Seite 3: Wie lerne ich zielorientiert? - Kurs "Lernen lernen" Teil 2

"Sinnvoll lernen"

"Sinnvoll lernen"... meint ein Lernen im Einklang mit dem, was in Ihrem Leben wichtig ist. Sie sind dann leistungs- und lernbereit, wenn Sie vom Sinn und persönlichen Wert Ihres Tuns überzeugt sind. Lernen zu wollen - ohne ein persönliches Ziel oder ein wirkliches Interesse am Ergebnis zu haben - ist reine Zeitverschwendung. Der Philosoph Martin Heidegger bemerkte hierzu recht treffend: "Wir vermögen nur das zu Lernen, was wir mögen!"

sinnvoll LernenVergegenwärtigen Sie sich daher: Jegliches Lernen wird nur dann erfolgreich sein, wenn Sie das Ergebnis für ...

  • erstrebenswert halten,
  • ein Ziel damit verfolgen
  • und einen Sinn darin sehen.

Sie lernen nur dann effektiv, wenn sie vom Sinn und Zweck Ihres Lernens überzeugt sind!

Menschen, die nur "äußeren Vorgaben" folgen, können den Wert Ihres Handelns für sich selbst nicht erkennen. Nur die bewußte Entscheidung "ich will dies, weil..." kann zu einer positiven Einstellung zum Lernen führen. Lernen wird nur dann zu einer mühsamen oder langweiligen Tätigkeit, wenn Sie den Sinn Ihres Vorhabens nicht verstehen.

Wir lernen leichter, wenn es uns gelingt, Erwartungen von anderen Personen (z. B. Vorgesetzten, Kollegen, Lebenspartner), mit unseren persönlichen Interessen in Einklang zu bringen.

"Sinnvoll lernen "... heißt, daß wir eigene Wertvorstellungen und Ziele zum grundlegenden Motor unseres Lernens machen. Dann kann Lernen zu einer "fließenden" Tätigkeit werden, die uns anspornt, die wir freudig anpacken und ausdauernd durchhalten. Die Klärung Ihrer persönlichen Ziele ist eine zentrale Voraussetzung, um erfolgreich zu lernen.

Ziele klären und Prioritäten setzen

Wir leben in einer Zeit, in der sich unsere persönliche und berufliche Lebenssituationen schnell ändern kann. Ständig sind wir gefordert, uns flexibel neuen Aufgaben zu stellen. Lernen zu können wird für immer mehr Menschen zu einer bedeutsamen, unverzichtbaren Fähigkeit, zu einer lebenslangen Aufgabe.

Viele machen sich auf die Suche nach Methoden und Techniken, von denen sie erwarten, daß sie bei der Bewältigung der vielfältigen Anforderungen nützlich sind. Lernmethoden sind aber immer nur "Werkzeuge", die hilfreich und nützlich sein "können". Ebenso wichtig sind die eigenen Maßstäbe, mit denen der persönliche Lernprozeß bewertet wird und anhand derer über Erfolg oder Mißerfolg entschieden wird. Jeder kann sich nur selbst fragen, ob seine Tätigkeit wertvoll ist und mit der eigenen Lebensphilosophie übereinstimmt.

Wenn wir auf eigene Maßstäbe verzichten, können wir beim Lernen schnell am Ziel vorbeischießen. Die Steigerung der Lerneffizienz ist nicht immer die Lösung, die wir gerade brauchen. Ein schnelleres Lernen ist nur ein Baustein im Haus des Lernens.

Ein Mangel an Perspektiven und Sinndefizite gehören - wie allgemein im Leben - auch beim Lernen zu den lähmenden Faktoren. Wer den Sinn seines Lernens nicht kennt, sich nicht vergewissert, wozu er lernt, kann für Lernaufgaben nur halb motiviert sein. Ein Ziel vor Augen zu haben spornt an und hilft schwierige Lernphasen zu meistern.

Wenn Sie verstehen wozu Sie lernen, können Sie Ihre Energie mobilisieren. Ziele geben Orientierung, sie veranlassen über Prioritäten und die Ausrichtung des eigenen Tuns nachzudenken. Die Orientierung an den eigenen Zielen ist eine Grundvoraussetzung um das Lernen zu planen und den eigenen Lernprozeß gestalten zu können.

Ziele finden

Ziele findet man nicht auf der Straße, nicht in Büchern - man kann sie auch nicht von anderen erfragen, sondern muß lernen, sich selbst zu befragen. Ein Ziel hinter dem Sie wirklich stehen, muß aus Ihnen selbst kommen, Ihren eigenen Interessen und Wünschen entsprechen.

Wenn Ihnen die eigenen Interessen klar vor Augen sind, können Sie diese leicht formulieren. Doch was können Sie tun, wenn Sie ein nur ein vages Bild Ihrer Zukunft haben oder sich selbst nicht sicher sind, ob die gewählten Ziele wirklich den eigenen Interessen entsprechen? In diesem Fall können Sie Fragen an sich selbst stellen und mit Ihren Antworten eine bisher offene Zukunft konkretisieren.

Ziele entwickeln

Ziele findenHaben Sie bereits Ziele, dann können Sie sich anhand dieser Fragen und der darauffolgenden Aufgabe versichern, daß Sie den richtigen Weg eingeschlagen haben Vielleicht finden Sie auch das ein oder andere, was Sie verändern wollen.

  • Bedenken Sie Ihre momentane Situation. Fragen Sie sich, was Sie ändern oder verbessern wollen. Was geht Ihnen auf die Nerven, was ärgert Sie? In einem Ablehnen des Gegebenen steckt meist schon eine positive Vision dessen, was Sie wirklich wollen.
  • Welche Sehnsüchte, Wünsche und Träume haben Sie? Diese können Ihnen Hinweise geben, aus denen eigene Ziele entwickelt werden können.
  • In welchen Situationen erreichten und erreichen Sie Ihre Höchstform? Was geht Ihnen leicht von der Hand? Nutzen Sie Ihre Stärken, um in Ihren Vorhaben erfolgreich sein zu können.

Notieren Sie Ihre Ideen zu diesen Fragen.

Ziele verdeutlichen

Nicht zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens haben wir klare und eindeutige Ziele. Wir finden die Ziele, die wir früher hatten, nicht mehr erstrebenswert oder wir halten sie für unerreichbar. Manchmal haben wir auch mehrere widersprüchliche Ziele.

Ein Beispiel: Herr Meier will durch einen Abendkurs seine beruflichen Chancen verbessern und sich neue Themen erarbeiten. Er hat Angst, daß er auf diese Weise seine Ehe aufs Spiel setzt, weil er jeden Abend lernen muß.

Oft müssen wir mehreres in Einklang bringen:

  • die eigenen Wünsche (berufliche Chancen verbessern / Karriere machen),
  • die eigenen Wertmaßstäbe (meine Partnerschaft/Familie ist mir wichtig),
  • die Anforderungen, die von außen (Familie, Partnerschaft, Beruf, Freizeit) an uns herangetragen werden ("...wenn du noch genügend Zeit zum Kegeln mit uns hast...").

Nachdenken LernenZiele können Sie immer wieder von Neuem entdecken, verstärken, verwerfen und neu entwickeln.

Wenn Sie in einem Lernprozeß stehen, zeigt das, daß Sie motiviert sind und ein Ziel haben, auch wenn dieses noch nicht klar ist. Sie können Ihren Wunsch nach erfolgreichem Lernen verstärken, wenn Sie sich über Ihre Gründe klar werden. Wenn Sie gemischte Gefühle entdecken oder innere Widerstände, können Sie diese auflösen. Wenn Sie sich verdeutlichen, warum Sie auf ein bestimmtes Ziel hinarbeiten, steigert dies Ihre Motivation.

  1. Wählen Sie sich eine beliebige Idee, die Ihnen ansprechend erscheint.
  2. Was gefällt Ihnen an dieser Idee? Warum lohnt es sie umzusetzen?
  3. Welche Vorteile haben Sie davon, wenn Sie Ihre Idee realisieren? Schreiben Sie wirklich alle Gründe auf, auch dann, wenn sie Ihnen im Augenblick noch unbedeutend vorkommen.
  4. Wie stehen Sie gefühlsmäßig zu Ihrer Idee? Was löst sie für Emotionen aus?
  5. Welcher Gewinn oder Vorteil Ihrer Idee ist Ihnen am wichtigsten?
  6. Kennen Sie Alternativen bzw. wie könnte man die von Ihnen erstrebten Vorteile noch erreichen?

Sehen Sie sich das Ergebnis Ihrer Notizen an. Entdecken Sie irgendwelche neuen Ideen oder Anregungen? Sind Ideen oder Vorteile darunter, die Sie sich als Ziel setzen wollen? Wiederholen Sie die Aufgabe und fragen Sie sich diesmal, ob es etwas gibt, das Sie gerne lernen möchten. Beantworten Sie anschließend die Fragen erneut unter dieser Prämisse.

21.02.2019 © seit 03.2006 Petra Sütterlin  
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