Seite 2: Praxis: Gehirngerecht lernen und lehren - Kurs Teil 2

Beziehung zwischen Lehrer und Schüler

Schüler & Lehrer - auf die Beziehung kommt es an

Bezeihung zwischen Lehrer und SchülerEs gibt jede Menge Aussagen über Methoden, Theorien und Fakten des Lehrens. Es wurden Experimente angestellt und Statistiken angelegt. Dennoch erspart man sich damit nicht, sie selbst auszuprobieren, um dann zu sehen, ob sie funktionieren.

Stellen Sie sich eine junge Lehrerin vor. Sie sieht, wie Schülern Mathematik beigebracht wird. Daraufhin erklärt sie: "Ich habe eine bessere Idee".

Sie ist von Ihrer Idee überzeugt und begeistert. Sie weiß genau, was sie will und probiert mit einer Gruppe von Kindern vieles aus.

Auch die Kinder sind aufgeregt, denn sie wissen, da ist etwas Neues. Sie lernen, haben dazu eigene Ideen, finden noch neue Möglichkeiten und ergänzen damit die Methode.

Die Kinder lernen sehr, sehr gut. Sie lernen viel besser als andere Kinder. Nach einigen Wochen erfahren auch Kollegen davon, kurze Zeit später der Direktor der Schule. Also macht man einen Test. Nun steht als Tatsache fest, dass man den Mathematik-Unterricht mit dieser Methode verbessern kann.

Lehrer von anderen Schulen werden eingeladen. Sie beobachten den Unterricht, machen eifrig Notizen und noch einmal werden die Schüler getestet. Wieder steht fest, die Kinder lernen sehr, sehr gut.

Auch diese Kollegen sind nun von der neuen Methode überzeugt. Jetzt setzen diese Lehrer die „neue Methode" auch bei ihren Schülern ein und ein Großteil davon ist enttäuscht. Die „neue Methode" funktioniert bei ihnen nicht.

Was ist passiert?

Diese Lehrer haben das Wesentliche übersehen. Das Wesentliche bei dieser Methode war, dass diese spezielle Lehrerin sich die Methode ausgedacht und mit den Kindern weiterentwickelte.

Die Lehrerin war davon begeistert und steckte die Kinder mit ihrer Begeisterung an.
Die Lehrerin und die Kinder - auf die Beziehung kommt es an.

Was heißt Motivation?

Freude und MotivationMenschen sind von Natur aus motiviert. Das Gehirn ist ein System, das äußerst effektiv arbeitet. Je stärker die Motivation, desto leichter fällt uns das Lernen und desto besser wird das Lernergebnis ausfallen. Stellt sich der Erfolg des Lernens ein, wird unser Gefühl in seinem JA weiter bestärkt; wir lernen mit Lust. Der Lernprozess trägt sich von allein!

Man kann sich Motivation wie eine Kette von Ereignissen denken, die sich selbst verstärkt. Sie beginnt mit einem Lernerfolg, der unseren Optimismus steigert. Mit einem so gestärkten Selbstbewusstsein entwickeln wir Zuversicht, auch künftigen Anforderungen gerecht werden zu können.

Damit sind wir offen uns für die Sache zu begeistern. Genau diese Begeisterung verstärkt unser Interesse für das Thema und macht den nächsten Lernerfolg wahrscheinlicher. Damit wird die Aufwärtsspirale der Motivation im positiven Sinne geschlossen, d.h. die Kette beginnt wieder von vorne.

Wie kommt es zu Motivationsproblemen?

Wir kommen alle mit einem gesunden Selbstbewusstsein auf die Welt. Im Laufe unserer Kindheit hörten oft von Eltern, KindergärtnerInnen, LehrerInnen Sätze wie: „Lass das, du kannst das nicht“; „Ah, bist du heute wieder mühsam ... “; „So wirst du es nie zu etwas bringen ... “, „Wenn du lieb bist, dann ...“

Wir sollten die Erwachsenen nicht verurteilen, denn insgeheim wissen wir, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben.

Wie leicht zu erkennen ist, wird hier das Gegenteil - also die Abwärtsspirale bei Demotivierung - beschrieben. Sie beginnt mit einem Misserfolg, der zu einer pessimistischen Einstellung führt, ob wir der Sache oder dem Problem überhaupt gewachsen sind. Solche Selbstzweifel schwächen unser Selbstvertrauen und führen zu einer Schwächung der Persönlichkeit. Tritt ein ähnliches Problem wieder auf, beginnen wir also schon mit einer gehörigen Portion Misstrauen in uns selbst und sind demotivert das Problem zu lösen. Der Kreis ist wieder geschlossen und die Abwärtsspirale zieht uns weiter in den Keller.

Heute können Sie beginnen, anders damit umzugehen. Es liegt in Ihrer Macht, das Selbstbewusstsein zu stärken und mit negativen Sprüchen (auch der inneren Stimme) umgehen zu lernen. Wenn Sie sich an dieser Stelle fragen, wie es mit Ihrer eigenen Motivation aussieht, machen Sie doch einfach folgenden Test.

Motivationstest

Drucken Sie sich am besten diese Lektion aus und kreuzen Sie die Antwort an, die am ehesten auf Sie zutrifft.

Ja
Nein
1. Ohne Druck von außen geht bei mir gar nichts
2. Ich lerne immer erst kurz vor Prüfungen
3. Lernhilfen und Zusatzinformationen zu besorgen, bringt nichts und ist viel zu mühsam.
4. Nach schlechten Ergebnissen bin ich total blockiert.
5. Nach guten Noten mache ich erst einmal eine lange Lernpause.
6. Ich fühle mich unwohl und habe keine Freude am Lernen
7. Ich bin überfordert
8. Ich bin unterfordert
9. Lernen bringt nichts – ich habe sowieso keinen Erfolg
10. Ich weiß nicht wie und womit ich anfangen soll
11. Die Prüfungsfragen sind immer anders als die gelernten
12. Es ist sinnlos überhaupt zu beginnen, ich schaffe es doch nicht

Anmerkung zur Auswertung des Motivationstests: Je mehr Punkte Sie mit „Ja“ beantwortet haben, desto eher sollten Sie sich mit Ihrer Motivation befassen.

Das AHA-Erlebnis als Auslöser der Motivation

Was ist ein AHA-Erlebnis? Dieses Erlebnis hat mit entdeckendem Lernen zu tun. Eine plötzliche Einsicht in einem undurchsichtigen Zusammenhang ist im Denkverlauf ein lustbetontes Erlebnis. Auch Sie haben bestimmt persönliche AHA-Erlebnisse. An welche können Sie sich erinnern?

Motivation zum Lernen fördern

Wie können Sie Ihre Lernmotivation fördern?

1. Motivation durch Interesse

Motivation fördernDas Interesse gehört zu den wichtigsten Beweggründen des Lernens. Natürlich haben Sie nicht für jedes Fachgebiet gleich großes Interesse. Es gibt jedoch Maßnahmen, diese zu wecken und zu stärken. Haben Sie Interesse an Musik, so könnten Sie sich durch das Übersetzen der Texte motivieren, eine Fremdsprache zu lernen. Durch aktives Zuhören, Mitdenken und Mitreden wird oft das Interesse geweckt.

2. Motivation durch Neugierde

Der Fortschritt auf verschiedenen Gebieten und die menschliche Neugierde hängen eng zusammen. Auch für das Lernen gilt, neugierig zu sein und den Dingen auf den Grund zu gehen. Stellen Sie „Warum?“ – Fragen.

3. Motivation durch Belohnung

Verschaffen Sie sich einen zusätzlichen Lernantrieb, indem Sie sich nach Erreichen eines gesteckten Zieles etwas Gutes tun. Z.B. „Wenn ich dieses Kapitel fertig habe, gehe ich mit Freunden ins Kino.“ Gönnen Sie sich diese Belohnung nur, wenn Sie Ihr geplantes Pensum geschafft haben.

4. Motivation durch Lächeln

Haben Sie einen „Durchhänger“ so versuchen Sie ein Lächeln, auch, wenn Sie nur eine Grimasse zustande bringen. Wichtig ist das Anheben der Mundwinkel. Durch das Aktivieren der Nerven in der Wange wird dem Gehirn signalisiert: „Es wird gelächelt“. Sofort werden Glückshormone ausgeschieden, die die Kampfhormone „fressen“.

5. Vermeiden Sie Motivationskonflikte

Planen Sie Ihr Lernen zeitlich so, dass keine verlockenden Ablenkungen Sie hindern, Ihr Lernziel zu erreichen, wie z.B. ein Fußballspiel oder die Geburtstagsparty von Freunden etc.

So sind Sie für die nächsten Herausforderungen motiviert:

  • Setzen Sie Prioritäten
    Sortieren Sie die kommenden Aufgaben nach ihrer Wichtigkeit.

  • Strukturieren Sie den Tag
    Sind die Prioritäten gesetzt, ist der Tag sinnvoll eingeteilt.
    Sie erhöhen durch die erledigten Aufgaben Ihre Zufriedenheit.

    Ihr Selbstbewusstsein ist gestärkt.
  • Was ist Ihnen heute wichtig?
    Stellen Sie sich diese Frage mindestens 1 x pro Tag.

  • Orientieren Sie sich an der Zielvorstellung
    Entscheiden Sie sich für eine zu erledigenden Aufgabe an der Zielvorstellung und nicht nach Lust und Unlust.

  • Beobachten Sie sich selbst
    Wann und wieso weichen Sie anstrengenden und unangenehmen Arbeiten aus?
    Wie leicht lassen Sie sich ablenken?
    Was können Sie daran ändern?

Wenn Sie lernen sich auf diese Art selbst zu beobachten und Antworten auf die genannten Fragen zu finden, werden Sie sehen, dass es Ihnen immer leichter fallen wird, motiviert bei der Sache zu bleiben.

17.04.2017 © seit 04.2007 Peter Schipek - Gerhild Löchli  
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