Wie man aus Überzeugungen eine Welt konstruiert ...

Teaser: Überzeugungen sind die Triebkräfte unseres Handelns und der Maßstab für unsere Entscheidungen. Doch sehen wir sie als "Schicksal" oder als selbst gegebenes Gesetz, das wir bewußt verändern können? In diesem Artikel beschreiben wir, welche Funktion Überzeugungen haben und geben vier Übungen an, sie näher zu erkunden und zu verändern.

Der bekannte Philosoph Charles S. Peirce sagte einmal, daß man am Handeln eines Menschen erkennt, welche Überzeugungen er vertritt. Nach dieser Auffassung könnte man unsere Überzeugungen gleichsetzen mit unseren Werten, die uns als Maßstab für unsere Entscheidungen dienen. Überzeugungen sind die Bausteine, aus denen unser "Bild der Welt" gebaut ist. Doch kann uns leider niemand garantieren, ob unsere Überzeugungen auch der Realität entsprechen.

Welche Überzeugungen habe ichWenn wir nicht bereit sind unsere Überzeugungen zu prüfen, können sie leicht zu Vorurteilen oder blinde Glaubensätzen werden, die unser Weltbild zu einem "Zerrspiegel" machen. Damit können sie unsere Urteilskraft trüben und zu "Blockaden" werden. So besteht die Gefahr, sich ein eigenes imaginäres Gefängnis zu schaffen, das unser Erleben und unsere Lebendigkeit ausperrt.

Ein Beispiel: Eine geschiedene Frau, auf der Suche nach einem neuen Partner ist fest davon "überzeugt", daß sie keine interessanten oder gutaussehenden Männer mehr kennenlernen wird.

Als „gebranntes Kind“ verallgemeinert sie ihre schlechten Erfahrungen in Glaubensätzen wie "Männer benutzen Frauen nur als Mittel zum Zweck." Von diesem "Vorurteil" überzeugt, folgert sie richtig, daß sie keine feste Bindung mehr eingehen will. Wer will schon von anderen ausgenutzt werden!

Eine derartige "Überzeugung" kann schnell zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Denn sie lenkt die Beobachtung nach ihren eigenen Prämissen. Wer die Welt nach "Egoisten" durchsucht, wird mit Sicherheit solche Menschen finden. Mehr noch - er wird seine Aufmerksamkeit auf diesen Menschentypus spezialisieren, bis er sich "von Egoisten umringt" sieht. Damit wirkt eine Überzeugung wie ein Filter, der auf eine festgelegte Perspektive eingestellt ist und alle abweichenden Erfahrungen ausblendet bzw. verhindert.

Vorurteile, die man sich beharrlich wie ein Mantram einflüstert, werden irgendwann zu einer "festen Überzeugung". Sie können es leicht ausprobieren, in dem Sie sich jeden Morgen vor einen Spiegel stellen und sagen: "Ich bin dumm, häßlich und langweilig". Sie dürfen sich nur nicht beschweren, wenn diese Affirmation zu wirken beginnt. Ein Teufelskreis beginnt, in dem man sich immer mehr in den eigenen Vorurteilen verfängt. Wer diesen Mechanismus erkannt hat, hat eine Wahl, denn er kann sich genausogut sagen: "Ich bin schön, intelligent und begehrenswert!". Letztere Affirmation wird eher zu einem glückliches Leben passen, als die pessimistische Variante.

"Überzeugungen" entstehen bei Menschen bereits in der Kindheit. Man wird eben nicht nur "gezeugt", sondern anschließend gleich von dem Weltbild der primären Bezugspersonen "überzeugt". Das können die Ansichten der Eltern sein, die der Lehrer oder Erzieher. Jeder versucht uns im "Erziehungsprozeß" dazu zu bewegen, seine Sicht der Welt anzunehmen.

Wer schon in frühen Jahren Glaubenssätze zu hören bekommt, wie: „Es gibt keine vernünftigen Männer mehr für eine Beziehung!“, oder „Ab einem gewisssen Alter, wird es schwer einen Mann zu finden“ wird irgendwann daran glauben. Nur wenige Menschen kommen diesem Phänomen auf die Schliche und stellen sich etwa folgende Fragen:

  • "Wie kann ich dieses Hamsterrad wieder verlassen?"
  • "Wie kann ich eine Veränderung meiner Umstände herbeiführen?"
  • "Welche Überzeugung muß ich ändern, um mein Leben zu meiner Zufriedenheit zu gestalten?"

Ich bin mir sicher, die wenigsten Menschen wissen, daß sie selbst ihr Leben gestalten. Viele glauben immer noch, daß ihre aktuelle Situation eine Art " festgelegtes Schicksal" darstellt, dem man nicht entrinnen kann. Das Leben ist halt nicht einfach und den anderen ergeht es schließlich ebenso. Selbst in den Medien liest man nichts anderes. Wer ein erfülltes Leben führt, hat eben "Glück gehabt". Man muß schon mindestens reich und schön sein, um etwas vom Kuchen abzubekommen.

VorurteilWer so einen Quatsch glaubt, muß sich nicht wundern, wenn sein Leben nicht funktioniert. Denn wer die Macht hatte, eine Welt mit Teufeln zu füllen, kann dieselbe Macht dazu nutzen, sie mit Engeln zu bevölkern. Dieser Artikel wurde für jene Menschen geschrieben, die erkannt haben, daß sie selbst der "Schöpfer ihres Lebens" sind. Deshalb werden hier einige Übungen angeboten, mit denen Sie experimentieren können, wie Sie Ihre Welt gestalten wollen.

Stellen Sie sich vor, Sie sind die Chefköchin/Chefkoch einer Küche. In den verschiedenen Töpfen köcheln Vorurteile oder Überzeugungen aus verschiedenen Lebensbereichen vor sich hin. Jeder Topf enthält ein eigenes Thema und hat seine eigene Farbe. Vielleicht befindet sich in einem der Töpfe ein Thema mit dem Sie unzufrieden sind und das Sie ändern möchten. Heben Sie den Deckel ab und sehen Sie sich diese Überzeugung einmal genauer an.

Im Folgenden werden Ihnen ein paar einfache Übungen vorgestellt, mit denen Sie den Inhalt Ihres "Topfes" verändern können. Die Übungen werden umso besser funktionieren, je eher Sie ein Thema wählen, welches Sie wirklich interessiert.

Übung 1: Welche Überzeugungen habe ich?

Nehmen Sie sich einen Zettel und Schreibzeug und begeben Sie sich an einen ruhigen Ort. Schreiben Sie als Überschrift ein „Problem“ in Form einer Frage auf. Ein Beispiel: "Warum lerne ich nur verheiratete Männer kennen?" Schreiben Sie dann spontan - wie bei einem Brainstorm - alles auf, was Ihnen zu diesem Thema einfällt. Schreiben Sie wirklich alles auf, was mit dieser Überzeugung zu tun hat und zensieren Sie sich nicht, egal wie seltsam Ihnen manche Gedanken beim Aufschreiben erscheinen mögen. Halten Sie fest, was Ihnen bei diesem Thema schlechte Gefühle bereitet.

Sobald Sie alles aufgeschrieben haben, was Ihnen zu diesem Thema eingefallen ist, sehen Sie sich Ihre Überzeugen einmal näher an. Nachdem Sie den Anfang dieses Artikels gelesen haben, wissen Sie schon eine ganze Menge über die Vorgehensweise Ihres Unterbewußtseins. Formulieren Sie die Stichpunkte als Behauptungen in ganzen Sätzen - beispielsweise - "Ich bin zu alt, um noch einen attraktiven Mann kennenzulernen."

Als nächstes erstellen Sie ein positives Abbild dieser Aussagen. Beispiel: "Ich bin jung und attraktiv genug, um jeden Mann zu bekommen, den ich will." Vielleicht bemerken Sie bereits beim Umformulieren der pessimischtischen Aussagen, wie sich Ihre Stimmung verändert. Vielleicht wird Ihnen auch klar, welche Überzeugung Sie ändern müßten, um Ihr Leben positiv zu verändern.

Mit diesem „Zettel der Erkenntnis“, stellten Sie sich jetzt in Ihr Badezimmer vor dem Spiegel. Sie lesen die Aussage (die positiv formulierte) laut vor und schauen sich dabei an. Wiederholen Sie das solange, bis Sie lachen müssen. Vorsicht: Nicht zu schnell lachen - genießen Sie Ihre schlechten Gefühle vorher noch ein wenig, nachher sind sie nämlich weg.

Übung 2: Mein Spiegel sind andere Menschen

Die Übung funktioniert genauso wie Übung 1, nur wird der Spiegel durch die beste oder zweitbeste Freundin/Freund ersetzt.

Übung 3: Der eigene Berater

Bleiben wir weiterhin bei der Beispielsüberzeugung von Übung 1: “Ich lerne nur verheiratete Männer kennen.” Sie sitzen wieder an einem ruhigen Ort, sind ungestört und haben ein weißes Blatt Papier und einen Stift vor sich liegen. Sie formulieren Ihre Überzeugung wieder als Überschrift und stellen sich aber diesmal vor, diese Aussage wird von einer Bekannten bei einem Kaffeekränzchen getroffen.

Fragen Sie sich nun: "Welche Überzeugungen oder Erfahrungen muß jemand haben, der so eine Aussage macht?". Schreiben Sie alles auf, was Ihnen dazu einfällt. Im Anschluß formulieren Sie aus Ihren Ideen wieder vollständige Sätze. Versuchen Sie die Brille zu beschreiben, die die Welt mit "verheirateten Männern bevölkert". Sie können sich in Gedanken mit der Bekannten unterhalten. Stellen Sie sich immer wieder die Bekannte vor, wie sie diese Aussage macht und bringen dabei alles zu Papier, auch wenn es im ersten Moment “an der Haaren herbeigezogen” erscheint.

Machen Sie eine Pause, bevor Sie fortfahren. Tun Sie irgendetwas, um etwas Distanz zur Übung zu schaffen, z.B. Bügeln oder mit dem Hund Gassi gehen.

Nehmen Sie das Geschriebene erst wieder zur Hand, wenn Sie genügend Abstand zur Übung haben. Dann gehen Sie wieder an einen stillen Ort (soll ein anderer sein, als beim Aufschreiben) und lesen in Ruhe die Dinge, die Sie auf das Blatt geschrieben haben, durch. Nehmen Sie die dort beschriebenen Überzeugungen als Ihre an. Was würden Sie Ihrer Bekannten raten, um eine positive Sicht der Welt zurückzugewinnen? Jeder Rat, den Sie der imaginären Bekannten geben, kann auch Ihnen wertvolle Dienste leisten.

Übung 4: Spiegeln durch den Partner

Sie funktioniert wie Übung 3, nur wird daraus eine Zweierübung gemacht. Setzen Sie sich mit Ihrem Partner oder mit Ihrer Partnerin zusammen. Sie erzählen Ihrem Partner: “Eine Bekannte von mir sagte: “Ich lerne nur verheiratete Männer kennen” und stellen die Frage: “Welche Überzeugungen muß sie wohl haben?”

Ihr Partner sagt nun Dinge, die ihm dazu einfallen und macht dazwischen immer eine kleine Pause. In solchen Pausen können Sie sich zu seinen Ansichten äußern. Achten Sie dabei auf die eigenen Empfindungen. Erkennen Sie, welche der Aussagen Ihres Partners Sie am meisten berührt? Welche die meisten Emotionen in Ihnen auslöst? Sie sind die heiße Spur, der Sie folgen sollten.

Es genügt bei den Übungen Ihre Überzeugungen einfach erstmal wahrzunehmen und erste Zusammenhänge zu erkennen. Das ist bereits der erste Schritt zur Veränderung negativer Überzeugungen.

Viel Spaß beim Erkunden Ihrer Überzeugungen!

18.06.2012 © seit 04.2008 Biggi Berchtold  

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