Sprachpflege: Akzente zur Entwicklung der deutschen Sprache

Es gibt zwei Seiten in der Entwicklung der deutschen Sprache, die von einer großen Mehrheit der Volksangehörigen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein kritisch betrachtet und mit großer Sorge beobachtet werden.

Die eine Seite ist die Zwangseinführung der sogenannten Rechtschreibreform gegen den Willen der Völker mit Hilfe staatlicher Instrumentarien und Machtmittel. Die andere ist die auf Betreiben bestimmter einflußreicher Bevölkerungsgruppen zunehmende Überflutung des Deutschen mit anglo-amerikanischem Vokabular.

Zu diesen Problemkreisen sollen im folgenden analytische Betrachtungen angestellt werden, mit denen auf den Schaden hingewiesen werden soll, der durch die oben genannten Themen für die deutsche Sprache entsteht.

Die Sprache gehört dem Volk. Jeder gestaltet sie mit. Jeder ist durch seine Sprech- und Schreibeigenheiten an ihrer Entwicklung beteiligt. Deshalb sei mir gestattet, am Ende des Beitrages einige allgemeine Empfehlungen zu geben, mit denen man bewußt und gezielt darauf Einfluß nehmen kann, die Erhaltung und Pflege unserer Muttersprache wieder mehr in den Blickpunkt zu rücken.

Historie der Rechtschreibreform

Die Geschichte der Rechtschreibreform beginnt in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Von niemandem bestellte Kommissionen haben sich zusammengefunden, um die deutsche Schriftsprache mit dem Ziel der Vereinfachung ihrer Erlernung zu reformieren, ein Ziel, das von Fachleuten stets als unrealistisch eingeschätzt und im Ergebnis auch in keiner Weise erreicht wurde.

In den Kommissionen und deren Arbeitsgruppen gab es Auseinandersetzungen zwischen den Didaktikern, die nach einer grundsätzlichen Umgestaltung der Rechtschreibung strebten, und den Sprachwissenschaftlern, deren Ziel die Beibehaltung des bestehenden Regelwerkes unter Maßgabe der moderaten Veränderung einiger durch die natürliche Sprachentwicklung überlebten Regeldetails war.

Im Laufe der Zeit verhärteten die Fronten zwischen den beiden Richtungen. Die Kräfte, die für eine grundsätzliche Neuregelung plädierten, wurden durch das Großkapital in Gestalt der Medienkonzerne und einiger Verlage unterstützt. Dadurch gewannen sie ein Übergewicht, das dazu führte, daß sich immer mehr Sprachwissenschaftler aus den Gremien zurückzogen, weil ihr Einfluß nicht mehr gehört werden sollte. Am Ende fehlte der Einfluß der Sprachwissenschaft gänzlich.

Dies führte erwartungsgemäß dazu, daß die Qualität der ausgearbeiteten Reforminhalte sehr stark litt, weil die verbliebenen Kräfte nicht im mindesten die erforderliche Qualifikation zur Ausarbeitung einer Reform der Schriftsprache besaßen.

Die am Ende vorgelegten Ergebnisse waren trotz des Ersatzes der aufgelösten Rechtschreibkommission durch den Rat für deutsche Rechtschreibung so unqualifiziert und schlecht, daß sie von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wurden, in einigen Bereichen waren die Ausarbeitungen völlig unbrauchbar. Wider besseres Wissen und gegen alle Appelle namhafter Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und der breiten Volksmassen wurde die Reform durch unzulässige staatliche Eingriffe in die Sprache durchgepeitscht.

Einflüsse auf die Sprache

Für die deutsche Sprache ist auf diese Weise ein irreparabler Schaden entstanden. Es soll aber in diesem Beitrag nicht der Inhalt der Reformvorschläge behandelt werden. Dies ist in der Vergangenheit in Tausenden Dokumenten und Appellen namhafter Wissenschaftler und Kulturschaffender vorgenommen worden und kann mit vielen Quellen belegt werden. Die ganze Breite der Fehlleistungen ist in vielen Beiträgen auf meinem privaten Internetplatz "Dr. Manfred Pohl" dargestellt, ebenda befindet sich auch eine Liste mit Internetverweisen zu anderen Autoren, die sich mit der Reform auseinandersetzen. Ziel der vorliegenden Betrachtungen ist vielmehr die Darstellung der politischen Hintergründe, mit denen die Reform trotz der gesamtheitlichen fachlichen Mißleistung durchgesetzt wurde.

Sprachen werden von Völkern gesprochen und entwickelt. Sprachen haben sich schon entwickelt, als es noch lange keine Formen von Staatsmacht oder exekutiver Gewalt gegeben hat. Trotzdem funktionieren Sprachen und ermöglichen die Verständigung zwischen den Angehörigen der Völker. Das ist in jeder Sprache so. Es bedurfte und bedarf keiner Regulierung.

Mit der Entstehung der Notwendigkeit, das Gesprochene zu fixieren, um es aufzubewahren, zu hinterlassen oder auch ohne persönliche Anwesenheit zu übermitteln, haben sich Schriften herausgebildet. Auch das hat kein politisches Machtorgan veranlaßt oder betrieben. In den Völkern selbst sind die Methoden der Fixierung des gesprochenen Wortes entstanden. Fortgeschrittene Vertreter eines Volkes haben Vorschläge gemacht, dann wurde gewartet, ob die Vorschläge sich verbreiten, angenommen werden oder nicht.

So haben sich die Zeichen und Zeichensätze herausgebildet, die Alphabete, oder aber die Silben- bzw. Klangzeichen in ostasiatischen Sprachen. Stets durch natürliche Entwicklung und Auslese: Bewährtes wurde Allgemeingut, nicht benötigtes wurde verworfen. So wurden Sprache und Schrift in der weiteren Entwicklung auch Gegenstand der Wissenschaft, die diese Entwicklungen verfolgte und im Rahmen der Notwendigkeiten nach immer präziserer schriftlicher Fixierung des Gesprochenen Vorschläge zu Normierung mit dem Ziel der Vereinheitlichung der Schrift einer Sprache eines Volkes unterbreitete.

Allgemein anerkannte Prominente, das sind Wissenschaftler, Künstler, Geistesschaffende, mitunter auch Staatsmänner haben so zur Herausbildung einer von der Sprachgemeinschaft angenommenen und in der Breite des Volkes verwendeten Schriftsprache geführt. Die Erforschung der Grammatik der Sprache erbrachte Erkenntnisse über ihre logischen Grundelemente und die Formen des Aufbaus der Sprache zur erfolgreichen Kommunikation der Mitglieder der Sprachgemeinschaft.

Wichtig ist hierbei zu erkennen, daß die gesamte Sprachentwicklung nur in den wenigsten Fällen durch administrative Gewalt gesteuert wurde, sondern stets durch Veröffentlichung der Werke fortgeschrittener Volksangehöriger auf der Grundlage der historischen Entwicklungswege und der Sprachkultur des Volkes. Für die deutsche Sprache war z. B. ein solcher Vorreiter Konrad Duden. Einer der angedeuteten Gewaltakte war die Abschaffung der deutschen Frakturschrift in den Schulen und die Einführung des lateinischen Alphabetes durch Hitler 1941.

29.04.2008 © Dr. Manfred Pohl  

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Sprachpflege Dietrich Reschke