Seite 8: Ausarbeitung: Kritische Betrachtung der Funktionen der Schule

Lebenslanges Lernen

Viel ist heute die Rede von der Informations- oder Wissensgesellschaft, was in der Essenz bedeutet, dass immer weniger manuelle, mechanische Arbeit gefragt ist, sondern zunehmend kognitive.

Dabei auch abnehmend die Sammlung, Sortierung und Speicherung von Wissen, stattdessen zunehmend die Fähigkeit, Informationen aufzufinden und zu interpretieren, Zusammenhänge herzustellen, Hypothesen aufzustellen und Schlüsse zu ziehen. Kurz: zu lernen.

Lernen BildungskritikDie Bedeutung von Wissen und Nicht-Wissen hat sich verändert. In der Pädagogik und im Management-Coaching ist daher üblich, von der Haltung des Lernenden zu sprechen, die die Haltung des Wissenden ablösen muss. Und statt von 'Informations- oder Wissensgesellschaft' noch aktueller von 'Lernender Gesellschaft'.

Deshalb ist es heute auch Allgemeingut (70), dass das Lernen nicht auf die Pflichtschulzeit beschränkt ist und sein darf, sondern lebenslang stattfindet und stattfinden muss.

Das Kinder- und Menschenbild verändert sich: Früher betrachtete man Kinder als Werdende, die Erwachsenen als Seiende, heute müsste man m.E. den Menschen, egal ob jung oder alt, grundsätzlich als Werdenden verstehen: Wie Fräulein Smilla es ausdrückt: "Nur was man nicht versteht, kann man abschließen." (71)

Wenn Lernen jedoch lebenslang stattfinden soll, dann ist, wie Manuela du Bois-Reymond feststellt, "intrinsisch motiviertes Lernen (...) kein Luxus mehr, sondern notwendig". Denn lebenslang wird nur gelernt, wenn es freiwillig und positiv besetzt ist. Deshalb charakterisiert du Bois-Reymond Lernen auch "als eine offene, eine verhandlungsfähige Form intergenerativen Zusammenlebens". (72)

Die Übereinstimmung zu ihrer Beschreibung von "informellem Lernen" ist deutlich: das hierarchische Verhältnis ist nicht vordefiniert, jeder kann von jedem jederzeit an jedem Ort lernen. (73) Sie vermutet daher, dass informelles Lernen dem formalen "sogar den Rang ablaufen" könnte. (74)

Quellenachweise:

(70) Z.B. verfasste die Europäische Kommission im Jahr 2000 ein "Memorandum on Lifelong Learning", das jedoch bislang "nur in allerersten Ansätzen verwirklicht" ist.

Bois-Reymond, Manuela du (2005): Neue Lernformen - neues Generationenverhältnis? In: Hengst, H. & Zeiher, H. (Hrsg.), Kindheit soziologisch. Wiesbaden: VS Verlag. S. 234

(71) Hoeg, Peter (2003): Fräulein Smillas Gespür für Schnee. München: der Hörverlag. Audio CD

(72) Bois-Reymond, M. du, a.a.O. S. 234

(73) Ebd. S. 229

(74) Ebd. S. 241

05.04.2017 © seit 02.2011 Priska Buchner
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