Metamorphosen im Garten

Haben Sie sich auch schon einmal überlegt, aus Ihrem Garten etwas ganz besonderes zu machen? Wie wäre es mit einer kleinen Gartenanlage, die nach dem berühmten Muster von Versailles angelegt ist? Lesen Sie in diesem Ratgeber die Anleitung eines Profigärtners, wie sich ein eigenes "Klein Versailles" selbst bauen lässt.

Wandlung in Garten und Gärtner

Selten entdeckt man im Internet mehr, als gutgemeinte Gartentipps und ein paar Fotos von Mustergärtchen. Doch wie der Weg dorthin aussieht, bleibt meistens unbekannt. Welche Arbeitsschritte und Maßnahmen dahinterstecken, ist jedoch ungemein wichtig für den Gartenbesitzer, der selbst etwas gestalten möchte. Um diesem Mangel an unverzichtbaren Hintergrundinformationen entgegenzutreten, dokumentieren seit Oktober 2007 zwei Gärtner ihre tatsächliche Arbeit.

Besonderer Wert wird dabei darauf gelegt, Systeme und Prinzipien zu erklären. Denn jeder Standort ist individuell und speziell. Nur wer beginnt seinen Garten zu verstehen, kann künftig selbst entscheiden, ob er schwammige Gartentipps anwendet oder es besser bleiben läßt.
Deshalb hier ein konkretes Beispiel, das effektive Lösungen bietet und nicht nur in der Theorie funktioniert.

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Waschbeton Vorgarten Magnolienwurzel Sand Pflanzung Pflanzung Pflasterweg Pflasterweg Pflasterweg

Arbeit am Eingang

Bei dem vorliegenden Projekt hatte der Auftraggeber folgende Probleme. Der Zustand des Rasens war erbärmlich. Ein Weg aus häßlichen Waschbetonplatten war unangenehm begehbar und der gesamte Vorgarten sah trostlos aus. Er selbst entwickelte jedoch ein gelungenes Layout, wie sein Garten später aussehen sollte und bat uns um Ausführung, sowie fachlichen Rat. Unschwer war zu erkennen, warum aus dem Rasen nichts wurde.

Er war auf schwerem, lehmigen Boden angelegt, der einerseits an der Oberfläche schnell austrocknet und andererseits bei Regen Staunässe bildet. Beide Zustände sind schlecht für den Rasen. Um einen dauerhaften Erfolg zu erzielen, mußte also die Wasserdurchlässigkeit des Bodens verbessert werden. Dies ist durch die Beimischung von gewaschenem Sand erreichbar. Normaler Sand besitzt zu viele Feinanteile, so daß die Erde wieder verkleben würde.

In der Praxis sieht das so aus, daß der alte Rasen zuerst komplett abgetragen wird. Würde man ihn einfach unterpflügen, könnten die Pflanzenteile faulen. Ebenfalls erleichtert es die weiteren Arbeitsschritte, wobei der Boden grob aufgebrochen wird, um den Einsatz einer Motorfräse überhaupt zu ermöglichen. Glücklicherweise hörte der Auftraggeber auch auf den dringenden gärtnerischen Rat, eine riesige Magnolienwurzel zu entfernen. Wäre sie geblieben, hätte der Stumpf die Ästhetik seines Entwurfes zunichte gemacht.

Insgesamt 1,5 Kubikmeter Sand und etwa 300 Liter Rindenhumus wurden in diesem Fall untergefräst, um die richtige Konsistenz zu erzielen. Danach wurde der Boden glattgezogen, um eine ebene Fläche zu erhalten. Besser als mit einer Rasenwalze läßt sich die nun lockere Erde mit dem eigenen Gewicht planieren. Da nach einer solchen Aktion der Boden immer ungleichmäßig verdichtet ist, lassen sich unsichtbare Beulen und Kuhlen am besten mit den Füßen fühlen. Obwohl die Oberfläche glatt erscheint, bleiben Stellen, die unterschiedlich weich oder hart sind. Werden diese Senken nicht sorgsam ausgeglichen, wird die Fläche im Laufe der Zeit wieder uneben.

Nun konnte bepflanzt werden, um zum Schluß neuen Rasen zu säen. Diese Reihenfolge ist wichtig. Denn wer zuerst den Rasen einsät, bevor die Pflanzenlöcher ausgehoben werden, geht das Risiko ein, den Rasen an unerwünschten Stellen zu verteilen. Denn die Samen bleiben gern am Schuh kleben, während man noch viele Pflanzenlöcher auszuheben hat. Der barocke Entwurf des Kunden wurde noch mit einem hübschen Findling garniert. Das mittige Karree wird noch gemulcht werden und in spätestens 6 Wochen wird der Rasen drumherum seinen Namen auch verdient haben. Die herrliche Neuanlage tauften wir auf jeden Fall schon mal Klein-Versailles. ;-)

Der Weg nach Versailles

Parallel zu den bereits beschriebenen Arbeiten war ein neuer Weg zu pflastern, ebenfalls nach Vorgabe unseres Auftraggebers. Seine konkrete Vorstellung und geschmackvolle Auswahl ist eine erquickliche Ausnahme, die unbedingt erwähnt werden muß. Passend zur Sandsteinfassade seines Hauses wählte er verschiedene Wegbegrenzungen, sowie einen farblichen Mix der Pflastersteine. Die grundsätzliche Konstruktion einer solchen Pflasterfläche läuft in der groben Kurzbeschreibung folgendermaßen ab.

Zuerst wird die Wegstrecke so weit ausgehoben, daß sich die Tiefe ungefähr zu den daraufkommenden Lagen addiert. Das heißt also von oben nach unten: Pflastersteine (meistens 8cm), Pflastersplitt (4 bis 5 cm) und eine stabile Lage Schotter (auch Mineralgemisch genannt) als Unterbau. Die Schichtdicke des Schotters ist abhängig vom Untergrund und kann zwischen 10 und 25 Zentimetern betragen.

Nun werden die Kantensteine exakt auf die gewünschte Endhöhe und -breite betoniert. Wichtig dabei ist, daß sie an den Außenflächen einen robusten Betonkeil bekommen, damit sie sich bei späteren Arbeitsschritten nicht seitlich verschieben können. Wenn beide Seiten der Kantensteine sitzen und der Beton ausreichend Zeit zum Aushärten hatte, wird die Fläche mit Schotter aufgefüllt. Und zwar so hoch, daß nach dem unbedingt erforderlichen Verdichten noch ca. 5 cm Splitt, sowie die Pflastersteine darüber passen.

Danach folgt die erwähnte Lage Splitt, die so hoch abgezogen wird, daß die Pflastersteine 0,5 bis 1 Zentimeter über dem späteren Gehwegniveau liegen. Früher benutzte man dazu Sand, doch dieser wird gern von Ameisen untergraben, so daß die Splittvariante die sinnvollste ist. Dann können die Pflastersteine vorsichtig darauf gelegt werden, ohne den lockeren Splitt im geringsten zu verschieben.

Danach wird etwas Sand in die Fugen eingekehrt, damit sich die Steine seitlich ein wenig verkeilen können und stabilisieren. Nun kann die Pflasterfläche entweder per Rüttelmaschine auf Endhöhe vibriert, oder per Holzbalken und Pflasterhammer auf die Endhöhe geschlagen werden. Schließlich wird so lange weiterer Sand mit Wasser in die Fugen gespült, bis sie völlig gefüllt sind. Die Fläche ist nun in jeder Richtung stabil und könnte auch von Autos befahren werden.

Der Weg nach Versailles ist nun fertig. Doch obwohl diese Beschreibung noch unvollständig ist, gibt sie sicherlich einen hervorragenden Einblick in Hintergründe, Prinzipien und Systematik des Gartenbaus. Das ist das Ziel der Webseite, die wir nun endlich nennen. Hier schwadronieren keine Schreibtischgärtner, sondern echte Profis, die jeden Tag neue Lösungen entwickeln. Uns macht das Spaß- und den wollen wir mit Ihnen teilen ;-)) Gartenpflege-tips.de

Epilog

Gärtnerhand

Obwohl wir unsere Website nur neben unserer eigentlichen Arbeit betreiben, werden wir immer wieder gefragt, ob wir uns damit nicht ein Eigentor schießen. Die Leute würden doch dann die Gartenarbeiten selber machen, wenn wir unser Wissen preisgäben. Dazu gilt zu sagen, daß genau das Gegenteil der Fall ist!

Ein großer Teil derer, die eine Heckenschere in die Hand nehmen, werden feststellen, daß sie noch nicht mal in der Lage sind den Stromschalter lang genug gedrückt zu halten, bis die Hecke fertig geschnitten ist. Vom Gewicht wollen wir erst gar nicht reden. Das gilt auch für durchtrainierte Sportler, die durchaus einen beachtlichen Fitneßgrad erreicht haben. Darüber hinaus gibt es eine Unzahl von Gartenarbeiten, die man nie wieder machen möchte, wenn man es einmal probiert hat. Ohne jeden Zweifel wird man im Selbstversuch leicht erkennen, was diese Arbeit wirklich wert ist. Wir fordern ausdrücklich dazu auf!

Andererseits wollen wir hier auch nicht um Aufträge buhlen, sondern Gartenbesitzern wertvolle Hilfe leisten. Denn im geschwätzigen Internet praktikable Gartentipps zu bestätigen, oder mit abgeschriebenen Gartenmärchen aufzuräumen, ist sicher eine sinnvolle Sache!

26.10.2017 © seit 05.2008 a. gärtner  
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