Kommentar Manfred Aulbachs zum Beitrag

Kommentare zum Ratgeber:
Der Ruin der deutschen Sprache – alles nur Gerede?

Betreff: deutsch-nationale message

Dr. Manfred Pohl hat diesen Kommentar in roter Schrift mit einigen erklärenden Argumenten versehen.

Der Artikel bzgl. "Ruin der deutschen Sprache" klingt für mich ziemlich strange.
Wenn er für ihn „strange“ ist, braucht man es gar nicht mehr zu kommentieren, das erklärt sich selbst als das, was ich in meinem Beitrag schreibe: Er nimmt am Ruin der deutschen Sprache aktiv teil.

Dahinter steckt meiner Ansicht nach ein bornierter Nationalismus.
Allen, die die deutsche Sprache pflegen, bornierten Nationalismus zu unterstellen, kann nur aus einer Grundhaltung arroganter Ignoranz kommen. Vorsicht! In solchen Beschuldigungen verbergen sich juristische Stolpersteine.

Denn es wird nur alles mögliche Negative aufgezählt aber nicht die ungeheure Sprachbereicherung beachtet, die sich in den letzten 50 Jahren (seit der englischen Musikrevolution) auch im deutschen Sprachraum abgespielt hat. Ein ähnlicher Prozeß sind eine Unmenge französischer Worte, die von früher her die deutsche Sprache bereicherten, z.B. "Mach keine Fissematenten" (mach keine visit-ma-tente).
Fisimatenten? Man müßte es natürlich als erstes richtig schreiben können, sonst ist es ein Eigentor. Finden wir hier schon Zugang zu des Autors Bildungsstand? Sehen wir weiter.

Da sind in unserer Zeit nicht nur eine Menge Anglizismen als neue Formulierungsmöglichkeiten in die deutsche Sprache eingebaut worden (z.B. "die Sendung wurde gecancelt"),
Das ist es doch, was ich meine. Warum wurde sie denn nicht abgesetzt, gestrichen, oder aus dem Programm genommen? Nein, nein. Alles, nur nicht deutsch. Zudem ist die Anwendung deutscher Morphologie auf fremdsprachige Wörter abzulehnen.

sondern auch der Dialekt kommt endlich wieder bereichernd zu seinem Recht (z.B. "der Malocher aus'm Ruhrgebiet" von Udo Lindenberg). (Vgl. dazu insbesondere auch den Autor Wolfgang Deichsel: 'Moliere auf Hessisch' oder Asterix-Hefte in den verschiedenen deutschen Dialekten z.B. "Zoff im Pott" oder die Musikgruppe BAP). Worauf der Autor in seiner einseitigen Bejubelung des strikt Hochdeutschen überhaupt nicht eingeht: daß das Standard-Hochdeutsch seit ca. 200 Jahren dazu dient, eine abgehobene Kunstsprache als einzig gültige zu etablieren und dadurch neben dem Positiven einer allgemeinen Verständigungsfähigkeit allerdings auch mit dem herrschaftsrelevanten Nachteil verbunden wird, die freie Rede zu unterbinden.
Diesen unsäglichen Wirrwarr an logischen Kapriolen müßte man zunächst entfitzen, um überhaupt dazu Stellung beziehen zu können. Es wäre aber sicher der Mühe nicht wert. Der Aussage liegt einfach ein zu geringer Bildungsstand zugrunde.

Statt z.B. volkstümlicherweise frei heraus und drastisch-emotional zu sagen: "Das kannst Du Dir in den A... schieben", darf man bestenfalls noch 'vornehm' (d.i. emotional kastriert) formulieren: "Das kannst Du Dir an den Hut stecken".
Aha. Also Fäkaliensprache wird als deutsches Kulturgut begrüßt. Und schon wieder denke ich im Zusammenhang mit dem Autor über den Begriff Bildungsstand nach.

Überhaupt geht es dem Autor offenbar sehr stark um Verbote und ideologische Indoktrination bzgl. seiner überholten deutsch-nationalen Weltsicht. "Muttersprache" - wer gebraucht überhaupt noch so einen altertümlichen Ausdruck? Schließlich handelt es sich genausogut auch um eine 'Vatersprache' und schon allein deswegen ist die vom Autor wiederholt und offensiv verwendete Formulierung 'Muttersprache' an sich idiotisch.
Gekränkte männliche Eitelkeit? Die im Kindesalter zuerst erlernte Sprache heißt nun eben mal Muttersprache, auch wenn Herr Aulbach den Begriff für „altertümlich“ hält. Das „Idiotische“ daran liegt mehr in den Auffassungen des Autors. Die Unterstellung „Ideologischer Indoktrination bzgl. seiner überholten deutsch-nationalen Weltsicht“ lassen vorsichtige Überlegungen für das Einleiten rechtlicher Schritte gegen den Autor wegen öffentlicher Diffamierung nicht unterdrücken. Aber der Streß stünde in keinem vernünftigen Verhältnis zum Aufwand.

Insofern sieht man hier einen Prozeß nicht nur der Bereicherung sondern auch der logisch zweckdienlichen Auslichtung der Sprache am Werk.
Ein Hoch der deutschen Grammatik! Ich kann den Satz nicht interpretieren. Der Autor müßte mitteilen, was er meint.

Es gibt allerdings auch meiner Ansicht nach eine Menge kurioser Mode-Phänomene wie z.B. das zwanghafte Anhängsel "-Innen" (z.B. PolitikerInnen) oder daß man nicht mehr "Neger" sagen darf (auch wenn's harmlos gemeint ist).
Daß der Autor das kritisiert, ist beinahe ehrenrettend, leider aber hat er nicht verstanden, worum es eigentlich geht. Es ist beileibe kein kurioses Modephänomen, sondern populistisches Gehabe einer sprachlich entgleisenden Politikerriege, solches Deutsch als moderne, den gesellschaftlichen Bedingungen gerecht werdende neue deutsche Sprache dauerhaft installieren zu wollen. In Wahrheit ist es aktive Sprachzerstörung, der man den Kampf ansagen muß.

Desweiteren, daß offenbar vielen der neoliberal aufgewachsenen verwöhnten, egozentrischen Jugendlichen (vgl. die Serie bei Kabel eins "Die strengsten Eltern der Welt") neben vielen anderen Dingen, die mit sozialer Verantwortung zu tun haben, auch Rechtschreibung sinnlos erscheint.
Ja, das hatte ich ja deutlich ausgeführt: Der einzig dauerhafte Weg aus dieser Sprachmisere heraus ist die Wiederherstellung der Spracherziehung an den Schulen, mit der nachfolgende Generationen wieder den Stolz auf ihre Muttersprache entwickeln können. Wie aber soll das gehen, wenn man, wie der Autor, die Probleme gar nicht sieht?

Über die sog. Rechtschreibreform (seit 1996) würde ich persönlich mich nicht so aufregen, wie der Autor das tut. Denn da sie sowieso kaum wirklich ernstgenommen werden muß (außer in offiziellen Institutionen), kann man jetzt viel befreiter aufatmen und mehr nach seinem eigenen Gusto Kommas setzen, Trennungen einfügen oder auch nicht, grammatische Regeln brechen, wenn sie nix taugen, oder je nach Gefallen 3 oder 2 ff's für "Schifffahrt" verwenden, desweiteren Anglizismen und Dialektworte einführen usw. Damit haben sich die neunmalklugen Reform-Professoren doch offenbar selber einen Schuß ins Knie verpaßt, denn ich glaube kaum, daß diese Liberalisierung ihr Ziel war.
Und meint nun Herr Aulbach möglicherweise, daß sich die Rechtschreibreform damit von selbst aufhebt? Oder ist vielmehr geboten, etwas dagegen zu tun? Er kann es nicht, denn er sieht die Misere nicht und beschimpft alle, die den Kampf zu führen gedenken.

Offiziell 'richtige Deutsche' (also deutsche Spießer) erkennt man on the spot an ihrem notorischen Zensurbedürfnis.
Mit dieser Gleichsetzung (Klammerausdruck) gibt Herr Aulbach eine Gesamtcharakteristik für seine Haltung ab: Jeder, der sich eines guten Deutschs befleißigt, ist ein Spießer. Und sofort (also on the spot – damit auch er es versteht) wird solchen „Spießern“ ein Zensurbedürfnis unterstellt, mit dem sie die Nation zu bevormunden wünschen. Haben sie aber nicht. Sie haben nur ein Gefühl für unsere Sprache, das Herrn Aulbach abhanden gekommen ist.

Nachbemerkung. Herrn Aulbach fehlt es nicht nur an Bildung, die für die sachkundige Beurteilung der Probleme erforderlich wäre, sondern auch an elementarem Anstand. Er nennt seinen Namen in seinem Beitrag nicht und sagt auch nicht, wie man ihn denn erreichen könnte. Offenbar fühlt er sich so sehr über den Dingen stehend, daß er von niemandem eine Antwort haben möchte. Ein solches Auftreten läßt den Beitrag insgesamt als notorische Nörgelei dastehen.

27. November 2012
Dr. Manfred Pohl
unipohl@aol.com

Manfred Dr. Pohl 27.11.2012 18:03

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