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Für die meisten Menschen gehört zu einem glücklichen Leben auch die sexuelle Erfüllung. Doch viele sind mit ihrer derzeitigen Situation unzufrieden, was sich sehr schnell auf ihr Liebesleben auswirken kann. In diesem Tipp erfahren Sie, was Sie tun können, um Ihr Liebesleben wieder zu beleben.
In diesem Kontext ist es wichtig, zwischen sexueller Befriedigung und sexueller Erfüllung zu unterscheiden. Das folgende Beispiel mag diesen Unterschied veranschaulichen, auch und gerade weil er aus einem anderen Bereich des Lebens kommt.
Jeder Mensch muss sich ernähren, ist also tagtäglich damit beschäftigt, seinem Körper Nahrung zuzufügen. Das kann - wenn wir uns die Extreme ansehen - auf zweierlei Arten geschehen:
Im ersten Fall geht es schlicht und alleinig um die Erfüllung körperlicher Bedürfnisse. Übertragen auf die sexuelle Befriedigung bedeutet dies - beide Partner kommen zum Orgasmus - das ist das vorrangige Ziel. Sexuelle Befriedigung kann durchaus lustvoll erlebt werden und zum Abbau von Spannungen beitragen, doch auf Sicht fehlt der Genuss. Im zweiten Beispiel geht es hingegen um den Genuss und die Freude am leckeren Essen. Auch alle Vorbereitungstätigkeiten gehören dazu (z.B. Einkauf hochwertiger Zutaten oder die Auswahl eines geeigneten Restaurants). Genießer sind Menschen, denen es vorrangig um eine intensiv sinnliche Erfahrung geht und weniger darum, ihre biologische Bedürfnisse zu erfüllen.
Wie obiges Essensbeispiel nahelegt, gehört zum Genuss auch ein Lernprozess, der – streng genommen - niemals aufhört. Je besser wir gelernt haben hinzuschmecken und uns auf etwas einzulassen, das uns neu und fremd ist, desto intensiver ist der Genuss. Menschen, die nicht wirklich hinschmecken und damit ihre Geschmacksnerven nicht schulen und sensibilisieren, können keine Genießer werden.
Ähnlich verhält es sich bei der erfüllten Sexualität. Dabei ist einiges zu berücksichtigen:
Eigene Vorlieben: Hilfreich ist es zu wissen, wie der eigene Körper, die eigene Sexualität funktioniert. Das klingt vielleicht recht technisch, doch es bleibt eine Voraussetzung für ein erfülltes Liebesleben und geht über die bloße sexuelle Aufklärung hinaus. Menschen haben unterschiedliche Vorlieben. Manche Frauen (aber auch Männer) lieben es, wenn sie an den Brustwarzen stimuliert werden. Manche legen darauf weniger Wert und bevorzugen eher andere erogene Zonen. Finden und erforschen Sie sich selbst, was Sie besonders mögen und sprechen Sie mit Ihrem Partner über Ihre Vorlieben. Selbstbefriedigung ist heute kein Tabuthema mehr und wird glücklicherweise in Beziehungen immer mehr akzeptiert.
Informationen und Interesse: In diesem Zusammenhang kann es hilfreich sein, sich Informationen zu beschaffen, wie die Sexualorgane beschaffen sind, wo sich die erogenen Zonen bei der Frau bzw. beim Mann befinden. Das gilt auch für die unterschiedlichen Sex-Stellungen. Würde man sich für das Thema Sex (theoretisch und praktisch) ein Zehntel der Zeit nehmen, die für den Beruf aufgewendet wird, sähe das Liebesleben (und vermutlich auch das gesellschaftliche) wesentlich freudvoller aus.
In der Regel beschäftigen sich Menschen in der Phase ihrer Geschlechtsreife etwas eingehender mit der Sexualität, sich selbst und dem anderen Geschlecht. Dann hören sie damit auf - nun wissen sie alles. Das ist ein großer Irrtum, denn die sexuelle Entwicklung des Menschen ist mit der körperlichen Reife und den ersten Erfahrungen lange nicht abgeschlossen.
Doch hier soll es nicht darum gehen - neue Stellungen technisch auszuprobieren, um wieder mehr Spaß am Sex zu entwickeln. Das wird in vielen Fällen nicht funktionieren, insofern ist der folgende Punkt mit zu berücksichtigen, der Umgang mit Orgasmen.
Orgasmus ist keine Pflicht: Den Orgasmus beider Partner als Ziel der Sexualität anzusehen, führt bei vielen Paaren zu einem Erwartungs- und Leistungsdruck (auch mittlerweile bei Frauen). Das Ziel von sexuellen Handlungen sollte nicht der Orgasmus sein, sondern z.B. Freude, Genuss, Nähe, Intimität, Offenheit, Vertrauen und Liebe. Dabei spielen Zärtlichkeit, Sanftheit, Ruhe, Lockerheit und sich genügend Zeit füreinander zu nehmen eine herausragende Rolle. Es kann sogar hilfreich sein den Orgasmus für eine gewisse Zeit ganz bleiben zu lassen, um lockerer und intimer miteinander umgehen zu lernen. Außerdem sollte man sich klar machen, dass Sexualität über Geschlechtsverkehr und Orgasmen weit hinausgeht. Im "schlechten Sex" wird Sex häufig auf Orgasmen reduziert (auch wenn der Weg dahin als anstrengend und kraftkostend erlebt wird).
Die folgenden zwei Methoden können dabei unterstützen und helfen Sexualität wieder als lustvoll und genussreich zu erleben.
Manche Paare nehmen sich für eine gewisse (vorher festgelegte Dauer) täglich 10 -15 Minuten Zeit, um sich zart zu streicheln. Zärtlichkeit ist die Liebestechnik Nr. 1! Jeder Millimeter des menschlichen Körpers ist für Zärtlichkeiten empfänglich. Zärtlichkeit hat viel mit Empfindsamkeit und Sinnlichkeit zu tun. Sie sensibilisiert Menschen ihren eigenen Körper wieder freudvoll zu spüren, ohne dass es zur sexuellen Erregung kommen muss, denn die Grenzen dahin sind fließend. Sie können sich ganz und gar ihren Gefühlen und Empfindungen hingeben. Wer Freude an Zärtlichkeiten entwickelt, wird auch im Alltag vermehrt darauf achten, mit sich selbst und dem Partner zärtlich umzugehen, ohne automatisch den Druck aufzubauen, dass es zum Geschlechtsverkehr kommen muss.
Eine weitere empfehlenswerte Methode ist sich jeden Tag mindestens einmal für 10 Minuten zu verbinden (zu einer festgelegten Zeit, z.B. in der Früh nach dem Aufwachen oder abends vor dem Einschlafen). D.h., der Mann dringt in die Frau ein, doch keiner provoziert einen Orgasmus. Beide spüren sich still und bleiben relativ ruhig, sich küssend und umarmend. Dabei ist es unerheblich, ob die Paare vorher Lust aufeinander haben oder nicht. Das mag am Anfang ungewohnt sein und vielleicht auch schwerfallen, doch im Laufe der Zeit werden beide wesentlich lockerer werden und vom Erfolgsdruck befreit sein. Der Mann wird entspannt in die Frau eindringen können und auch die Frau kann ihn und sich ganz locker und intensiv spüren. Dann wird sich die sexuelle Energie wieder entfalten können. Das gegenseitige Verbinden kostet keine Kraft mehr, sondern tankt beide auf.
Das gilt auch in vielen Fällen für die sexuelle Befriedigung, zumindest wenn beide Partner das Anfangsstadium der Verliebtheit hinter sich gelassen haben und eine Zeit lang zusammenleben.
Der gesamte Bereich der Sexualität ist extrem störanfällig, wenn es in der Beziehung - oder in anderen Bereichen - nicht stimmt. Probleme am Arbeitsplatz, Unzufriedenheit mit sich selbst, Stress mit den Kindern ... können schnell zu einer länger andauernden Flaute im Schlafzimmer führen.
Das liegt schlicht daran, dass der Mensch nicht nur aus Körper besteht (der zu funktionieren hat), sondern immer als ganzer Mensch gesehen werden muss. Seine Erwartungen, Vorlieben, seine soziale, familiäre, berufliche und wirtschaftliche Situation spielen erfahrungsgemäß eine wichtige Rolle, wenn es zu Problemen im Liebesleben kommt. Auch körperlich diagnostizierte Unregelmäßigkeiten oder Krankheiten fallen nicht einfach vom Himmel, sondern hängen mit unserem Leben als Ganzes zusammen, mit allem was wir tun oder auch unterlassen.
Insofern lohnt es sich auf jeden Fall - auch wenn Sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen - sich konkret Gedanken zu machen, womit Sie unzufrieden sind, und welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen, Ihr eigenes Leben zu verbessern. Der Augenmerk liegt auf Verbesserung, nicht gleich um das schnelle Realisieren des angestrebten Endzustandes - per Knopfdruck. Denn das braucht Zeit. Sehen wir uns ein verkürztes Beispiel an:
Bärbel und Peter lebten schon seit mehr als 15 Jahren zusammen. Ihre Beziehung steckte in einer Krise, beide hatten kaum Zeit füreinander und lebten nebeneinander her. Streits gab es zwar kaum, aber Sex ebenso und wenn, dann verlief "das Liebesspiel" für beide Seiten eher unbefriedigend. Die Kinder waren im Pubertätsalter und Peter beruflich stark eingebunden. Peter fiel in dieser Situation keine Möglichkeit ein, mehr Zeit für seine Familie zu finden, denn ihr Lebensstandard war gehoben, viele finanzielle Verpflichtungen hingen an seiner Arbeit. Bärbel führte regelmäßig Tagebuch und stellte eines Tages fest, dass sie im Grunde genommen eifersüchtig auf Peters Erfolg im Beruf war.
Das Problem – zu wenig Zeit füreinander war nicht der primäre Grund ihrer Unzufriedenheit. Ihr fiel ein, dass sie schon immer mal Zeichnungsseminare anbieten wollte. Doch dann kamen die Kinder dazwischen und später traute sie sich das nicht mehr zu. Sie überlegte sich, was sie konkret in die Wege leiten kann, um sich ihren Traum erfüllen zu können und stellte kurze Zeit später fest, dass sie wesentlich mehr Lebensfreude empfand, was sich positiv auf ihren Umgang mit den Kindern und Peter auswirkte.
Das Beispiel zeigt deutlich, wie wichtig es ist herauszufinden, welche Bedürfnisse (z.B. Erfolg) und welche Wünsche (z.B. Zeichnungsseminare zu geben) man sich schon lange erfüllen will. Das "Problem" liegt nicht nur im Bereich der Symptome (kein Sex oder kein Spaß mehr am Sex), sondern ist mit anderen Lebensbereichen verknüpft (z.B. dem eigenen Leben einen Sinn zu geben).
Doch die wichtigste Erkenntnis, die sich durchaus verallgemeinern lässt: Das Glück hängt nicht in erster Linie vom Partner, sondern von einem selbst ab. Aus solchen Abhängigkeiten herauszukommen, dürfte ein erster und wesentlicher Schritt sein. Deshalb wird es nichts nutzen die Partner zu wechseln, bis endlich der oder die "Richtige" kommt, denn man nimmt sich selbst überall hin mit.
Viel Erfolg im Erobern der genussvollen Liebe!
Wert 4.2 |
Thema: 4.3 | Information: 4 | Verständlichkeit: 4.4 |
| Stimmen: 8 | Legende: 5: super - bis 1: erträglich |
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