Seite 5: Umgang mit Stress und Prüfungsangst - Kurs "Lernen lernen" Teil 3

Gefühle und Gedanken lenken

Gedanken, die unseren Geist beherrschen, spielen in unserem Leben die erste Geige. (Ernst Ferstl)

Der Umgang mit den eigenen Gefühlen

Gefühle lenken lernenWir können auf verschiedenen Weisen mit unseren Gefühlen und Stimmungen umgehen. Gefühle können wir hinnehmen, wie sie sind, d.h. wir versuchen sie nicht zu verändern. Manche Menschen fühlen sich ihren Gefühlen hilflos ausgeliefert, sie werden von ihnen überrollt. Sie glauben, daß sie keinen Einfluß auf ihr Gefühlsleben haben und unternehmen nichts, um eine schlechte Stimmung zu verändern. Solche Menschen sind anfällig für schnelle oder unkontrollierte Stimmungswechsel.

Sie können jedoch auch den Umgang mit Ihren Gefühlen kultivieren. Nehmen Sie Ihre Stimmungen wahr, machen Sie sich Ihre Gefühle bewußt. Dies kann andere Persönlichkeitsmerkmale unterstützen: Sie werden sich Ihrer Grenzen bewußt. Sie erlangen eine positive Lebenseinstellung und sind seelisch gesund. Wenn Sie in schlechte Stimmung geraten, können Sie lernen diese gezielt zu verändern. Ihre Achtsamkeit hilft Ihnen, mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Achtsam sein - gegenüber sich selbst - ist eine zentrale Voraussetzung die eigenen Gefühle zu gestalten.

Unsere Fähigkeit zu denken, zu planen, Probleme zu lösen, für ein fernes Ziel zu üben, wird in großem Maße von unseren Gefühlen beeinflußt. Wer schlechte Laune hat, wird eine keine zufriedenstellende Lösung für ein Problem finden. Die Stimmung trübt die Gedanken. Je mehr Freude und Begeisterung Sie entwickeln, desto klarer denken Sie, desto höher sind Ihre Leistungen.

Zuversichtlich sein!

Die Zuversicht auf Erfolg ist ein besserer Maßstab für zukünftig gute Leistungen, als intellektuelle Fähigkeiten. Wer zuversichtlich ist, setzt sich höhere Ziele und ist imstande konsequent zu lernen, um sie zu erreichen. Hoffnung - als Überzeugung, daß man den Willen und die Möglichkeit hat seine Ziele zu erreichen - spielt eine bedeutende Rolle für ausdauerndes Lernen und gute Leistungen. Zuversicht hilft, einen Lernprozeß durchzuhalten und trotz Niederlagen weiterzumachen.

Mit Zuversicht ist nicht die Einstellung gemeint, die sich in Glaubenssätzen wie "das wird schon werden, man muß nur daran glauben" ausdrückt. Zuversicht oder Optimismus hat nichts zu tun mit naiven, unrealistischen Vorstellungen oder einer Leugnung der Wirklichkeit.

Zuversichtliche Menschen wissen und akzeptieren, daß es im Leben Höhen und Tiefen gibt und sie berücksichtigen zu erwartende Probleme. Optimisten wissen, daß sie neben ihren Stärken auch Schwächen haben und daß sie vieles, aber nicht alles erreichen können. Sie entwickeln Einstellungen und Fähigkeiten, um ihren eigenen Zielen näher zu kommen und schwierige Situationen durchzustehen:

  • Sie können sich selbst motivieren und trotz Schwierigkeiten weitermachen. Sie wissen in unangenehmen Situationen, daß diese vorübergehen.
  • Sie sind überzeugt davon, einfallsreich und flexibel zu sein. Sie finden geeignete Wege, auf denen Sie Ihre Ziele erreichen. Sie können Ihre Ziele neu bestimmen, wenn Sie merken, daß es unmöglich ist, sie zu erreichen.
  • Sie planen effektiv, indem sie schwierige oder umfangreiche Aufgaben in Teilaufgaben zerlegen.

Zuversicht und Optimismus basieren auf Selbstvertrauen - Selbstvertrauen basiert auf Bewußtheit. Selbstvertrauen meint das Vertrauen auf sich selbst, das Vertrauen auf das eigene Handeln und Entscheiden, die durch Erfahrung gewonnene Überzeugung, das Passende zu tun.

Spielerisch lernen!

Spielend wurde die Schöpfung entfaltet, spielend erbaut. Die ganze Welt ruht in seinem Spiel, und doch, der Spieler bleibt unerkannt. Kabir (1440 - 1518)

Kreative Leistungen und Spitzenleistungen beruhen auf einer zielstrebigen Vertiefung, die mit einem Zustand "höchster Konzentration" verbunden ist.

Höchst konzentriert sind Sie, wenn Sie...

  • Ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die vorliegende Aufgabe richten und dabei locker bleiben.
  • In dem, was Sie tun "aufgehen", voll bei der Sache sind.
  • Selbstvergessen handeln.

Höchste Konzentration ist verbunden mit spontaner Freude. Sie sind "erfüllt" von dem, was Sie tun. Vielleicht kennen Sie diesen Zustand vom Spielen. Wenn das Spiel Sie "voll im Griff" hat, wenn Sie darin aufgehen und die Zeit vergessen, sind Sie höchst konzentriert.

Alle Sorgen sind vergessen. Menschen im Zustand höchster Konzentration gehen in dem, was sie tun auf und haben eine meisterhafte Kontrolle über Ihre Handlungen. Sie sind auf die wechselnden Anforderungen der Aufgabe eingestellt, das Lernen verläuft "wie von alleine".

Wie können Sie spielerisch lernen?

Richten Sie Ihre volle Aufmerksamkeit bewußt auf die vorliegende Aufgabe. Vertiefen Sie sich voll und ganz auf das Thema. Lenken Sie Ihre Gedanken und Gefühle auf die momentane Tätigkeit. Achten Sie darauf, daß Sie die Aufgabe "bejahen" und diese für "machbar" halten. Die Aufgabe darf Ihren Fähigkeiten und Interessen nicht widersprechen. Fangen Sie am besten mit Aufgaben an, die Ihnen Spaß machen. Die Fähigkeit zur Konzentration kann erlernt und gesteigert werden.

Verstärken Sie positive Gedanken und Gefühle.

An manchen Tagen läuft alles reibungslos, Erfreuliches passiert und wir sind in ausgezeichneter Laune. Wir gehen auf, in dem was wir tun und freuen uns. Alle positiven Gefühle spiegeln sich in unserer körperlichen und geistigen Befindlichkeit wieder. Mit guter Laune können wir leichter Probleme lösen und kreative Ideen entwickeln.

Jeder Mensch kennt Situationen, in denen er sich von seiner "besten Seite" gezeigt hat und im Einklang mit sich war. Das sind Situationen, in denen wir "etwas" gut gemacht haben, unserer Lieblingsbeschäftigung nachgegangen sind oder mit liebenswürdigen Menschen gemeinsam etwas erlebt haben.

Solche Stimmungen können Sie auch bewußt hervorrufen:

  • Machen Sie etwas das Ihnen gefällt. Manchmal genügt ein Gespräch mit einem lieben Menschen oder das Betrachten von alten Fotos, um Freude zu wecken.
  • Üben Sie sich im Aufsagen von Zungenbrechern: Der Kottbuser Postkutscher putzt den Kottbuser Postkutschkasten. - Wenn Du Wachsmasken magst: Max macht Wachsmasken.
  • Daumen hoch lernenSagen Sie sich mal so richtig Ihre Meinung. Übertreffen Sie sich in Lobeshymnen über sich selbst. Knurren Sie im Spiegel Ihre schlechte Laune an.
  • Stellen Sie sich vor einen Spiegel und lächeln Sie sich an. Wer sich vor einen Spiegel stellt und anlächelt (oder eine Grimasse zieht) kann seine schlechte Laune nicht lange aufrecht erhalten.
  • Konzentrieren Sie sich auf ein schönes Erlebnis. Lassen Sie dieses Erlebnis in allen Einzelheiten vor dem inneren Auge ablaufen. Tauchen Sie wieder ein in dieses Erlebnis und die damit verbundenen Gefühle kehren zurück.
  • Inszenieren Sie Ihre eigene Persiflage, lernen Sie über Ihre schwarzen Gedanken zu lachen. Übertreffen Sie sich selbst in Ihrem Galgenhumor. Solch ein "innerer Film" - mit lustigen Gedanken und Gefühlen - versetzt Sie leichter in eine gute Stimmung. Durch den Spaß, der mit der Selbstinszenierung verbunden waren, steigt die Stimmung.

In welcher Stimmung sind Sie gerade?

Probieren Sie einen der Vorschläge aus!

20.04.2017 © seit 03.2006 Petra Sütterlin  
Kommentar schreiben