Seite 2: Was ist Mobbing? Was kann ich gegen Mobbing tun?

Warum das Dulden des Mobbings mitschuldig macht

Hier wird noch einmal auf das „Nichteinmischen“ bzw. auf das passive "Dulden" des Mobbings aufmerksam gemacht. Sie kennen sicherlich alle solche „Kollegen“, die versuchen immer "neutral zu bleiben und sich in nichts einmischen wollen. Man hört häufig Ausreden wie ...:

  • Da mische ich mich nicht ein ...
  • Das geht mich nichts an ...
  • Das sollen die unter sich ausmachen ...
  • Ich halte mich da lieber raus ...
  • Da will ich nichts mit zu tun haben ...
  • Nicht meine Baustelle ...
  • usw.

Sind Sie bereits Opfer einer Mobbing-Attacke?

Hilfe und Tipps für Mobbing OpferDann haben Sie möglicherweise bereits die Erfahrung gemacht, dass einige Kollegen Ihnen gar nicht mehr zuhören oder Ihre vorsichtigen Versuche sich mitzuteilen, als Gezicke, Gejammer oder gar als Lappalie abtun.

Vielleicht hören Sie Sprüche wie: „Kann ich mir gar nicht vorstellen - die ist zu mir immer total nett“. Oder: "Was machst Du denn, dass er bei Dir immer auf *180* ist?"

Solche Reaktionen führen leicht dazu, dass Sie sich zurückziehen und dadurch unbewusst an der Stärkung des Mobbers mitarbeiten. Hört Ihnen auch die Familie nicht mehr zu und schlagen Ihre Freunde einen Bogen um Sie, wenn Sie beginnen vom Job zu reden?

Dann wird es höchste Zeit, sich Hilfe zu holen!

Wen kann ich beim Mobbing ansprechen?

Normalerweise ist der erste Ansprechpartner der Vorgesetzte, Teamleiter oder Filialleiter.

Aber: Ist Ihr Vorgesetzter auch ansprechbar? Können Sie ihn davon überzeugen, dass Sie über Fakten reden und nicht nur über Dinge, die Sie „sich einbilden“.

Daher mein Rat: Gehen Sie niemals unvorbereitet in so ein Gespräch! Sorgen Sie für ein Mobbingprotokoll, von dem Moment an, in dem Sie realisieren, dass Sie gemobbt werden. Sie können dies als Sprachmemo mit dem Handy aufnehmen oder besser noch schriftlich fixieren.

Wie mache ich ein Mobbingprotokoll?

Für ein Mobbingprotokoll sollten Sie folgende Punkte berücksichtigen:

  • An welchem Tag? (Mi, 12.03.2014 oder Mo, 1. Weihnachtsfeiertag 25.12.2013)
  • Wo genau? (Kantine, Kopierraum, Sozialraum, Parkplatz, Büro, Fahrstuhl, im privaten Bereich?)
  • Wer könnte es gehört haben? (Namen der Personen, die sich evtl. in der Nähe aufhielten)
  • Uhrzeit? (mind. aber Tageszeit, früher Vormittag, später Nachmittag)
  • Was genau ist passiert? Hier ist eine sehr genaue Beschreibung erforderlich (verbaler oder tätlicher Angriff, verschwundene Gegenstände, Intrigen, Fehlerunterstellung, Diskriminierung, Abwertung der Person)
  • Was genau wurde gesagt - vom Täter und von Ihnen?

Verhaltensbeschreibungen wie "Er ist laut geworden!" sind zu allgemein, um hilfreich zu sein. Man muss sich anhand der Beschreibung eine konkrete Vorstellung machen können, was genau passiert ist. Wenn Ihnen bedrohliche Anzeichen auffallen, wie geballte Fäuste, hochroter Kopf oder ein Griff nach einem Gegenstand, dann notieren Sie dies möglichst genau in Ihrem Protokoll.

Es gibt inzwischen auch Mobbingtagebücher als Software. Einige davon sind empfehlenswert, weil sie die passenden Gefühlszustandsbeschreibungen liefern. Diese fallen dem Mobbingopfer in der Situation oft nicht ein. Denn Mobbingopfer fühlen sich oft gelähmt, leer oder ausgeliefert. In dieser Situation ist es für sie schwer, Gefühlszustände in eigenen Worten zu beschreiben und einen angemessenen Ausdruck zu finden.

Vorteile eines Mobbingprotokolls

Das Führen dieser Protokolle bietet Ihnen viele Vorteile, denn es kann als ausführliche Darstellung einer Beweislage dienen. Es hilft, keine wichtigen Details, Orte oder Personen zu vergessen, die für die Beschreibung Ihrer Situation nötig sind. Außerdem hilft es, sich nochmals gedanklich der Situation zu stellen. Warum ist das ein Vorteil?

Sie erkennen oftmals beim Schreiben eine Struktur ...

... beispielsweise: wenn Angriffe gegen Sie nur ausgeübt werden, wenn alle anderen Kollegen bereits auf dem Heimweg sind. Oder nur an einem Wochentag, an dem Kollegin XY oder der Chef nicht im Hause sind.

Allein das Herausfinden dieser Struktur gibt Ihnen explizite Hinweise darauf, was hinter dem Mobbing stecken könnte und eventuell auch, vor wem der Mobber seine Attacken unbedingt verstecken möchte. Es ist auch möglich, dass Sie erkennen, wer Ihnen hilfreich zur Seite stehen könnte und machen einen möglichen Verbündeten ausfindig.

Mobbing: Warum Verbündete wertvoll sind

Wie kann ein "Verbündeter" helfen?

Hilfe gegen Mobbing von KollegenBitten Sie einen möglichen Helfer um Achtsamkeit und/oder freunden sich etwas intensiver mit dieser Person an. Möglicherweise sucht er Sie überraschend in Ihrem Büro auf und kann den Mobber miterleben oder Sie können mit ihm zusammen das Gebäude verlassen. Merkt ein Mobber, dass sie Sympathisanten haben, wird er unsicher und vorsichtiger.

Falls Sie kein gutes Verhältnis zu Ihren Vorgesetzten haben, können Sie sich auch an die Personalabteilung oder den Betriebsrat wenden. Vergessen Sie auch hier Ihre Protokolle nicht und seien Sie sich darüber im Klaren, dass ein Mobbingvorfall nicht stillschweigend bearbeitet werden kann.

Ihr Arbeitgeber hat eine durch das Gesetz geregelte Fürsorgepflicht, d. h., Sie können einen Schadensersatzanspruch gegen Ihren Arbeitgeber geltend machen, wenn dieser sich nicht um Ihre Situation kümmert. Zudem findet man auch bei Anwälten Rat und Hilfe. Der Betriebsrat kennt sich meist mit der Rechtlage aus und wird bei Beschwerden tätig.

Was heißt das für Sie? Es wird sich schnell etwas ändern! Sie müssen Nerven und Charakterstärke zeigen, Ihre Anliegen selbstbewusst zu vertreten. Denn letztlich wird auch der Mobber erfahren, dass Sie Vorfälle gemeldet haben.

Was können ängstliche Mobbingopfer tun?

Falls Sie sich diesen Schritt nicht selbst zutrauen, rate ich Ihnen: Gehen Sie zu Ihrem Hausarzt!

Erzählen Sie ihm von den Vorfällen und den Begleiterscheinungen! Wenn der Hausarzt Sie an einen Psychotherapeuten oder Psychologen überweisen möchte (weil es nicht sein Fachgebiet ist), nehmen Sie dies unbedingt an.

Spielen sie NICHT den Helden, der sich nun aus falschem Stolz heraus nicht krankschreiben lassen möchte. Diese Krankschreibungen können später einmal eine wichtige Rolle spielen, wenn Sie kündigen möchten oder wenn man Ihnen mit Kündigung droht.

Was Sie außerdem tun können: Wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse. Hier können Sie oftmals Programme, Angebote und weiterführende Adressen erhalten. Recherchieren Sie im Internet, denn vielleicht gibt es bei Ihnen in der Nähe schon eine Gruppe, die sich mit solchen Erfahrungen befasst. Vermeiden Sie es aber unbedingt Ihre Geschichte anonymisiert oder offen ins Internet zu stellen.

Im Folgenden erhalten Sie eine kleine Sammlung mit offiziellen Hilfeadressen für verschiedenste Bundesländer: Mobbing - Beratung - Selbsthilfegruppen

Wie können Sie als Leser helfen, Mobbing zu bekämpfen?

Liebe Leser dieses Artikels: Lassen Sie es nicht dazu kommen, denn die unterlassene Hilfeleistung ist ebenfalls eine Art Mobbing. Sie machen sich damit zum Mittäter. Sie brauchen nicht zum Helden werden, aber reagieren Sie bitte mit der gesamten Palette an Menschlichkeit und gesundem Menschenverstand.

Bedenken Sie: Mobbing vergiftet letztendlich immer eine gute Atmosphäre zwischen Menschen. Außerdem können sich menschenverachtende Verhaltensweisen nur einbürgern, wenn die "Guten" dies tatenlos dulden. Nehmen Sie sich also ein Herz und zeigen Sie Charakter!

14.06.2016 © seit 05.2015 Elke Dola  
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