Seite 4: Grundlagen für erfolgreiches Lernverhalten - Kurs "Lernen lernen" Teil 1

Was heißt Lernen lernen?

Informationen in Bedeutung verwandeln

Wenn wir lernen wollen, dann wollen wir zu einem bestimmten Thema etwas lernen. Zu jedem Thema gibt es eine Menge an Daten und Fakten. Beim Erlernen einer Fremdsprache haben wir beispielsweise eine Fülle von Vokabeln, die wir auswendig lernen müssen. Mit dem Erlernen der reinen Informationen ist es aber meist nicht getan.

lesetechnikenOft ist es überhaupt nicht sinnvoll alle Daten auswendig zu lernen, z. B. wenn wir eine Menge an Zahlen und Fakten haben, die sich in kurzer Zeit ändern. Wichtig ist die Bedeutung von Informationen richtig einzuschätzen, d.h. komplexe Zusammenhänge zu erkennen und sie zu verstehen. Erst wenn dies gelingt, verwandeln wir die Informationen in bedeutungsvolles Wissen. Bedeutung können wir für weitere Lernprozesse nutzen. Alles, was wir richtig verstanden und verarbeitet haben, dient als Grundlage, anhand derer wir neue Informationen beurteilen, einordnen und verknüpfen können.

Was können Sie tun, um Ihren Lernerfolg zu steigern?

Der Erfolg Ihres Lernvorhabens hängt von zahlreichen Faktoren ab. Einige davon können Sie beeinflussen. Die wichtigsten Faktoren zum erfolgreichen Lernen sind:

  1. Gesund und locker lernen
    In anstrengenden und stressigen Lebensphasen - wie es Lernphasen sind - neigen wir dazu unsere Gesundheit und Lockerheit zu vernachlässigen. Gerade in diesen Phasen ist es wichtig, daß Sie leistungsfähig sind und dazu brauchen Sie einen gesunden und lockeren Körper.
     
  2. Klare Ziele setzen
    Je klarer Ihr Ziel ist, desto einfacher wird der Lernprozeß. Eine konkrete Zielsetzung beflügelt, treibt an und kann über schwierige Phasen hinweghelfen.


  3. Hohes Engagement
    Motivation ist der Motor des Lernerfolges. Was uns interessiert erreichen wir, auch wenn es schwierig wird. Verlieren Sie die Lust am Lernen, gilt es sich damit auseinanderzusetzen und Möglichkeiten der Selbstmotivation zu entdecken. Sie sollten lernen, sich in allen Lebens- und Gefühlslagen zu motivieren, um voll bei der Sache zu sein! Schwierige Situationen - wie Prüfungen nach Lernphasen - sind oft mit Ängsten und Befürchtungen verbunden, die zu Erfolgsblockaden werden können. Lernen Sie mit Ängsten und Befürchtungen konstruktiv umzugehen.


  4. Voll bei der Sache sein!
    Wir nehmen Lernstoff nur auf, solange wir uns konzentrieren. Läßt unsere Konzentration nach, schalten wir ab, hören nicht mehr zu, wissen nicht mehr, was wir gelesen haben. Achten Sie darauf, daß Sie konzentriert sind und trainieren Sie zusätzlich Ihre Konzentrationsfähigkeit. Dann können Sie schneller lernen.
     
  5. Lernmethoden kennen und anwenden
    Das Wissen um Lerntechniken, Lernplanung und das richtige Vorgehen erleichtert die Aneignung und Wiedergabe von Lernstoff wesentlich. Aufgrund der Fülle an angebotenen Informationen und deren "Vergänglichkeit" müssen wir rasch neue Informationen finden und diese in neue Erkenntnisse umwandeln können. Dazu benötigen wir Denk- und Lernmethoden. Je mehr Sie lernen wollen, umso mehr wird das "Lernen lernen" zu einer Schlüsselfertigkeit. Hierzu gehören Kenntnisse über Möglichkeiten der Informationsgewinnung (Suchmaschinen des Internets), effektive Lesemethoden, Gedächtnistraining. Sie können durch das Anwenden von Lerntechniken schneller und leichter lernen.
     
  6. Effektiv Lesen
    Die Fähigkeit effektiv zu lesen, steht im Zentrum der Lerntechniken. Wenn Sie Lesetechniken anwenden, erleichtern Sie sich die Aufnahme und Verarbeitung von Fachwissen.
     
  7. Gedächtnistechniken anwenden
    Das Gedächtnis ist trainierbar. Kennen Sie die Funktionsweise des Gedächtnisses und beherrschen Techniken und Methoden, wie Sie es verbessern können, können Sie sich einfache und komplexe Zusammenhänge besser einprägen.
     
  8. Gekonnt mit anderen Menschen umgehen
    Mit sich selbst klar kommen reicht nicht. Vokabeln können wir alleine lernen. Neue und relevante Informationen finden wir nicht nur im Internet, sondern auch bei Kollegen, Freunden und Bekannten. Mit diesen Menschen sollten wir umgehen können. Wer ein gutes Verhältnis zu anderen Menschen hat, wird leichter wichtige Informationen erhalten und Unterstützung durch andere bekommen.

Wann hilft was?

Nicht für alle Lernsituationen gilt das Gleiche, vielmehr hilft uns je nach Lernsituation unterschiedliches weiter:

  • LernkontrolleSie verstehen den Lernstoff problemlos, aber wissen nicht warum und wozu Sie das Ganze lernen. Ihre Motivation läßt nach und Ihr Lernerfolg wird geringer. Dann sollten Sie an Ihrer Zielsetzung und Motivation arbeiten.
     
  • In einer anderen Lernsituation haben Sie ein klares Ziel vor Augen und sind begeistert. Aber - Sie verstehen das Vermittelte nicht. Dann müssen Sie sich intensiv mit dem Fachstoff auseinandersetzen und Lernstrategien entwickeln.
     
  • Eine Gruppe setzt sich ein Lernziel und wird von einem Lehrer angeleitet. Allen werden die Zusammenhänge erklärt und jeder erfährt, was getan werden muß. Alle machen ihre Übungen, nur eine Teilnehmerin - Frau Wilhelm - erreicht das Lernziel. Den Grund dafür konnte der Lehrer leicht sehen! Bei den Besprechungen bekam Frau Wilhelm, wenn sie von ihren Übungen erzählte, leuchtende Augen. Sie schilderte begeistert, wie sie ihre Übungen plante, durchführte und die Ergebnisse analysierte und vor allem: wie sie experimentierte. Frau Wilhelm war begeistert , das Lernziel war ihr wichtig - sie war: voll bei der Sache!

Je mehr Methoden Sie kennen - je mehr Sie über Selbstmanagement wissen - desto zielgerichteter können Sie Ihren Lernerfolg steigern. Je systematischer Sie die Faktoren für erfolgreiches Lernen beachten, desto besser wird Ihnen das Lernen gelingen.

Die vier Lerntypen

Aus Erfahrung wissen wir, daß es verschiedene Arten des Lernens gibt. Manche Menschen können sich einen Lernstoff gut merken, wenn sie ihn lesen, andere, wenn sie einem Vortragenden zuhören und andere lernen am besten, wenn sie schreiben oder sich mit Mitlernenden über die Inhalte austauschen.

Wenn Kinder in der Schule schneller bzw. langsamer lernen, hat dies oft nicht mit der Intelligenz der Kinder zu tun, sondern mit den unterschiedlichen Lerntypen.

Zum Lernen gebrauchen wir unsere Sinnesorgane. Neben Augen und Ohren gehören dazu der Geruchs-, Geschmacks- und Muskelsinn. Der Lernstoff gelangt über die beteiligten Sinnesorgane in unser Gedächtnis. Da die einzelnen Sinnesorgane bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sind, bedeutet dies, daß es unterschiedliche Lerntypen gibt.

In Anlehnung an die Sinnesorgane, die beim Lernen beteiligt sind, spricht man von auditiven, visuellen, kommunikativen und motorischen Lerntypen.

Bei der Lerntypbestimmung geht es um Tendenzen. Zum effektiven Lernen ist eine große Beteiligung und Nutzung aller Sinne am besten. Sie sollten jedoch darauf achten, wenn Sie z.B. auditiv schwach sind, Informationen nicht nur über die Ohren aufzunehmen. Sie werden von den Informationen dann weniger behalten. Ergänzen Sie Ihre Informationsaufnahme durch Lernmethoden, die Ihnen liegen.

Prägen Sie sich den Lernstoff über viele Sinneskanäle ein und berücksichtigen dies auch bei der Verarbeitung des Lernstoffes. Je mehr Wahrnehmungsbereiche beteiligt sind, desto mehr gedankliche Verknüpfungen können zum Lernstoff hergestellt werden. Damit können Sie Ihre Aufmerksamkeit und Lernmotivation steigern und einen größeren Lernerfolg erzielen.

Lerntypen sind in der Regel Mischtypen. Es gibt Menschen die unter Zeitdruck gut lernen und Menschen, die aus eigenem Antrieb besser lernen. Manche mögen eine leichte Geräuschkulisse und andere brauchen absolute Bibliotheksstille. Ebenso gibt es viele Misch-Lerntypen, die am besten in einer Kombination verschiedener Situationen und Umgebungsvariablen lernen. Wahrscheinlich gibt es genauso viele Lerntypen, wie Lernende existieren.

Ein wichtiger Teil der Selbsterkenntnis ist zu wissen, wie Sie am leichtesten lernen bzw. zu welcher Art Lerntyp Sie gehören. Am zuverlässigsten finden Sie Ihre individuelle Lernmethode heraus, in dem Sie sich selbst beobachten, auf welche Art und Weise Sie die größten Lernerfolge erzielen.

Nehmen Sie einen Lerninhalt, den Sie schwer verstehen und malen dazu ein Bild (visuell), lesen Sie den Lernstoff vor (auditiv), reden Sie mit jemandem darüber und erklären Sie ihm den Lernstoff (kommunikativ). Machen Sie ein Experiment dazu, verwenden Sie Gesten, gehen Sie im Zimmer auf und ab (motorisch). Bei welcher Lernmethode haben Sie den Stoff am schnellsten/leichtesten verstanden? Ergänzen Sie alle weiteren Lerninhalte durch die entsprechenden Lernmethoden.

Die vier Lerntypen haben wir in diesem Artikel beschrieben: Vier Lerntypen und wie sie am effektivsten lernen (Link öffnet in einem neuen Fenster)

Versuchen Sie, unabhängig davon, welche Lernmethoden Sie bevorzugen, möglichst viele Sinne in Ihren Lernprozeß mit einzubeziehen. Je unterschiedlicher Sie sich den Lernstoff aneignen, desto vielfältiger sind die Möglichkeiten des Erinnerns und Behaltens. Die Erinnerungsquote steigt deutlich an, je mehr Sinne am Lernprozeß beteiligt sind:

  • Hören 20%
  • Sehen 30%
  • Sehen und Hören 50%
  • Sehen, Hören und Diskutieren 70%
  • Sehen, Hören, Diskutieren und selber Tun 90%

Lerntypentest: Welcher Lerntyp bin ich?

Aus Erfahrung wissen wir, daß es verschiedene Arten des Lernens gibt. Manche können sich einen Lernstoff gut merken, wenn sie ihn lesen, andere, wenn sie einem Vortragenden zuhören und wieder andere lernen am besten, wenn sie schreiben oder sich mit Mitlernenden über die Inhalte austauschen.
Wenn Kinder in der Schule schneller bzw. langsamer lernen, hat dies oft nicht mit der Intelligenz der Kinder zu tun, sondern mit unterschiedlichen Lerntypen.

Zum Lernen gebrauchen wir unsere Sinnesorgane. Neben Augen und Ohren gehören der Geruchs-, Geschmacks- und Muskelsinn dazu. Der Lernstoff gelangt über die beteiligten Sinnesorgane in unser Gedächtnis. Da die einzelnen Sinnesorgane bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sind, bedeutet dies, daß es unterschiedliche Lerntypen gibt.

In Anlehnung an die Sinnesorgane, die beim Lernen beteiligt sind, spricht man deshalb von auditiven, visuellen, kommunikativen und motorischen Lerntypen. Finden Sie heraus, welcher Grundlerntyp Sie sind. Dann können Sie Informationen in einer Weise aufnehmen und im Gedächtnis verankern, die für Sie am besten ist.

Wir haben auf Philognosie einen Lerntypentest erstellt, mit dem Sie Ihr Lernverhalten analysieren können. Ein automatischer Test dieser Art kann niemals die "absolute Wahrheit" präsentieren, aber wertvolle Hinweise geben, was für das eigene, zukünftige Lernverhalten sinnvoll sein kann.

Sie finden den Test unter folgendem Link: Lerntypentest auf Philognosie: Welcher Lerntyp bin ich?

Viel Spaß beim Testen!

17.04.2017 © seit 03.2006 Petra Sütterlin  
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