Ein Traum von Gaia oder das "Lebewesen Erde"

Teaser: Wussten Sie, dass Biologen bis heute nicht wissen, was "Leben" bedeutet? Das hindert uns jedoch nicht daran, selbst schnell zu urteilen, was "Lebewesen" sind. So mag es vielen Menschen absurd erscheinen, die Erde selbst als Lebewesen wahrzunehmen. Lesen Sie in diesem Artikel, wie und warum man "Gaia" oder die Erde als Lebewesen betrachten sollte.

Die Auffassung der Erde als ein lebendiges Wesen mit einer „Seele“ war in der Spätantike bereits vorhanden. Schon der griechische Philosoph Plato hatte geschrieben: „Wir bekräftigen, dass der Kosmos, mehr als alle anderen, einem lebenden Wesen gleicht, von dem alle anderen lebenden Wesen ein Teil sind“ (Plotin IV, 4).

Gaia - Lebewesen ErdeÄhnliche Ideen vertrat auch der Astronom Kepler: „Wie die belebten Körper Haare haben, so hat die Erde Gras und Bäume – wie Lebewesen in einer Blase Urin haben, so machen die Berge Quellen, den Exkrementen entspricht der Schwefel und vulkanische Produkte, dem Blut und Schweiß entsprechen Metalle und Regenwasser, die Nahrung der Erde ist das Meerwasser.“

Zu viel Regen oder große Dürre bedeuteten für Kepler eine Krankheit der Erde. Doch als wissenschaftliche Tatsache formulierte es erstmals der schottische Wissenschaftler James Hutton. 1785 sagte er auf einer Versammlung der Royal Society of Edinburgh, dass die Erde ein riesiger Organismus sei, der von Physiologen wissenschaftlich erforscht werden müsste.

Er verglich in seiner These den Kreislauf der Nährstoffe im Boden und die Bewegung der Ozeane zum Land hin mit der Zirkulation des Blutes. James Hutton ist zweifellos als einer der Väter der Geologie in die Geschichte eingegangen, doch seine Idee von der lebenden Erde ist in Vergessenheit geraten oder wurde in dem gewaltigen Reduktionismus des 19. Jahrhunderts verworfen.

Ein Zeitgenosse von Hutton, der Mediziner Lewis Thomas, sah die Erde ebenfalls als Einheit, als ein zellähnliches System: „Vom Mond aus betrachtet, ist das Atemberaubendste an der Erde, dass sie lebendig ist. Sie hat das organisierte, selbsterhaltende Aussehen einer lebendigen Kreatur, voller Information, unglaublich geschickt im Umgang mit der Sonne. Ich habe versucht, von der Erde als einem Organismus zu denken, aber das funktioniert nicht, es gleicht mehr einer lebenden Zelle.“

Und nicht zuletzt schrieb 1844 auch der Naturforscher Alexander von Humboldt (der schon im 19. Jahrhundert multidisziplinär dachte), in seinem Buch „Kosmos“ ähnliche Ansichten:

„Die Natur ist für die denkende Betrachtung Einheit in der Vielheit, Verbindung des Mannigfaltigen in Form und Mischung, Inbegriff der Naturdinge und Naturkräfte als ein lebendiges Ganzes.“

Doch ob Superorganismus, Organismus oder Zelle - meistens galten diese Sichtweisen im 19. und 20. Jahrhundert als suspekt, unwissenschaftlich und romantisierend. Entsprechend umstritten war und ist teilweise heute noch diese Vorstellung von der Erde, da wir von den alten Sichtweisen der Abspaltung und Reduktion langfristig geprägt wurden.

Seit damals versuchen uns Geologen davon zu überzeugen, dass der Planet nur eine von den Meeren und Flüssen befruchtete Steinkugel sei; dass uns nichts als eine dünne Luftschicht von „dem da draußen“ fernhält, beschützt und vom rauen Vakuum des Alls trennt; und dass das Leben ein bloßer Zufall sei, ein heimlicher Passagier auf dem großen Kreuzfahrtschiff des Universums, der auf diese blaue Kugel aufgesprungen sei, als er gerade auf kosmischer Fahrt des Weges kam.

Erde GaiaSicherlich ist die Sichtweise nicht falsch. Aber sucht sie auch nach anderen Antworten, daneben, dahinter? Robert Anton Wilson, in der New-Age-Szene der 80er Jahre (und bis heute) unvergessen bleibt, zitierte einmal den einsteinschen Satz, … „dass das Universum viel verrückter sei, als wir denken können!“

Die Biologen waren auch nicht fortschrittlicher, denn sie behaupteten, richtig aber eingleisig gedacht, dass lebende Organismen die Fähigkeit hätten, sich an alle materiellen Veränderungen anzupassen, die es im Laufe der Erdgeschichte gegeben hatte.

Wenn wir aber einmal als Annahme voraussetzen, dass die Erde lebendig ist in einer geistigen Art und Weise der Selbstorganisation, dann müssten wir die Evolution der Organismen und die Evolution der Gesteine nicht mehr als getrennte wissenschaftliche Disziplinen erforschen.

Statt der getrennten Wissenschaften in getrennten Universitäten, wie es jetzt größtenteils der Fall ist, könnte die Frage: Was ist Leben?, in einer einzigen Entwicklungslehre dargestellt werden. Die mögliche Folge wäre ein Verknüpfungsprozess der Evolution der Arten und der Evolution der Umwelt.

Eine Menge Menschen fragen sich, wie eine ganzheitliche Sichtweise auf die Welt etabliert werden könnte: Zur Lösung werden Außerirdische/Ufos als Option genommen, die Spezies Mensch zu solidarisieren, um eine globale Sichtweise zu üben.

Wenn wir aber von der Gaia-Hypothese ausgehen, wie sie auch James Lovelock in seinen Büchern propagiert hat, dann könnte ein einziger untrennbarer Prozess beginnen, der ebenfalls zu dieser ganzheitlichen Weltsicht, zu einem globalen Verantwortungsbewusstsein und einer weltweiten innovativen Gesellschaft führen würde.

Weg von den unzähligen Scheuklappen-Disziplinen hin zu einem planetaren Verständnis. Wir brauchen eine verbindende Matrix unserer Wissenschaften! Und wer wäre geeigneter als Mutter Erde, Gaia, die ihren Namen von der altgriechischen Erdgöttin bekam und deren Name zu einem Synonym geworden ist für eine neue Art, uns selbst und die Evolution der komplexen Welt, in der wir leben, zu begreifen.

Meiner Meinung nach fängt die These, obwohl schon einige Jährchen alt, den aktuellen globalen Zeitgeist und die weltweiten Herausforderungen am besten ein.

Für unser Überleben wird eine neue Maxime gebraucht, auch wenn viele Strukturen, politisch, weltwirtschaftlich, geistig & geistlich, dabei infrage gestellt werden müssen. Das Gaia-Prinzip ist für etablierte Wissenschaftler eine Annahme, die zwar verquer und ungewöhnlich gedacht ist, aber dennoch erneut auf den Prüfstand gehört. Das gilt für theoretische Ökologie, Evolutionsbiologie und für die Geowissenschaften überhaupt.

Die Theorie von Gaia besagt, dass die chemische Zusammensetzung der Erde und das Klima über lange Zeit im Gleichgewicht gehalten werden, bis irgendeine innere Störung oder eine Kraft von außen ein Überspringen bzw. einen Quantensprung in ein neues Gleichgewicht erzwingt. Wir sind mitten drin, wenn ich mir die internationalen Gegebenheiten anschaue.

In einem lebenden Organismus sind sprunghafte Veränderungen, Transformationen, Evolutionen, selbst pathologische Zustände, als normal anzusehen. (Jeder Mensch kennt das aus seinem eigenen Leben.) Eine neue Theorie über die Erde und das Leben kann nicht als wissenschaftliche Verschlusssache behandelt werden.

Auch die Weltreligionen oder andere spirituelle Glaubensrichtungen werden berührt: Es entsteht die Aufmerksamkeit von Theologen, Philosophen, Humanisten, Umweltschützern, Künstlern und vielen anderen Interessierten auf dem Globus. Und doch hat die Gaia-Theorie weder mit der humanistischen Welt noch mit der anerkannten Wissenschaft noch mit religiösen Vorstellungen etwas zu tun.

Für Gaia sind wir eine Spezies, weder Verwalter noch Besitzer des Planeten. Wenn ich zynisch wäre, würde ich sagen, auch Vergewaltiger ihrer Kraft haben nicht das Sagen, denn diese Erde zeigt uns (zur Not), wo es lang gehen soll. Unsere Zukunft hängt in großem Maße davon ab, wie richtig (oder falsch) wir dieses Verhältnis, diese Beziehung zu diesem Makro-Organismus gestalten; weniger von dem endlosen egoistischen Drama der Menschheit, und auch nicht von den Werten der alt hergebrachten Weltreligionen.

„Gott hat keine Religion“, wie Mahatma Gandhi sagte. Mögen sie richtig, nützlich und tröstlich sein, und viele ihr Seelenheil darin sehen: Das alles taugt nicht, um die dissonante derzeitige Beziehung des Mikro-Organismus Mensch zum Makro-Organismus Gaia zu verbessern! In den philosophischen Vorstellungen, in den spirituellen Werten und in allen möglichen wissenschaftlichen Disziplinen muss ein Meta-Modell her, dass dieser – von unserer Seite lebensnotwendigen Beziehung – gerecht wird. Vielleicht ist es ein bisschen so, als wenn die Menschheit eine neue gemeinsame Sprache erlernen müsste.

Die Gaia-Idee ist eine romantische, wenn wir sie mit der Realität vergleichen. Viele Menschen spüren ein Bedürfnis danach, ein neues Verhältnis zur Natur zu finden, denn wir sind im Umgang mit der Natur zu Autisten geworden. Auch ist es notwendig, den Umweltschäden entgegen zu wirken, doch müssen wir uns in allen Angelegenheiten fragen, ob diese in welchem Maße schädlich sind oder in welchem Maße nützlich für die Umwelt, denn die Medaille hat meistens zwei Seiten.

Es kommt viel mehr auf die durchdachte Handhabung des Menschen an. Auch in die höheren Stufen der Technisierung und Moderne muss der Mensch erst hineinwachsen, genauso wie die erste Eisenbahn manche Menschen verrückt werden ließ. Doch sind wir nicht mehr in einem Zustand der Unschuld, sondern des planetarischen Umbruchs, den wir verantwortlich gestalten müssen: mit klarem individuellen und politisch-internationalem Willen in eine lebenswerte globale Zukunft! Das ist der Auftrag, den wir uns im Sinne unserer Kinder und Enkel geben sollten.

08.09.2017 © seit 06.2010 Eire Rautenberg

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