Macht und Religion: Krieg im Namen des Allmächtigen

"Wir erleben, daß sich immer mehr Menschen auf der Welt um ein großes Zentrum scharen - und das ist Gott, der Allmächtige", schreibt Irans Präsident Mahmud Ahmedinedschad Anfang Mai 2006 an US-Präsident George W. Bush und fragt ihn: "Möchten Sie sich ihnen nicht anschließen?" (1)

George W. Bush

Weiß er denn nicht, wie eng verbunden sich Bush dem Allmächtigen fühlt? Der Allmächtige hat sogar eine ganze Bewegung in den USA, His Own Country, ins Leben gerufen, die der "Evangelikalen", und sie inzwischen zu einer Anhängerschaft von 80 Millionen US-Bürgern und ­Bürgerinnen anschwellen lassen, Tendenz steigend. Weltweit soll es bereits 250 Millionen Evangelikale geben. Diesen von "Gott Erleuchteten" ist Jesus in einem bestimmten Augenblick ihres Lebens leibhaftig erschienen und hat sie nach ihrem bisher sündigen Lebenslauf erweckt, zu höherer Moral geführt und somit wiedergeboren, so wie Er Bush jun. vom Alkoholiker und gescheiterten Geschäftsmann zum Präsidenten der einzigen Weltmacht auf Erden werden ließ.

Jesus StatueNun ist Bush wie alle Wiedergeborenen berufen, als Werkzeug des Allmächtigen die Welt politisch in Seinem Sinne zu gestalten. Denn nichts ist dringlicher, als die Prophezeiungen und Wünsche des Allmächtigen zu erfüllen, wie sie in der Bibel nachzulesen sind und wie viele der Erweckten sie in ihrer Begeisterung auswendig gelernt haben. Wortwörtlich, ohne jegliche Auslegung sollen sie nach Überzeugung und Willen dieser Wiedergeborenen in die Tat umgesetzt werden.

So wird am nicht mehr fernen Weltenende Jesus in der Schlacht von Armageddon mit dem Satan ringen. "Sobald der letzte Baum gefällt ist, wird Christus wiederkehren", verkündete Minister Watt vor aller Öffentlichkeit, nachdem er zuvor schon im Plenum des US-Kongresses den "Schutz der natürlichen Recourcen ... angesichts der unmittelbar bevorstehenden Wiederkunft Jesu Christi" für "unwichtig" erklärt hatte.

Das lesen wir bei Barbara Victor, die zahlreiche Interviews mit vielen Führungspersönlichkeiten des In- und Auslandes geführt und umfangreiches Schrifttum herangezogen hat zu ihrem Buch Beten im Oval Office. (2)

Wie sich wirklich schon jetzt alles erfüllt, ist am Kampf Israels mit dem Bösen, den Palästinensern und anderen moslemischen Völkern, ersichtlich, die um den Judenstaat herum leben und ihn bedrohen. Denn das auserwählte Volk des Allmächtigen ist dabei, das im Alten Testament ihm zugewiesene Land einzunehmen.

Wenn es das mit Hilfe all der evangelikalen und der anderen Christen, auch der den Holocaust sühnenden, vor allem mit deren Milliardenspenden an Geld und Waffen geschafft haben wird, werden "die Legionen des Antichristen angreifen, und die letzte Schlacht im Tal von Armageddon beginnt. Die Juden, die bis dahin noch nicht zum Christentum übergetreten sind, werden grauenvoll umkommen, wohingegen die wahren Gläubigen in den Himmel auffahren und in alle Ewigkeit an der Seite Jesu Christi sitzen werden." (3)

So war des US-Präsidenten Bush "Einmarsch in den Irak nur der Beginn eines in der Bibel prophezeiten Krieges gegen den Islam und damit ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Erlösung." - "Jesus Christus lebt, weil Er von den Toten auferstanden ist", sprach im Jahr 2003 der Sohn des weltweit bekannten Massenpredigers Billy Graham, Franklin Graham, als Ehrengast beim Freitagsgottesdienst im Pentagon zu Soldaten und Zivilangestellten. Der amerikanischen Journalistin Barbara Victor erklärte er: "Die Operation Iraqi Freedom ist ein Glückstreffer für Jesus. Wir gehen dorthin, um den Irakern in Liebe unsere Hand zu reichen und sie zu erretten."

Als am 13.12.2003 Saddam Hussein in Tigris festgenommen war, soll George W. Bush nach Benachrichtigung seiner engsten Berater die ersten fünf Anrufe an seinen Vater, Billy und Franklin Graham, Justizminister John Ashcroft und seinen Gemeindevorsteher von der United Methodist Church in Dallas gerichtet haben. Zwanzig Minuten später rief er mit "Ashcroft an seiner Seite und den drei Predigern in einer Konferenzschaltung seine Eltern erneut an. Als alle zugeschaltet waren, bat Präsident George W. Bush Reverend Franklin Graham, als Vorbeter zu agieren.

Der Präsident und der Justizminister knieten im Oval Office nieder und senkten den Kopf, während Graham betete: "Jesus, diese Mission trägt Deine Handschrift, und es ist Dein Werk, o Herr, daß das Böse, das Saddam Hussein verkörpert, der Gerechtigkeit zugeführt wird. Im Namen Jesu Christi danken wir Dir für dieses großartige Geschenk, das Du dem rechtschaffenen Volk der gesegneten Vereinigten Staaten von Amerika gemacht hast." (4)

Die Frage Ahmedinedschads, ob Bush sich nicht in die Scharen um den Allmächtigen einreihen wolle, ist somit beantwortet: Bush ist längst unter ihnen. Auch der US-amerikanische Generalleutnant William Boykin gehört zu ihnen. Allerdings macht der einen klaren Schnitt zwischen Jahweh und Allah. Dieser sei ein Götze, jener aber ein wahrer Gott. "In Zeiten wie diesen sind wir in einer Armee Gottes", wird er in der Los Angeles Times (16.10.03) zitiert. So haben "evangelikale Vorstellungen über einen besonderen Bund Gottes mit dem amerikanischen Volk einen quasi religiösen Nationalismus gefördert." Selbst der orthodoxe Jude und demokratische Senator aus Connecticut Joseph Lieberman sagte 2004: "Wir sind jetzt alle Evangelikale." (Victor)

"Lobet den Herrn!" riefen die etwa zweihundert Menschen vor Pastor Ron, als er seine Predigt in ein "ohrenbetäubendes Crescendo gesteigert hatte", und "wiegten ihre Leiber hin und her und vor und zurück, zuckten und zitterten, schrieen, hüpften auf und nieder, warfen die Hände in die Luft und schüttelten die Finger", ja fielen am Ende der Veranstaltung gar in Ohnmacht. Als sie auf Wunsch der anwesenden Autorin Victor gefragt wurden: "Wer ist der Teufel?", lautete die einmütige Antwort: "Moslems, Araber, Terroristen, die Amerikaner töten." Und auf die zweite Frage: "Ist George W. Bush ein guter Präsident?" kam prompt die wiederum einmütige Antwort: "Von Gott gesegnet!"

Die Evangelikalen und Israel

Es wird den jüdischen Lobbyisten in all ihren einflußreichen Organisationen in den USA wunderbar entgegenkommen, daß sich die evangelikalen Gojim so für sie und ihre Ziele begeistern und von Liebe für Israel und das Judentum überquellen und - spenden. Doch so richtig geheuer scheint dieser Überschwang nicht allen Juden zu sein. Schon Nahum Goldmann klagte: "De facto ist Israel heute ein Satellit Amerikas, was meiner Ansicht nach eine Travestie der jüdischen Geschichte darstellt. Wir haben nicht die Propheten, die Bibel und die ganze Kultur gehabt, damit wir nach 2000 Jahren ein Satellit Amerikas im Nahen Osten sind..." (5)

Karte von IsraelDoch zunächst einmal sind Juden und Evangelikale in ihren beiden gemeinsamen Nahzielen freundschaftlich verbunden, nämlich:

1. Israels Eroberung des Landes, das der Allmächtige dem jüdischen Volk zugesprochen hat: "Alle Örter, darauf eure Fußsohle tritt, sollen euer sein; von der Wüste an und von dem Berge Libanon und von dem Wasser Euphrat bis ans Meer gegen Abend soll eure Grenze sein. Niemand wird euch widerstehen können. Furcht und Schrecken vor euch wird der Herr über alles Land kommen lassen, darauf ihr tretet, wie er euch verheißen hat." (5. Mos. 11, 24 und 25)

2. Erfüllung der Weissagung: "... der Herr wird ... zusammenbringen die Verjagten Israels und die Zerstreuten aus Juda zuhauf führen von den vier Enden des Erdreichs; und der Neid wider Ephraim wird aufhören, und die Feinde Judas werden ausgerottet werden" (Jesaja 11,11-13).

Hier nimmt "Jakob" - dem Segen seines Vaters Isaak gemäß - die Dienste seines Bruders "Esau" gern an, wenn der auch nur ein Goi (Akum oder Nochri) ist, der nach dem jüdischen Gesetzbuch - gleichsam einer jüdischen Scharia namens Schulchan Aruch - klar als Nichtmensch anzusehen ist. Doch so unentbehrlich die Gojim dem Judenstaat in seinem Krieg gegen die Nachbarn auch sind, auf was werden diese bibeltreuen Christen nach Erreichung jener Nahziele verfallen, wenn die Auserwählten es dann immer noch nicht über sich gebracht haben werden, Jesus als ihren Messias anzusehen?

Hatte doch beispielsweise Bush "1993 einem jüdischen Journalisten erklärt, daß nach seiner Überzeugung "alle, die nicht an Christus glauben, zur Hölle fahren, darunter die Juden eingeschlossen." (Victor) Da wird möglicherweise eine Schlacht geschlagen werden, die alles in den Schatten stellt, wozu der Allmächtige sich zur Erreichung Seiner Ziele bis dahin an Grausamkeit gegenüber der Menschheit genötigt gesehen hat.

Denn dann wird es nicht nur zwei Fronten, sondern mindestens ihrer drei geben: Moslems gegen Christen und Juden, Christen gegen Juden und Moslems, Juden gegen Moslems und Christen, ganz zu schweigen von den "Schläfern" aller Religionsgruppen des Allmächtigen, die - verstreut in allen Städten - das Kampfgetümmel hinter den Fronten als Partisanen noch weiter aufmischen werden. Dann fielen Armageddon und das Ende zumindest der abrahamitischen Welt in eins, und der Allmächtige säße da ohne seine Heerscharen, wäre also kein "Herr Zebaoth" mehr.

Doch Politiker wie der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert machen den ersten Schritt vor dem zweiten und freuen sich über die Unterstützung der so folgerichtig denkenden Evangelikalen, die wissen, daß sie den Juden nichts weniger als ihre ganze, sie so herrlich erleuchtende Religion zu verdanken haben. Diese Unterstützung "ist nicht die einzige Basis", sagte Olmert der Journalistin Victor, "aber sie ist eine sehr wichtige Basis für unsere Existenz, ganz zweifellos. Amerika ist eine christliche Gesellschaft, und die USA sind von allen Ländern der Welt dasjenige, das zur Existenz des Staates Israel am meisten beiträgt."

12.03.2013 © seit 05.2006 Philognosie Team  

Gesamtstatistik der Bewertungen

  4.7 Gesamtbewertung

  4.8 Thema
  4.6 Information
  4.6 Verständlichkeit

Stimmen: 5

Legende

5 Sterne: super!
4 Sterne: gut gelungen!
3 Sterne: O.K.
2 Sterne: geht so
1 Stern: erträglich

diesen Ratgeber: Bewerten

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.