Geldanlage: Sparen im Niedrigzinsumfeld

Wohin mit dem Geld? Die Frage klingt fast schon überheblich, weil sie Unmengen von Kapital suggeriert. Dabei betrifft das Thema inzwischen jeden, der ein paar Euro auf die hohe Kante legen möchte. Verantwortlich dafür ist das Niedrigzinsumfeld, das die Märkte nun schon seit gefühlten Ewigkeiten prägt und Sparern frostige Zeiten beschert.

Die Vorzeichen der Geldanlage wurden dadurch zwar nicht grundlegend auf den Kopf gestellt, im Sinne einer rentablen Anlage ist es allerdings durchaus ratsam, die eigene Strategie zu überdenken und die Weichen gegebenenfalls neu zu stellen. Erfahren Sie in diesem Artikel, wie man auch bei niedrigen Zinsen Geld noch sinnvoll anlegen kann.

Die Zeit des günstigen Geldes

Tipps zum Sparen bei niedrigen Zinsen GeldanlageDie Europäische Zentralbank (EZB) hat die Hebel bereits umgelegt und den Leitzins im vorigen Jahr auf ein historisches Tief nach unten korrigiert, um die Wirtschaft mit günstigem Geld anzukurbeln. Aktuell steht der Referenzwert bei 0,75 Prozent. Kritische Stimmen fordern eine weitere Absenkung um 25 Basispunkte auf 0,50 Prozent.

Bei der jüngsten Präsidiumssitzung der EZB ist man diesen Schritt zwar noch nicht gegangen, hält sich diesbezüglich aber alle Türen offen.

Für Sparer, die vornehmlich auf festverzinsliche Anlageprodukte setzen, bleibt es also beim Drahtseilakt zwischen Hoffen und Bangen, wobei das Licht am Ende des Tunnels derzeit nur ein wenig flackert.

Die Analysten der großen Banken rechnen jedenfalls nicht damit, dass sich das Zinsniveau im Laufe dieses Jahres merklich bessert. Die Chancen dafür stehen 2014 schon etwas besser. Klare Prognosen zur Zinsentwicklung darf man jedoch nicht erwarten. Dafür ist das Marktgeschehen noch von zu vielen Fragezeichen geprägt.

Das macht sich auch bei der Geldanlage bemerkbar, zumindest bei Fest- und Tagesgeld. Zinssprünge nach oben sind angesichts der Umstände nicht zu erwarten und hat es schon lange nicht mehr gegeben. Stattdessen schrauben die meisten Unternehmen die Zinsen kontinuierlich nach unten - meist in kleinen Schritten, dafür aber in einem recht flotten Rhythmus, der einen regelmäßigen Fest- und Tagesgeldvergleich unverzichtbar macht.

Tagesgeld – bald so unrentabel wie das Sparbuch?

Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Aktuell – Stand Mitte März 2013 – kommt Tagesgeld auf einen durchschnittlichen Zins von 0,79 Prozent per anno und liegt damit deutlich unter der Inflationsrate von 1,50 Prozent. Um eine positive Nettorendite zu erzielen, müssen Sparer schon auf Top-Angebote zurückgreifen. Die sind rarer gesät als noch im vorigen Jahr. Zudem führt selbst in der Spitzengruppe der Tagesgeldanbieter der Rotstift Regie.

Dass ein Tagesgeldkonto deshalb uninteressant ist und sich gar nicht mehr lohnt, wäre die falsche Schlussfolgerung. Tagesgeld hat nach wie vor seine Daseinsberechtigung als flexible Geldanlage und steht in puncto Rentabilität gleich Dutzende Stufen über dem Sparbuch. Nur sollte man den Schwerpunkt nicht ausschließlich auf dieses Produkt legen. Es ist ideal für Rücklagen und unvorhergesehene Ausgaben. Für mehr ist es im Moment eher ungeeignet. Als Richtschnur nennen Bankexperten einen Betrag, der dem Zwei- bis Dreifachen des Nettogehalts entspricht.

Festgeld – kurze Laufzeiten statt hoher Zinsen?

Da liegt die Idee, Tagesgeld kurzerhand mit einer Festgeldanlage zu kombinieren, auf der Hand. Doch selbst mit dieser Strategie steigern Sparer im Niedrigzinsumfeld ihre Rendite nur mühsam. Festgeld mit einer Laufzeit von zwölf Monaten bringt im Schnitt nur 0,91 Prozent per anno und damit nicht viel mehr als ein Tagesgeldkonto. Bei drei Jahren Laufzeit sind es immerhin 1,19 Prozent p.a., die eine längere Laufzeit aber nur schwerlich rechtfertigen.

Zudem tendiert die Zinskurve auch bei der Festgeldanlage spürbar Richtung Keller. Eine Ausnahme stellen, wenn überhaupt, nur Anlagezeiträume oberhalb von 36 Monaten dar. Sich mehr als drei Jahre zu binden, heißt allerdings auch, die Flexibilität ad acta zu legen und entsprechend lange nicht von möglichen Aufschwüngen profitieren zu können. Hier gilt es dann abzuwägen, ob ein höherer Zins es tatsächlich wert ist, das Kapital mehrere Jahre auf Eis zu legen.

Die Banken selbst raten davon ab. Sie empfehlen mehrheitlich kurze und mittelfristige Laufzeiten bis drei Jahre. Entscheidend sind dabei in erster Linie die finanziellen Möglichkeiten des Sparers. Denn auf den Betrag, der als Festgeld investiert wird, muss man verzichten können. Anderenfalls macht eine Festgeldanlage keinen Sinn. Hinzu kommen weitere Faktoren, die allesamt individuell gefärbt sind, angefangen beim Bedarf bis hin zur Risikobereitschaft. Eine klare, für alle geltende Marschrichtung gibt es daher nicht - nur den Hinweis, dass kürzere Laufzeiten derzeit die bessere Wahl sind.

Was die Banken angesichts der aktuellen Niedrigzinsphase im Hinblick auf Festgeldanlagen konkret empfehlen, können Sie im Artikel "Festgeld im Niedrigzinsumfeld – das sagen die Banken" nachlesen.

09.06.2016 © seit 03.2013 Kilian Fromeyer  

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