Muttersprache: Wohin geht das heutige Deutsch?

Teaser: Spätestens seit der Rechtschreibreform wird häufiger über die Entwicklung der deutschen Sprache öffentlich reflektiert. Mittlerweile fließen so viele Strömungen und Modifizierungen in die deutsche Sprache ein, daß ein kritischer Blick nötig wird, wohin sie sich entwickelt. Lesen Sie mehr dazu in diesem Artikel.

Eine Wehklage über unsere Muttersprache

Das deutsche Volk ist weltweit das einzige, das sich seine Sprache zerstören läßt; und es leistet selbst dazu seinen Beitrag! Auch andere Völker deutscher Zunge sind nicht frei davon. Nachfolgend einige Tendenzen der Zerstörung.

Deutsche Sprache EntwicklungMit einer sintflutartigen Überschwemmung des Deutschen mit angloamerikanischem Vokabular werden immer mehr deutsche Wörter aus der Sprache verdrängt.

Zum Beispiel gerät durch andauernden Gebrauch von "cranberry" in Vergessenheit, daß es sich um Moosbeeren handelt.

Pampelmusen werden zugunsten der "grapefruites" ausgemerzt. Es heißt auch nicht mehr Gemeinschaftsempfang oder öffentliches Fernsehen, sondern "public viewing".

Es gibt Tausende solcher Ersatzwörter. Wird an beliebiger Stelle etwas neues gemacht, muß es zwanghaft englisch benannt werden.

Beredtes Beispiel: „East gate“ – ein Handelszentrum mitten in Berlin. Der Lausitzring heißt "Euro speedway", das Leipziger Zentralstadion, so ein Vorschlag, soll in "Red Bull Arena" umbenannt werden und massenhaft anderes.

In dieser Manie entstehen dann auch recht kuriose Ausrutscher, wie das Angebot von "body bags" (Leichensäcke) als Rucksäcke oder "graved Lachsfleisch" (eingraviert, geschnitzt oder gegraben) oder "smoky fish" (rauchender Fisch), weil viele unbedingt etwas Englisches machen zu müssen glauben, auch wenn sie es gar nicht können. So kann man als Ursache eindeutig Angeberei erkennen.

Aus reiner Profitgier stülpen Medienkonzerne den deutschsprachigen Völkern eine Rechtschreibreform über, die keines der Völker haben wollte, die keinerlei auch noch so geringen Nutzen bringt, aber nicht mehr korrigierbaren Schaden anrichtet. In einem weltweit einmaligen Vorgang wurde das deutsche orthographische Regelwerk in seiner Gesamtheit beseitigt und durch ein anderes, zum überwiegenden Teil völlig unbrauchbares, ersetzt.

In geheimen Sitzungen der sogenannten Reformkommission wurden Teile der Reform vorbereitet und den Völkern in Eile vorgesetzt, um deren Widerspruch im Keim zu ersticken. Die meisten der Kommissionsmitglieder waren zur Ausarbeitung der Reform weder fachlich geeignet noch durch das Volk autorisiert. In der Schlußphase der Reform waren Sprachwissenschaftler in der Kommission nicht mehr vertreten.

Politiker verunstalten die deutsche Sprache mit einem unbegreiflichen Feministendeutsch, belegt mit dem inhaltlich und auch sprachlich zweifelhaften Begriff „political correctness“, in dem ohne Unterlaß ständig weibliche und männliche Formen in bizarrer Doppelnennung vorhanden sein müssen, z. B. Studentinnen und Studenten, Schüler und Schülerinnen.

Das grammatische Genus der allgemeinen Formulierung geht allmählich verloren, es wird ausgerottet, da es mit dem biologischen Geschlecht des Inhabers der Formulierung gleichgesetzt wird. Die Ursachen dafür sind schnell als langfristige Wahlpropaganda zu entlarven.

Frauen sind ein großes Wählerpotential, um das Politiker mit allen Mitteln buhlen müssen. Die Zerstörung der Sprache wird dabei billigend in Kauf genommen. Da die schriftblasenhafte, immerwährende Doppelnennung auch den Verursachern selbst auffällt, bleibt mit kuriosen Schreibungen wie der/die StudentIn oder Student/in, der/die SchülerIn oder Schüler/in am Ende die Orthographie auf der Strecke.

08.01.2014 © seit 08.2010 Dr. Manfred Pohl  

Gesamtstatistik der Bewertungen

  4.6 Gesamtbewertung

  4.7 Thema
  4.7 Information
  4.5 Verständlichkeit

Stimmen: 6

Legende

5 Sterne: super!
4 Sterne: gut gelungen!
3 Sterne: O.K.
2 Sterne: geht so
1 Stern: erträglich

diesen Ratgeber: Bewerten

Kommentare

Standortbestimmung oder Wehklage? Günter Wittek
Die "deutsche" Pampelmuse Jürgen Fischer
Die Unsitte der Substantivierung Jürgen Fischer

NACH OBEN