Seite 7: Ausarbeitung: Kritische Betrachtung der Funktionen der Schule

Die Welt ist im Wandel - die Schule sitzen geblieben

Im bisherigen Text ist deutlich geworden: Hier schreibt ein Schulkritiker. Nun, spätestens nach dem sogenannten Pisa-Schock ist fast jeder zu einem Schulkritiker geworden. Viele versuchen allerdings über 'Mehr-Desgleichen' und Nachbesserungen die Schule zu verbessern (bessere, zufriedenere Lehrer, früheres/längeres gemeinsames Lernen, überarbeitete Stundenpläne, Zeitfenster für 'Freiarbeit', weniger Stundenausfall etcpp.).

Die etwas besseren Ergebnisse der Pisa-Studie in Bayern und in den Gymnasien müssen dafür herhalten, dass man wieder konsequenter zum konservativen Bildungskanon und der Dreigliedrigkeit des Schulsystems zurück sollte.

Lehrer BildungskritikMeines Erachtens haben diese Bildungsreformer die Radikalität des Wandels - nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern in der Welt - nicht begriffen. Und wenn sich die (Welt-) Gesellschaft ändert (und ändern soll), müssen sich auch die Funktionen von Schule verändern.

Das Besondere an diesem Wandel ist, dass es nicht nur wünschenswert ist, Schule, Erziehung, das Verhältnis von Arbeit, Muße, Entwicklung und Sozialem für die Mehrheit der Menschen grundlegend zu ändern, sondern vielleicht zum ersten Mal auch möglich.

One of the things I believe in the pit of my stomach is that we have been educating people for many years to be a certain type of person. We've been educating for a society that may have past. We need more and more creative people in society. We need more and more people who will make things connect, who will go in strange directions. We don't only need good workers. Those days are over. (67)

Welche Veränderungen meint die Rede vom Wandel der Gesellschaft?

Dass 'wir' eine Demokratie (68) haben, ist nicht wirklich neu, und dass daher demokratische Schulformen am besten geeignet sein müssten, Demokratie zu lernen, eine Erkenntnis, die wir seit eben dieser Zeit haben könnten. 'Summerhill' ist die bekannteste und früheste Schule, die dies immerhin seit 1927 erfolgreich umsetzt.

Auf dem Papier, siehe Schulverordnungen, steht die 'Erziehung zu' Demokratie als klarer Auftrag da. Praktisch ignoriert diese Erziehung-Zu aber, s.o., alle Erkenntnisse, die man mittlerweile zu effektivem Lernen hat.

Ein Beispiel:

Eine bundesweite Befragung durch die Freie Universität Berlin zum Wissen über die DDR brachte es zu Tage: Die Mehrheit der Schüler kennt nicht den Unterschied zwischen einer Diktatur und einer Demokratie. (...) Natürlich wurde sofort über Gegenmaßnahmen nachgedacht. Nicht, dass wir jetzt in Zukunft die Schüler demokratisch an Schulen mitentscheiden lassen würden.

Wer lernt denn schon durch praktische Erfahrung? Wir führen stattdessen einen Gedenktag ein (...) den „Tag der parlamentarischen Demokratie“ (...): „Der Tag soll jährlich Anlass geben, in Schulen und in der Öffentlichkeit für den demokratischen Verfassungsstaat zu werben.“ (69)

Ein Schelm, wer dabei denkt, dass wir vielleicht doch keine Demokratie haben oder haben sollen? Zumindest wenn man unter diesem Begriff Ideale versteht wie Selbst- und Mitbestimmung, Eigen- und Mitverantwortung, Freiheit, die nur an der Freiheit des anderen endet, Gerechtigkeit und freie Karriere- und Entfaltungsmöglichkeiten durch Eigenleistung.

Welche Veränderungen sind also wirklich neu?

Verbreitete Bezeichnungen der heutigen Gesellschaft sind Postmoderne, post-industrielles Zeitalter, Informations-, Wissens-, Leistungs-, Konsum-, Wohlstands-, Dienstleitungs-, Risikogesellschaft.

Was bedeuten diese Schlagwörter, was sind die Wirkungen? Eine hinreichende Antwort auf diese Frage überschreitet diesen Rahmen, daher greife ich einige, für unser Thema zentrale Kennzeichen heraus, die ich im Folgenden beschreiben werde.

Quellennachweise:

(67) Rattle, Simon: SIR SIMON RATTLE über MUSIKERZIEHUNG. URL: http://www.rhythmisit.com/de/php/index_noflash.php?HM=2&SM=2&CM=11

(68) Unter Demokratie kann man allerdings recht verschiedene Formen verstehen. So gilt manchen Athen als die früheste Demokratie, wenn auch Frauen, Sklaven u.a. dort keine Bürgerrechte hatten.

(69) Reichelt, Sabine (2008): Editorial. In: unerzogen. 1/08: 3

05.04.2017 © seit 02.2011 Priska Buchner
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