Seite 4: Umgang mit Stress und Prüfungsangst - Kurs "Lernen lernen" Teil 3

Selbstbewußt werden

Selbstbewußtsein heißt Klarheit über sich selbst zu erlangen:
Klarheit führt zur Achtsamkeit
Achtsamkeit führt zu Selbstvertrauen,
Selbstvertrauen führt zur Bereitschaft zu Handeln.
So kann ein Entwicklungsweg erfolgreich gegangen werden.



Selbstbewußt lernenWer Selbstbewußt ist, kann über das eigene Verhalten, die eigenen Gefühle, Körperempfindungen, die eigenen Interessen, über Wünsche und Ziele bewußt nachdenken.

Selbst-Bewußtheit ermöglicht, innezuhalten, und die Art und Weise zu erforschen, wie wir uns in verschiedenen Lebenssituationen verhalten. Wir können uns selbst beobachten, unsere Gedanken und unsere Reaktionen auf unser Umfeld bewußt wahrnehmen. Wir können uns gedanklich vergangene, gegenwärtige und zukünftige Situationen vorstellen, um uns unsere Schwächen zu verdeutlichen. Wir können aus dieser Selbstreflektion Schlüsse ziehen und neue Vorsätze finden, wie wir uns in zukünftigen Situationen verändern wollen.

Sie können Ihr Selbstverständnis und Ihre persönlichen Gestaltungsmöglichkeiten reflektieren. Durch Selbstbefragung werden Ihnen einige zentrale Fragen des Lebens bewußt:

  • Wer bin ich?
  • Wie fühle ich?
  • Was will ich, was will ich nicht?
  • Was kann ich beeinflussen, was nicht?

Oft müssen Sie eine Vielzahl widersprüchlicher Informationen miteinander in Einklang bringen.

"Widersprüche sind der Preis dafür, daß wir unendlich komplexe Wesen sind. Widersprüche sind ein Bestandteil unseres Wesens, und wir sollten uns keine Illusionen über unsere 'Einheit' machen."

Der Mensch muß aber nicht zum Spielball seiner Widersprüche werden.

Sie können sich selbst beobachten, um sich bewußt zu werden, ob Sie sich mit Ihrer Art zu denken, zu fühlen, zu handeln beim Lernen selbst behindern.

Sie können prüfen was Ihnen wichtig oder unwichtig ist, welche Ziele Sie anstreben wollen. Sie können sich verdeutlichen, wozu Sie etwas tun oder lassen, lernen oder nicht lernen wollen. Sie erlangen Wissen über sich selbst, klären sich über sich auf - erklären sich. Was Sie entdecken kann man "sich seiner selbst bewußt werden" nennen.

Klarheit führt zur Achtsamkeit

Erst wenn Sie wissen, auf was Sie achten müssen, können Sie achtsam sein. Im ersten Schritt nehmen Sie innere Veränderungen, einen Stimmungswechsel, automatische Reaktionen, Glaubenssätze "einfach" nur wahr. Sie lernen zu beobachten. Im zweiten Schritt bringen Sie Ihre Erkenntnis mit Ihrem Handeln in Einklang.

Experimentieren Sie:

Gebe ich einem Impuls, einer Stimmungsschwankung nach? Reagiere ich gewohnheitsmäßig? Lasse ich ein "das ist so" stehen oder prüfe ich, ob das "wirklich so ist"? Bleibe ich bei dem, was ich vorhatte? Werde ich meine aufkommende Lust nach einer Pause aufschieben und zuerst den Lehrbuchabschnitt fertig machen oder mache ich sofort eine Pause?

"Sind Sie ein Pilot oder nur ein Passagier Ihres Lebens?"

Klare Ziele lernenWir haben die Möglichkeit, uns unserer Schwächen bewußt zu werden, uns anders zu verhalten, uns anders zu entscheiden, uns weiterzuentwickeln. Das wird in einigen Situationen besser, in anderen weniger gut gelingen. Trotzdem sind wir prinzipiell in der Lage unser Leben selbst in die Hand zu nehmen und diese Möglichkeit zur Selbstgestaltung zu nutzen.

Welche Vorannahmen hindern uns am Lernen?

  • Glaubenssätze, Regeln ("Das kann ich nicht!" - "Ich kann mich nur 2 Stunden konzentrieren, dann brauche ich eine Pause!")
  • Unwissenheit oder "Allwissenheit" ("Hierüber weiß ich gar nichts!", "Das ist doch alles völlig klar!")
  • Begierden (kein Triebaufschub - "Ich brauche jetzt wirklich eine Tasse Kaffee.")
  • voreilige Wertungen ("Das ist nicht gut für mich!" - "Das macht keinen Spaß!")

Glaubenssätze sind starke Wahrnehmungsfilter und haben einen großen Einfluß auf unser Verhalten. Sie sind die Brille, welche unsere Wahrnehmung verzerrt. Robert Anton Wilson formulierte dies in dem Gedanken: "Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen." Auf diese Weise bestätigen die eigenen Vorannahmen immer sich selbst. Es ist schwierig etwas zu lernen, ohne zu wissen, daß es sinnvoll sein wird. Solange jemand nur glaubt, daß etwas unmöglich ist, wird er nicht herausfinden, ob dies zutrifft. Er gibt auf, bevor er es überhaupt probiert hat.

Glaubenssätze können zur selbst erfüllenden Prophezeiung werden. Der beste Weg herauszufinden, wozu Sie fähig sind, ist so zu tun, als könnten Sie es. Handeln Sie, "als ob" Sie es können. Falls es wirklich unmöglich sein sollte - machen Sie sich keine Sorgen - das finden Sie bestimmt heraus.

Wenn Sie Ihre Ziele erreichen wollen, ist es hilfreich sicherzustellen, daß Sie keine inneren Vorbehalte oder Zweifel (Glaubenssätze, Einstellungen) haben. Beachten Sie Ihre Ressourcen und Ihr Umfeld. Beobachten Sie die Wirkungen, die Ihre Einstellung auf Ihr Umfeld und Ihre Beziehungen haben.

Achtsamkeit führt zu Selbstvertrauen

Selbstvertrauen meint das Vertrauen in sich selbst, das Vertrauen auf das eigene Handeln und Entscheiden und die durch Erfahrung gewonnene Überzeugung, das Passende zu tun. Vertrauen meint nicht den blinden Glauben. Wirkliches Selbstvertrauen erkennen Sie am Erfolg Ihrer Handlungen.

Ist es Ihnen wiederholt gelungen ein Bedürfnis, z. B. nach einer sofortigen Pause, aufzuschieben und sich an die festgelegten Zeiten zu halten, steigt die Wahrscheinlichkeit, daß Ihnen dies in Zukunft wieder gelingt. Sie können auf Erfahrungen zurückgreifen, Sie wissen, was Sie können. Ihr Vertrauen wächst. Mit dem Vertrauen auf sich selbst wächst auch Ihr Selbst-Bewußtsein.

Selbstvertrauen führt zur Bereitschaft zu Handeln

Wie Sie sicher erkannt haben, handelt es sich bei der obigen Metapher, um einen Kreislauf. Sie können die einzelnen Elemente nicht getrennt betrachten, sie hängen eng miteinander zusammen. Mit Selbst-Bewußtsein erlangen Sie Klarheit, Achtsamkeit und Selbstvertrauen.

Sie wissen wer Sie sind, was Sie tun und was Sie wollen.

Durch diese Klarheit werden Sie achtsam. Wenn Sie achtsam sind, prüfen Sie Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen. Sie werden erfahren, daß Sie sich auf sich selbst verlassen können. Sie vertrauen sich. Wer sich selbst vertraut, ist bereit ein Risiko einzugehen, Verantwortung zu übernehmen oder sich an Projekte zu wagen, vor denen sich ängstliche Menschen scheuen würden.

Der Erfolg ist Ihr Beweis!

20.04.2017 © seit 03.2006 Petra Sütterlin  
Kommentar schreiben