Seite 6: Lerntechniken anwenden - Kurs "Lernen lernen" Teil 4

Grundsätze des Lernens

Lernarbeit ist eine Arbeit, wie jede andere auch und deshalb sollten Sie diese auch so behandeln: Je wichtiger, schwieriger und komplexer sie ist, desto mehr Zeit sollten Sie ihr widmen.

Das wichtigste ist, daß Sie sich mit dem Lernstoff befassen, in welcher Form auch immer. Suchen Sie sich die Prinzipien aus, die am besten zum Lernstoff passen. Experimentieren Sie, testen Sie Verschiedenes aus...

Aktualisieren Sie Ihr Vorwissen

Klug ist, wer weiß, was er nicht weiß! Sokrates (470 - 399 v. Chr.)

Suchen Sie nach Verknüpfungen zu dem, was Sie wissen, kennen und erfahren haben, um neue, unbekannte Lerninhalte zu verstehen. Fragen Sie sich:

  • Was weiß ich bereits über dieses Thema?
  • Was will ich darüber wissen?
  • Was ist mir neu oder unklar?

Formulieren Sie ein Ziel

Lerntechniken anwendenEs liegt an Ihnen, ob sie einen Teil oder den gesamten Lernstoff erinnern wollen. Wollen Sie den gesamten Lernstoffs erinnern, müssen Sie sich gründlich mit ihm befassen.

Was müssen Sie wie genau wissen?

Beantworten Sie sich diese Frage und legen Sie genau fest, was Sie in welchem Umfang und in welcher Tiefe wissen wollen. Legen Sie vor Beginn der Lernarbeit Ihre Lernziele fest, dann können Sie entscheiden, was Sie wie intensiv lernen wollen.

Gehen Sie vom Groben zum Feinen

Machen Sie sich das Ganze im Zusammenhang klar, bevor Sie versuchen Details zu verstehen. Ordnen, strukturieren Sie Einzelinformationen, indem Sie nach Prinzipien und Zusammenhängen suchen. Dieser Prozeß erfordert zwar Arbeit, trägt aber die besten Früchte. Haben Sie die zentralen Zusammenhänge erfaßt, können Sie meist viele Verbindungen zu Ihrem Leben herstellen. Ein grober Zusammenhang ist im Gegensatz zu Details nie absolut fremd. Er kann vielfach verknüpft werden und bietet zugleich neue Anknüpfungsmöglichkeiten für die Details.

Holen Sie fehlendes Vorwissen nach

Manche Lerninhalte setzen Vorwissen voraus, bzw. bauen darauf auf. Stellen Sie fest, daß Ihnen wichtiges Vorwissen fehlt, sollten Sie zuerst dieses Wissen nachholen, damit Sie die neuen Lerninhalte verstehen können.

Bemerken Sie, daß Ihnen Begriffe und/oder Sachverhalte unverständlich sind, diese aber wichtig sind, lesen Sie nicht einfach weiter. Machen Sie sich diese Begriffe/Sachverhalte verständlich, indem Sie in Lexika oder Fachliteratur nachschlagen oder nachfragen (bei Vorträgen). Nicht alles lohnt sich nachzuschlagen und die Unterscheidung ist nicht immer einfach. Wichtige Begriffe können Sie beispielsweise daran erkennen, wenn sie fett gedruckt sind, in Überschriften stehen oder wiederholt erwähnt werden.

Nutzen Sie Ihre Sinne

Allgemein gilt: Je mehr Sinne Sie beim Lernen einsetzen, desto besser können Sie sich Lernstoffe einprägen. Wiederholen Sie wichtige Inhalte laut (Gehörsinn). Wenn Sie Düfte (Kaffeegeruch, Blumenduft, Räucherungen etc.) lieben, umgeben Sie sich damit (Geruchsinn).

Machen Sie sich "Bilder", um einen Lernstoff besser zu verstehen und einprägen zu können (Sehsinn). Fertigen Sie für schwierige und/oder wichtige Sachverhalte Bilder, Diagramme, Schemata... auf Papier oder vor dem geistigen Auge an. Damit verstehen Sie schwierigen Lernstoff leichter, prägen ihn sich besser ein und verarbeiten ihn zugleich.

Schreiben Sie Wichtiges auf (Tastsinn). Die Lernkartei - wichtige Inhalte auf Karteikarten - ist eine gute Möglichkeit, das Gelernte mit "Handarbeit" zu vertiefen.

Beachten Sie, welcher Lerntyp Sie sind

Achten Sie darauf, wenn Sie z.B. auditiv schwach sind, Informationen nicht nur über die Ohren aufzunehmen. Sie werden von den Informationen dann nur wenig behalten. Ergänzen Sie Ihre Informationsaufnahme durch Lernmethoden, die Ihnen liegen.

Sehen Sie zu diesem Thema auch unseren Lerntypentest!

Lerntechniken NotizenDrücken Sie Gelerntes in "Ihren Worten" aus

Formulieren Sie das Gelernte in eigenen Worten. Die eigenen Worte prägen sich viel besser ein, als Formulierungen von anderen (Autoren/Lehrenden...). Fällt es Ihnen schwer das Gelernte in eigenen Worten zu fassen, ist dies ein Indiz dafür, daß Sie den Stoff noch nicht richtig verstanden haben.

Würdigen Sie Gelerntes kritisch

Setzen Sie sich kritisch mit dem Lerninhalt auseinander. Bilden Sie sich eine persönliche Meinung zum Lernstoff.

  • Was können Sie aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen nachvollziehen, was nicht?
  • Gibt es andere Meinungen, Ansichten zum Thema?
  • Diskutieren Sie mit anderen Menschen über die Lerninhalte.

Eine kritische Auseinandersetzung fördert das Verstehen. Sie können den Stoff leichter auf Ihre Situation anwenden und ihn besser erinnern.

Wiederholen Sie das Gelernte

Prüfen Sie, ob Sie den Lerninhalt verstanden und ihn sich eingeprägt haben: fassen Sie das Wichtigsten zusammen, wiederholen Sie den Inhalt in eigenen Worten. Hören Sie mit dem Lernstoff auf, wenn er richtig sitzt, beispielsweise bei Vokabeln nach dem Durchlauf, in dem Sie alle gekonnt haben.

Wiederholen Sie den Lernstoff erst dann, wenn Sie schon relativ viel vergessen haben. Dann können Sie mit recht geringem Aufwand hohe Ergebnisse erzielen. Lassen Sie, bevor Sie wiederholen, mindestens einen Tag verstreichen. Das Wiederlernen, von dem, was wir einmal wußten, erfordert nur einen geringen Zeitaufwand. Je häufiger Sie einen Inhalt wiederholen, desto eher geht er ins Langzeitgedächtnis über.

Lernen Sie nichts Neues kurz vor Prüfungen

Lernen Sie nichts Neues unmittelbar vor Prüfungen oder wichtigen Vorträgen. Wir brauchen Zeit, um Lerninhalte zu verarbeiten. Wenn ein Lernprozeß nicht abgeschlossen ist, ist es schwierig früher Gelerntes wieder abzurufen. Die Verarbeitung des Neu-Gelernten stört die Wiedergabe des alten Lernstoffs.

01.06.2017 © seit 03.2006 Petra Sütterlin  
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