Seite 2: Ratgeber Wein: Wie werde ich zum Weinkenner?

3. Der Geschmack

Tipps Weinkenner Anleitung WeinDer spannendste und zugleich wichtigste Teil des Weintrinkens ist das Weintrinken selbst. Können Gaumen und Zunge die Eindrücke von Auge und Nase bestätigen? Durch Schlürfen und Kauen des Weines intensivieren sich die Aromen an den Geschmacksnerven.

Auch wenn es für Außenstehende komisch aussehen und klingen mag: Schlürfen Sie Ihren Wein – zumindest, wenn Sie ihn professionell degustieren möchten.

Weinsüße

Auf der Zungenspitze lässt der Wein seinen Süßegrad erkennen. Die meisten Stillweine und Schaumweine werden trocken ausgebaut und von den Weinliebhabern auch am liebsten trocken getrunken.

  • (Extra) Brut: Trockener geht nicht, denn jegliche Zuckermoleküle der Traubenbeere haben sich in Alkohol umgewandelt.
  • Trocken: Ein fertig gegorener Wein mit wenig Restzuckergehalt
  • Halbtrocken: Eine feine Süße aufgrund des Restzuckers und eines hohen Alkoholgehaltes
  • Süß: Dessertweine, wie z.B. Sherry, Sauternes, Trockenbeerenauslesen, Portwein
  • Klebrig süß: Weinfehler

Alkohol

Der Alkoholgehalt spielt bei Wein eine entscheidende Rolle. Alkohol unterstreicht den Geschmack von Wein. Mittlerweile werden alkoholreduzierte Weine angeboten, die frischer und spritziger wirken als Weine mit „normalem“ Alkoholgehalt. Durch die manuelle Akzentuierung des Alkoholgehaltes kann man nur schwer vom Alkoholgehalt auf die Qualität des Weines schließen. Hier entscheiden die persönlichen Vorlieben.

Körper

Die Körperfülle eines Weines zeigt an, welche Kraft der Wein auf der Zunge und am Gaumen besitzt. Hier gibt es von fetten Weinen bis hin zu echten Leichtgewichten alles, was das Herz und der Gaumen begehren.

  • Fleischig: schwere, reichhaltige und reife Weine
  • Körperreich: aromenreiche, intensive Weine
  • Rund: harmonische, ausgeglichene Weine
  • Dünn: wässrige Weine ohne besondere Aromatik

Säure

Die Säure eines Weines ist unerlässlich für den Weingenuss. Riesling oder Grüner Veltliner etwa werden auch aufgrund ihrer Säurebetonung geliebt.

  • Beißend: unangenehme Säure, mangelhafter Wein
  • Feinnervig: säurebetonte, frische, jugendliche Weine
  • Lebhaft: frische, angenehm säurebetonte Weine
  • Geschmeidig: reife, harmonische Säurebetonung
  • Flach: geschmacksarmer Wein mit schnellem Abgang

Tannine

Die Gerbstoffe eines Weines werden auch Tannine genannt. Sie vermitteln den Schleimhäuten einen trockenen Geschmackseindruck. Je nach Härte oder Weichheit, nach Grobheit oder Feinkörnigkeit werden Tannine als unangenehm oder harmonisch empfunden. Große, holzausgebaute und hochwertige Weine besitzen eine dichte Tanninstruktur, die sehr feinkörnig ist.

Abgang

Nach dem Schlucken beachten Sie bitte die Nachwirkung des Weines. Die Länge des Abganges bemisst sich an der Zeit, in die der Wein sich aromatisch abschwächt.

  • Bis zu 10 Sekunden: Spitzenwein von höchster Qualität
  • Bis zu 7 Sekunden: normaler Alltagswein
  • Bis zu 4 Sekunden: leichter oder minderwertiger Wein

4. Werkzeuge zum Wein

Der Wein kann noch so gut sein, wenn das Glas verschmutzt, zu klein oder zu groß ist, wird er sich nicht entfalten können. Die richtigen Weingläser sind:

  • kelchförmig
  • haben einen langen Stiel, wo man das Glas hält
  • dünnwandig
  • durchsichtig
  • glatt, um die herabrinnenden Tropfen („Tränen“ oder „Kirchenfenster“) innerhalb des Glases sichtbar zu machen

Trinken Sie während einer Degustation immer wieder stilles Wasser, um den Gaumen zu reinigen. Auch Weißbrot ist ratsam, denn es neutralisiert die Geschmacksnerven. Käse, Aufstriche und Ähnliches auf dem Brot wirken dagegen kontraproduktiv.

5. Die richtige Wein-Temperatur

Jeder Wein sollte bei der idealen Trinktemperatur getrunken werden. Nur bei gewissen Gradzahlen kann sich der Wein optimal entfalten.

  • 10°C - Trockene Weiß- und Roséweine
  • 12°C - Halbtrockene Weiß- und Roséweine
  • 14°C - Fruchtig-frische, farblose Rotweine
  • 16°C - Mittelkräftige, tanninhaltige Rotweine
  • 18°C - Tanninstarke, farbintensive, wuchtige Rotweine

6. Die Bewertung von Wein

Drei Weinbewertungssysteme haben sich bei professionellen Degustationen etabliert.

Das 5-Punkte-System gliedert Weinqualitäten in folgende Punkte:

  • Stark fehlerhaft: 0 Punkte
  • Fehlerhaft: 1 Punkt
  • Befriedigend: 2 Punkte
  • Gut: 3 Punkte
  • Sehr gut: 4 Punkte
  • Ausgezeichnet: 5 Punkte

Das COS-System vergibt 20 Punkte, die sich aus den Kategorien Farbe, Geruch, Geschmack und Gesamteindruck zusammensetzen. Dabei ist ein Wein mit

  • <10 Punkten ungenügend und mangelhaft
  • 10 bis 12 Punkten fehlerhaft
  • 12 bis 14 Punkten nicht zufriedenstellend
  • 14 bis 16 Punkten gut
  • 16 bis 18 Punkten sehr gut
  • 18 bis 20 Punkten von absoluter Spitzenqualität.

Weinpapst Robert Parker hat außerhalb Europas mit seinem 100-Punkte-System für ein anerkanntes Bewertungssystem gesorgt. Jeder Wein, der zur Degustation zugelassen wird, hat 50 Punkte, von dort an wird gezählt.

  • <60 = fehlerhaft
  • 60 – 69 = nicht empfehlenswert
  • 70 – 79 = langweilig, gewöhnlich
  • 80 – 84 = zuverlässig, ansprechend
  • 85 – 89 = sehr gut und harmonisch
  • 90 – 94 = exzellent, gehoben
  • 95 – 99 = außergewöhnlich
  • 100 = absolute Premiumklasse

Mit diesem kleinen Ratgeber gelingt Ihre nächste Degustation bestimmt. Und vergessen Sie nicht: Auch beim Weintrinken macht Übung den Meister!

07.04.2014 © seit 09.2012 Katja Nasser  
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