Seite 3: Urknallhypothese: Hindernis für die kosmologische Forschung

Urknall als SchöpfungsmythosDas Festhalten an der Urknallhypothese verhärtet die Stagnation der Forschung. Der Knoten ist nur auflösbar, in dem die Bereitschaft eingebracht wird, die bestehende Wurstphilosophie, nach der all und jedes einen Anfang und ein Ende haben müsse, zu verlassen.

Es gibt in der Natur Kategorien, die keinen Anfang hatten und kein Ende haben werden, die also ewig sind. Zu diesen Kategorien zählen die Raumzeit und die in ihr existierende, sich bewegende Materie.

Es ist schon reichlich unbegreiflich, einen „Anfang“ der Zeit zu postulieren, noch verworrener erscheint aber eine neuerlich geäußerte These Stephen Hawkings, nach der sinngemäß „vor“ dem Urknall – wie auch immer man das verstehen soll – die Zeit rückwärts gelaufen und somit das Universum implodiert sei.

Unter der Annahme der allgemeinen Rotation befindet sich das Universum gegenwärtig in einer Expansionsphase, die sich nach einer endlichen Zeit in eine Kontraktionsphase umkehren wird, um nach einer weiteren halben Periode wieder zu expandieren.

Diese Schwingung (Oszillation) des Universums ist ein ewiger Zyklus, der seinen Antrieb im Kräftegleichgewicht der allumfassenden Gravitation mit der allgemeinen Zentrifugation hat. In dieser Darstellungsweise ist vorstellbar, daß die allgemeine Zentrifugation des Universums kein Gesamtprozeß ist, sondern in Teilbereiche zerfällt, in denen großräumige Rotationen zu verzeichnen sind, die einander durchdringen, sich ständig verändern und neu formen.

So könnte die häufig geäußerte Ansicht der Existenz mehrerer „paralleler Universen“ erklärt werden, ein irritierender Begriff, dem ich nicht folgen mag. Bildlich gesprochen bewegt sich das Universum ähnlich einem Wolkengebilde, das frei von einem definierbaren Rotationszentrum ist und sich doch in alles umfassender Rotation befindet.

Daraus folgt unmittelbar, daß die Zeit keinen Anfang hat. Der Raum ist nicht entstanden, er existiert. Es gibt in der Raumzeit den ewigen Zyklus des Übergangs von Masse in Energie und umgekehrt, der seinen Antrieb in der ständigen Bewegung der Materie hat, die letztlich durch die Bewegung immerwährender Veränderung unterliegt.

Die Bewegung wird durch die der Materie innewohnenden Kräfte aufrechterhalten. Der ständige Übergang von Masse in Energie und umgekehrt beinhaltet die ständige Entstehung und Aufhebung von Strukturen der Elementarteilchen, daß heißt, das immerwährende Aufbauen und Zerstören der Elemente, das begleitet wird von Energiestrahlungsvorgängen im gesamten Universum in allen Richtungen.

Sie wird in der Kosmologie mit der Bezeichnung Hintergrundstrahlung geführt. Diese Hintergrundstrahlung, die von George Gamow vorhergesagt und 1965 von Arno Penzias und Robert Wilson mit einem Radioteleskop gefunden wurde, ist nicht als Relikt, als Überbleibsel aus einer Entstehung des Universums zu sehen, vielmehr ist sie ein ständiger, die Bewegung der Materie begleitender Prozeß.

Mit diesem Denkmodell sind fast alle Paradoxa, die dem Urknallgedanken innewohnen, aufgehoben. Alle sogenannten "Beweise" für die Urknalltheorie sind schließlich daraus abgeleitet und auf den Umstand „zugeschnitten“, daß die Unidirektionalität der Universumsbewegung als Axiom angesehen wird, fußen also auf einer falschen Ausgangsannahme.

Die völlig spekulativen Konstrukte der dunklen Energie und der dunklen Materie erübrigen sich dadurch. Was bedeutet denn dunkle Energie und dunkle Materie? Die Definition der „dunklen“ Materie in der Kosmologie ist auf einer höheren Ebene ein ganz ähnlicher Vorgang, wie er sich bei der Entstehung des Glaubens vollzogen hat: Unbegreifliche, mit dem vorhandenen Wissen nicht erklärbare Phänomene werden auf transzendente, übernatürliche Kräfte ausgelagert, um auf diese Weise eine Erklärung zu ermöglichen. Ein solches Herangehen ist wissenschaftsfern.

Alle existierenden und gegenwärtig anerkannten Theorien beweisen die Zusammenhänge zwischen den vier Universumskoordinaten, beweisen die Relativität von Raum und Zeit, und sie beweisen die Zusammenhänge zwischen der Raumzeit und der Bewegung, nicht aber, daß die Zeit eine vektorielle Größe ist, das heißt, einen Nullpunkt hat und auch nicht, daß der Raum entstanden ist, heißt, daß Materie Energie ohne Raum war.

Die Folge dieser Denkstruktur ist jedoch zwingend, daß auf Grund der Ewigkeit der Existenz der Materie in der Raumzeit, das heißt auf Grund des Fehlens eines Anfangs von Materie und Raumzeit der Schöpfungsidee die Grundlage entzogen wird.

Es gibt keine Schöpfung, kein Entstehen des Universums, es gibt permanente, ewige Evolution. Die Schöpfungsidee fußt darauf, daß es eine Art Bewußtsein außerhalb der durch Evolution der Materie entstandenen Intelligenz gibt, also einen Schöpfer, einen Gott oder auch mehrere Götter.

Es sind dies jedoch keine objektiven Kategorien, es ist der im Verlaufe der Evolution der Intelligenz entstandener Glaube in dem Bestreben, die umgebende Welt zu verstehen. Diesen übermateriellen Bewußtseinsformen, die durch die sich entwickelnde Intelligenz erschaffen wurden, werden alle Vorgänge im Bestreben der Erklärung der Welt zugeordnet, für die auf der jeweiligen Entwicklungsstufe keine (oder noch keine) rationale Erklärung existiert. Die Intelligenz aber ist nichts außermaterielles, sie ist an Materie gebunden, sie ist ein Evolutionsergebnis der Materie – das Gehirn.

Noch eine fatale Folge hat das Schwingungsmodell. Das Bestreben der sich entwickelnden Intelligenz nach Erklärung der umgebenden Welt wird Lücken erhalten. In der gegenwärtigen Entwicklungsphase nicht erklärbare Vorgänge können nicht mehr auf überirdische, auf außermaterielle Lenkung „ausgelagert“ werden, da es keine gibt. Das Weltbild der Intelligenz wird nur so vollkommen sein, wie es der aktuelle Entwicklungsstand zuläßt. Auf viele Fragen wird es langfristig oder dauerhaft keine Antwort geben.

Die Möglichkeiten, bestimmte Vorgänge im Makrokosmos wie auch im Mikrokosmos mit dem menschlichen Verstand, dem Vorstellungsvermögen aufnehmen und erfassen zu können, sind begrenzt. In einzelnen Fragen werden sie auch begrenzt bleiben. Aber der Mensch kann mit seinem abstrakten Denkvermögen auf analytischer Grundlage Dinge beschreiben und aus Vorgängen Schußfolgerungen ableiten, die sich aus zwingender Logik ergeben, auch unter dem Eingeständnis, daß man sich einzelne Ergebnisse nicht vorstellen kann, mit dem sogenannten „normalen“ Denken nicht erfassen kann.

Sicher können sich nur ganz wenige Menschen in höherer Deutlichkeit vorstellen, daß sich Masse in Energie umwandeln kann. Wo ist die Masse dann, wenn sie zu Energie geworden ist? Man scheitert ja schon daran, sich „die Energie“ vorstellen zu können.

Stets sehen wir ja nur ihre Wirkung. Aber wir können rechnerisch damit umgehen, weil wir seit Einstein den rechnerischen Zusammenhang zwischen beiden Erscheinungsformen der Materie kennen. Mathematiker und Physiker benutzen zur Beschreibung der Vorgänge, die in der Raumzeit keine Erklärung haben, mehrdimensionale Räume (mehr als 4 Dimensionen).

Das sind fiktive Gebilde, mit denen komplexe oder irrationale Vorgänge erfaßbar und berechenbar werden. Ähnlich, wie man in der Elektrotechnik einem Phasenlauf kapazitiven oder induktiven Ursprungs, der mit der eindimensionalen Stromkoordinate nicht erklärbar wäre, mit Hilfe der imaginären Größe i (Wurzel aus –1) eine fiktive Koordinate im Bereich der komplexen Zahlen gibt und damit berechenbar macht.

Diese Größe i liegt außerhalb des realen Vorstellungsvermögens, niemand kann sich mit Hilfe rationalen Denkens eine Zahl „vorstellen“, deren Produkt mit sich selbst –1 ergibt, mit ihrer Hilfe wird aber ermöglicht, Blindströme induktiver und kapazitiver Ursprünge zu berechnen.

Ich bin sicher, jeder muß sich von der Behauptung trennen, sich mehrdimensionale Räume "vorstellen" zu können. Mehrdimensionale Räume sind mathematische Gebilde, mit denen man Vorgänge beschreibt, die im physikalischen Raum oder der Raumzeit keine Erklärung haben, zum Beispiel das Gleichzeitigkeitsproblem - ein räumliches Objekt befindet sich gleichzeitig an zwei Orten (Quantenmechanik).

Oder das Raum-Zeit-Kontinuum, in dem in einem Inertialsystem mit c (Lichtgeschwindigkeit) in der Bewegungsrichtung zum Betrachtersystem die Anzahl der Raumkoordinaten auf 2 reduziert wird (Lorentz-Transformation). Aber diese Gebilde mehrdimensionaler Räume bleiben virtuell, sie können mit dem menschlichen Verstand, unserem Vorstellungsvermögen, nicht abgebildet werden.

Es sei an dieser Stelle der Hinweis gegeben, daß der interessierte Leser zu dieser Thematik weitere Details, insbesondere zur Herkunft und zur Geschichte der Urknallhypothese, in meinem Buch Wissenschaft, Religion und Politik erfahren kann, das im Re Di Roma-Verlag, Remscheid, mit der ISBN 978-3-86870-284-2 erschienen ist. Es kann beim Verlag oder im Internet beim Amazon-Vertrieb (siehe Abbildung links) bestellt werden.

28.09.2015 © seit 02.2011 Dr. Manfred Pohl  
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