Seite 4: Praxis: Gehirngerecht lernen und lehren - Kurs Teil 2

Lernkartei und Mind-Maps

Wie können Sie sich Zeit und Nerven sparen? In Büchereien und im Internet finden Sie eine Menge an Büchern und Tipps zu diesem Thema. Hier bekommen Sie eine kleine Auswahl, die sich in der Praxis bewährt hat. Probieren sie die Vorschläge aus und lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf. Entscheiden Sie, welche der hier angebotenen Techniken Ihren Lernvorlieben entsprechen. Vielleicht (er)finden Sie sogar Ihre ganz persönliche Technik?

Die Lernkartei

lernkarteiDie Lernkartei unterstützt Sie bei der Wiederholung und Vertiefung von Wissensinhalten. Mit der Lernkartei behalten Sie den Überblick über Inhalte, die besonders viel Training erfordern.

Das System basiert auf den Erkenntnissen der Informationsabspeicherung des menschlichen Gehirns. Wissen wird immer nur in kleinen, „gut verdaulichen“ Portionen gelernt. Besonderen Wert wird hier auf Wiederholung gelegt. Sind die Karteikarten im 5. Fach sicher abgelegt, so sind sie auch im Langzeitgedächtnis gespeichert.

Die Lerntechnik mit einer Lernkartei zu arbeiten, wurde bereits in dem Kurs - "Lerntechniken anwenden - Kurs "Lernen lernen" Teil 4 - ausführlich beschrieben. Daher sei hier nur der Link angegeben: "Wie lerne ich mit einer Lernkartei?".

Lernen mit Mind-Maps

Was ist das? Mind-Maps sind „Gedächtnislandkarten“ oder "Gedächtnispläne". Sie sind eine einfache Art, Informationen in Ihrem Gehirn zu speichern bzw. aus Ihrem Gehirn wieder abzurufen.

Die Struktur einer Mind-Map erinnert an einen Stadtplan. Die Mitte entspricht dem Stadtzentrum, es stellt das Hauptthema dar. Die wegführenden „Hauptstraßen“ sind die Hauptelemente des Themas bzw. die Oberbegriffe. Die davon abzweigenden kleineren Straßen entsprechen sekundären Gedanken bzw. Unterthemen. Bilder und grafische Elemente stellen die „Sehenswürdigkeiten“, Ihre besonders interessanten Gedanken, dar.

Was ist das Besondere an Mind-Maps?

Mind-Maps sind eine gehirngerechte Methode und fördern das ganzheitliche Denken. Sie arbeiten damit klar und strukturiert. Durch das bildhafte Darstellen fördern Sie Ihre Kreativität. Mit dieser einfachen Methode können Sie die täglichen Informationen aufnehmen, verarbeiten, speichern, abrufen, verknüpfen und damit das Chaos besiegen. Erfinder der Mind-Map-Methode ist Tony Buzan.

Was brauchen Sie für eine Mind-Map?

1. ein unbeschriebenes, unliniertes Papier (A3 bzw. A4)
2. Farbstifte, Filzstifte, Fineliner
3. Ihr Gehirn
4. Ihre Fantasie.

Eine Beispielskizze für eine Mind-Map sehen Sie hier:

Die Mind-Map strukturiert das Hauptthema, indem es von den wichtigsten Begriffen (Oberbegriffe) immer mehr in die Details (Unterbegriffe) verzweigt. Diese wiederum lassen sich natürlich wieder in weitere Teilzweige auflösen. In diesem Beispiel haben wir nur aus Platzgründen zwei Ebenen bezeichnet.

Anwendungsbeispiel: Das Thema ist "Mein nächster Urlaub". Dann könnte ich als 1. Oberbegriff z.B. "Auto" einsetzen und als Unterbegriffe: "Reifen wechseln, Ölstand kontrollieren, Stadtplan kaufen" etc. - also alles vermerken, was ich bezüglich meines Autos noch erledigen muss. Nehmen wir als Beispiel für den 2. Oberbegriff "Gepäck", so könnten dort als Unterbegriffe: "Zahnbürste, Reisetabletten, Kinderspiele, Freeclimbing-Utensilien" etc. stehen - also alle Gepäckstücke, die ich auf jeden Fall mitnehmen will.

Im Grunde ähnelt eine Mind-Map einem Inhaltsverzeichnis, nur dass die Elemente räumlich angeordnet sind. Damit prägen sie sich dem visuellem Gedächtnis besser ein. Das Anwendungsbeispiel lässt sich natürlich beliebig erweitern, beispielsweise könnte man den Zweig "Freeclimbing Utensilien" wieder weiter verzweigen und dort alle Utensilien notieren, die man unbedingt zum Klettern braucht.

Mit dieser Methode können Sie sich leicht zu einem Thema einen Überblick verschaffen und auch komplexere Zusammenhänge übersichtlich - über Schlagwörter - darstellen. Wer will, kann hier auch kleine Bildchen oder Zeichnungen einfügen, die ein Thema oder Unterpunkt darstellen sollen. Letztlich sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Doch das Ziel jeder Mind-Map sollte sein, das Thema auf einen Blick erfassen zu können. Bei der Urlaubsplanung könnte mir die Mind-Map dazu dienen, zu prüfen, ob ich vor der Abfahrt alle wichtigen Vorbereitungen abgeschlossen habe.

Probieren Sie es einfach aus!

Geschichten erfinden - Loci-Technik

Erfinden Sie Geschichten beim Lehren und Lernen

LerntechnikBei dieser Technik werden aus den zu lernenden Begriffen oder Inhalten eine möglichst verrückte und ausgefallene Geschichte erzählt. Je mehr Bilder Sie sich dabei geistig vorstellen, umso besser können Sie sich später erinnern.

Versuchen Sie es anhand dieser Wörterliste: Bild, Berg, Wäscheleine, Haken, Eis, Rock, Pferd, Gefängnis, Bank, Melone, Schatz, Tür, Sonne, Geliebte, Nagel, Schule, Katze, Kind, Schwerkraft, Mathematik.

Solche Wortlisten wären ohne einen Zusammenhang - den die Geschichte erst herstellt - nur sehr schwer zu merken. Bildet man aus den einzelnen Begriffen jedoch eine zusammenhängende Geschichte, so stellt man Relationen oder Zusammenhänge zwischen den Fakten her.

Erst diese Relationen oder Zusammenhänge machen es uns möglich die Geschichte zu visualisieren, sich den Kontext und die Abläufe vor dem geistigen Auge vorzustellen. Wer einen kontinuierlichen Zusammenhang geschaffen hat, kann später auch aus Fragmenten (z.B. durch Erinnerungslücken) leichter wieder den Gesamtzusammenhang rekonstruieren.

Loci–Technik

Diese Technik ist besonders für Listen und Aufzählungen geeignet. Bei der Loci-Technik werden alle wichtigen Begriffe oder Lerninhalte im Geiste an einem bestimmten Ort "aufgehängt".

lerntechnikDie Orte können im eigenen Zimmer sein, z.B. der Spiegel, das Waschbecken, das Bett, der Kasten, das Regal usw.. Sie können sich auch auf dem Weg zur Ausbildungsstätte bzw. Arbeit befinden, z.B. Garagentor, Kreuzung, Einkaufszentrum, Unterführung, Autobahnabfahrt, erste Abzweigung, usw..

Wenn Sie später bei der Prüfung oder Schularbeit sitzen, brauchen Sie sich nur noch einmal an die "Orte" zu erinnern und schon verbinden Sie die Begriffe oder dort abgelegten Lerninhalte damit.

So funktioniert es:

1. Wählen Sie mindestens 10 fixe Stationen (Zimmer oder Arbeits-, Schulweg…). Später, wenn Sie damit Übung haben, können Sie die Stationen erweitern. Sie müssen sich die Stationen verinnerlichen – gehen Sie sie im Geiste ein paar Mal durch. Vergegenwärtigen Sie sich auch den Rückweg.

2. Die einzelnen Begriffe verbinden Sie nun mit den gewählten Stationen, z.B. Wenn Sie Ihre Garagenausfahrt als ersten Bezugspunkt gewählt haben und sich den Begriff „Neonröhre“ merken wollen, können Sie folgenden Zusammenhang herstellen: „Zum Glück schaltet sich die Neonröhre automatisch aus, wenn ich aus der Garage herausfahre..,“

Schreiben Sie 10 Begriffe auf und wenden Sie diese Technik an. Sie werden die Erfahrung machen, dass Sie alle Begriffe in der richtigen Reihenfolge aufzählen können.

Noch ein kleiner Taschentrick

Er funktioniert ähnlich wie die Loci-Technik. Stecken Sie sich kleine Gegenstände (Heftklammer, Radiergummi, Cent usw.) in die Hosentasche, die Sie mit bestimmten Begriffen oder Lerninhalten verbinden.

Probieren Sie es gleich aus!

Assoziationstechnik

Bei der Assoziationstechnik stellen Sie sich ein Bild zu einem Begriff vor, den Sie lernen wollen. Der Begriff wird also mit einem Bild verknüpft. Anhand der Geschichte (von Tony Buzan), die sich aus der Verknüpfung von mehreren Begriffen ergibt, gelingt es sehr leicht, sich die Begriffe in richtiger Reihenfolge zu merken.

Wie Sie sich die Planeten unseres Sonnensystems merken:

Setzen Sie sich bequem hin und lassen Sie sich diese Geschichte erzählen. Sie sitzen vor Ihrem Schreibtisch oder auf Ihrem Lieblingsstuhl. Eine herrliche Sonne strahlt. Sie müssen die Sonne deutlich vor sich sehen und ihre Hitze fühlen. Bestaunen Sie ihr orangerotes Glühen.

gehirn lernen assoziieren schule Stellen Sie sich neben der Sonne ein kleines (es handelt sich ja um einen kleinen Planeten) Thermometer vor, das mit diesem flüssigen Metall gefüllt ist, mit dem man die Temperatur misst, dem Quecksilber (Englisch: Mercury = Merkur). Es wird schließlich so heiß, dass das Thermometer zerspringt. Sie sehen, wie über den ganzen Schreibtisch und auf dem Fußboden vor Ihnen, kleine Kügelchen dieses flüssigen Metalls mercury fließen.

Nun stellen Sie sich vor, wie eine zauberhafte kleine Göttin hereinstürmt, um zu sehen, was passiert ist. Verleihen Sie ihr Farbe, ziehen Sie ihr Kleidungsstücke an (wenn Sie wollen!), parfümieren Sie sie ein, formen Sie sie nach Ihren Wünschen. Wie wollen wir diese hübsche kleine Göttin nennen? Ja genau, Venus! Sie sehen, dass die Venus wie ein kleines Kind mit dem ausgelaufenen mercury spielt. Es gelingt ihr, eine der Quecksilberkugeln aufzuheben. Sie ist so über diese Silberkugel entzückt, dass sie sie in hohem Bogen zum Himmel hinauf wirft. Sie beobachten das ganze Geschehen.

Schließlich fällt das Kügelchen aus großer Höhe wieder herunter und landet in Nachbars Garten. Sie hören den Aufprall und spüren die Erschütterung. Auf welchem Planeten befindet sich der Garten? Auf der Erde.

Durch die Wucht des Aufpralls entsteht im Garten ein Krater. Sie sehen aus dem Fenster. Stellen Sie sich weiter vor, dass Ihr Nachbar, in dieser Fantasiereise ein kleiner (es handelt sich ja um einen kleinen Planeten), rotgesichtiger (es ist ein roter Planet), wütender, kriegerischer Kerl ist, der in der erhobenen und drohenden Hand einen Schokoladenriegel hält. Und wer ist dieser Kriegsgott? Mars. Er ist wütend, da in seinem Garten ein Krater entstanden ist.

SunGerade im Moment, wo er auf Sie los stürmen will, erscheint hinter Ihnen ein Riese. Der ist so groß und stark, dass der Boden, auf dem Sie stehen, bebt (und das müssen Sie fühlen). Sie sehen ihn vor sich. Er ist 30 Meter groß. Stellen Sie sich diesen Riesen genauso leibhaftig vor wie die Venus.

Er befiehlt Mars, sich zu beruhigen, was Mars auch sofort tut, weil dieser Riese, der ein riesiges geschwungenes „J“ auf der Stirn trägt, nicht nur Ihr Freund, sondern auch der König der Götter ist. Es handelt sich um den fünften Planet: Jupiter. Sie sehen, dass Jupiter ein T-Shirt trägt.

Auf dem T-Shirt steht das Wort „SUN“ in glänzenden goldenen Buchstaben. Jeder dieser riesigen Buchstaben steht als Anfangsbuchstabe für die nächsten drei großen Planeten des Sonnensystems: Saturn, Uranus, Neptun. Auf Jupiters Kopf sitzt laut und fröhlich bellend, weil er die Szene so umwerfend komisch findet, ein kleiner (weil der Planet so klein ist) Walt-Disney-Hund, genannt Pluto. (Da er im Vergleich zu Jupiter so klein ist, wurde ihm die Bezeichnung “Planet“ aberkannt.)

Lassen Sie die Fantasiegeschichte noch einmal vor Ihrem geistigen Auge ablaufen. Sie werden sehen, wie schwierig es ist, sie zu vergessen. (Quelle: Buzan Tony, „Power-Brain“ )

Die Ziffern - Symbol - Technik

Zahlen und Abläufe merken Sie sich mit dieser Technik ganz leicht. Zeichnen Sie als erstes die vorgeschlagenen Symbole - siehe folgende Tabelle - auf ein Blatt Papier. Natürlich können Sie auch Ihre eigenen Symbole verwenden, vor allem dann, wenn Ihnen ein hier vorgestelltes Symbol Schwierigkeiten bereitet.

Zahl
Symbol
1
Kerze
2
Schwan
3
Melone
4
Vierblättriges Kleeblatt
5
Hand
6
Rüssel des Elefanten
7
Fahne
8
Sanduhr
9
Golfschläger, Tennisschläger
10
10 Cent Stück
11
Segelboot mit 2 Segel
12
Uhr, die Zeiger zeigen auf 12 Uhr
0
Ei

Nachdem Sie die Zeichnungen fertig gestellt haben, schließen Sie die Augen und gehen alle Symbole noch einmal durch. Versuchen Sie nun diese Symbole mit den Ziffern zu verknüpfen. Setzen Sie Ihre Fantasie ein! Schaffen Sie sich Eselsbrücken, welche die Ziffern mit dem Symbol in Verbindung bringen. Sie können dazu auch eine kleine Geschichte erfinden, in der die Ziffern mit den Symbolen in Zusammenhang gebracht werden.

17.04.2017 © seit 04.2007 Peter Schipek - Gerhild Löchli  
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