Seite 6: Umgang mit Stress und Prüfungsangst - Kurs "Lernen lernen" Teil 3

Angst und Sorgen

können...
  • uns vor bedrohlichen Situationen warnen
  • uns in gefährlichen Situationen das Leben retten
  • unsere geistige Leistung beeinflussen
  • verhindern, daß wir neue Erfahrungen machen.

Einige Wirkungen von Ängsten sind durchaus wichtig für unser Überleben. Wenn wir uns jedoch zu stark auf die möglichen Gefahren und Probleme fixieren, können Ängste auch behindern. Wir haben plötzlich Angst vor einer Möglichkeit - nicht mehr vor einem realen Ereignis.

Es ist völlig in Ordnung, wenn Sie vor einem brüllenden Löwen in Panik geraten und davon laufen. Aber vor einer Prüfung brauchen Sie nicht davon zu laufen - sie beißt nicht.

Angst Sorgen lernenAngst hat sich in der menschlichen Evolution als sinnvoll erwiesen, um in kurzer Zeit lebensbedrohlichen Situationen begegnen zu können.

Angst bemerken wir ...

  • körperlich: Muskelanspannung, Herzrasen, Blutdrucksteigerung, Atembeschleunigung, Schweißausbrüche, Gehirnwellenveränderungen, die Schließmuskeln hören auf zu funktionieren... Jede Angst führt zu körperlichen Reaktionen und Empfindungen.
     
  • im Verhalten: Starr werden vor Schreck bis zur Regungslosigkeit, Zittern/Beben, Flucht bis zum Panikverhalten, Vermeidung angstmachender Situationen, Vermeidung von Blickkontakt, Unterlassung wichtiger Aktivitäten.
     
  • in Gedanken und Gefühlen: Befürchtungen, Gedanken der Hilflosigkeit, Gefühle des Ausgeliefertseins, Denkmuster "Es wird etwas Schlimmes geschehen", "Ich kann mir in dieser Situation nicht helfen" ...

Sich Sorgen machen...

Sorgen zentrieren unsere ganze Aufmerksamkeit auf eine mögliche Bedrohung. Sich Sorgen machen äußert sich als lautloses, wortreiches Selbstgespräch. Wiederholt wird überlegt, was schief gehen und wie man es vermeiden kann...

Häufig werden bei Selbstgesprächen Katastrophen ausgemalt und schreckliche Tragödien durchgespielt:

  • "Bestimmt habe ich Krebs, und kein Arzt kann mir rechtzeitig helfen"
  • "Hoffentlich falle ich nicht um, wie es mir vor drei Monaten fast passiert wäre"
  • "Der Skilift könnte stundenlang stecken bleiben"
  • "Einige Leute auf der Party morgen werden mich bestimmt nicht mögen"
  • "Wahrscheinlich wird Oma bald sterben"...

Falls Sie sich selbst bei solch einem Gespräch ertappen, sollten Sie sich für Ihre großartigen Regieleistungen in einer dramatischen Szene Ihres Lebens gratulieren. In Hollywood kann man mit einem ausreichende Hang zur Dramatik eine Menge Geld verdienen. Falls Sie kein Hollywood-Regisseur sein sollten, lassen Sie es einfach.

Den Problemen ist es egal, ob Sie ihnen gut gelaunt oder sorgenvoll entgegen treten. Lassen Sie sich versichern, daß Sorgen noch niemals ein Problem gelöst haben. Sorgen haben die Eigenheit, die Aufmerksamkeit auf das Problem zu lenken. Doch wer hat schon etwas von Problemen?

Terry Goodkind schreibt in seinem Roman "Das erste Gesetz der Magie" - "Denke an die Lösung - nicht an das Problem". Wenn Sie an die Lösung denken, wird Ihnen auch eine einfallen. Und - es macht viel mehr Spaß Lösungen zu finden, als Probleme zu wälzen.

Falls Sie sich das nächste mal ertappen, daß Sie sich sorgen, vergegenwärtigen Sie sich Ihre Wahlmöglichkeiten. Sie haben die Möglichkeit an Ihre Probleme zu denken oder an die möglichen Lösungen. Aber nur letzteres wird ihnen faktisch weiterhelfen!

Angst und Leistungsfähigkeit

"Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie." (Erich Kästner)

Angst ist ein Gefühl, wie jedes andere auch - wie Liebe, Freude, Trauer, Wut...

Angstgefühle kennen wir als Aufgeregtheit, Besorgnis oder Beengung. Angst kann sich steigern von Schreck und Entsetzen bis hin zur Panik. Wir fühlen Ungewißheit und erleben eine innere Spannung, die uns zunehmend handlungsunfähig machen kann. Angst kann uns erstarren lassen oder zu extremer Beschleunigung körperlicher oder gedanklicher Abläufe führen.

Ängste können auf bestimmte Objekte gerichtet sein, zwanghaft auftreten (Platzangst, Höhenangst, Hundeangst, Menschenangst) und einen existentiellen Charakter bekommen. Spielarten der Angst sind Scham, Scheu, Verlegenheit, Zurückhaltung und Vorsicht.

Angst als angemessene Reaktion auf tatsächliche oder vorgestellte Bedrohung ist ein notwendiger Bestandteil des Lebens. Ohne die Fähigkeit zur Angstreaktion in Gefahrensituationen wäre der Mensch schutzlos dem Tode geweiht.

Angstreaktionen werden nicht nur biologisch hervorgerufen, sie sind auch sozial vermittelt und kulturell geformt. "Ein Mann darf keine Angst zeigen", "Frauen dürfen ängstlich sein" sind typische Glaubenssätze unserer Kultur.

"Die Angst ist eine Kraft" - sie treibt uns an zur Bewältigung von realen Bedrohungen und dient der Reifung der Persönlichkeit. Angst führt in diesem Sinne zu einem Fortschritt, während Angstvermeidung und Angstverleugnung das Unheil aufrecht erhält. Wer denkt "Es wird schon nichts passieren..." nimmt mögliche Bedrohungen nicht ernst und kann sie nicht verhindern. "Positives Denken" ohne konkretes Handeln ist bei realen Gefahren nicht hilfreich, sondern lebensgefährlich.

Der Zusammenhang zwischen Angst und Leistung entspricht einer Kurve: zu wenig Angst macht uns sorglos und träge. Zuviel Angst macht uns ungeschickt, hemmt oder lähmt uns, während uns ein mittleres Angstmaß zu Höchstleistungen motiviert.

Zu wenig Angst

... bewirkt, daß:

  • ... Sie gleichgültig werden.
  • ... Sie schläfrig werden.
  • ... Sie nur gering motiviert sind.

Zu viel Angst

"Plötzlich ist alles weg" - das berühmte "Brett vor dem Kopf" - wer kennt das nicht. Trotz bester Vorbereitung auf eine wichtige Prüfung ist in der Situation, auf die es ankommt, alles Wissen weg, die Gedanken sind wirr.

Wenn Angst ein Ausmaß annimmt, daß das geordnete Denken und Handeln zusammenbricht, spricht man von Panik.

bewirkt, daß...

  • das Körperprogramm "Flucht oder Kampf" aktiviert wird.
  • das Nachdenken blockiert wird.
  • Sie Gelerntes nicht erinnern.
  • Sie den "roten Faden" verlieren.
  • Sie sich nicht mehr richtig konzentrieren können.

Die richtige Portion Angst

Nützlich ist jene Angst, die uns aufmerksam und wach macht und uns anspornt "unser Bestes zu geben". Blockierend ist jene Angst, die unsere Handlungsmöglichkeiten und unser Können einschränkt.

Angst muß nicht immer ein unangenehmes oder unerwünschtes Gefühl sein, sie kann auch Ausdruck einer lustvollen Anspannung sein, wie bei einem Spiel, einem Horrorfilm oder einer gefährlichen Sportart (z.B. Bungeejumping, Freeclimbing). Dazu gehört auch die prickelnde Anspannung, die entsteht, wenn man nur beobachtend - life oder via Fernsehen - teilnimmt (Formel-I-Rennen, Stierkampf, Boxen usw.).

Angst ist ein Teil des natürlichen Lebensrhythmuses von Anspannung und Lockerung. Folgt auf eine bewußt gesuchte Spannung eine Lösung, wird dies als angenehm erlebt. Spannende Romane, Filme oder Spiele beruhen auf diesem Prinzip. Viele Menschen fürchten sich gerne, wenn sie wissen, daß die Sache letztlich gut ausgeht. Auf der Suche nach Nervenkitzel, Erregung und starken Reizen entwickeln manche Menschen eine ausgesprochene Angstlust, eine Lust am Risiko und der Gefahr.

Ein Mittelmaß an Angst

bewirkt, daß...

  • Sie kreativ denken können.
  • Sie schnell auf Gelerntes zurückgreifen können.
  • Sie die nötige Energie für eine Aktivität haben.
  • Sie sich konzentrieren können.
20.04.2017 © seit 03.2006 Petra Sütterlin  
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