Seite 9: Lerntechniken anwenden - Kurs "Lernen lernen" Teil 4

Fallbeispiel 2 - Ein Kurs in Buchführung

lerntechnik buchführungHenry M. hat im Internet einen kleinen Shop. Was als Hobby anfing wurde mit der Zeit zum Nebenverdienst. Mittlerweile konnte er seine Arbeit auf eine Halbtagesstelle reduzieren. Er verdient den Rest mit seinem Internetshop. Die Umsätze sind bereits so hoch, daß er sich mit Buchführung beschäftigen muß. Deshalb besucht er einen einjährigen Abendkurs in Buchführung.

Eigentlich fällt ihm das Lernen nicht schwer. Alles was er für seine Internetpräsenz wissen mußte, hat er sich selbst beigebracht. Doch den Lernstoff für Buchführung findet er sehr abstrakt, er kann sich unter den vielen Begriffen nichts vorstellen. Seit 6 Wochen nimmt er an den Veranstaltungen teil, doch er findet keinen Zugang zur Welt der Buchführung. Da er die Kenntnisse über Buchführung unbedingt braucht, plant er eine intensive Lernphase. Er will den bisherigen Stoff bearbeiten, bis er ihn versteht.

Aufgabe:

Beantworten Sie die folgenden Fragen:

  • Welche der "Grundsätze des Lernens" sind für Henry M. wichtig/unwichtig?
  • In welcher Form könnte er diese Grundsätze umsetzen?

Vergleichen Sie Ihre Antworten mit meiner Analyse erst, wenn Sie selbst Antworten notiert haben.

Welche Grundsätze des Lernens sollte Henry beachten?

1. Aktualisieren Sie Ihr Vorwissen

Sehr wichtig - Henry M. sollte seine Lebenserfahrungen betrachten, um einen Bezug zum Thema zu finden. Er kann sich fragen, in welcher Form er bereits mit ähnlichen Themen in Berührung kam, beispielsweise ob er Verknüpfungen zu den Einzahlungen, Abbuchungen auf seinem Bankkonto herstellen und sich das Thema dadurch veranschaulichen kann. Vielleicht kennt er jemand, der sich mit Buchführung auskennt...

2. Formulieren Sie ein Ziel

Sehr wichtig - Henry M. sollte sich den Lernstoff unbedingt in kleine, überschaubare Einheiten aufteilen und Zwischenziele formulieren. Wenn er das erste Zwischenziel erreicht, hat er den ersten Lernerfolg, für den er sich belohnen kann. Seine Motivation wird steigen und er kann leichter neue Lernerfolge erzielen. Damit läßt sich ein positiv verstärkender Kreislauf erzeugen.

3. Gehen Sie vom Groben zum Feinen

Sehr wichtig - Henry M. sollte als erstes im Großen und Ganzen verstehen was "Buchführung" bedeutet und sich danach den Details widmen. Er sollte nach Beispielen und Vergleichsmöglichkeiten suchen, die denselben Regeln, Prinzipien und Zusammenhängen unterliegen (z. B. das eigenen Sparkonto und dessen Zu- und Abgänge). Macht er sich diese klar, hilft ihm das, den Stoff besser zu verstehen.

4. Holen Sie fehlendes Vorwissen nach

Wichtig - Stößt Henry M. auf unverständliche Begriffe, die regelmäßig auftauchen, sollte er sie unbedingt in einem Lexikon (o.ä.) nachschlagen und versuchen, sie zu verstehen.

5. Nutzen Sie Ihre Sinne

Sehr wichtig - Henry M. hat noch keine Vorstellung von den Vorgängen der Buchführung. Er sollte eine Vorstellung zu den zentralen Aussagen des Themas entwickeln. Vielleicht kann er den Stoff nicht "be-greifen", sich kein "Bild dazu machen", er ist für ihn zu abstrakt. Zusätzliche Materialien zum Thema könnten ihm das Lernen erleichtern. Vielleicht findet er Medien zum Thema, die den Stoff auf eine andere Weise erklären z. B. Lernsoftware, Videos, die spielerisch in das Thema einführen, mehrere Sinne ansprechen und bei denen er selbst aktiv üben kann.

Henry M.sollte wissen, welcher Lerntyp er ist und den Lernstoff durch Lernmethoden ergänzen, bei denen er am meisten versteht.

6. Drücken Sie Gelerntes in "Ihren Worten" aus

Wichtig - Henry M. sollte am Ende jeder Lerneinheit das Gelernte in eigenen Worten zusammenfassen. So kann er überprüfen, was er verstanden hat und was nicht.

7. Würdigen Sie Gelerntes kritisch

Schwer möglich - Da ihm der Lernstoff noch fremd und unverständlich ist, kann er sich noch nicht kritisch mit ihm auseinandersetzen.

8. Wiederholen Sie das Gelernte

Sehr wichtig - Henry M. sollte die wichtigsten Inhalte wiederholen und sich die zentralen Begriffe einprägen, bis sie sitzen. Die zentralen Begriffe werden im Kurs immer wieder auftauchen und wenn er erst darüber nachdenken muß, was sie bedeuten, kann er dem aktuellen Stoff nicht richtig folgen. Die Lernkartei eignet sich sehr gut für die zentralen Begriffe.

01.06.2017 © seit 03.2006 Petra Sütterlin  
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