Seite 2: Lernprozesse Kinder: Spiel und Lernen gehören zusammen

Peter Schipek: Wie also müsste eine Kindergartenkonzeption aussehen, die für die Entwicklung der Kinder gute Voraussetzungen schafft?

Karl Gebauer: Viele Kindergärten sehen sich in der Tradition von Maria Montessori oder Friedrich Fröbel. In diesen Konzepten steht die individuelle Entwicklung eines Kindes im Mittelpunkt.

Und das eigenständige Tun wird als entscheidendes Kriterium für eine gelingende Entwicklung in den Vordergrund gestellt. Kindergärten sollten sich dieser Tradition bewusst sein und sie nicht ohne Not über Bord werfen. Es gibt auch einige Schulen, die diesem Prinzip folgen.

Man denke nur an die Jena-Plan-Schulen von Peter Petersen. In der heutigen Zeit kann man zum Beispiel die Helene Lange-Schule in Wiesbaden dazu zählen, die unter ihrer Leiterin Enja Riegel eine Blütezeit erlebte.

Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang auf die Initiative „Kinder sind mehr wert“ - eine Kampagne der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Niedersachsen.

Peter Schipek: Was könnte aus den aktuellen Forschungsergebnissen gelernt werden?

Was bedeuten sie für die pädagogische Praxis?

Karl Gebauer: Die bildungspolitische und pädagogische Realität zeichnet sich überwiegend durch eine Konzeption aus, die weitgehend auf die Wirksamkeit eines rational verfassten Plans setzt. Über Erlasse werden Anweisungen an die Schulen weitergegeben. Schulen werden mit Überprüfungsanweisungen überzogen.

Man setzt auf die Planwirksamkeit, vertraut dem Plan mehr als dem Lernwillen der Kinder. Viele Lehrerinnen und Lehrer klagen zunehmend über kaum zu bewältigende Arbeitsbelastungen. Überforderte Pädagogen können aber kaum ihre Vorbildfunktion erfüllen.

Aus meiner Sicht ist das deutsche Schulwesen weit davon entfernt, dem Anspruch gelingender Lernprozesse zu genügen. In Modellschulen kann man erleben, wie erfolgreich Lernen sein kann. Wenn die Schüler zum Beispiel aktiv an den Prozessen beteiligt werden, wenn man ihnen eine aktive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Lerngegenstand ermöglicht.

Das Stichwort lautet: Projektarbeit. Auf diese Weise wird das dopaminerge System angekurbelt. Damit ist die entscheidende Grundlage für erfolgreiches Lernen beschrieben.

Das gilt für alle Schulformen im Elementarbereich. Wir sind in der glücklichen Situation, dass es inzwischen in allen Bundesländern Bildungspläne gibt, die weitgehend auf aktuellen Forschungsergebnissen basieren. Leider reichen für die Umsetzung vieler Anregungen die Rahmenbedingungen nicht aus.

Peter Schipek: Die Bedeutung des „dopaminergen Systems“ ist nicht jedem Leser vertraut. Was verstehen Sie darunter?

Karl Gebauer: Das Motivationssystem eines Menschen, das die Hirnforscher als dopaminerges System beschreiben, besteht aus konkreten Handlungen, die mit bestimmten Gefühlen verbunden sind, die wiederum auf das Zirkulieren von Botenstoffen im Gehirn angewiesen sind.

Damit ein Mensch zeitlebens lernbereit ist, muss er in der Kindheit viele erfreuliche Spiel- und Lernsituationen erlebt haben. Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen sind emotionale Sicherheit und Geborgenheit. Der Neurotransmitter Oxytozin ist hier am Werk.

Kinder wollen die Welt entdecken und ihre Handlungsmöglichkeiten ausprobieren. Dazu braucht es den Botenstoff Dopamin. Er wird vor allem dann ausgeschüttet, wenn das Experimentieren mit Freude verbunden ist. Auf diese Weise werden körpereigene Opioide ausgeschüttet, die ein gutes Gefühl machen.

Damit Lernen gelingt, kommt es auf der Ebene der Neurotransmitter auf eine gute Mischung von Oxytozin, Dopamin und Opioiden (Glückshormone) an.

Peter Schipek: „Die Bedeutung der Eltern für gelingendes Lernen“ – Das zweite Kapitel Ihres Buches. Die ersten Lebensjahre sind entscheidend für eine gesunde Entwicklung.

Das setzt voraus, dass das Kind in verlässliche Beziehungen und sichere Bindung eingebettet ist. Unsere wettbewerbsorientierte Gesellschaft nimmt den Familien die Zeit zum Zusammensein. Hinzu kommt die Verunsicherung durch Arbeitslosigkeit. Was raten Sie betroffenen Eltern?

Karl Gebauer: Einen Rat geben kann ich nicht. Es ist wichtig, dass wir die Verhältnisse, in denen wir leben, verstehen. Die wirklichen Anforderungen an die Gestaltung des Familienlebens sind äußerst vielfältig und komplex.

Mit der Geburt eines Kindes findet eine grundlegende Veränderung des Zusammenlebens statt. Es gibt eine neue Verantwortung. Berufliche, individuelle und familiäre Interessen müssen unter einen Hut gebracht werden. Erst heute zeigt sich in den politischen Diskussionen, dass langsam verstanden wird, was das für die einzelnen Familienmitglieder bedeutet.

Wer seinem Kind eine Zukunft eröffnen will, der muss versuchen, die eigene Entwicklung und die des Kindes miteinander zu koordinieren. Was Eltern leisten müssten, gelingt nicht immer oder immer weniger. Gefragt ist die Familienpolitik, die das inzwischen ja auch begriffen hat.

Hinzu kommt, dass sich die Familienkonzepte geändert haben und sich ständig ändern: neue Partnerschaftskonzepte, neue Generationenverhältnisse. Täglich können wir in den Nachrichten verfolgen, dass sich auch die Erwerbswelt in einem rasanten Wandel befindet.

Eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit, Furcht vor Arbeitsplatzverlust, entgrenzte Arbeitszeiten und unstete Erwerbsbiografien sind nur einige Schlagwörter in diesem Zusammenhang. Das sind keine guten Voraussetzungen für die Schaffung von Geborgenheit.

Dennoch verhalten sich die meisten Eltern ihren Kindern gegenüber intuitiv richtig. Das ist die positive Nachricht. Selbst bei besten Absichten kann es aber in Erziehungs- und Bildungsprozessen aus unterschiedlichsten Gründen zu Irritationen kommen.

Diese können auch hervorgerufen werden durch Beziehungsprobleme in den Familien. Trennungen, Neuanfänge, Abwesenheit der Väter, eine zu große Selbstlosigkeit der Mütter oder eine übermäßige Autorität der Väter können Anlass zu Verunsicherungen sein und den Entwicklungsprozess beeinträchtigen.

Peter Schipek: Worauf kommt es an?

Karl Gebauer: Eltern sollten ihren Kindern emotionale Sicherheit und Anregungen geben, ihr Selbstbewusstsein stärken, die Gefühle ihrer Kinder wahrnehmen und über Gefühle mit ihnen reden. Sie sollten Interesse an der Entwicklung haben. Auftretende Konflikte sollten sie für Klärungsgespräche nutzen.

Sie sollten Grenzen setzen und ihre Kinder auch Frustrationen erleben lassen. Bei auftretenden Problemen sollten sie sich nicht scheuen, mit Freunden, anderen Eltern, Erzieherinnen und Lehrern das Gespräch zu suchen und bei unlösbar erscheinenden Problemen rechtzeitig professionelle Hilfe zu suchen.

Es handelt sich bei dieser Aufzählung um ein wünschenswertes Basiswissen. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich die darin liegenden Erkenntnisse in der Praxis durchgesetzt haben.

Wie auch immer die individuelle Familiensituation aussehen mag, es kristallisiert sich mehr und mehr heraus, dass bei den ganzen Umwälzungen und den unterschiedlichen familiären Modellen die gemeinsame Zeit in der Familie ein unverzichtbares Gut – man könnte auch sagen: ein schützenswertes Kleinod darstellt.

Neben einer ausreichenden materiellen Sicherheit der Familien erweisen sich insbesondere ein gutes Familienklima und regelmäßige gemeinsame familiäre Aktivitäten als bedeutsam für das Wohlergehen und für die Zukunftschancen eines Kindes.

Die ungünstigste Konstellation liegt dann vor, wenn materielle Defizite mit geringer Zuwendung einhergehen. Entscheidend für eine erfolgreiche Arbeit in Kindergarten und Schule wird sein, ob wir diese Voraussetzungen nicht nur als individuelles Schicksal interpretieren, sondern als Teil mächtiger Veränderungsprozesse ansehen können.

Viele Eltern würden ihren Kindern gerne mehr Anregungen geben – sie können es aufgrund unterschiedlicher Bedingungen nicht. Erzieherinnen und Lehrer können den einzelnen Schülern dann besser helfen, wenn sie diese mit ihren Schwächen bei ihren Lernversuchen oder in ihrem Sozialverhalten so annehmen können, wie sie sind.

Natürlich ist mir bewusst, dass hier ein Spagat erforderlich ist, zwischen der Realität in Kindertagesstätten / Schulen auf der einen Seite und dem Wünschenswerten auf der anderen Seite.

Peter Schipek: Auf das Kapitel „Bildungsdampfer Schule“ möchte ich gerne etwas näher eingehen. Ist der Unterricht in unseren Schulen nicht zu sehr leistungsorientiert anstatt lernorientiert und kommt dabei die Neugier viel zu wenig zum Zuge?

Karl Gebauer: Das gilt sicherlich für die Mehrzahl der Schulen. Aber es gibt auch viele gute Schulen in Deutschland. Ich habe ein Buch herausgegeben, in dem ich solche Schulen vorstelle. Sein Titel lautet: „Anders lernen. Modelle für die Zukunft“.

Wie Schulen sein sollten, darüber ist immer wieder geschrieben worden. Man hat Schule als Haus des Lernens charakterisiert, als ein Ort, ...:

  • an dem alle willkommen sind, die Lehrenden wie die Lernenden;
  • an dem Zeit gegeben wird für die individuelle Entwicklung;
  • an dem gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt voreinander gepflegt werden;
  • dessen Räume zum Verweilen einladen, dessen Angebote und Herausforderungen zum Lernen, zur selbsttätigen Auseinandersetzung locken;
  • an dem Umwege und Fehler erlaubt sind und Bewertungen als Feedback hilfreiche Orientierung geben;
  • wo intensiv gearbeitet wird und die Freude am eigenen Lernen wachsen kann;
  • an dem Lernen ansteckend wirkt.

In diesen Überlegungen steckt Hoffnung. Sie kann dann Realität werden, wenn sich Menschen vor Ort zusammenschließen und die Kerngedanken in ihrer Schule verwirklichen: Vertreter der Kommunen, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrer und Unterstützer.

Peter Schipek: Lernen – auf die Beziehung kommt es an. Es gibt jede Menge Aussagen über Theorien und Methoden des Lernens. Übersehen Eltern und Lehrer nicht oft das Wesentliche – die Beziehung, die Begeisterung?

Karl Gebauer: Unser Wissen über gelingende Bildungsprozesse ist sehr groß. So ist bekannt, dass sichere Bindungen für die Entwicklung der Persönlichkeit eine wichtige Voraussetzung darstellen. Das ist ein wesentliches Ergebnis der Bindungsforschung.

Die Qualität der Beziehung zwischen nahen Erwachsenen und dem Kind ist entscheidend für erfolgreiches Lernen. „Bin ich hier willkommen?“ Das dürfte die elementare Frage eines Babys sein.

Es ist eine emotionale Frage. Wenn Mutter und Vater ihrem Kind durch ihren Körper- und Augenkontakt die Antwort geben: „Ja, du gehörst dazu!“, dann führt diese Erfahrung im kindlichen Gehirn zum Wachstum von Nervenzellen, die das Gefühl einer grundlegenden Sicherheit beherbergen.

Dieser Vernetzungsprozess setzt sich durch die gesamte Kindheit und Jugend fort. Schenken Erzieherinnen und Lehrer den Kindern das sichere Gefühl, dass sie in der KITA und in der Schule willkommen sind, dann legen sie eine sprudelnde Quelle fortwährender Motivation frei.

Das trifft nicht nur für die frühe Kindheit zu, wenngleich sie hier einen äußerst hohen Stellenwert hat. Die Bedeutung der „pädagogischen Beziehung“ kümmert in der deutschen Bildungslandschaft leider ohne ausreichenden Nährboden dahin.

Es steckt das geringe Vermögen dahinter, mit eigenen Emotionen und den Emotionen der Schülerinnen und Schüler angemessen umzugehen. Hier sind sowohl im Studium, in der Phase des Referendariats und im pädagogischen Alltag, Abwehrhaltungen zu beobachten.

Peter Schipek: „Wenn man eine Frage stellt, wird man angemotzt“ – ein Zitat aus Ihrem Buch. Kinder erleben das leider recht häufig in der Schule.

Könnten wir uns nicht eine Schule vorstellen, in der diejenigen die Prüfung bestehen, die neue bzw. eigene Fragen finden, anstelle bereits bekannter Antworten?

Karl Gebauer: In Schulen, in denen die Schülerinnen und Schüler Vorrang vor den Fächern haben und die pädagogische Beziehung im Vordergrund steht, freuen sich die Lehrkräfte über jede Frage und Anregung, die von Schülern kommt.

Lernerfolge stellen sich vor allem dann ein, wenn es den Lehrerinnen und Lehrern gelingt, ihren Schülerinnen und Schülern ein zugewandtes Interesse entgegenzubringen. Kinder brauchen erwachsene Menschen, die ihnen Vertrauen schenken, die sie anregen, ihnen Hilfe anbieten und sie auf ihrem Lernweg begleiten.

Kinder lernen unterschiedliche schnell, unterscheiden sich in ihrer Motivation, ihrer Konzentration und in ihren Lernstrategien. Die Beachtung der Verschiedenartigkeit – ihre Achtung – ist daher das A & 0 gelingender Bildungsprozesse.

Nicht genug damit: Jedes Kind braucht für seine individuellen Bemühungen eine angemessene Wertschätzung. Kinder, die aus unterschiedlichen familiären Konstellationen und mit verschiedenen kulturellen Hintergründen in die Schule kommen, müssen zunächst und über viele Jahre in ihrer Unterschiedlichkeit wahrgenommen und gewürdigt werden.

Es gilt daher Bildungsstandards in die schulische Pädagogik einzuführen, die gewährleisten, dass Kinder in ihrer Unterschiedlichkeit wahrgenommen und gewürdigt werden. Es sind nicht die Tests, es sind nicht die blutleeren Förderprogramme, die Kindern mit Lernproblemen eine Chance eröffnen, sondern Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Schüler in ihrer individuellen Entwicklung wahrnehmen und die ihre Lernbemühungen würdigen.

Peter Schipek: „Klug wird niemand von allein“. Hr. Dr. Gebauer – bekommen wir zum Schluss des Gespräches von Ihnen noch eine kleine Anleitung zum Klugsein?

Karl Gebauer: Lassen Sie mich zunächst andeuten, was ich unter Klugheit verstehe. Klugheit beschreibt die Fähigkeit, im konkreten Einzelfall angemessen zu handeln. Dabei sollten möglichst alle für die Situation relevanten Faktoren berücksichtigt werden.

Damit diese komplexen Prozesse gelingen können, müssen Kinder und Jugendliche ihre Gedanken, Ideen und Absichten anderen transparent machen können. Sie müssen sich also eine Kommunikationskompetenz aneignen. Und schließlich gehören emotionale und soziale Fähigkeiten wie Toleranz, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft dazu.

Zur Klugheit gehört es auch, sich in die Gedankenwelt anderer hineinversetzen zu können (Empathie). Gesundheitsbewusstsein ist in diesem Zusammenhang ebenfalls wichtig. Klugheit meint den verantwortungsbewussten Umgang mit sich selbst, den anderen Menschen und mit der Natur.

Ein kluger Mensch hat die Fähigkeit zu einem selbstständigen und solidarischen Handeln entwickelt. Er ist in der Lage, Anteil am kulturellen und politischen Leben zu nehmen. „Klugheit“ ist in diesem Sinne als umfassende psychosoziale und kognitive Kompetenz anzusehen.

Und nun werden Sie vielleicht staunen. All diese Fähigkeiten sind schon bei fünfjährigen Kindern zu beobachten. Im Rahmen einer Untersuchung habe ich Erzieherinnen gebeten, die Kinder einmal zu fragen, wie sie über das Klugsein und das Klugwerden denken.

Die Einleitungsfrage lautet: „Manchmal sagen die Leute, ein Kind sei klug, was meinen die wohl damit?“ Die spontanen Antworten von Kindergartenkindern klingen so:

  • „Klug ist ein Kind, das den Tisch abputzt, aufräumt, fleißig, lieb und tapfer ist.“
  • „Klug ist man auch, wenn man anderen hilft.“
  • „Ein Kind, das ganz viel weiß und gute Sachen macht, ist klug.“
  • „Wenn man sich immer wäscht und auch seine Brille aufsetzt, ist man klug.“
  • „Wenn man spielt und Sachen baut, ist man auch klug.“
  • „Wenn man das Gehirn einschaltet, ist man klug.“

Natürlich sind wir an dieser Stelle genauso neugierig, wie es die Erzieherin in der Gesprächssituation war, denn, wie man das Gehirn einschaltet, möchten sicherlich die meisten von uns wissen. Und so fragte die Erzieherin spontan, wo man das Gehirn denn einschalten könne.

Ein Fingerzeig des Kindes an die Schläfe und der Hinweis: „Da muss man drücken“, zeigt uns allen, wie das geht. In der Zusammenschau wird deutlich, dass Kinder im Alter von fünf Jahren eine pragmatische Vorstellung vom Klugsein haben. Da geht es um praktische Tätigkeiten wie Aufräumen und Putzen.

Es gibt bereits eine Vorstellung davon, dass Klugsein etwas mit Wissen zu tun hat. Ganz deutlich wird in den Ausführungen, dass Spielen und Bauen wichtige Aktivitäten sind, die zum Klugsein gehören. In den Begriffen „lieb“ und „tapfer“ werden emotional-soziale Aspekte von Klugheit sichtbar.

Mit dem Hinweis, dass man auch anderen helfen müsse, kommt soziales Verhalten in den Blick. Als ein äußeres Zeichen von Klugheit wird die Brille angesehen. Das lässt einerseits schmunzeln, ist vielleicht aber auch ein Hinweis darauf, dass man eine Behinderung oder Beeinträchtigung durch äußere Hilfsmittel ausgleichen kann und das auch tun sollte.

Die Gesamtheit aller Aussagen macht deutlich, dass bereits bei fünfjährigen Kindergartenkindern eine umfassende Vorstellung vom Klugsein vorhanden ist und dass zum Klugwerden konkrete Aktivitäten wie Spielen und Bauen wichtig sind.

Wenn wir bedenken, dass sich der Prozess des Klugwerdens in den vielfältigen Beziehungen des Alltags durch unzählige Interaktionen der Kinder untereinander und mit ihren Eltern und Erzieherinnen ereignet, dann kommt es vor allem darauf an, diesen unterschiedlichen Vorstellungen vom Klugwerden eine Chance zu ihrer Entfaltung zu geben.

Jede der Äußerungen verweist auf die zentrale Quelle des Klugwerdens, nämlich auf das eigenständige Tun. Dieses muss eingebettet sein in eine Atmosphäre gegenseitiger Wertschätzung.

Peter Schipek: Herr Dr. Gebauer – herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

Autor: Peter Schipek

07.01.2019 © seit 10.2009 Peter Schipek  
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