Seite 2: Haustiere: Wie halte ich Meerschweinchen artgerecht?

Die Haltung in der Wohnung

Meerschweinchen halten artgerecht Ratgeber Kauf und HaltungMeerschweinchen können bei entsprechender Lebensraumgestaltung auch in der Wohnung gehalten werden. Das Platzangebot muss groß sein, weshalb ein konventioneller Zimmerkäfig als Behausung ausscheidet. Für zwei bis drei Tiere ist eine Grundfläche von mindestens 1,5 m x 1 m nötig.

Ein offenes Vivarium (in Wannenform) aus Plexiglas hat im Vergleich zu einem Gehege aus Draht viele Vorteile: Es ermöglicht dem Menschen einen besseren Sichtkontakt zu den Tieren und den Meerschweinchen einen schöneren Ausblick. Es kann sehr praktisch eingerichtet werden, ist hygienischer in der Pflege und im Wohnbereich schöner anzusehen. Es sollte erhöht stehen, da der Mensch für die Meerschweinchen so weniger bedrohlich wirkt, und es sollte an einem hellen und gut belüfteten, vor allem aber zentralen Ort stehen.

Wenn noch andere Tiere im Haushalt leben (z. B. Katze), so muss das Vivarium von oben gesichert werden. Um das Platzangebot zu vergrößern, bietet es sich an, eine obere Etage einzurichten. Auch dies hat viele Vorteile: Die Tiere können sich darunter verstecken, haben oben eine Aussichtsplattform und bewegen sich durch diese Klettermöglichkeit mehr. Auch bei der Wohnungshaltung ist die entsprechende Gestaltung des Lebensraumes von größter Bedeutung.

Eine offene Fläche wird das Meerschweinchen nicht nützen und somit die meiste Zeit in seiner Hütte verbringen. Die Einrichtung muss so gestaltet sein, dass ausreichend Platz für Bewegung zur Verfügung steht, dieser aber durch schützende Unterschlüpfe unterbrochen wird. (Gestaltungsvorschläge: siehe „Die Haltung im Freigehege”)

Die kombinierte Haltung – Wohnung und Garten

Für Tierhalter, die sich den Anforderungen einer ganzjährigen Außenhaltung nicht gewachsen fühlen, ist eine Kombination von Außen- und Innenhaltung eine gute Lösung. Die Tiere verbringen den Sommer im Freien und die kalten Monate im Haus.

Aber auch hier muss das Außengehege (sowie auch das Innengehege) die gleichen Anforderungen erfüllen wie bei einer ganzjährigen Haltung im Freien. Der Freibereich darf kein Provisorium sein (wie z. B. ein kleines Stück eingezäunte Wiese mit einer Hütte oder gar ein Käfig). Es muss auf genügend Bewegungsmöglichkeit, eine entsprechende Strukturierung und wetterfeste Hütten geachtet werden.

Die Meerschweinchengruppe

Die richtige Zusammenstellung der Meerschweinchengruppe ist entscheidend für das positive Miteinander dieser sozialen Tiere. Auch wenn es keine festen Regeln gibt – ausschlaggebend bei der Haltung ist nicht nur das Geschlecht, sondern auch der Charakter der einzelnen Tiere. Entscheidend ist aber vor allem der entsprechende Lebensraum. Denn bei falscher Haltung und Unterforderung entwickeln auch die verträglichsten Meerschweinchen Aggressionen.

Gruppengröße

Die kleinstmögliche Meerschweinchengruppe besteht aus zwei Tieren. Es gibt aber gute Gründe drei und mehr Tiere gleichzeitig aufzunehmen und zu halten:

  • Mehrere Tiere regen sich gegenseitig zu aktiverem Verhalten an.
  • Stirbt ein Meerschweinchen oder muss ein Tier für einige Zeit in Quarantäne gebracht werden, dann muss keines – auch nur vorübergehend – alleine bleiben.
  • Da Meerschweinchen revierbezogen sind, ist es einfacher, gleich eine Gruppe zusammenzustellen, als später Tiere neu einzugliedern.

Mögliche Gruppenzusammenstellungen:

  • ein kastrierter Bock und zwei bis drei Weibchen
  • ein bis zwei kastrierte Böcke und zwei bis vier Weibchen
  • kastrierte Böcke in kleinen Gruppen

Eine reine Weibchenhaltung ist nicht optimal. Ein Bock wirkt ausgleichend und neutralisiert die Streitigkeiten, die zuweilen unter Weibchen herrschen. In einer Weibchengruppe können die Tiere außerdem nicht all ihre Verhaltensweisen ausleben, da die Gruppenbildung unnatürlich ist.

Außerdem ist zu beachten:

  • Kastration der Männchen: Männliche Meerschweinchen müssen – egal bei welcher Gruppenzusammenstellung – kastriert werden. Damit vermeiden Sie einerseits die unkontrollierte Vermehrung der Tiere und andererseits Aggressionen durch den aufgestauten Sexualtrieb.
  • Alter der Tiere: Wichtig ist, dass die Tiere ungefähr im gleichen Alter sind, weil dieses auch den Grad ihrer Aktivität bestimmt.
  • Bei Neuzugängen: Wollen Sie zu einem Meerschweinchenpärchen weitere Tiere dazu nehmen, empfehlen wir gleich zwei neue Tiere aufzunehmen. Sonst kann es passieren, dass der Neuling zum Außenseiter wird. Auch wenn man in eine größere Gruppe neue Tiere integrieren will, hat sich die Eingliederung von gleich zwei Meerschweinchen bewährt, weil sich so die Konzentration der Alteingesessenen auf zwei Neuzugänge verteilt.
  • Haltung von Meerschweinchen und Kaninchen: Man kann Meerschweinchen und Kaninchen zusammen in einem großzügig angelegten Gehege halten, jedoch muss jedes mindestens einen Artgenossen zur Seite haben. Die Beschaffenheit des Geheges muss dann jedoch auch den Anforderungen der Kaninchen entsprechen.

Die Anpassung von Meerschweinchen

Werden fremde Meerschweinchen in eine Gruppe integriert, brauchen die Tiere Zeit, um die Rangordnung innerhalb der Sippe festzulegen. Dabei kann es – obwohl Meerschweinchen grundsätzlich sehr friedliche Tiere sind – auch zu Kämpfen kommen. Verletzungen sehen dabei meist schlimmer aus, als sie sind.

Wichtig ist, dass man die Tiere nicht wieder voneinander trennt, denn sonst müssen sie bei jedem Integrationsversuch wieder von vorne anfangen, und das bedeutet viel Stress für die Tiere. Es heißt für den Tierhalter, Geduld und Nerven zu bewahren und nur im Extremfall einzugreifen. Helfen können Sie den Tieren, indem Sie den Zeitpunkt der Zusammenführung nach einer gründlichen Reinigung des Geheges ansetzen und den Tieren viele frische Materialien anbieten oder auf einen neutralen Raum ausweichen.

Dann werden alle Meerschweinchen gemeinsam ins Gehege gesetzt. Wichtig ist, dass die Tiere möglichst viel Platz und die Möglichkeit zum Flüchten und Verstecken haben, damit sie dem (Sicht-)Kontakt der anderen entkommen können. Außerdem hilft besonders großzügiges Futterangebot und reichlich Nagematerial zum Ablenken und zum Umleiten von Energien. Nicht selten stellt sich nach einiger Zeit zwischen Streithähnen, nachdem die Rangordnung festgelegt wurde, die große Liebe ein.

Die gesunde Ernährung

Wildlebende Meerschweinchen sind den Großteil ihrer Zeit mit der Nahrungssuche beschäftigt. Daher ist es auch für ein in Gefangenschaft lebendes Meerschweinchen sehr wichtig, den ganzen Tag – verteilt in kleinen Mengen – Futter aufnehmen zu können. In der Praxis bedeutet das mindestens drei Fütterungszeiten täglich, wobei morgens frisches Heu gereicht wird und erst Stunden später Grünfutter, weil dieses nur so gut verarbeitet werden kann. Erst am Abend wird Körnerfutter in kleiner Menge angeboten.

Heu als Grundnahrungsmittel

Heu ist das Grundnahrungsmittel des Meerschweinchens. Es regt den Speichelfluss an und fördert die Verdauung. Deshalb muss frisches Heu die erste Tagesmahlzeit eines Meerschweinchens sein und sollte auch tagsüber zur Verfügung stehen. Gutes Heu erkennt man an seiner grünlichen Farbe, an seinem aromatischen Duft und daran, dass es nicht staubt.

Grün- und Saftfutter

Grünpflanzen, Gemüse und wenig Obst entsprechen dem natürlichen Ernährungsbedürfnis des Meerschweinchens und werden deshalb gerne von ihm angenommen. Grün- und Saftfutter hat einen hohen Nährstoffgehalt und ist reich an Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen. Da am Boden liegendes Futter durch Kot und Urin verschmutzt würde, sollte es am besten in einer Raufe gereicht werden.

Reste müssen nach einigen Stunden entfernt werden. Meerschweinchen können selbst kein Vitamin C produzieren, deshalb muss es in entsprechender Menge verabreicht werden. Als tägliches Basisangebot eignet sich am besten eine kleine Karotte, ein Viertel Apfel, ein Büschel Löwenzahn bzw. einige Blätter Grünkohl.

Gut verträglich sind außerdem noch:

  • Futterpflanzen: Löwenzahn, Wiesengras, Wiesenkräuter
  • Gemüse: Karotten, Broccoli, Chinakohl, Kohlrabi, Sellerie, Tomaten, Endivien, Chicoée, Fenchel, Gurken
  • Kräuter: Petersilie, Brennnessel, Dill, Basilikum, Minze, Thymian
  • Obst: Apfel, Kiwi, Mandarine, Orange, Zitrone, Melone, Birne Körnerfutter

Dieses Kraftfutter muss sehr sparsam eingesetzt werden, da es sonst dazu kommen kann, dass das Meerschweinchen stark zunimmt. Viel Energie benötigen Meerschweinchen nur in bestimmten Lebenssituationen (z. B. bei der Außenhaltung im Winter, im Wachstum, trächtige Tiere). Meerschweinchen, die in der Wohnung gehalten werden und ausreichend Heu- und Grünfutter fressen, brauchen nur sehr wenig bis gar kein Körnerfutter.

Nagematerial für Meerschweinchen

Nicht nur als Nahrungsmittel, sondern vor allem zur Beschäftigung, als Unterschlupf und zur Abnützung der Zähne, muss dem Meerschweinchen regelmäßig Nagematerial angeboten werden. Geeignet sind frische ungespritzte Zweige von Obstbäumen, außerdem Rinden und Wurzeln.

Flüssigkeit

Wasser muss immer zur Verfügung stehen, am besten in einer leicht erhöht stehenden Schale (z. B. auf einem flachen Stein), damit es nicht verschmutzt. Es sollte immer frisch und nicht zu kalt sein.

Gesundheit

Die meisten Krankheiten beim Meerschweinchen sind haltungs- und ernährungsbedingt. Jede Veränderung des Verhaltens kann Anzeichen einer Krankheit sein und sollte daher sehr ernst genommen werden. Da Meerschweinchen Dauerfresser sind, ist eine ständig aktive Verdauung ein Muss. Frisst das Tier – auch nur kurze Zeit – nicht, so ist der kürzeste Weg zum Tierarzt gefragt.

07.06.2012 © seit 02.2012 Leonie Papies
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