denn ihre Jungen waren groß genug ihr auch ab und zu ein bisschen zu helfen.

18.04.2014 © Christina Oskui  

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