Das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis ...

Teaser: In Gesprächen hört man oft Meinungen wie "praxisfern", "reine Theorie" oder "unbedachte Entscheidung". Solchen Äußerungen liegen Bewertungen des Verhältnisses zwischen Theorie und Praxis zugrunde, die jeder selbst bestimmt. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über diesen Zusammenhang. Zudem werden moderne Entwicklungen aufgezeigt, bei denen ein gesundes Verhältnis zwischen Theorie und Praxis völlig fehlt.

...oder wie falsche theoretische Grundauffassungen die Entwicklung behindern

Oft wird in vielen Lebensbereichen von der sogenannten grauen Theorie gesprochen. Hinter diesem meist mit negativen Inhalten empfundenen Begriff verbergen sich verschiedene Haltungen unterschiedlicher Personen zu praktischen Tätigkeiten im Beruf und im täglichen Leben.

Manche schätzen theoretische Erwägungen wenig, weil sie vermeintlich unverständlich seien und die Forderung ihrer Berücksichtigung die Ausführung einer Arbeit oder Tätigkeit ihrer Auffassung nach erschwere oder behindere. Wird die Theorie dann auch noch mit vielfach unbeliebter Mathematik untermauert, verhärten sich die Ansichten. Solche Menschen verhalten sich meist auch ablehnend zu Modifizierungen ihrer Tätigkeiten durch theoretisch-wissenschaftliche Studien mit dem Ziel ihrer Verbesserung oder Effektivierung.

Manche lehnen theoretische Überlegungen rundheraus ab, weil sie angeblich nichts bringen. Es seien zum größten Teil wissenschaftliche Hirngespinste, ersonnen von Menschen, die praktisch nichts Wirkliches bewerkstelligen können, weil sie, wie jene meinen, zwei linke Hände hätten. Solche Menschen verrichten ihre Tätigkeiten meist ohne Einbeziehung ausreichender theoretischer Grundlagen und erzielen bescheidene Erfolge mit der Methode Versuch und Irrtum.

Manche halten nichts von theoretischen Grundsätzen, weil sie meinen, Theorie und Praxis seien zwei völlig verschiedene Dinge, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun. Die Praxis funktioniere stets auch ohne die Theorie. Die Theorie werde nicht benötigt, sie brächte keinen Nutzen. Das Leben könne ausschließlich durch die Praxis gemeistert werden. Solche Ansichten richten sich häufig auch gegen jede Art der Grundlagenforschung, die als nutzlose Spielerei angesehen wird.

Theorie und PraxisIn Wahrheit ist aber jegliche praktische Tätigkeit durch theoretische Überlegungen, Berechnungen, wissenschaftliche Entdeckungen und Forschungsergebnisse unterlegt. Jeder zweckmäßig gestalteten praktischen Tätigkeit geht immer die Theorie voraus. Viele technische Errungenschaften unserer Zeit sind überhaupt erst im Ergebnis jahrelanger Grundlagenforschungen auf den verschiedenen Gebieten möglich geworden.

Denken wir zum Beispiel an die riesige Palette an galvanischen Elementen, Batterien, Knopfzellen und Kleinakkus, die heute nicht mehr aus dem Leben wegzudenken ist. Ohne die grundsätzlichen Entdeckungen, Erfindungen, Forschungen und Berechnungen von Galvani, Volta und vielen anderen Wissenschaftlern, die schon auf die 80er Jahre des 16. Jahrhunderts zurückgehen, wäre ihre Existenz gar nicht möglich.

Oder denken wir an die heutige in allen Lebensbereichen verwendete hochentwickelte Computertechnologie, die es ohne die Grundlagenforschung auf den Gebieten Halbleiter, Kristallstrukturen, Atomaufbau und vielen anderen nicht geben könnte. Aber auch im gesellschaftswissenschaftlichen Bereich gibt es theoretische Grundlagen, auf denen die Funktion eines gesellschaftlichen Systems beruht. Gerade hier werden die gravierenden Fehler, die durch politische Ignoranz dieser Gesetzmäßigkeiten entstehen, zunehmend offenkundiger. Dazu ausführlicher ein wenig später.

Anhand einer Reihe von Beispielen soll nachfolgend gezeigt werden, welche Zusammenhänge zwischen Theorie und Praxis bestehen, wie Gesetzmäßigkeiten oft sträflich ignoriert und wider besseres Wissen umgangen werden, und wie dadurch das Erreichen von Fortschritten auf dem jeweiligen Gebiet nachhaltig gebremst, ja zum Teil gänzlich verhindert wird.

1. Der MBI – ein Irrtum der Biologen

Beginnen will ich mit einem Beispiel aus dem Bereich der Humanbiologie. Zu vielen wissenschaftlichen und auch praktischen Zwecken ist es erforderlich, die Körperfülle (Figur, Beleibtheit, Körpergewicht in Abhängigkeit von der Körperhöhe) eines Menschen oder auch eines anderen Forschungsobjektes zu bestimmen.

Zur Lösung dieser Aufgabe hat sich ein Verfahren etabliert, das mathematisch-physikalisch auf einer völlig unsinnigen Voraussetzung basiert, der sogenannte Body Mass Index (BMI). Mit ihm wird die Körpermasse ins Verhältnis zum Quadrat der Körperhöhe gesetzt. Bereits ein im Physikunterricht aufmerksamer Schüler kann ohne Mühe erkennen, daß das Verfahren zur Bestimmung eines Maßes für die Körperfülle völlig ungeeignet ist. Mit keinen auch noch so ausgeklügelten Methoden kann damit ein objektiver Zusammenhang zwischen Körpermasse und Körpergröße erlangt werden, und schon gar nicht wird man zu vergleichenden Kriterien zwischen unterschiedlich großen Körpern gelangen können.

Warum das so ist? Es ist elementare Physik: Masse existiert im Raum, eine Fläche (Quadrat der Körperhöhe!), allgemein eine Ebene, hat keine Masse, mit ihr kann auch eine Masse nicht beschrieben werden. Dieser grundsätzliche Naturzusammenhang wird beim BMI ignoriert, wodurch das Verfahren bereits im Grundsatz gegenstandslos ist und keinerlei wissenschaftlich brauchbare Ergebnisse erbringen kann.

Dennoch wird seit Jahrzehnten daran festgehalten, obwohl es ein vollständig ausgearbeitetes wissenschaftlich tragfähiges Verfahren gibt. Die Grundlagen dafür wurden bereits 1921 durch den Schweizer Arzt und Physiologen Fritz Rohrer veröffentlicht. Es fußt auf dem Verhältnis der Masse eines Körpers zum Kubik seiner Höhe. Und dies ist letztendlich die einzig logische Herangehensweise.

Einen anderen wissenschaftlich verwendbaren Ansatz gibt es nicht. Die Untauglichkeit des BMI und die Unzulänglichkeit der ermittelten Werte ist den meisten Anwendern wohlbekannt, deshalb werden die erhaltenen Werte stets mit umständlichen, völlig aus der Luft gegriffenen Korrekturen mit Hilfe von Tabellen oder Grafiken bis zu einer scheinbaren Brauchbarkeit verändert, im Ergebnis ist vom ermittelten Wert nichts mehr übrig. Vergleiche mit anderen Meßreihen sind unmöglich. Alle diese Korrekturen sind fern von jeglicher Wissenschaftlichkeit.

2. Das Klima der Erde und die Politik

Ein weiteres Beispiel: Der Klimawandel auf unserem Planeten Erde. In verschiedenen Wissenschaften ist gezeigt worden, daß sich die Erde gegenwärtig in einer Phase der allgemeinen Erwärmung befindet. Durch Forschungsarbeiten in der Geologie und auch in anderen Wissenschaften ist zweifelsfrei nachgewiesen worden, daß die Erde im Verlaufe ihrer Entwicklung schon immer starken Klimaschwankungen unterworfen war, auch als es den Menschen noch nicht gab.

Eiszeiten und Wärmeperioden haben einander ständig in unregelmäßigen Abständen abgelöst. Dies ist ein kaum beeinflußbarer natürlicher Ablauf, der wissenschaftlich unstrittig ist. Klimaschwankungen sind das Ergebnis der ständig ablaufenden chaotischen Prozesse auf unserem Planeten, die von geologischen und kosmischen Kräften gesteuert werden. Die meisten Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet werden nun aber so dargestellt, als sei ausschließlich der Mensch als Auslöser dieser allgemeinen Erderwärmung anzusehen. Nur wenige Stimmen weisen darauf hin, daß dies weit außerhalb der Tatsachen liegt.

Zweifelsfrei hat der Mensch mit seiner inzwischen auf über 7 Milliarden angewachsenen Individuenzahl einen Einfluß auf das Klima, insbesondere durch seine naturschädigende Tätigkeit im Umgang mit den natürlichen Ressourcen, jedoch begrenzt sich dieser Einfluß, wie man inzwischen weiß, auf wenige Prozente. Der theoretische Grundfehler dieser Darstellungsweise liegt in der Überbetonung der Tätigkeit des Menschen.

Die Versuche, mit Hilfe internationaler Vereinbarungen die Erderwärmung in einer vorgegebenen Zeit auf 2 Kelvin begrenzen zu wollen, ist wohl eher eine ungezügelte politische Phantasterei, zu deren Sinn und Zweck weitere Äußerungen an dieser Stelle sicher unangebracht sind. Der Mensch, der sich ein solches Ziel stellt, unterliegt mit Sicherheit einer ausgeprägten Selbstüberschätzung seiner Möglichkeiten in der Beeinflussung der geologischen und der kosmischen Kräfte.

3. Ein Aberglaube zu Raumzeit und Materie – die Urknallhypothese

Das folgende Beispiel berührt eine Wissenschaft, die sich der sogenannten „Entstehung“ des Universums widmet, die Kosmologie. Seit über 60 Jahren ist diese Wissenschaft als Gesamtdisziplin dem unerklärbaren Aberglauben verfallen, es habe einen Anfang des Universums gegeben, es sei aus einem unendlich dichten und unendlich heißen Urzustand vor 13,7 Milliarden Jahren mit einem Urknall entstanden und expandiere seitdem beschleunigt.

Dieser theoretische Grundsatzfehler legt derzeit noch immer die Weiterentwicklung der Kosmologie als Wissenschaft in Ketten und behindert auch die Astronomie durch die bewußte Negierung eindeutiger Beobachtungsergebnisse, welche diese Ansicht widerlegen. Fortschritte in der Forschung sind mit diesem Denkmodell nicht in Sicht und nicht zu erwarten. Auch wenn seit Aufkommen der Theorie Hunderte, ja Tausende astronomische Beobachtungen und viele detaillierte logische Überlegungen zeigen, daß es so nicht gewesen sein kann, wird an dieser auf der Schöpfungsidee fußenden Auffassung festgehalten.

Die Verteidiger der Urknallhypothese sind auch nicht von der großen Zahl bedeutender Wissenschaftler und Persönlichkeiten des internationalen Lebens zu beeindrucken, über 500 haben eine öffentliche Petition gegen die Urknallhypothese unterzeichnet. Niemand ist bereit, die Unendlichkeit der Existenz des Universums in Raum und Zeit und Ewigkeit der chaotischen Materiebewegung in Betracht zu ziehen und für Forschungsansätze zu akzeptieren. Mit allerlei unwissenschaftlichen Spekulationen, Vermutungen und Erfindungen wird immer aufs Neue versucht, die Unzulänglichkeiten der Theorie zu verdecken und die unhaltbare Urknalltheorie zu verteidigen.

Dazu werden fiktive Gebilde abseits jeder wissenschaftlichen Methode herangezogen, wie zum Beispiel die sogenannte „dunkle Energie“, die „dunkle Materie“ oder die grotesken Rechnereien zu einer vermeintlichen „Nukleosynthese“. Um die Urknalltheorie zu erhalten, wird sogar so weit gegangen, die Existenz der Raumzeit und aller Naturgesetze zum Zeitpunkt des Urknalls mit der Behauptung zu leugnen, beides sei erst mit dem Urknall entstanden. Sogar der Materiebegriff wird zur Stützung der Theorie verfälscht, indem die Energie von der Materie getrennt und ihr gegenübergestellt wird.

All das kann ausführlicher hier im Internetportal Philognosie in meinem Beitrag „Die Urknallhypothese, eine Sackgasse der kosmologischen Forschung“ nachgelesen werden.

4. Die hinderliche Dezentralisierung der Bildung

Ein interessantes Beispiel für die Auswirkungen einer theoretischen Fehlleistung auf einem gesellschaftswissenschaftlichen Gebiet ist die allgemeine Misere im bundesdeutschen Bildungssystem. So werden zum Beispiel in jedem Bundesland Lehrer ausgebildet, deren Abschlüsse in anderen Bundesländern dann keine Gültigkeit haben, so daß sie nicht bundesweit eingesetzt werden können.

Generell werden die bereitzustellenden finanziellen Mittel für Bildung und Erziehung durch die Länderparlamente immer weiter gekürzt. Grundsätzlich wird dadurch Deutschlands wissenschaftliches und wirtschaftliches Leistungspotential immer stärker von der internationalen Spitze verdrängt. Neuere Bemühungen zum Beispiel um einheitliche Maßstäbe in den Anforderungen an das Abitur scheitern daran, daß sich die verantwortlichen Gremien der Länder nicht einigen können.

Und wo liegt nun der theoretische Grundfehler? Er ist elementar: Es ist der erklärte politische Grundsatz, Bildung sei „Ländersache“. In einer Zeit, in der ein Bundesbürger samt Familie für einen angemessenen Arbeitsplatz ohne Not das Bundesland wechselt, die Kinder der Familie dann in völlig andere Schulsysteme geworfen werden, in denen sie je nach Lage entweder nicht folgen können oder sich langweilen, ist diese Ansicht nicht mehr vertretbar. Bildungspolitik muß Bundespolitik sein, sonst bleibt das gesamte System über kurz oder lang auf der Strecke. Bei der Analyse des Hochschulsystems ergeben sich ganz ähnliche Schlußfolgerungen. So wird sichtbar, wie dieser theoretische Grundfehler die Entwicklung blockiert.

Auch aus einer ganz praktischen Sicht ist das System nicht aufrechtzuerhalten. Ich stelle die Frage: Aus welchem Grunde muß man in den Bundesländern 16 Bildungsministerien mit all ihren Folgekosten unterhalten, von denen sich ein jedes berufen fühlt, das Fahrrad immer wieder neu zu erfinden, wenn doch eines auf Bundesebene genügen würde? Auch wenn es dreimal so groß wäre, ergäben sich enorme finanzielle Einsparungen.

Betrachtet man nun noch weiterblickend Europa als Gesamtstruktur, könnte dort die Koordination bildungspolitischer Aufgaben sehr viel einfacher werden, würde es keine künstlich installierten Hierarchien geben. Bildung ist wahrlich zu bedeutend, als daß man sie im Zeitalter der Globalisierung gewaltsam dezentralisieren kann.

01.10.2013 © seit 01.2013 Dr. Manfred Pohl  

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