Seite 3: Umgang mit Stress und Prüfungsangst - Kurs "Lernen lernen" Teil 3

Zitternde Hände

Die mündliche Prüfung war für Dieter Panikowska ein Grund zur Beunruhigung. Schon die schriftlichen Arbeiten verliefen nicht so, wie er sich das wünschte. Immerhin hat er noch eine 2 Minus bekommen, obwohl er aus Aufregung einige Flüchtigkeitsfehler beging, die ihm normalerweise nicht unterlaufen. Prüfungen waren für Dieter immer schon ein schwieriges Thema. Vor allem dann, wenn von dem Ergebnis seine weitere Zukunft abhing.

prüfungsangstSeit jeher gehörten für ihn Prüfungen und bestimmte körperliche Phänomene wie - Herzklopfen, ein trockener Mund, Beklemmung in der Brust, feuchte Hände, ein flaues Gefühl im Magen - zusammen.

Die schlimmsten Prüfungen waren jedoch die mündlichen Abschlußprüfungen. Der Stoff ist kaum überschaubar - nur mit etwas Glück stellen die Prüfer auch diejenigen Fragen, die man wirklich beherrscht. Die Atmosphäre dieser Prüfungssituation findet Dieter besonders unangenehm - den kritischen Blick des Prüfers, den er meist als Ablehnung interpretiert - die strenge Kommission der Lehrer im Nacken, die ihn an der Tafel beobachten - die fast unwirkliche Stille, die drückend im Raum liegt.

Auch diesmal hatte er sich gewissenhaft vorbereitet, aber schon der Gang durch die kahlen Korridore hin zum Prüfungszimmer, jagten ihm einen kalten Schauer über den Rücken. Dann das Warten auf der Bank vor dem Lehrerzimmer - die Zeit schien sich endlos zu dehnen. Einige hektische Gespräche seiner Nachbarn und die betrübten Gesichter der Prüflinge, die gerade das Lehrerzimmer verließen, halfen ihm nicht dabei seine Stimmung zu heben.

Als der Prüfer nach einer kleinen Ewigkeit endlich seinen Nachnamen rief, zog sich sein Magen zusammen. "Nur keine Panik...", dachte er im Stillen für sich, "du kriegst das schon hin."

"Denk nur daran, nicht zu stottern. Tief atmen und locker bleiben ...", waren seine letzten Gedanken bevor sich die Tür zum Lehrerzimmer hinter ihm schloß.

Prüfungsängste sind so alt wie die Menschheit. Selten stellen wir uns die Frage, wie wir damit umgehen können.

  1. Welche Auslöser führen bei Ihnen zur Prüfungsangst?
  2. In welchen Situationen werden Sie unsicher?
  3. Was tun Sie gegen Prüfungsangst?
  4. Kennen Sie Methoden, um Ängste oder Streß zu vermindern?

Notieren Sie Ihre Gedanken zu diesen Fragen.

Fremdmotivation - Eigenmotivation

Motivation LernenOft versuchen Lehrer, Trainer, Eltern oder Vorgesetzte durch Erziehungsmaßnahmen andere Menschen zu bestimmten Handlungen zu bewegen. Solche Maßnahmen sind gewöhnlich: drohen, strafen, bestechen, belohnen oder loben:

  • "Wenn du deine Hausaufgaben nicht machst, darfst du heute nicht zum Spielplatz."
  • "Für jede eins im Zeugnis bekommst du 20 Euro."

Diese Motivationsversuche zielen darauf ab, einen Menschen zu etwas zu bewegen - zu motivieren - was er aus sich heraus nicht tun würde. Sehen wir uns ein berühmtes historisches Beispiel an, wie ein Feldherr eine "meuternde" Legion seinem Willen unterwirft.

Fremdmotivation oder Caesars Rede vor der Lerche

Als Gaius Julius Caesar nach seinen erfolgreichen Feldzügen aus Germanien wieder nach Rom heimgekehrt war, fühlte sich die Legion "Die Lerche" von ihm vernachlässigt. Die Lerche war weithin als Caesars Eliteeinheit bekannt, deren mutiger Einsatz oft den Ausgang einer Schlacht entschieden hatte.

Viele Centurios waren unzufrieden, ihnen sei der gebührende Ruhm versagt worden, sie bekämen zu wenig Sold, müßten zu lange auf ihre Entlassung warten und vieles mehr. Diese Beschwerden kamen Ceasar zu Ohren. Einige seiner Freunde befürchteten gar, daß die Legion der Lerche sich gegen Caesar erheben würde, da sie ungebührlich heftige Kritik am Feldherrn übten.

Um die Situation zu klären, beschloß Gaius Julius sich mit der Lerche auf dem großen Marsfeld zu treffen und eine Ansprache zu halten. Brutus und Antonius waren sehr besorgt, denn sie befürchteten, daß Caesar von den Legionären gelyncht werden könnte. Ceasar blieb jedoch gelassen und verbot seinen Freunden andere Legionen zu seinem persönlichen Schutz antreten zu lassen. Er hatte andere Pläne, wie er mit der Lerche fertig werden wollte.

Am besagten Tag ließ Caesar - neben der Legion der Lerche - auch viele wohlverdienten Römer und sogar den Senat auf dem Marsfeld erscheinen. Die Spannung im erlesenen Publikum war groß, als er mit gemessenen Schritten das Rednerpult betrat.

Caesar begann seine Ansprache, in der er die Legionäre mit dem Titel "Hochverehrte Bürger Roms" versah, was ihnen bekunden sollte, daß ihre Dienstzeit vorbei war. Damit waren Sie keine Legionäre mehr, sondern nurmehr einfach Bürger Roms. Danach lobte er die verdienten "Bürger" in höchsten Worten wegen ihrer großen Verdienste im Feldzug gegen die Germanen. Selbst einzelne Centurien wurden erwähnt und besondere Kämpfer einzeln hervorgehoben.

Er wollte dieser Legion in Rom ein würdiges Denkmal setzen und jeden möglichst schnell für seine Leistungen belohnen und entlassen. Er bedauerte, daß die Lerche nicht mehr am Ruhm der bevorstehenden Feldzüge in Afrika teilhaben könne. Danach verließ er das Rednerpult und ging schweigend von dannen.

Doch die Legionäre ließen ihn nicht gehen. Sie kamen auf ihn zu und warfen sich vor ihm auf den Boden. Sie baten ihn mit flehentlichen Worten, sie noch nicht zu entlassen, sondern sie weiter an seiner Seite kämpfen zu lassen. Sie entschuldigten sich mit vielen Worten und versprachen ihm bei den künftigen Feldzügen gut zu dienen. Sie wollten noch nicht als Bürger Roms entlassen werden, sondern ihm noch bei vielen Schlachten zu Ruhm und Ehre verhelfen.

Nachdem Caesar sich alle Bitten angehört hatte, wurde es ruhig und alle warteten gespannt, was der Feldherr erwidern würde. Sodann hob er bedächtig seine Stimme und verkündete: "Wenn es euer aufrichtiger Wille sei, weiter für Roms Ruhm zu dienen, so mag es der glorreichen Legion der Lerche erlaubt werden, an meiner Seite gen Afrika zu ziehen."

Jubel brach unter den Legionären aus und sie lobten und priesen Caesar für seine Nachsicht. Brutus und Antoniuns waren vom Ausgang der Ereignisse sehr überrascht. Beiden hatten erwartet, daß Caesar die Lerche für ihr ungehöriges Verhalten bestraft.

Diese Begebenheit zeigt, wie die "enttäuschte Erwartung" der Legionäre (keine Bestrafung sondern Belohnung) genau zu dem führte, was Caesar eigentlich wollte: die Lerche zu halten und sich deren Treue neu zu versichern. Die Motivation (die Belohnung für die Leistungen der Lerche) zerstört die Selbstmotivation der Legion (sich beschweren zu wollen).

Wer Motivation "von anderen Menschen" braucht, macht sich immer von deren Meinung abhängig. Sie verfolgen Ihr Ziel nicht mehr für sich selbst, sondern erwarten Leistungen oder Anerkennung von anderen. Fällt die Belohnung oder die Anerkennung weg, gibt es keinen Grund mehr weiter zu machen.

Motivation, die von anderen Menschen abhängig ist, birgt die Gefahr in sich, "belohnungssüchtig" zu werden (ich will noch mehr Geld, Karriere ...) oder auch Mißerfolg vermeiden zu wollen (Angst vor Bestrafung, beruflicher Abstieg ...). Die Aufmerksamkeit ist auf die Meinung anderer gerichtet, nicht auf ein selbstgewähltes Ziel oder einem eigenen inneren Wert.

Eigenmotivation - an großen Beispielen lernen

Wer sich selbst motiviert, kann auch andere motivieren.

Selbstbewußt lernenCaesar hat sich in der Geschichte nicht in eine "Opferhaltung" begeben. Er hat die Bedürfnisse der anderen Ernst genommen und sich entsprechend verhalten. Er hat sein Leben in die Hand genommen, die Situation gestaltet und sein Ziel erreicht. Wahrscheinlich war er mit diesem Ausgang der Situation - und mit sich selbst - zufrieden. Er hat erlebt, wie er durch sein Handeln diesen Zustand herbeigeführt hat. Diese Erfahrung steigert sein Selbstwertgefühl bzw. Selbstbewußtsein.

Sicher wird uns dies nicht sofort und ebenso gelingen. Aber es kann uns als Beispiel dienen, daß man Ziele erreichen kann, auch wenn alle anderen schon aufgeben haben.

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut und wir können nicht per Knopfdruck lernen uns selbst zu motivieren. In kleinen konkreten Schritten gelangen wir zum Erfolg. Wenn uns etwas mißlingt, können wir Erfahrungen machen, denn gerade Fehler geben uns die Chance zu lernen.

Dies gilt auch, wenn Sie "lernen" wollen, sich für das Lernen selbst zu motivieren. Sie werden nicht beim ersten Mal alles richtig machen. Wir lernen durch eine Reihe von erfolgreichen Handlungen, uns an das Ideal optimalen Lernverhaltens anzunähern.

Nutzen Sie diese Annäherungen als Feedback, handeln Sie erneut und verringern Sie Schritt für Schritt den Unterschied zwischen dem, was Sie wollen, und dem, was Sie erreicht haben. Gelangen Sie so zum Ziel!

20.04.2017 © seit 03.2006 Petra Sütterlin  
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