Seite 5: Wie lerne ich zielorientiert? - Kurs "Lernen lernen" Teil 2

Anleitung - Ziele formulieren

Ziele zu formulieren ist leichter gesagt als getan. Woran erkenne ich, daß ich mir ein Ziel gesetzt habe? Was unterscheidet ein Ziel von einer Idee, einem Vorhaben oder einem Geistesblitz?

Wählen Sie ein Ziel, welches Sie mit diesem Kurs erreichen wollen. Wählen Sie ein einfaches Ziel, ohne Zwischenziele. Prüfen Sie, ob das Ziel allen folgenden Punkten entspricht. Falls es einem dieser Punkte nicht entspricht, korrigieren Sie Ihre Zielformulierung.

Was gehört zu einem Ziel?

Ein vollständiges Ziel kann immer durch folgende Struktur dargestellt werden:

Ausgangssituation (Ist-Zustand) -> Maßnahmen (Weg) -> Endsituation (Soll-Zustand)

Desweiteren gehört zu einem Ziel immer ein konkretes Datum, wann die Endsituation realisiert sein soll.

Setzen Sie sich Ziele immer für sich selbst. Sie können nur Ihr eigenes Verhalten so beeinflussen, daß Sie Ihr Ziel erreichen. Ziele die von anderen Personen und ihren Handlungen/Entscheidungen abhängig ist können Sie nicht selbst kontrollieren.

Beispiel: Ich will diesen Kurs abschließen.
Gegenbeispiel: Mein Kollege soll lernen sich deutlicher auszudrücken.

Die Ausgangssituation

Ziele formulierenKennzeichnend an der Ausgangssituation ist immer ein Ablehnen des Gegebenen, ein Mangel oder Defizit, das verändert werden soll. Bedenken Sie Ihrer momentanen Situation. Fragen Sie sich, was Sie ändern oder verbessern wollen. Was geht Ihnen auf die Nerven, was ärgert Sie? In einem Ablehnen des Gegebenen steckt meist schon eine positive Vision dessen, was Sie wirklich wollen. Vergegenwärtigen Sie sich, was Sie genau ablehnen, worin dieser Mangel oder das Defizit genau besteht. Wenn alles beim Alten bleiben soll, sind Ziele sinnlos. Nur Situationen, die der Änderung bedürfen, verlangen nach Zielen. Ziele sind immer mit einer Veränderung der Ausgangssituation verbunden.

Ablehnen des Gegebenen, Mangel oder Defizit verstehe ich hier sehr allgemein, d.h. auch eine positive Intention z.B. ein eigenes Haus haben zu wollen, mehr Geld zu verdienen etc., kann als ein "Fehlen von etwas" beschrieben werden. Es gibt eine "Lücke", die gefüllt werden soll; einen Wunsch, der erfüllt sein will oder ein Mißstand, der bereinigt werden soll. Je klarer Ihnen ist, was Sie ablehnen, desto konkreter können Sie sich den angestrebten künftigen Zustand vorstellen.

Beispiel: Ich verdiene 300 EUR zu wenig.
Gegenbeispiel: Mir gefällt mein Beruf nicht.

Bei diesem Beispiel ist klar, worin der konkrete "Mangel" liegt - ich verdiene zuwenig Geld. Hieraus läßt sich ein konkretes Ziel ableiten. Das Gegenbeispiel ist zu allgemein, um ein Ziel zu formulieren. Es wird nur klar, DASS etwas verändert werden soll, aber nicht WAS genau.

Klärende Fragen können sein: Woraus resultiert die Unzufriedenheit? Verdiene ich zuwenig Geld? Arbeite ich zulange (60 Stundenwoche) oder zum falschen Zeitpunkt (Schichtdienst)? Liegt mir die Tätigkeit an sich nicht (würde ich lieber mehr mit Menschen in Kontakt kommen)?

Es ist sicher keine Lösung, einfach blindlings den Beruf zu wechseln, nur um anschließend festzustellen, daß einem dieser auch nicht gefällt. Falls Sie selbst nicht genau wissen, was Sie ablehnen, können Sie an sich selbst W-Fragen (Was, Wieso, Weshalb, Warum, Wozu, Weswegen ... etc.) stellen.

Die Endsituation - das Ziel

Ziel beschreibenNachdem Sie wissen, was Ihnen nicht gefällt, formulieren Sie das Ganze einmal positiv. Auch bei der Zielformulierung ist es wichtig genau zu formulieren, was Sie erreichen wollen. Achten Sie darauf, daß Ihr Ziel ...:

  • Realistisch ist. Es soll etwas beschreiben, das Sie erreichen können - das innerhalb Ihrer faktischen Möglichkeiten liegt. Das Ziel sollte auch nicht zu klein sein, so daß es unbedeutend wird.
     
  • Konkret ist. Die Formulierung soll die Frage beantworten: Was kann ein anderer Mensch erkennen, wenn ich den Soll-Zustand erreicht habe? Oder anders formuliert: Woran kann ich sehen/ erkennen, daß ich mein Ziel erreicht habe?
     
  • Positiv formuliert ist. Achten Sie darauf Negationen zu meiden - formulieren Sie nicht, was Sie nicht wollen - sondern formulieren Sie, was Sie wollen. Sie können nicht "nichts" tun und Sie können sich "nichts tun" auch nicht vorstellen - unser Gehirn kennt keine Verneinungen. Das können Sie einfach nachprüfen, indem Sie sich keinen Pinguin in der Arktis vorstellen.
    Beispiel: Ich will meine Fachkenntnisse in einem Abendkurs erweitern.
    Gegenbeispiel: Ich will in einer mündliche Prüfung nicht mehr stottern.
     
  • Schriftlich fixiert ist. Ergänzen Sie Ihre Formulierung mit Bildern, Diagrammen, Mindmaps, o.ä. Erst mit einer schriftlichen Fixierung Ihres Ziels können Sie ausschließen, daß Sie "vergessen", was Sie eigentlich wollten oder sich Ihr Ziel im Laufe der Zeit verändert.

Wenn Sie sich vergewissern wollen, ob Ihre Zielformulierung ausreichend konkret ist, zeigen Sie diese einem Freund. Bitten Sie ihn zu beschreiben, was seiner Meinung nach ein Mensch kann oder hat, der das von Ihnen formulierte Ziel erreicht hat. Falls er beschreibt, was Sie erreichen wollen - prima. Falls er etwas völlig anderes beschreibt, können Sie davon ausgehen, daß Ihre Zielformulierung noch zu unkonkret ist. Nutzen Sie die W-Fragen: Was genau, will ich wo und wann erreichen?

Maßnahmen

Nachdem Sie wissen, wo Sie stehen und wohin Sie wollen, kann formuliert werden, auf welchem Wege Sie Ihr Ziel erreichen. Welche Maßnahmen müssen Sie ergreifen? Bedenken Sie dabei, daß es prinzipiell unendlich viele verschiedene Möglichkeiten gibt, um von A nach B zu kommen. Versuchen Sie bei der Wahl der entsprechenden Methode Alternativen zu finden.

Planen Sie beispielsweise eine Reise vom München nach Rom. Sie können verschiedene Maßnahmen ergreifen, um Ihr Ziel zu erreichen: Sie könnten mit dem Auto, Bus oder Zug fahren - sich ein Flugticket kaufen - zu Fuß gehen - mit dem Mountain Bike radeln, usw.. Alle genannten Methoden sind dafür geeignet das Ziel zu erreichen. Sie haben die Wahl, welche Sie am Besten finden. Zudem haben Sie schon vorgedacht, was Sie machen können, wenn eine der Methoden sich beim "Gehen" als ungeeignet herausstellen sollte.

Seinen Sie kreativ - fragen Sie auch andere Menschen nach möglichen Methoden um von A nach B zu kommen. Vielleicht stellen Sie dabei fest, wie viele unterschiedliche Möglichkeiten Sie haben Ihr Ziel zu erreichen und erfahren von Nebenwegen und Paralellstraßen. Der effektivste Weg muß nicht der beste sein. Manchmal ist es wichtiger, daß der Weg auch Freude macht - Sie interessiert - Ihre Neugierde oder Ihren Forschertrieb weckt.

Termin

Der letzte Punkt ist das Setzen eines Termines - bis wann wollen Sie Ihr Ziel erreicht haben? Ein Ziel soll kein "Endlosvorhaben" sein. Legen Sie ein Datum fest, bis wann Sie Ihr Ziel erreicht haben. Berücksichtigen Sie dabei Ihre Ressourcen - der Termin sollte realistisch sein. Es ist sinnvoll einen Spielraum für Unvorhersehbares einzuplanen - ein Freiraum, wo auch "etwas dazwischen kommen" kann. Der Zeitraum sollte aber nicht so groß sein, daß Sie Ihr Ziel "vor sich her schieben" können und das Interesse daran verlieren. Der Termin kann auch ein Kriterium sein für die Maßnahmen, die Sie ergreifen. Umwege - obwohl sie prinzipiell ebenso zum Ziel führen - können von vornherein ausscheiden, weil sie zu viel Zeit in Anspruch nehmen.

Aufgabe: Üben Sie am Beipiel Ihrer Ziele zu diesem Kurs. Was verfolgen Sie für ein Ziel mit der Bearbeitung dieses Kurses? Notieren Sie hierzu Ihre Gedanken nach dem Schema: Ausgangssituation - Weg/ Methode - Endsituation.

21.02.2019 © seit 03.2006 Petra Sütterlin  
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