Seite 2: Kurs: Windows XP - Tuning

3. Anzeige optimieren

So schön bunt Windows XP gegenüber den Vorgängerversionen auch ist - die vielen animierten Graphiken kosten Rechenpower.

Verdeutlichen wir uns das über eine Analogie:

Stellen Sie sich ein Fertighaus vor. Bei der Auslieferung hat der Verkäufer jeden nur erdenklichen Schnickschnack eingebaut und angeschaltet. Nach der Installation verschwindet er kommentarlos und läßt Sie mit allen laufenden Geräten im Regen stehen. Das Licht brennt überall - in jedem Zimmer quitscht und rattert es - dolle Sache so eine Vollautomatisierung.

Dummerweise kostet der ganze Spaß nur eine Menge Energie und keiner weiß, wie das Ganze funktioniert - also: 'Jugend forscht' ist angesagt! Die Stelle für "benutzerfreundliche Bedienung" scheint Microsoft wegrationalisiert zu haben, denn manchen Lichtschalter findet man erst nach langem Suchen unter dem Sofa. Gott sei dank haben uns einige verärgerte User einen Schaltplan hinterlassen, damit wir uns Zeit und Nerven sparen können.

Sehen wir uns in diesem Kapitel die Funktionen der "Anzeige" näher an. Hier können Sie die einzelnen Lektionen durchgehen und überprüfen, ob Sie die von WIN XP gelieferte "Christbaumbeleuchtung" tatsächlich benötigen.

Sie finden diese Einstellungsoption unter:

Start -> Systemsteuerung (anklicken)

Im neuen Fenster das Programm "Anzeige" anklicken

Danach öffnet sich das Fenster "Eigenschaften von Anzeige":

In den folgenden Lektionen werden wir die Anzeigeoptionen Reiter für Reiter durchgehen und erklären. Dann können Sie selbst entscheiden, ob Sie den ganzen Graphik Schnickschnack wirklich benötigen oder mehr Geschwindigkeit dafür eintauschen.

3.1. Hintergrundbilder entfernen

Klicken sie im Fenster "Eigenschaften von Anzeige" auf den Reiter "Desktop". Hier können Sie entweder verschiedene Desktopfunktionen an- und abschalten ("Desktop anpassen") oder verschiedene Hintergrundbilder aus der Liste auswählen.

Das Fenster für die Desktopfunktion sieht in etwa so aus:

Da es bei diesem Kurs um Tuningmöglichkeiten geht, ist für uns vor allem die Funktion der Hintergrundbilder interessant.

Warum?

Jede Form der graphischen Darstellung benötigt Rechenzeit - je aufwendiger eine Graphik ist, desto mehr müssen Prozessor und Graphikarte schuften, um das Bild zu erzeugen. Beim Starten wird das aktuelle Hintergrundbild zunächst in den Arbeitsspeicher geladen. Da sich die Bildschirmanzeige während der Benutzung andauernd ändert, läßt Windows während der gesamten Session dieses Bild im Festplatten-Cache liegen.

Wenn Sie in der glücklichen Lage sind, einen schnellen Prozessor und eine entsprechend fixe Graphikkarte zu haben, wird sich das Benutzen von Hintergrundbildern nicht großartig auf die Geschwindigkeit Ihres Rechners auswirken. Anders jedoch bei älteren Modellen (dazu zähle ich ich jeden Rechner unter einem GHz und weniger als 128 MB RAM ) - diese fangen unter XP oft schon an, auf dem letzten Loch zu pfeifen.

Um eine ungefähre Vorstellung zu geben, wieviel in den Speicher ausgelagert wird - hier zwei Beispiele:

  • Bei einer Auflösung von 600x800 Pixel - True Color und einer Farbtiefe von 24 Bit ergibt das immerhin satte 1,4 MByte Speicher.
  • Bei einer Auflösung von 1024x768 Pixel (Standard bei 17 Zollern) - True Color und einer Farbtiefe von 24 Bit ergibt das bereits 2,4 MByte Speicher.

Wie stelle ich den Hintergrund ab?

"Nicht allzuviel Speicherplatz" - mögen einige sagen, aber bei älteren Rechnern kann sich dies bereits in der Schnelligkeit bemerkbar machen. Wenn Sie auf Ihr wunderschönes Desktopbild verzichten können und alles auf volle Leistung umstellen möchten, klicken Sie in der Anzeige in dem Scrollfeld "Hintergrund" die Option "Kein" an (steht ganz oben in der Liste) und klicken Sie anschließend auf den Button "Übernehmen". Wenn Sie eine andere Hintergundfarbe wählen möchten, können sich dies im Feld "Farbe" tun.

Ihr Desktop sieht jetzt sicherlich ein wenig spartanisch aus - aber andererseits - wer sieht sich schon die ganze Zeit sein Hintergrundbild an? Die Entscheidung liegt bei Ihnen.

3.2. Bildschirmschoner - reine Optik!

Klicken sie im Fenster "Eigenschaften von Anzeige" auf den Reiter "Bildschirmschoner". In diesem Fenster haben wir gleich zwei Funktionen, die wir tunen können, um mehr Rechenpower herauszuholen. Beginnen wir zunächst mit dem Gimmick "Bildschirmschoner".

Das Fenster für diese Desktopfunktion müßte nun in etwa so aussehen:

Wenn Sie sich fragen sollten, warum ich den Bildschirmschoner lediglich als Gimmick bezeichne, hat das folgenden Grund. Diese Funktion stammt eigentlich aus der Steinzeit der Computertechnik. Genauer gesagt, hat sie ursprünglich mit der Arbeitsweise von alten Röhrenmonitoren zu tun, bei denen die Gefahr bestand, daß sich ein länger stehendes Standbild "einbrennen" konnte. Bei moderneren Monitoren - oder gar TFTs - besteht diese Gefahr jedoch nicht mehr.

Der Bildschirmschoner ist als Schutzmechanismus heutzutage vollkommen veraltet - wenn überhaupt, dann ist er nurmehr ein optischer Gag. Wer sich diesen Gag leisten will, zahlt dafür wieder einmal mit Rechengeschwindigkeit. Auch wenn diese nicht sonderlich erheblich ist - am Ende macht es die Masse an Minifeatures, die den Rechner ausbremsen.

Wie stelle ich den Bildschirmschoner aus?

Ganz einfach - wählen Sie unter dem Wort "Bildschirmschoner" im Drop-Down-Menu die Option "Kein". Klicken sie anschließend entweder auf "Übernehmen" oder auf den "OK" Button. Keine Sorge, Sie können diese Funktion jederzeit wieder aktivieren!

Falls sich Ihr Bildschirmschoner nicht so leicht deaktivieren läßt, kann es daran liegen, daß er übers Internet installiert wurde oder von einem anderen Drittprogramm stammt. Suchen Sie dann einfach in Ihrem Windows-Ordner nach Dateien mit der Endung .scr und löschen Sie diese. Meist haben Sie dadurch die versteckten Screensaver gekillt.

3.3. Ruhezustand deaktivieren

Um den Ruhezustand zu deaktivieren, können sie gleich in dem Fenster "Bildschirmschoner" bleiben. Hier finden Sie, gleich unterhalb der Bildschirmschonereinstellungen, ein recht unscheinbares Menu, welches sich "Energieverbrauch überwachen" nennt. Klicken Sie hier den Button "Energieverwaltung" an - mal sehen, was sich darunter verbirgt.

Es öffnet sich das Fenster "Eigenschaften von Energieoptionen" - klicken Sie hier auf den Reiter "Erweitert" und nehmen Sie folgende Einstellungen vor:

Das Feld "Optionen" und "Netzschaltervorgänge"

Hier deaktiviere ich sowohl die Checkbox für "Symbol in der Taskleiste anzeigen" als auch die zweite Funktion "Kennwort beim Reaktivieren aus dem Standbymodus anfordern". Die erste Option (aktiviert) bewirkt, daß sich das Energieverwaltungsprogramm in den Autostartordner schreibt und unnützerweise bei jedem Systemstart aktiviert wird bzw., als Hintergrundprogramm läuft.

Schlaue User stellen einfach einmalig einen Standardwert ein (unter Energieschemas - hier können Sie einstellen, nach welcher Zeit der Monitor bzw. die Festplatte abgeschaltet werden soll) und belassen diese Einstellung dann so wie ist. Falls Sie nach Monaten oder Jahren auf die Idee kommen sollten, etwas ändern wollen, können Sie dies simpel durch ein paar Klicks tun. Als dauerhaftes Standardhintergrundprogramm ist die Energieoption aber meiner Meinung nach unnütz - da sie nur wertvolle Rechenpower abzieht.

Das Kennwort deaktiviere ich hier schon mal im Vorfeld, da ich im weiteren vorhabe, die "Ruhezustandsoption" zu deaktivieren. Den Grund für diese Idee werde ich gleich erläutern. Folgerichtig stelle ich dann unter dem Feld "Netzschaltervorgänge" beide Drop-Down-Menus auf die Option "Computer herunterfahren". Bevor Sie mit weiteren Einstellungen fortfahren, klicken Sie auf den Button "Übernehmen", damit die Einstellungen erhalten bleiben. Sobald Sie Ihre Einstellungen gesichert haben, klicken Sie den Reiter "Ruhezustand" an.

Wie Sie hier erkennen können, habe ich die Checkbox für "Ruhezustand aktivieren" deaktiviert. Warum?

Ganz einfach - wenn das Feld "Ruhezustand aktivieren" markiert ist, schreibt Windows alle Daten, die sich im Arbeitsspeicher befinden, auf die Festplatte, um sie für ein schnelleres Hochfahren aus dem Ruhezustand wieder zur Verfügung zu haben. Je nachdem wieviel Arbeitspeicher (RAM) sich in Ihrem Computer befindet, legt Windows auf C: einen Mirror Ihres Arbeitspeichers an.

In meinem Fall würde Windows mein Laufwerk C: mit 256 MB Speicherdaten belasten! Da ich auf meinem Laufwerk C: nur 2,5 GB insgesamt zur Verfügung habe, machen 256 MB mehr oder weniger Speicherplatz eine Menge aus. Haben Sie z.B. 512 MB RAM, würden Ihnen auf der Systempartition schon ein halbes GB Speicherplatz verloren gehen, ohne daß Sie einen spürbaren Nutzen daraus ziehen können.

Meiner Meinung nach ist der Ruhezustand ein Feature, daß man sich genausogut schenken kann - ich selbst brauche ihn nie.

  • Entweder arbeite ich am Computer - dann ist er aktiv oder ...
  • ich gehe in die Pause - dann schaltet die Energiesparfunktion Monitor und Festplatte aus - oder ...
  • ich gehe nach Hause, dann fahre ich das System herunter.

Selbst wenn ich den Computer neu starten muß, beträgt der Unterschied zwischen der Reaktivierung über den Ruhezustand und dem Neustart nur wenige Sekunden. Zuwenig Gewinn für mich, als daß ich im Gegenzug dafür 256 MB Speicherplatz verschenken würde.

Wenn Sie allerdings zu den Glücklichen gehören, die auf Ihrer Systempartition 10 GB oder mehr zur Verfügung haben, wird es wohl für Sie keinen großen Unterschied machen. Rechenzeit kostet es Sie jedoch trotzdem, da die Daten aus dem Arbeitspeicher immer wieder auf die Festplatte geschaufelt werden müssen.

Falls Sie auf den Ruhezustand nicht verzichten wollen, können Sie folgende Variaten wählen:

  • Ruhezustand deaktivieren
  • Beim Drücken des Schalters für den Ruhezustand - In den Standbymodus wechseln.
  • Kennwort beim Reaktivieren aus dem Standbymodus anfordern

Somit kann niemand unerlaubt wieder an meinen Computer (Kennwort wird abgefragt) und ich bekomme meinen alten Fensterzustand wieder. Das Elegante an dieser Variante ist, daß sie weiterhin Festplattenplatz sparen können, da sie auch mit deaktivierten Ruhezustand funktioniert.

3.4. Effekte abspecken

Zugegeben - Microsofts Designer haben sich bei der Gestaltung von Windows XP Mühe gegeben. Menus gleiten sanft animiert aus der Taskleiste und sind mit Schatten unterlegt. Fensterinhalte werden beim Ziehen (oder auch verkleinern/ vergrößern) mit angezeigt und vieles mehr - alles schöne Gimmicks, die das Flair von XP ausmachen.

Unter der Haube des Betriebssystems müssen diese ganzen Animationen natürlich berechnet werden. Animationen kennzeichnen sich dadurch, daß sie aus vielen Bildsequenzen (ähnlich wie beim Film) den Eindruck einer Bewegung erzeugen. Bei einer statischen Darstellung wird lediglich ein einziges Bild erzeugt, was wesentlich weniger aufwendig ist - das dumme ist nur - es sieht nicht so chiq aus. Wenn Sie auf die Animationen verzichten können, zeige ich Ihnen nun eine Möglichkeit, diese windowstypische Festbeleuchtung etwas abzuspecken.

Klicken Sie hierzu den nächten Reiter im Fenster "Eigenschaften von Anzeige" an, der sich "Darstellung" nennt.

Sie sehen hier den Mauszeiger bereits über den Button "Effekte" schweben, den Sie als nächstes anklicken.

Im Fenster "Effekte" können Sie nun alle Checkboxen (bis auf die unterste) deaktivieren. Damit haben Sie schon einen Großteil der "Festbeleuchtung" von XP abgeschaltet. Die letzte Checkbox lasse ich aktiviert, da es passieren kann, daß die Maus einmal den Geist aufgibt. Dann haben Sie nurmehr die Tastatur als Navigationsmöglichkeit und sehen dann (durch eine Markierung gekennzeichnet), wo Sie mit den Pfeil- bzw. der Tab-Taste gerade sind. Eine sinnvolle Sicherheitsoption für alle Fälle!

Falls Ihnen nicht klar ist, wie sich diese Optionen auf die Darstellung auswirken, können Sie sie auch nacheinander deaktivieren. Sehen Sie sich nach jeder Änderung Ihren Desktop an - falls Sie keine erkennbaren Veränderungen feststellen (oder die Veränderungen für Sie unerheblich sind) können Sie diese Einstellung so beibehalten. Manche TFT - User lassen die Option "zum Kantenglätten der Bildschirmschriftarten" aktiviert, da diese ein weicheres Schriftbild erzeugt.

3.5. Bildschirmauflösung wählen

Die Bildschirmauflösung bestimmt, wieviele Bildpunkte (Pixel) auf dem Monitor dargestellt werden. Die heute gängigen bzw. (noch) im Windows-Menu wählbare Auflösungen sind:

Bildschirmauflösung Pixel (Bildpunkte)
640 x 480 (veraltet - früher für 15 Zolller) 307 200
800 x 600 (gängig für 15 Zoller) 480 000
1024 x 768 (gängig für 17 Zoller) 786 432

Wie Sie hier leicht sehen können, nimmt mit steigender Auflösung des Bildschirmbildes die Anzahl der darzustellenden Bildpunkte rapide zu. Jeder einzelne Bildpunkt muß vom Prozessor bzw. der Graphikkarte errechnet werden, d.h., je mehr Bildpunkte darzustellen sind, desto mehr Rechenleistung ist für den Aufbau eines einzelnen Bildes notwendig.

Neben der Auflösung spielt die sogenannte Farbqualität für den Aufwand der Bilddarstellung eine Rolle. Die Farbqualität gibt an, wieviel verschiedene Farben auf dem Monitor dargestellt werden sollen. Im Windows-Menu wird die Farbqualität in "Bit" angegeben - was dahintersteckt, werde ich in folgender Tabelle kurz erläutern.

Farbqualität dargestellte Farben
16 Bit (Niedrige) 65 536
24 Bit (Mittlere) 16.7 Millionen
32 Bit (Hohe) mehr als 16,7 Millionen

Diese beiden Werte (Auflösung und Farbqualität) bestimmen also, wie hart Ihre Graphikarte zu ackern hat, um ein Bild aufzubauen. Sie können diese Werte im Fenster "Eigenschaften von Anzeige" unter dem Reiter "Einstellungen" verändern.

Bildschirmauflösung

Hier können Sie mit dem Zieh-Regler einen Wert einstellen, der für Ihre Arbeitsweise angemessen ist. Je niedriger Sie die Auflösung wählen, desto größer erscheint die Darstellung auf dem Bildschirm - bzw. umgekehrt - je höher die Auflösung, desto kleiner (komprimierter) wird die Bildschirmdarstellung. Falls Sie einen TFT - Monitor besitzen, so kann es sein, daß dieser eine empfohlene Auflösung vorgibt. Diese würde ich nicht verändern, da es ansonsten vorkommen kann, daß die Bildschärfe enorm darunter leidet. Wenn Sie noch einen Röhrenmonitor besitzen, können Sie ohne Probleme die Auflösung frei wählen - hier ist lediglich ihr Geschmack entscheidend.

Farbqualität

Testen Sie hier einfach aus, mit welcher Farbtiefe Sie leben können. Falls Sie eine niedrigere Qualität noch zufriedenstellt, ersparen Sie Ihrer Graphikkarte damit eine Menge Arbeit. Ausnahme ist hierbei eine PCI-Karte, die mit 32 Bit am schnellsten läuft. Dies hat damit zu tun, daß dieses Kartenformat auf eine 32 Bit-Einstellung optimiert wurde.

21.02.2019 © seit 09.2003 Tony Kühn  
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