Seite 2: Google: Eine Weltmacht im Internet

Street View: Das etwas andere Fotoshooting

Die Welt digital abbilden, sie per Computer sogar erleben. Das ist Googles Vision der Google-Welt. Eines dieser Abbildungen ist bei Nutzern besonders beliebt und kommt dem Google-Ideal ziemlich nahe: Street View. In der realen Welt werden dafür die Straßen fotografiert, digitalisiert und ins Netz gespeist.

Bilder von StädtenAm Rechner selbst kann man diese Straßen mitsamt den Häusern dann einfach per Mausklick abfahren. Eine detailliertere Ansicht also zu Google-Maps. Letzteres bietet eine zoomfähige Weltkarte an.

Über die Zoomfunktion plant der Nutzer nicht nur Routen, sondern kann sich sogar in den Straßenzügen orientierten. Diese Orientierung und Einsicht in die Straßenzüge wird zusammen mit Street View, der Fußgänger-Perspektive, sehr lebendig.

Zu den Straßen und Gebäuden können die Nutzer sogar Videos per YouTube hinzufügen. Mit einem Klick auf die Örtlichkeit werden so Bild-, Text- oder Videoinformationen geöffnet. Diese Applikation brachte dem Ort Molfsee, bei Kiel, im September 2008 viel Publicity ein. Hier wehrte sich ein Politiker zusammen mit den Einwohnern gegen das Abfotografieren der Straßen und Häuser und vielleicht damit auch gegen den gläsernen Bürger?

Dennoch, Google sah diesem Treiben sehr entspannt zu. „Ich nenne Ihnen mal ein paar Städte, die wir in Street View aufgenommen haben und noch aufnehmen werden. Frankfurt, Berlin, Köln, Hamburg, Hannover“, erzählt Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland. Nach einer kurzen Pause fügt er lächelnd den 4000 Seelenort Molfsee hinzu und fragt: „Fällt Ihnen was auf“?

Und tatsächlich scheint der Aufstand des neuen gallischen Dorfes ein gut geplanter Werbegag zu sein. So standen zum besagten Zeitpunkt in Molfsee Wahlen vor der Tür und der amtierende CDU-Fraktionschef Reinhold Harwart brachte das kleine Örtchen mit seiner Kampagne sogar in die Tageszeitung. Trotz dieser amüsanten Berichterstattung weist Street View einige Gefahren auf.

„Mit der Veröffentlichung der Aufnahmen entsteht eine riesige Sammlung vielfach personenbezogener Daten, die weltweit zugänglich ist, also eine Art weltweite Auskunftsdatei, auf der jedermann ohne Einschränkung zugreifen kann“, warnt Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar.

Das Projekt Street View hat damit eine neue Dimension der Qualität erreicht. Auch weil Aufnahmen automatisch mit personenbezogenen Daten verknüpft werden könnten, wie zum Beispiel anhand von Adressen aus Telefonbüchern. Diese ließen sich dann für Werbezwecke oder zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit nutzen – aber auch von Kriminellen. Diese könnten interessante Objekte schon im Vorfeld ausspähen.

„Auch wenn derartige Datenverwendung bereits heute nicht zulässig ist“, fügt Schaar hinzu, „brauchen wir neue Regeln für Geodaten, insbesondere wenn sie im Internet veröffentlicht werden“. Doch auch Google ist sich dieser Datenschutz-miesere bewusst und setzte schon 2006 ein fragwürdiges aber kleines Zeichen. Vor dem Supreme Court, dem höchsten amerikanischen Gericht, setzte sich nämlich Google erfolgreich durch und konnte die Herausgabe spezieller Kundendaten verhindern.

Dieses verlangten mehrere ermittelnde US-Behörden, um im Kampf gegen Pornografie und jugendgefährdender Webseiten gezielter vorgehen zu können. Im Gegensatz zu AOL, Microsoft und Yahoo blieb Google im Verfahren standhaft. Yahoo beispielsweise brachte sogar, durch die Herausgabe persönlicher Daten, in China einen Dissidenten ins Gefängnis. Fragwürdig ist das Tun Googles dennoch.

Immerhin beteuert Google ja immer wieder, dass keine personenbezogenen Daten gespeichert werden. Dass aber Behörden nach diesen Daten gefragt haben, Google sogar bis vor das höchste US-Gericht geht, um diese angeblich nicht gespeicherten Daten, zu schützen, ging bis heute im Daten-wirr unter. Frei nach dem Google-Motto: Don´t be Evil, tue nichts Böses.

Google Health DNA: Der medizinische Datenstriptease

DNAGoogles neuste Bemühungen, ins medizinische Business einzusteigen, ist zurzeit nur als kleine Randnotiz bekannt. Google Health ist ein Dienst, der auf zwei Säulen steht. Die eine beschreibt eine medizinische Datenbank, die grundsätzlich Informationen über Krankheiten bereithält. Die zweite Säule ist die elektronische Krankenakte.

Der Patient gibt dem Arzt so die Möglichkeit, Zugang zu seinem Krankheitsprofil zu erhalten. Es können Röntgenaufnahmen, Krankheitsverläufe und Überweisungen anderer Ärzte eingesehen werden.

Auch wenn Google bei diesem Dienst keine Werbung schaltet, ist das Lagern solcher sensiblen Daten auf fremden, nichtmedizinisch orientierten Servern selbst für amerikanische Datenschutz-Verhältnisse fragwürdig.

Googles neue Generation

Doch Google ist schon längst weitergezogen und hat das menschliche Erbgut im Blick. So ist das Unternehmen nicht nur am Genlabor 23andMe beteiligt, sondern auch an zwei weiteren Genforschungs-Firmen. Google unterstützt das Personal Genome Project der Harvard University.

Aber auch das Unternehmen Navigenics wird ganz offiziell von der Suchmaschine finanziell unterstützt. Das Erschreckende daran: „Kürzlich hat ein Vorstandsmitglied von 23andMe angemerkt“, so der Googlekritiker Reischl, “dass man sich gut vorstellen könne, das Internet-Nutzer künftig ihr DNA-Profil in soziale Netzwerke einbinden, damit sich Menschen auf diese Art und Weise kennenlernen.“

Zusammengefasst hat die Datenkrake ein unglaubliches Gedächtnis angesammelt. Um noch aktuellere und noch bessere personenbezogene Daten zu erhaschen, weiß Google seit Anfang des Jahres 2009 auch, wo sie sich aktuell aufhalten. Gemeinsam mit der Mobilfunkfirma T-Mobile vertreibt das Unternehmen aus Kalifornien das Handy G1 und wer es sich zulegt, trägt fortan einen nützlichen kleinen Helfer mit sich herum. Egal was ihn unterwegs bewegt: Mit dem Handy kann der Nutzer nach dem richtigen Weg fragen, findet Einkaufstipps, Sehenswürdigkeiten oder andere Antworten, die sein Leben erleichtern.

Doch dieses Zwiegespräch zwischen ihnen und dem G1 ist nie ganz privat. Ihre Koordinaten, Wünsche, Anliegen, Ziele werden fortlaufend an Google und Partnerfirmen gesendet. Denn erst mit Partnerfirmen, zugekauften Programmen und den Hunderttausenden Rechnern, die in den Rechenzentren die Daten speichern und zuordnen, wird die Fülle neuer Dienste überhaupt erst möglich. Und Googles Pluspunkt: Im mobilen Datenverkehr besitzt der User eine klar personenbezogene Telefonnummer.

Die Bereitschaft Daten preiszugeben, ist noch immer sehr hoch. Viele denken, dass der Name, der Straßenname oder die Telefonnummer nichts besonderes sei. Lässt man die persönlichen Daten aber zusammenfließen, bedeuten sie eine enorme Macht. Google hat diese Macht schon lange, baut diese anhand neuer und natürlich kostenloser Programme immer weiter aus und solange selbst ein DNA-Button bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder MySpace niemanden bedenklich stimmt, wird sich bei der Datenkrake Google auch nichts ändern. Warum auch, sie tun ja nichts Böses.

Von Markus Henkel

29.06.2013 © seit 10.2009 Markus Henkel  
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