Story Satire: "Party for none" oder "Frauen unter sich"

Teaser: Auf Partys mag man mache verrückte Dinge erleben oder höchst schrulligen Gesprächen mit guter Mine beiwohnen. Diesen ganz normalen Wahnsinn mit spitzer Zunge zu kommentieren, lässt den grauen Alltag jedoch in ein neues Licht treten. So geschehen in dieser satirischen Story ...

Ihre Zunge war mindestens so spitz, wie die Ärmel ihrer Designerbluse. Zum Glück hatte ich sie noch nicht als Feind, als sie anfing zu sprechen. Als ich anfing zu reden schon.

Frauen SatireSie stellte sich professionell und mit großem rhetorischen Geschick vor. Der Ordnung halber dachte ich, nun bin ich dran, aber weit gefehlt. Zunächst führte sie einen endlosen Monolog und beweihräucherte sich und ihre Arbeit.

Ich habe bei der Hälfte schon auf Durchzug geschaltet und dachte bei mir, warum macht sie das? Perfekte Frisur, manikürte Fingernägel, Styling entsprechend dem Dresscode, schlanke Figur. Alles in bester Ordnung!

Und da stand ich, meine Haare, als hätte ich mit den Füßen in der Steckdose geschlafen, weil ich Schaumfestiger benutzt hatte.

Meine Fingernägel, na ja, wie immer, als Hausfrau und Mutti, trage ich kurz und lackieren tu ich sie schon lange nicht mehr. Ich bin im schwarzen Anzug, denn das macht ja einen schlanken Fuß, mehr auch nicht.

Und dann steht mein smarter Mann neben mir und sie seiert ihm die Ohren voll. Ich kann immer nur ab und zu mal: „Ah!“ und „Oh!“ sagen, denn die beiden scheinen sich schon ein wenig zu kennen - arbeitsmäßig versteht sich!

Es kommen neue Gäste hinzu und ich denke, jetzt stelle ich mich selbst vor, bevor ich hier nur als Frau von Herrn…. stehe, ohne jede eigene Identität. Denn es reicht mir - in Schule und Kindergarten bin ich schon die Mutter von meiner Tochter. Mensch Leute! Ich hab auch einen Namen! Ich steh dazu und finde ihn auch schön. Und oh Wunder! Auch ich habe ein Leben, vielleicht ein anderes als ihr.

Zum Glück, denn all diese Oberflächlichkeiten habe ich hinter mir gelassen. Ich möchte, wenn ich dann mal ausgehe einfach nette Gespräche führen, keine Verkaufsoffensive oder Kaltakquise betreiben.

Party Mann betrunkenPlötzlich reicht mir und ihr ein dicker ungepflegter Mann eine Banane und sagt freundlich besoffen zu mir: „Sie sehen so verhungert aus!“ Neben ihr sehe ich nicht verhungert aus, neben ihr sehe ich aus, als hätte ich schon das Buffet geräumt, bevor es serviert wurde.

Sie bedankt sich freundlich und futtert die Banane. Ich halte sie in der Hand und weiß nicht so recht, was ich jetzt tun soll? Denn ich will gar keine essen.

Zurück zu den neuen Gästen - bevor mein Mann mich nur mit meinem Vornamen vorstellt und mich somit als „Nur-Hausfrau und Mutter und Ehefrau“ outet, platzt es aus mir raus: „Autorin!“

Alle Augen sind auf mich gerichtet, die Runde platzt ebenso, wie es aus mir heraus platzte. Ohje, was hab´ ich denn gesagt?

Manche suchen sich schnell den Weg zur Bar, aber was ist das? Ein junges Paar bleibt. Sie fragen mich sehr interessiert und das zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend. Wir haben sehr angenehme Gespräche miteinander und ich genieße es, endlich mal etwas von meiner Arbeit und meinen Zielen erzählen zu können.

Die Frau in Designerbluse geht zusammen mit diesem ungepflegten, älteren Herren zum nun aufgebauten Buffet. Ich stehe ein paar Menschen hinter ihnen. Zum Glück, aber ich will es meinem Mann auch nicht versauen, also wende ich mein Wort an den Herrn, bedanke mich noch für die Banane und füge hinzu, dass ich sie nicht gegessen habe, weil ich wußte das noch etwas besseres kommt.

Sie schaut mich böse an. Was ist denn los? War das eben ein Dekolleté-Check? Japp! Auch sie hat es getan - sie schließt aus meiner Körbchengröße meine Intelligenz. Das kenne ich übrigens nur von Frauen, die einen kleinen Busen haben. Nicht von allen! Zum Glück sind ja auch manche zufrieden, so wie sie sind.

Ich habe es schon längst kapiert, noch bevor mein Mann es mir erzählen wollte. Die beiden sind verheiratet und dieser kleine Hund, der gerade mit einer Erdbeere auf dem teuren Teppich spielt, ist ihr „Baby“!

Ich schaue mich um und will die Situation entschärfen, denn ich trau mich nicht diesem Möchtegernhund die Erdbeere wegzunehmen, denn sonst hätte ich mir ja nicht dieses „Danke für die Banane“ aus dem Kreuz leiern brauchen. Also mach ich jemand anderen auf diesen schönen Teppich aufmerksam.

Bevor wir den Anblick genießen können, und er vielleicht für mich handelt, kommt dieser verschlampte Typ von Mann und sagt folgenden Satz: „Wenn man diesen Teppich sieht, möchte man seine Frau drauflegen und mit ihr einen Sohn zeugen.“ Er scheint zu Hause nicht so inspiriert zu sein, denn sie haben keine Kinder - sie haben einen Möchtegernhund.

Die ganze Klasse, die sie am Anfang versucht hat aufzubauen, ist aller spätestens jetzt im Eimer. Schöne, heile Welt? Meine schon! Ich fahre nach Hause mit meinem smarten Mann und während sie morgen mit ihm den Hund spazieren führt oder auch nicht, werde ich mit meinen Kindern spielen. Das ist mein Leben - es mag ihr klein erscheinen, aber ich bin zufrieden und glücklich.

Viel Spaß beim Feiern!

14.06.2012 © seit 03.2009 Page Angel  
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