Heilen: Wie funktioniert der "Placebo-Effekt"?

Teaser: Die Placebo-Forschung ist heutzutage ein anerkannter wissenschaftlicher Bereich. Placebos werden z. B. beim Testen von neuen Medikamenten eingesetzt, um die Wirkungsweisen genauer bestimmen zu können. Doch der Placebo-Effekt zieht weit größere Kreise. Wissenschaftler behaupten sogar, dass bei fast jeder Heilung Placebo-Wirkungen eine große Rolle spielen. Lesen Sie im folgenden Artikel, warum Placebos bei so vielen Menschen funktionieren.

Trotz der bekannten positiven Wirkungen von Placebos begegnen ihnen viele Menschen mit Skepsis. Placebos scheinen nicht wirklich in das wissenschaftliche Weltbild zu passen. Dabei stehen Erklärungsversuche, warum Placebos funktionieren, in keinem Widerspruch dazu - sie können wissenschaftlich erklärt werden.

Was sind Placebos?

Placebo: wie funkioniert der placebo-effekt?Bei Placebos (lat. "ich werde gefallen") handelt es sich - klassisch verstanden - um (Schein-) Präparate, die keine bekannten arzneilich wirksamen Inhaltsstoffe enthalten. Ein häufiges und bekanntes Placebo-Präparat besteht aus Zucker und Stärke (manchmal zusätzlich aus Zusatzstoffen, um die Farbe oder Geschmack des Placebos zu beeinflussen).

Es gibt Placebo-Akupunkturnadeln, die nicht durch die Haut stechen, sondern in einen Nadelhalter gesteckt werden, welcher auf der Haut klebt.

Im weiteren Sinne werden alle "Scheinbehandlungen", z. B. auch Scheinoperationen oder eine vorgetäuschte Akupunktur als Placebo bezeichnet.

Was versteht man unter Placebo-Effekten?

Placebo-Effekte (synonym auch Placebo-Antworten oder Placebo-Wirkungen) sind positive Wirkungen, die nach einer Behandlung eintreten und die nicht auf das verabreichte Präparat bzw. auf die konkrete Behandlungsmethode (Operation, Akupunktur) zurückzuführen sind.

Zum Beispiel wurden in einem Experiment in Houston in Texas 120 Patienten mit Knie-Arthrose operiert. Die Hälfte der Patienten wurde tatsächlich operiert, die andere Hälfte erhielt nur oberflächliche Schnitte auf der Haut. Bei einer Befragung nach 2 Jahren waren 90 % der Patienten beider Gruppen mit der Operation zufrieden. Der einzige Unterschied bestand darin, dass die Gruppe der Nicht-Operierten weniger Schmerzen verspürte als die Gruppe der Operierten.

Warum wirken Placebos bei manchen Menschen?

Selbstheilungskräfte

"Die wirksamste Medizin ist die natürliche Heilkraft, die im Inneren eines jeden von uns liegt." Und: "Nicht der Arzt heilt, sondern die Natur. Der Arzt kann nur ihr getreuer Helfer und Diener sein. Er wird von ihr, niemals aber die Natur von ihm lernen." (Hippokrates von Kos - "Vater der Heilkunde")

Hippokrates geht von den Selbstregulations- oder Selbstheilungskräften des Menschen aus, immer aber im Zusammenhang mit dessen Lebensgewohnheiten - Krankheiten sind keine Zufälle. In den meisten Fällen sind sie die Folge einer ungesunden Lebensführung, z. B. schlechte Ess- oder Trinkgewohnheiten.

Der Mensch muss sich selbst in Bewegung setzen, wenn er wieder gesund werden will. Ärzte können sie dabei unterstützen, aber nicht gottgleich und damit alleinig für eine Heilung verantwortlich sein. Einen empfehlenswerten Artikel zu diesem Thema finden Sie unter folgendem Link: "

Eine positive Erwartungshaltung für einen Behandlungserfolg hängt von mehreren Faktoren ab:

  • von der Wirksamkeit der Behandlungsmethode, dessen Einschätzung individuell sehr verschieden sein kann. Manche Menschen sind von alternativen Heilmethoden überzeugt, andere wiederum von der klassischen Schulmedizin;
  • ob eine Krankheit vom Betroffenen als heilbar oder als unheilbar eingeschätzt wird;
  • der beruflicher Status und gute Ruf des Behandlers;
  • ob sich der Behandler genug Zeit für den Patienten nimmt, ihn ausreichend informiert, empathisch auf ihn eingeht (Aufbau von Vertrauen);
  • ob der Behandler sich von seinen Methoden selbst überzeugt zeigt;
  • Behandlungsmodalitäten, die positiven Einfluss auf die Erwartungshaltung nehmen. Operative Eingriffe und Injektionen wecken im Durchschnitt eine größere Erwartungshaltung des Patienten, als eine orale Verabreichung von Medikamenten;
  • bei Pillen sind große bunte Kapseln wirkungsvoller als kleine weiße Tabletten;
  • auch der Preis eines Präparates wirkt sich auf die Erwartungshaltung aus. Je teurer das Präparat, desto stärker die Erwartungshaltung und die positiven Wirkungen.

Wenn Menschen davon überzeugt sind, wieder gesund werden zu können (zu wollen), eine positive Erwartungshaltung gegenüber sich selbst, dem Behandler und der Behandlungsmethode entwickeln, steht einer guten Heilungschance nichts mehr entgegen, unabhängig davon, welche Behandlungsmethode sie wählen. Der Fokus liegt auch hier - wie bei den Selbstheilungskräften - beim Patienten.

Ärzte sollten sich vergegenwärtigen, dass in der heutigen Hektik im Krankenhaus und Praxen eine Atmosphäre entsteht, die sich negativ auf die Erwartungshaltung von Patienten und damit auf deren Heilungschancen auswirken kann. Eine Vermutung besteht daher darin, dass das ein wesentlicher Grund ist, warum immer mehr Menschen zu alternative Heilmethoden wechseln, wo sie sich als Mensch ernst genommen fühlen und wo sich Zeit für Gespräche genommen wird.

Nocebo-Effekte

Placebo und nocebo bei ärztlicher behandlungWenigen Ärzten ist bewusst, dass sie mit ihrem täglichen Handeln Placebo-Effekte erzeugen, unabhängig von der konkreten Behandlungsmethode. Die meisten sind davon überzeugt, dass die Medikamente, Operationen oder andere Behandlungsmethoden die Ursache für die Heilung von Patienten ist und nicht ihr persönlicher Umgang mit Menschen.

Im schlechtesten Fall kann daher die menschlich unreflektierte Begegnung mit dem Patienten einen Nocebo-Effekt bewirken, d.h. keine oder unerwünschte Wirkungen. Die Beziehung Arzt-Mensch sollte wieder im Mittelpunkt der ärztlichen Tätigkeit stehen, so der Wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer.

Der Nocebo-Effekt ist der Gegenspieler des Placebo-Effekts. Unerwünschte Wirkungen von Placebos entstehen häufig dann, wenn Ärzte bei der Verabreichung des Präparats gezielt auf mögliche Nebenwirkungen hinweisen, z. B. auf Kopfschmerzen oder Übelkeit. Nocebo-Effekte sind genauso messbar und wirksam wie Placebo-Effekte. Wir beeinflussen mehr Prozesse in unserem Körper, als wir oft annehmen.

Es gibt noch eine andere Art des Nocebo-Effekts, nämlich dann, wenn Patienten eine negative Erwartungshaltung haben und ein Medikament bekommen, das nachweislich funktioniert. Aus Angst vor drohenden Schäden oder Misserfolg der Behandlung versagten bei einem Experiment mit Schmerzpatienten selbst starke Schmerzmittel. Der Patient verspürte trotz des Schmerzmittels weiterhin Schmerzen.

Die Forscher vermuten, dass dieses Problem häufig chronisch Erkrankte trifft, die schon viele gescheiterte Therapieversuche hinter sich haben. Das erklärt auch, warum Wirkstoffe, die in vorklinischen Tests hohe Erwartungen weckten, später regelmäßig scheiterten, vor allem dann, wenn sie gegen chronische Leiden helfen sollen.

Placebos haben gezeigt, dass ein schlechtes Medikament in der Hand eines guten Arztes wirksamer sein kann als ein gutes Medikament in der Hand eines schlechten Arztes. Eine Verbindung von guten Mitteln und guten Ärzten sollte jedoch Ziel sein.

Nicht nur Ärzte, sondern auch der Patient selbst sollten für eine positive Erwartungshaltung sorgen. Patienten sollten die Verantwortung nicht an Ärzte abgeben, sondern sie als selbst gewählte Unterstützung und Hilfe wahrnehmen. Sie sollten sich Ärzte suchen, die ihre Fragen zur Erkrankung beantworten und sie über die Behandlung ausführlich informieren. Denn letztlich sollte es darum gehen, positive Erwartungen zu wecken und negative zu vermeiden, um gesund zu werden.

Der Zusammenhang von Placebo-Effekten und einer positiven Erwartungshaltung ist in der Placebo-Forschung so offensichtlich, dass man gar nicht mehr umhin kommt, die Wurzel einer Gesundung bei sich selbst zu suchen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Gesundheit!

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